Leopold Godowsky

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Leopold Godowsky, Porträt von Jan Ciągliński (1911)
Godowsky-Chopin, 3. Studie über die Etüde op. 25, Nr. 1 – Godowskys „erlesenste Bearbeitung“ (Marc-André Hamelin)

Leopold Godowsky, * 13. Februar 1870 in Žasliai, jetzt Rajongemeinde Kaišiadorys, als Sohn der jüdischen Eltern Anna und Maciej Godowsky; † 21. November 1938 in New York, USA, war ein polnisch-amerikanischer Komponist und Pianist.

Leben[Bearbeiten]

Anfänge einer Karriere[Bearbeiten]

Godowsky hat in seiner Laufbahn als Komponist und als Pianist als Wunderkind begonnen. Bereits im Alter von 3 Jahren zeigten sich musikalische Interessen und Talente.[1] Im Alter von 7 Jahren entstanden erste Kompositionen; und im Alter von 9 Jahren – in Wilna – trat Godowsky erstmals als Pianist vor Publikum auf. Sein Lehrer im Klavierspiel scheint bis dahin ein Ernst Friedrich gewesen zu sein.[2]

Zum Wintersemester 1883/84, im Alter von knapp 14 Jahren, wurde Godowsky an der Akademischen Hochschule für Musik in Berlin als Student aufgenommen. Die Klavierabteilung wurde von Ernst Rudorff geleitet. Zum Anlass der Aufnahmeprüfung bot Godowsky an, das Scherzo in b-Moll op.31 von Chopin zu spielen. Rudorff lehnte dies als "Salonmusik" ab. Er wollte stattdessen inhaltsreiche Musik hören. Als Rudorff dann nach Italien verreiste, wurde Godowsky dem Unterricht eines Schultze, eines Assistenten von Rudorff, zugeteilt. In dem Unterricht bei Schultze spielte Godowsky von Joh. Seb. Bach die Französischen Suiten vor. Dabei gewann er den Eindruck, dass Schultze ihm in keiner Art mit Ratschlägen behilflich sein konnte. Schließlich kehrte Rudorff aus Italien zurück. Es gab neue Meinungsverschiedenheiten wegen Chopin, dem Rudorff keinen höheren Rang als den von Cecile Chaminade zubilligen wollte.[3]

Nach einem Aufenthalt an der Akademischen Hochschule von ungefähr 3 Monaten brach Godowsky den Unterricht ab. 1884 schloss er sich einer Konzertgesellschaft für eine Tournee in den Vereinigten Staaten von Amerika an. In den Vereinigten Staaten gab er Konzerte mit Clara Louise Kellogg[4] und Emma Thursby[5]. Auch trat er einige Male im Casino in New York in Orchesterkonzerten auf. Schließlich unternahm er zusammen mit dem belgischen Geiger Ovide Musin eine Tournee durch die Vereinigten Staaten und durch Kanada.[1]

Camille Saint-Saens

Im Jahr 1886 kehrte Godowsky nach Europa zurück. Es war seine Absicht gewesen, in Weimar bei Franz Liszt zu studieren.[1] Nachdem Liszt am 31. Juli 1886 gestorben war, kam Godowsky aber zu spät. Er wurde 1887 Camille Saint-Saens vorgestellt. Saint-Saens, der Godowsky beim Vortrag eigener Kompositionen hörte und dabei eine starke Zuneigung fasste, sagte zu, in Paris die weitere Ausbildung des jungen Virtuosen zu übernehmen.[1] Godowsky lebte bis zum Sommer 1890 in Paris. In Bezug auf seine Ausbildung blieb er weitgehend auf sich selbst gestellt, weil Saint-Saens häufig auf Reisen abwesend war. Im Herbst 1890 kehrte Godowsky nach New York zurück. Dort heiratete er am 30. April 1891 Frieda Saxe. Bei dieser Gelegenheit nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Zusammen mit seiner Frau unternahm er eine Hochzeitsreise nach Europa.[1] Danach kehrte er wieder nach Amerika zurück. Nach sehr erfolgreichen Konzerten wurde er 1894 in Philadelphia in leitender Position an der Klavierabteilung des Konservatoriums an der Broad Street angestellt. Seit 1895 leitete er die Klavierabteilung eines Konservatoriums in Chicago.[6]

Debüt in Berlin, als Professor in Wien, Tourneen[Bearbeiten]

