Leonid Iwanowitsch Kubbel

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Leonid Kubbel

Leonid Iwanowitsch Kubbel (russisch Леонид Иванович Куббель, ursprünglich Karl Arthur Leonid Kubbel; * 25. Dezember 1891jul./ 6. Januar 1892greg. in St. Petersburg; † 18. April 1942 in Leningrad) war ein russischer Schachkomponist.

Biographie[Bearbeiten]

Arwid Kubbel

Von Beruf war Leonid Kubbel Chemie-Ingenieur. Seine beiden Brüder befassten sich ebenfalls mit der Schachkomposition. Arwid Kubbel (* 12. November 1889 in St. Petersburg; † 11. Januar 1938 in Leningrad) publizierte etwa 500 Kompositionen der Böhmischen Schule, vorwiegend Dreizüger. Der jüngere Jewgeni Kubbel (* 23. Oktober 1894; † 1942) verfasste über 150 Aufgaben, vor allem Zweizüger. Leonid Kubbel und sein Bruder Jewgeni starben während der Leningrader Blockade und wurden mit weiteren Blockadeopfern in einem Massengrab beigesetzt.[1] Arwid wurde am 21. November 1937 verhaftet.[2] Die Verhaftung wurde geheim gehalten und später die Falschmeldung verbreitet, dass er in einem sibirischen Gulag an Nephritis gestorben sei. Tatsächlich wurde er erschossen, in der Tauwetter-Periode später rehabilitiert.

Die Vorfahren der Kubbels waren Deutsche.

Schachkomposition[Bearbeiten]

Kubbel komponierte etwa 2300 Schachaufgaben (vorwiegend Dreizüger) und mehr als 500 Studien. Über 500 Kompositionen erhielten Auszeichnungen, darunter waren 120 erste Preise. Kubbel leitete verschiedene Schachspalten und beeinflusste mit seinen Ansichten Entwicklungslinien in der Schachkomposition.

Seine erste Studie schuf er laut seinem Buch 150 Endspielstudien 13-jährig 1904.[3] Zu Beginn vertrat Kubbel Positionen der Altdeutschen und Böhmischen Schule, doch Ende der 1920er Jahre kam er zu dem Schluss, dass sich viele Kombinationen nicht künstlerisch mit Mustermatt darstellen lassen.[4]. Bis 1911 komponierte er vorwiegend Schachaufgaben. Löwenfisch hielt sie für „vollkommene künstlerische Erzeugnisse“. Es folgte eine Unterbrechung von drei Jahren, erst 1914 komponierte Kubbel erneut. Ab 1918 komponierte er nahezu ausschließlich Studien. Sie erschienen jedoch erst 1921 in „Listok Petrogubkommuny“. Kubbel beschäftigte sich mit Ideen der neudeutschen Schule. Löwenfisch lobte Aufbau, Ökonomie und Reinheit von Kubbels Studien, der nach Löwenfischs Meinung einen eigenen Stil entwickelt hatte.[5]

Leonid Kubbel
Schachmatny Listok 1922
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Weiß am Zug gewinnt




Auf den ersten Blick erscheint es unmöglich, angesichts des schwarzen Bauern auf a3 diese Partie mit Weiß zu gewinnen.

Lösung:

1. Sb8-c6! (droht Sc6-b4+ mit Blockade des a-Bauern)
1. − Kd5xc6 (falls 1.-a2 2.Sb4+ und Sxa2)
2. Lh4-f6 Kc6-d5
3. d2-d3 a3-a2
4. c2-c4+ Kd5-c5
5. Ka6-b7! a2-a1D (nach 5.-Kd6 oder Kb4 kann Weiß mit 6.Lxd4 den a-Bauern stoppen)
6. Lf6-e7 matt


Werke[Bearbeiten]

  • Kubbel, Leonid Iwanowitsch: O prawilnych i neprawilnych matach w troichchodowkach. Sadatschi i etjudy, Vol. 5, 1928
  • Kubbel, Leonid Iwanowitsch: O nowoj trjochchodowke. Sadatschi i etjudy, Vol. 6, 1929
  • Kubbel, Leonid Iwanowitsch: Moj twortscheski put., Schachmaty w SSSR, 1940, Heft 2

Literatur[Bearbeiten]

  • Baturin, Aleksandr Andrianowitsch; Kubbel, Olga Konstantinowna: Isbrannyje sadatschi L. I. Kubbelja. Fiskultura i sport, Moskau, 1958 (russisch)
  • Jakow Georgijewitsch Wladimirow; Juri Georgijewitsch Fokin: Leonid Kubbel. Fiskultura i sport, Moskau, 1984 (russisch)
  • Van Reek, Jan: 25 ausgewählte Endspielstudien von Leonid Kubbel, 1996 (niederländisch)
  • Whitworth, T. G.: Leonid Kubbel’s Chess Endgame Studies, Cambridge 1984. Revised Edition 2004 (englisch)

Einzelnachweise und Quellen[Bearbeiten]

  1. Anmerkung von John Roycroft nach Angaben von Alexander Sarychew zu: Alexander Herbstman: Memories of famous composers. In: eg 65. S. 433
  2. Liste der Opfer des politischen Terrors in der UdSSR (russisch)
  3. Eine der Angaben ist jedoch offensichtlich inkorrekt (siehe Geburtsdatum).
  4. Wladimirow, Jakow Georgijewitsch: Mnogochodowyje sadatschi. Anthologie der Schachkomposition Russlands des 19. und 20. Jahrhunderts, Teil III, Moskau, 2008, S. 159, ISBN 978-966-8419-47-8 (russisch)
  5. Vorwort von Grigori Löwenfisch, in: K. A. L. Kubbel: 150 Schachmatnych etjudow – 150 Endspielstudien. Leningrad, 1925. S. 9 - 13