Leonore Goldschmidt

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Leonore Goldschmidt (* 16. November 1897 in Gosda/Lausitz; † 7. März 1983 in London) war eine deutsche Pädagogin.

Biografie[Bearbeiten]

Berliner Gedenktafel am Haus Hohenzollerndamm 110a, in Berlin-Schmargendorf

Leonore Tacke wuchs als Tochter eines Dampfziegeleibesitzers in einem Dorf in der Lausitz auf. 1916 machte sie am Grunewald-Gymnasium, dem heutigen Walther-Rathenau-Gymnasium, in Berlin-Grunewald ihr Abitur.

Von 1916 bis 1921 studierte sie Englisch, Geschichte und Germanistik in Jena und Berlin. 1921 promovierte sie an der Universität Heidelberg. 1923 heiratete sie den Anwalt Ernst Goldschmidt.

Sie arbeitete als Lehrerin 1922 an der Cecilien-Schule in Berlin-Wilmersdorf und ab 1925 am Sophie-Charlotte-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg.

Im April 1933 wurde das Gesetz zur Wiederherstellung des Rechts zum Berufsbeamtententums erlassen. Das erlaubte politisch missliebige Beamte, vor allem aber Juden, einfach aus den Staatsdienst zu entfernen. Leonore Goldschmidt erhielt die schriftliche Mitteilung ihrer Versetzung in den Ruhestand.

Gründung einer Privatschule[Bearbeiten]

Mit ihrem Mann fand sie eine Lücke in nationalsozialistischen Schulsystem: Jeder jüdische Lehrer durfte 5 „nichtarische“ Kinder unterrichten. Sie schloss sich mit anderen jüdischen Lehrerkollegen zusammen und konnte - nach mehreren Absagen des Amtes - eine private Schule eröffnen. Es entstand am 1. Mai 1935 ihre eigene Schule in Berlin-Grunewald in der Kronberger Straße 24. Sie finanzierte dieses Projekt durch eine Erbschaft von ihrem 1934 ermordeten Cousin Alexander Zweig.

Von den jüdischen Schülern wurde diese Schule auch "Oase" genannt, da die Kinder hier nicht den üblichen Ausgrenzungen und Repressionen ausgesetzt waren.

Als sich die politische Lage verschlimmerte, begann sie die Kinder auf ein Leben im Exil vorzubereiten. Sie organisierte mit Hilfe der britischen Botschaft einen britischen Lehrer - Philip Woolley - für einen englischen Sprachunterricht. Der Englischunterricht begann 1936. Unterstützung für dieses Projekt erhielt sie durch ihren ehemaligen Professor Walter Hübner, der inzwischen für das Reichserziehungsministerium arbeitete. Die Private Jüdische Schule Dr. Leonore Goldschmidt erhielt 1936 die offizielle Abiturlizenz und konnte 1937 den Status eines Examination Centre of the University of Cambridge erlangen. Der bilinguale Schulabschluss ermöglichte den Schülern den Zugang zu den englischsprachigen Universitäten in Europa und Nordamerika und erleichterte ihnen damit die Emigration. 1937 zählte die Schule 520 Schüler und 40 Lehrer.

In der Pogromnacht 1938 blieb die Schule verschont, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis auch Schüler und Schule ins Visier der Nazis gerieten. Ihr Mann erhielt eine Warnung einer bevorstehenden Verhaftung. Es gelang ihm aber, mit Hilfe der britischen Botschaft und einem gültigen Visum nach England zu entkommen. Sie selbst ging zur britischen Botschaft und gab an, die Schule für 10 Reichsmark an Philip Woolley verkaufen zu wollen. Der Beamte bezweifelte zwar die Legalität dieser Transaktion, fertigte aber die entsprechenden Papiere aus. Aufgrund dieser Papiere konnte die Schule gerettet werden, da sie jetzt in ausländischem Besitz war.

Emigration[Bearbeiten]

Ein Land zu finden, das Juden aufnahm, war schwierig. Zusammen mit ihrem Ehemann versuchte Leonore Goldschmidt, eine Filiale der Goldschmidt-Schule in England zu eröffnen. Sie bat die britische Regierung, die Evakuierung der Kinder nach England zu finanzieren, die aber zu diesem Zeitpunkt keine akute Gefahr für das Leben der Kinder sehen wollte. Nach den Novemberpogromen durften die Kinder ohne Begleitung von Angehörigen mit dem Kindertransport ab Bremerhaven in England einreisen. Sie selbst verließ Deutschland im Juni 1939 und kehrte nie dorthin zurück. Bis zum Mai 1940 führte sie im englischen Folkestone ihre Schule weiter.

Bis 1968 arbeitete sie als Lehrerin an verschiedenen privaten und öffentlichen Schulen in England. Nach ihrer Pensionierung studierte sie die russische Sprache und lebte bis zu ihrem Tod 1983 in London.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Schönfeld: Gedenktafeln in West-Berlin. Herausgeber: Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V., 1993.
  • Holger Hübner: Das Gedächtnis der Stadt. Argon Verlag GmbH, Berlin, 1997, ISBN 3-87024-379-1

Weblinks[Bearbeiten]