Im Jahr 1900 fasste Godowsky den Entschluss, eine europäische Karriere zu beginnen. Nach einem glänzenden Debüt am 6. Dezember 1900 in Berlin ließ er sich dort als Hauptwohnsitz nieder. Es folgten erfolgreiche Tourneen durch Deutschland, die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie und Russland.[1] 1909 wurde er als Nachfolger Ferruccio Busonis und Emil Sauers als Direktor der Klavierabteilung der k.k. Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien angestellt.[7] Von November 1912 bis April 1913 und von Dezember 1913 bis März 1914 gab er wieder Konzerte in den Vereinigten Staaten von Amerika.[8] Diese Phase von Godowskys Biographie fand im August 1914 mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein Ende. Godowsky hielt sich im Moment in Middelkerke in der Nähe von Ostende in Belgien auf. Zusammen mit seiner Familie – seine Frau und die beiden Töchter Vanita und Dagmar sowie die Söhne Leopold Junior[9] und Gordon[10] – floh er zuerst nach London. Von dort begab er sich in die Vereinigten Staaten, wo er bis zum Ende seiner Lebens seinen festen Wohnsitz hatte.[8] Dabei hatte er eine umfangreiche musikalische Bibliothek, eine Sammlung von autographen Bildern und zahlreiche Erinnerungsstücke in Wien zurückgelassen.[11]

Nach dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Bis zum Ende der 1920er Jahre befasste Godowsky sich vor allem mit seinen Kompositionen und mit Konzertauftritten als Pianist. In den Vereinigten Staaten gab er 1922 ein letztes Konzert.[12] Er unternahm aber auch weiterhin Tourneen, die ihn nach Zentral- und Südamerika, in Europa bis nach Konstantinopel und in den fernen Osten bis nach Java führten.

Seit den 1920er Jahren hatte Godowsky mit privaten Problemen zu kämpfen. Hierzu gehörte seit 1924 eine schwere Krankheit seiner Frau Frieda. Seit 1928 kamen starke Spannungen mit dem Sohn Gordon hinzu.[13] Dazu kamen noch finanzielle Probleme, die sich im Zusammenhang mit dem Börsen-Krach vom 24. Oktober 1929 ergaben.[14] Um sich in dieser Hinsicht zu sanieren, wollte Godowsky neue Konzertreisen unternehmen. Schon bald kam es aber zu einer neuen Katastrophe.

Leopold Godowsky in seinen letzten Jahren. Aufnahme von Carl Van Vechten (1935)

Im Frühjahr 1930 reiste Godowsky zusammen mit seiner Frau nach Dresden, um dort den gemeinsamen 39. Hochzeitstag zu verbringen. In Dresden erhielt er telegraphisch ein Angebot, in einem Tonstudio in London Chopins sämtliche Etüden und die Scherzi aufzunehmen.[15] Er nahm das Angebot auch an, brach aber am 17. Juni 1930 – wenige Stunden nach der Aufnahme von Chopins 4. Scherzo op. 54 – bei einem Schlaganfall mit teilweiser Lähmung zusammen.

Godowsky erholte sich zwar von dem Schlaganfall; im Dezember 1932 folgte aber der Selbstmord seines Sohnes Gordon und 1933 der Tod seiner Frau.[16] Danach wohnte Godowsky zusammen mit seiner Tochter Dagmar in einer Wohnung in New York. Er hatte seit seinem Zusammenbruch das öffentliche Spielen aufgegeben, ließ sich aber gelegentlich bei Besuchen von Freunden mit seinem Klavierspiel hören. In welchem Umfang er noch komponierte, lässt sich nicht in Einzelheiten erkennen.[17] Ein Beleg dafür, dass er überhaupt noch Noten schrieb, ist ein Heft mit leichten Bearbeitungen von Melodien Bizets aus der Oper Carmen. In dem von Godowsky verfassten Vorwort ist der März 1936 als Datum angegeben. Am 21. November 1938 ist Godowsky in New York an den Folgen eines schweren Magenleidens gestorben.[18]

Werke[Bearbeiten]

Godowsky hat fast ausschließlich Klaviermusik komponiert. Charakteristisch dabei, dass es neben Klavierwerken für 2 Hände eine ungewöhnlich große Zahl von Stücken gibt, die mit der linken Hand alleine zu spielen sind. Neben den Klavierwerken liegen von Godowsky auch einige Werke in anderen Besetzungen vor. Dazu gehören u. a. Lieder und "Impressionen" für Violine bzw. Violoncello und Klavier. Wegen ihrer sehr geringen Zahl können diese Werke aber als Ausnahme außer Acht gelassen werden. Sie sind auch praktisch unbekannt und tragen zu dem Ansehen Godowskys heute nichts mehr bei.

Erste Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Godowskys öffentliche Karriere als Komponist begann in der Hauptsache im Jahr 1899. Aufgeteilt auf die beiden amerikanischen Verlage Schirmer und Schmidt erschienen in diesem Jahr Klavierstücke mit Opus-Zahlen 11–16. Bei Schmidt erschienen daneben noch ein Arrangement von Chopins Rondo op.16, ein Arrangement von Chopins Walzer op.18, in dem der originale Walzer um ergänzende Stimmen und andere Zutaten erweitert ist, und in ähnlicher Art ein Arrangement der Etüde "Si oiseau j'etais" op.2,6 von Adolf Henselt. Bei Schirmer erschienen noch 10 Studien über Etüden von Chopin.

Die Opus-Zahlen 1–10 sind unbesetzt geblieben; und weitere Werke Godowskys mit Opus-Zahlen gibt es nicht. Dem Verfahren mag insoweit der Gedanke zugrundegelegen haben, dass Godowsky bei einem Alter von knapp 30 Jahren dem Publikum nicht als Anfänger entgegentreten wollte, sondern als fertiger Komponist, der bereits eine ansehnliche Reihe veröffentlichter Werke vorzuweisen hatte. Dabei lagen einige der unter den Opus-Zahlen 11–16 zusammengefassten Stücke bereits 1889 als "Twilight Thoughts" in einem Privatdruck in Paris vor.[19] Den bei Schirmer erschienenen 10 Studien über die Etüden von Chopin war in einem anderen amerikanischen Verlag, dem Verlag Kleber in Pittsburg, im Dezember 1894 mit Widmung an Saint-Saens eine Ausgabe der Studie über die Etüde op.25,6 vorausgegangen.[20]

In seinen Werken 11–16 zeigte Godowsky sich wirklich als fertiger Komponist, und zwar als Komponist einer mit großer Sorgfalt ausgearbeiteten anspruchsvollen Salon-Musik ohne Sentimentalitäten, die an den französischen Neoklassizismus als Vorbild denken lässt. Mit den Stücken Sarabande, Menuet und Courante seines op.12 hat Godowsky auch an historische Muster angeknüpft. Einige der in den Inhaltsverzeichnissen auf den Titelseiten dieser Opera genannten Stücke, darunter eine als op.14,2 vorgesehene "Mazurka melancolique" und eine als op.16,3 vorgesehen "Rêverie russe" sind unveröffentlicht geblieben. Sie hatten bereits in der Zeit der "Twilight Thoughts" existiert, dann aber später wohl der eigenen Selbstkritik Godowskys nicht mehr standgehalten.

Berlin und Wien[Bearbeiten]

Nach seinem Debüt im Dezember 1900 in Berlin setzte Godowsky das Projekt seiner Studien über die Etüden von Chopin bis 1914 fort. Seit 1903 hatte in Berlin der Verlag Schlesinger das Projekt übernommen. In Auflistungen von 1903 und 1909 wurde angekündigt, welche Stücke noch zu erwarten waren. Es sollte ein Zyklus von 50 Stücken werden. Zwischenzeitlich war ein Zyklus von 56 Stücken geplant. Das Projekt wurde 1914 mit einer Gesamtzahl von 53 Stücken abgeschlossen, obwohl ungefähr ein halbes Dutzend der früher angekündigten Stücke, darunter eine Bearbeitung der originalen Etüde op. 25,7 und eine Bearbeitung als Kombination der drei Etüden op.10,2, op. 25,4 und op.25,11, entweder nie entstanden oder aus anderen Gründen unveröffentlicht geblieben ist.[21]

Godowsky-Chopin, Studie für die linke Hand alleine über die Etüde op.10,3[22]

In seinen Studien über die Etüden von Chopin hat Godowsky die originalen Etüden als Grundlage für eigene Klavierstücke von z. T. extremer Schwierigkeit genommen. 22 der originalen Etüden sind so arrangiert, dass man sie in wesentlichen Teilen mit der linken Hand alleine spielen kann. In zwei Stücken hat Godowsky jeweils zwei der originalen Etüden kombiniert. Mit geeigneten Modifikationen spielt die eine Hand den klaviertechnisch anspruchsvollen Part der einen und die andere Hand den klaviertechnisch anspruchsvollen Part der anderen Etüde. Daneben gibt es noch weitere Typen von Studien. So hat Godowsky in mehreren Fällen die originale Etüde der linken Hand zugeteilt und dazu für die rechte Hand einen frei gestalteten eigenen Part ergänzt, der z. T. eine von Godowsky erfundene zusätzliche Melodie enthält. Aus Chopins Etüde op.25,2, einer Etüde mit brillanten Läufen, ist dadurch z. B. ein Walzer geworden. In den meisten seiner Studien hat Godowsky auch die Harmonien der originalen Etüden durch veränderte Harmonien ersetzt. Als Ergebnis sind Klavierstücke entstanden, die mitunter kaum noch wie Werke Chopins, sondern vielmehr wie eigene Werke Godowskys klingen.

Der Zyklus der Studien über die Etüden von Chopin ist unvollständig geblieben. Das Gleiche gilt für den zwischen 1906 und 1909 in vier Heften veröffentlichten Zyklus "Renaissance" mit Bearbeitungen von Stücken größtenteils französischer Komponisten des 17. und des 18. Jahrhunderts. Der Zyklus sollte eine Gesamtzahl von 24 Stücken enthalten, von denen nur 16 erschienen sind.[23] Für eine Erklärung des Abbruchs wird man daran denken, dass Godowsky 1909 von Berlin nach Wien umgezogen ist. In Wien zog er es vor, sich mit solchen Projekten zu befassen, mit denen er dort auf Anerkennung hoffen konnte. Dementsprechend erschienen 1912 die "Walzermasken" und die Paraphrasen "Künstlerleben", "Fledermaus" und "Wein, Weib und Gesang" nach Walzern von Johann Strauß. 1911 war auch eine Sonate in e-Moll erschienen, also ein Werk in einer Gattung, die in der Klassik gerade in Wien zu höchstem Ansehen gekommen war.

"Educational Adaptions"[Bearbeiten]

Nachdem Godowsky sich nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in den Vereinigten Staaten niedergelassen hatte, war sein Gehalt als Professor in Wien weggefallen. Auf unabsehbare Zeit musste er auch auf Konzertreisen in seinem gewohnten Terrain in Europa verzichten. Damit mag es zusammenhängen, dass er nun mit einem für sein Ansehen ganz untypischen Projekt beschäftigt war. Er war teils als Bearbeiter, teils als Herausgeber an "Educational Adaptions" und an "Progressive Series Compositions" beteiligt.

Die "Educational Adaptions" enthielten sehr leichte Bearbeitungen volkstümlicher Melodien und Tänze aus verschiedenen europäischen Ländern, von Melodien aus Opern und von Stücken des sinfonischen, geistlichen und kammermusikalischen Repertoires. Es wurden außerdem sehr schlicht gesetzte Bearbeitungen von Liedern Schuberts und anderer Komponisten geboten.

Die Hefte der "Progressive Series Compositions" waren instruktive Ausgaben von Klavierstücken für fortgeschrittene Amateure.[24] Jedes Heft enthielt ein Vorwort mit einer skizzierten Biographie des jeweiligen Komponisten sowie eine ausführliche musikalische Analyse. Bei einer nach Begriffen der Zeit vorbildlichen Ausstattung wurden die beiden Serien bis in die 1930er Jahre hinein fortgesetzt. Sie mögen Bestandteil von Godowskys Bemühen um einen regelmäßigen Lebensunterhalt gewesen sein.

Triakontameron[Bearbeiten]

In den Jahren 1919 und 1920 entstanden die 30 „Stimmungen und Bilder im Dreivierteltakt“ des Triakontameron. Der letzte Satz des Zyklus' ist Requiem (1914–1918):Epilogue überschrieben. Er endet mit einer Paraphrase des Star Spangled Banner, der amerikanischen Hymne. Als Star Spangled Banner wurde dieser Schlussteil auch als separates Einzelstück veröffentlicht.

Werke der 1920er Jahre[Bearbeiten]

In den 1920er Jahren entstanden neue Bearbeitungen, daneben aber auch in großer Zahl originale Kompositionen. Zu den Bearbeitungen gehört ein Heft mit 12 Stücken über Lieder Franz Schuberts.[25] Godowsky hat die originalen Melodien beibehalten, sich aber z. T. starke Veränderungen der Harmonien und der begleitenden Figuration erlaubt. Als weiteres Beispiel für die Bearbeitungen der 1920er Jahre ist an die drei Sonaten für unbegleitete Violine und die drei Suiten für unbegleitetes Cello von Joh. Seb. Bach zu denken. Mit üppigen Zutaten hat Godowsky die Stücke zu Klavierwerken umgestaltet.

Zu den Originalwerken der 1920er Jahre gehört eine umfangreiche Passacaglia mit Fuge über ein Thema aus der Unvollendeten Sinfonie in h-Moll von Schubert.[26] Das Stück wird sehr selten gespielt, obwohl es wegen der anspruchsvollen Form als Hauptwerk anzusehen ist. In den Jahren 1924 und 1925 entstandenen 12 Stücken des "Phonorama"[27] der Java-Suite hat Godowsky eine harmonische Sprache entwickelt, die als seine persönliche Art eines Impressionismus gelten kann. Bei einem dissonanzreichen Satz kommt es mehr auf das Kolorit als auf den Spannungsgehalt der Akkorde an. Auch in anderen Werken der 1920er Jahre, darunter "Poems" für 2 Hände und "Waltz-Poems" für die linke Hand alleine, hat Godowsky sich von der spätromantischen Harmonik deutlich entfernt. Zu den bemerkenswerten Originalwerken der 1920er Jahre gehören noch ein Präludium mit Fuge über das Thema BACH und eine Suite in D-Dur, beides Werke für die linke Hand alleine.

Würdigung[Bearbeiten]

Godowsky ist immer ein Komponist gewesen, um dessen Werke sich nur wenige Pianisten bemühen. Von den Zeitgenossen wurde ihm vorgeworfen, dass er sich bei einem Mangel an Gefühlen vorwiegend für eine Erweiterung der Technik interessiert und seine typischen Werke überladen sind. Dazu nahm Godowsky den Standpunkt ein, der breiten Masse der Pianisten fehle es an Bereitschaft, die mit dem Studium seiner Werke verbundene geistige und physische Anstrengung auf sich zu nehmen. Es sei übrigens gar nicht seine Absicht gewesen, mit seinen Werken an dem normalen Konzertbetrieb beteiligt zu sein. Auch aus seiner Sicht seien Gefühle in der Musik besonders wichtig. Er habe dementsprechend nie eine Note geschrieben, ohne sie gefühlt zu haben.[28]

Mag die Frage der Gefühle offen bleiben, so fällt der Versuch einer Einordnung Godowskys in die Musikgeschichte auf jeden Fall widersprüchlich aus. Es ist anzuerkennen, dass Godowsky seine Werke bei großem satztechnischen Können in allen Einzelheiten sorgfältig ausgearbeitet hat. Dabei hat er sich an Tendenzen orientiert, die es in der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg auch bei anderen Komponisten gab. Bei einer stark ausgeprägten Neigung zum Kontrapunkt kann er z. B. mit Max Reger verglichen werden. Mit seiner Passacaglia mit Fuge über ein Thema von Schubert hätte er ein spätes Seitenstück zu Regers Variationen mit Fuge op.81 über ein Thema von Bach vorgelegt.

Nach dem Ersten Weltkrieg hat Godowsky sich von aktuellen Entwicklungen abgekoppelt. An der Musik von Strawinsky, Varèse und dem Kreis um Schönberg konnte er kein Interesse finden.[29] Mit vielen seiner Bearbeitungen hat er auch gegen Regeln verstoßen, wie sie sich seit dem frühen 20. Jahrhundert z. B. im Zusammenhang mit der Urtext-Bewegung sowie einem Interesse an Stilen einer historischen Aufführungspraxis durchgesetzt haben. Dabei wird u. a. vorausgesetzt, dass ein Bearbeiter die von ihm gewählten Originale möglichst getreu zu respektieren hat. Im Vorwort seiner Studien über die Etüden von Chopin versichert Godowsky auch, er habe die originalen Etüden unangetastet gelassen. Nach seiner Überzeugung würden aber einige der verborgenen Schönheiten dieser Etüden erst in seinen Studien zum Vorschein kommen. Wird dies ernst genommen, hätte Godowsky in der Tat den Anspruch erhoben, die Etüden Chopins wenigstens teilweise verbessert zu haben.

Mit den klaviertechnisch besonders anspruchsvollen Werken Godowskys verbindet sich noch ein anderes Problem, wenn man ihn z. B. mit Liszt vergleicht. Liszt hat seine Konzertstücke so konzipiert, dass ein Spieler bei geringstmöglicher Anstrengung einen maximalen Erfolg beim Publikum erzielen kann. Dagegen sieht es bei Godowsky umgekehrt aus. Nach seinem Selbstverständnis lehnte er es ab, als Virtuose zu gelten.[30] In seinen typischen Werken ist das mit dem Umstand verbunden, dass ein Publikum von der z. T. horrenden Anstrengung, die der Spieler zu bewältigen hat, kaum etwas bemerken kann. Um hier ein Beispiel zu nennen, hat Godowsky in der ersten der beiden Bearbeitungen der Etüde op.10,2 von Chopin den Part der rechten Hand der originalen Etüde in einer Umkehrung der linken Hand zugewiesen und die rechte Hand unbeschäftigt gelassen. Die linke Hand hat mit den schwächsten Fingern die chromatischen Passagen als Unterstimme und dazu mit den stärkeren Fingern Akkordgriffe zu spielen. Das ist in solchem Maß unbequem, dass bereits beim Üben die Gefahr von gefährlichen Verspannungen droht.[31] Hat ein Spieler das Problem aber gelöst, sind aus Sicht des Publikums nur brillante Passagen und eine Oberstimmenmelodie zu hören. Die damit verbundene Schwierigkeit bleibt verborgen und ist allenfalls Kennern bewusst.

Der Fortgang des Konzertlebens, wie es sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat, scheint auch eine eindeutige Sprache zu sprechen. Um das Ansehen eines überragenden Konzertpianisten zu erwerben, reicht das traditionelle Repertoire vollständig aus. Wenn es heute zu so etwas wie einer Wiederentdeckung Godowskys gekommen ist, liegt das in erster Linie daran, dass es Pianisten gibt, die sich mit einem neuen Repertoire von Kollegen absetzen wollen. Bei dieser Zielsetzung hätte es nahe gelegen, das Repertoire um Stücke zu erweitern, deren Stil für den Fortgang der Musikgeschichte nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg charakteristisch ist, die also in diesem Sinn progressiver sind als das traditionelle Repertoire.[32] Man geht dann allerdings das Risiko ein, beim Publikum mit ungewohnten Klängen keine Resonanz zu finden.

So zieht man es vor, sich an Godowsky zu halten, dessen verbindlichere Tonsprache einen Erfolg beim Publikum garantiert.[33] Dabei konzentriert man sich vornehmlich auf solche Stücke, die in dem Ansehen besonderer Schwierigkeit stehen. Dadurch sind insbesondere die Studien über die Etüden von Chopin wieder aktuell geworden.

Bei alledem ist zu bezweifeln, dass es zu einer Neubelebung von Godowskys Gesamtwerk kommen wird. Seine Bearbeitungen z. B. von dem Tango aus der Suite Espania op.165 von Albéniz, von dem Schwan aus dem Karneval der Tiere von Saint-Saens oder von Stücken aus der Suite L'Arlésienne von Bizet wirken heute wie abgesunkenes Kulturgut reichlich verstaubt. Seinen anspruchsvollen Werken dagegen, der Sonate in e-Moll und der Passacaglia nach Schubert, fehlt es an Anerkennung als Meisterwerke und an Unterhaltungswert. Für den regelmäßigen Konzertbetrieb kommen sie deshalb ebenfalls nicht in Betracht.

Im Ergebnis steht Godowsky in dem Ansehen eines phänomenalen Virtuosen, der in seinen Studien über die Etüden von Chopin und in seinen Paraphrasen nach Walzern von Johann Strauß den letztmöglichen technischen Fortschritt demonstriert und für chromatische Passagen in Terzen einen neuen Fingersatz erfunden hat.[34] Mag man es grundsätzlich bedauern, dass Godowsky als ehrgeiziger Komponist, der er zweifellos war, insoweit ins Abseits geraten ist, wird kaum zu erwarten sein, dass es in dieser Hinsicht zu einer Änderung kommt.

Aufnahmen[Bearbeiten]

Aus der Zeit der Jahre 1907–1930 liegen mehr als 200 Klavierrollen und daneben noch akustische Aufnahmen für Schallplatte vor, in denen Godowskys Klavierspiel in Tondokumenten überliefert ist.[35] Für Schallplatte hat Godowsky die Sonate Les Adieux op.81a von Beethoven, die Etüden op.25, 1–3, das Scherzo op.54 und die beiden letzten Sätze der Sonate in b-Moll op.35 von Chopin, die Ballade op.24 von Grieg, Schumanns Carnaval, von Liszt die Etüden La leggierezza und La campanella, die Rigoletto-Paraphrase und die Transkription von Chopins Lied "Meine Freuden", Debussys Clair de lune aus der Suite bergamasque, Tschaikowskys Barcarolle op.37,6 und Rubinsteins Melodie in F-Dur op.3,1 aufgenommen. Von Godowskys eigenen Werken ist eine akustische Aufnahme nur von dem Stück The Garden of Buitenzorg aus dem "Phonorama" der Java-Suite bekannt.[36] Godowsky hat aber viele seiner eigenen Werke als Klavierrollen aufgenommen.[37]

Bei Klavierrollen gab es Möglichkeiten zur nachträglichen Korrektur. Sie sind deshalb nur eingeschränkt als historische Dokumente zu gebrauchen. In der Zeit Godowskys mussten dagegen akustische Aufnahmen in einem Stück aufgenommen werden. In weit strikterem Sinn noch als selbst in einem Konzert durften dabei keine Fehler passieren. Dies mag ein Grund dafür gewesen sein, dass Godowsky sich im Tonstudio besonders unbequem und unfrei fühlte. In seinem Bestreben nach Perfektion fühlte er sich im Studio, aber auch im Konzert, einem starken seelischen Druck ausgesetzt.[38] Er mag im Studio, aber auch im Konzert, insoweit anders gespielt haben als privat in dem Kreis von Freunden.[39] Wird von dieser Einschränkung abgesehen, lassen die akustischen Aufnahmen keinen Zweifel daran, dass Godowsky in seiner Zeit ein hervorragender Pianist gewesen ist. Als solcher wurde er von befreundeten Virtuosen, darunter J. Hofmann und S. Rachmaninoff, auch anerkannt.[40]

Literatur[Bearbeiten]

  • Steve Donald Jones: Essay on Leopold Godowsky's 53 Studien über die Etüden von Chopin, Phil. Diss., University of Iowa 1978.
  • Igor Kirpnis, Marc-André Roberge: Godowsky, Leopold, Artikel in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Zweite, neubearbeitete Ausgabe, Personenteil Band 7, Sp. 1183 f.
  • Donald Manildi: Guides to Godowsky, in: Piano & Keyboard, Januar-Februar 1998, S. 40 f.
  • Richard McCandless Gipson: The Life of Emma Thursby, 1845-1931, New York 1940.
  • Jeremy Nicholas: Godowsky, the Pianists' Pianist, A Biography of Leopold Godowsky, Hexham 1989, ISBN 1-870295-01-3.
  • Ders.: Godowsky : ein Pianist für Pianisten; eine Biografie Leopold Godowskys, Düsseldorf : Staccato-Verl., 2012, ISBN 978-3-932976-50-6.
  • Leonard S. Saxe: The published music of Leopold Godowsky, in: Music Library Association Notes, Second Series, Vol. XIV, No. 2, März 1957, S. 165 ff.
  • Emerson Withorne: Biographical Sketch, in: Godowsky, Leopold: A Night in Spring (Frühlingsnacht), Progressive Series Compositions Catalog No. 1208, Art Publication Society, St. Louis, 1915, S. 1 ff.
  • Artis Woodhouse: Godowsky comes of age, in: Piano & Keyboard, Juli – August 1997, S. 31 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leopold Godowsky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Whithorne: Biographical Sketch, S. 1.
  2. Der Name Ernst Friedrichs als erster Lehrer Godowskys wurde von: Jones: Essay, S. 11, übernommen.
  3. Nicholas: Pianists' Pianist, S. 16.
  4. Clara Louise Kellogg (1842 – 1916) war eine amerikanische Sängerin.
  5. Zur Person vgl.: McCandless Gipson: The Life of Emma Thursby, 1845-1931.
  6. Vgl.: Saxe: Published Works, S. 165.
  7. Die Stelle war ursprünglich für Emil Sauer eingerichtet worden. Auf Sauer folgte Busoni, der aber wegen starker Spannungen mit der Leitung des Konservatoriums 1909 entlassen wurde. Darauf wurde die Stelle Godowsky übertragen.
  8. a b Whithorne: Biographical Sketch, S. 2.
  9. Als Hobby unternahm Leopold Junior, zusammen mit seinem Freund Leopold Mannes, Experimente zur Verbesserung von Fotoplatten. Die Experimente wurden schließlich von der Firma Eastman-Kodak unterstützt; vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 104. Nach dem erfolgreichen Ausgang ihrer Experimente wurden die beiden Hobby-Forscher 1935 mit einer Abfindung in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags entschädigt. Leopold Junior war mit einer Schwester George Gershwins verheiratet.
  10. Gordon, geb. 1906, hatte nach seiner Geburt den Namen "Gutram" erhalten. Der Name wurde später als "Gordon" amerikanisiert; vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 56.
  11. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 87.
  12. Vgl.: Saxe: Published Works, S. 166.
  13. Gordon hatte zum Silvester 1926 die Tänzerin Yvonne Hughes kennengelernt. Gegen starke Widerstände seines Vaters wurde sie 1928 seine Frau. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 134 und 148.
  14. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 138.
  15. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 146.
  16. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 151.
  17. Es erschienen auch weiterhin Werke Godowskys im Druck. Wann genau die Werke entstanden sind, muss im Einzelfall allerdings erst noch ermittelt werden. Die für die linke Hand alleine gesetzten "Symphonischen Metamorphosen über den Schatz-Walzer" – um ein Beispiel zu nennen – wurden 1941 von Godowskys Schwiegersohn David Saperton herausgegeben. Das Stück war aber bereits im Frühjahr 1928 in Wien entstanden; vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 135.
  18. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 161.
  19. Vgl.: Saxe: Published Works, S. 168 f.
  20. Vgl.: Saxe: Published Works, S. 173. Nach: Saxe: Published Works, S. 165, hat William Mason den Verlag Schirmer zur Übernahme der Chopin-Studien überredet.
  21. Zu den weiteren Einzelheiten vgl.: Jones: Essay, S. 29 f.
  22. Neben der Transposition von E-Dur nach Des-Dur ist Godowskys Angabe zum Tempo mit den Zahlen für das Metronom bemerkenswert. Godowskys "Lento, ma non troppo", d.h. "nicht zu langsam", ist ungefähr doppelt so langsam wie das Tempo der originalen Etüde von Chopin.
  23. Von den 16 Stücken der von Godowsky bearbeiteten Originale sind 9 von J. Ph. Rameau. Es kommen zwei Stücke von J. B. Lully und jeweils ein Stück von J. B. Loeilly, J. F. Dandrieu, J. Schobert, A. Corelli und D. Scarlatti hinzu.
  24. Die Serie enthält z. B. Ausgaben der Grande Sonate pathetique op.13 von L. van Beethoven, der Impromptus op.90,4 und op.142,3 von Fr. Schubert, der Impromptus in Fis-Dur op.36 sowie in cis-Moll op.66 posth. von Fr. Chopin, der Kinderszenen op.15, des 4. Stücks aus den Nachstücken op.23, des Stücks Vogel als Prophet aus den Waldszenen op.82 und anderer Stücke von R. Schumann sowie von zwei Stücken aus dem 1. Jahrgang (Schweiz) der Années de Pèlerinage von Fr. Liszt. Es waren aber auch "modernere" Komponisten wie M. Balakirew, B. Godard, E. Grieg, A. Liadow, M. Moszkowski, A. Rubinstein, S. Rachmaninoff, Chr. Sinding und R. Strauss mit Werken vertreten. Von Godowsky selbst wurde eine Ausgabe des Stücks "A Night in Spring (Frühlingsnacht)" vorgelegt. Das Stück wurde bereits 1889 im Zusammenhang mit den "Twilight Thoughts" sowie 1899 als op.15,2 angekündigt, war aber unveröffentlicht geblieben.
  25. Die Bearbeitungen entstanden 1927, wohl mit Hinblick auf den 1928 anstehenden 100. Todestag Schuberts.
  26. Auch die Passacaglia ist 1927 entstanden. In diesem Fall geht eine Bezugnahme auf den 1928 anstehenden 100. Todestag Schuberts aus Godowskys Vorwort hervor.
  27. "Phonorama" soll offenbar als akustisches Seitenstück zu einem optischen "Panorama" verstanden werden.
  28. Vgl. Godowskys Brief an Paul Howard vom 10. Dezember 1933, in: Jones: Essay, S. 15.
  29. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. xxii. Vgl. dort auch S. 147, wonach Godowsky die Oper Wozzek von Alban Berg als Verbrechen an der Zivilisation empfand.
  30. Vgl.: Jones: Essay, S. 19.
  31. Die Studie gehört zu der Gruppe der 1899 veröffentlichten 10 Stücke, mag also einer der ersten Versuche Godowskys im einhändigen Satz gewesen sein.
  32. Als wenig bekannte Beispiele lässt sich an die 1948 erschienenen 30 Konzertüden von Helmut Degen denken, von denen die meisten auch an klaviertechnischen Schwierigkeiten nichts zu wünschen übrig lassen.
  33. Erhellend ist die Antwort Carlo Grantes auf die Frage: "Why do you think people are playing Godowsky today?" in: Woodhouse Godowsky comes of age, S. 34. Nach Grantes Auskunft liegt das daran, dass Pianisten, die auf ihrer Suche nach neuen Repertoirestücken zu Werken Godowskys greifen, beim Publikum sicheren Anklang finden.
  34. Vgl. die entsprechende Charakterisierung in: Oehlmann, Werner (Hrsg.): Reclams Klaviermusikführer, Band II, Von Franz Schubert bis zur Gegenwart, Zweite Auflage, Stuttgart o.J. (Copyright 1973), S. 524.
  35. Vgl. den Artikel über Godowsky in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart.
  36. Vgl.: Jones: Essay, S. 17.
  37. Vgl. den Artikel über Godowsky in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart.
  38. Vgl. z. B.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. xvii, S. 142 und 214.
  39. Es wird häufig betont, Godowskys wirklich überragendes Spiel sei vor allem im privaten Kreis unter Freunden zu hören gewesen; vgl. z. B.: Woodhouse: Godowsky comes of age, S. 32.
  40. Vgl.: Jones: Essay, S. 16.