Leopold I. (Anhalt-Dessau)

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Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau

Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau, genannt „Der Alte Dessauer“ (* 3. Juli 1676 in Dessau; † 7. April 1747 ebenda), war Fürst von Anhalt-Dessau, der erste wichtige preußische Heeresreformer und einer der populärsten preußischen Generäle.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Leopold war das neunte Kind des Fürsten Johann Georg II. von Anhalt-Dessau und dessen niederländischer Gemahlin Henriette Catharina von Nassau-Oranien. Sein Vater stand als Generalfeldmarschall in brandenburgischen Diensten und war Statthalter der Mark. Durch seine Mutter war er verwandt mit den Fürstenhäusern in den Niederlanden und England.

Gedenkmedaille auf Leopolds Geburt

Drei Tage nach seiner Geburt wurde der lange erwartete anhalt-dessauische Erbprinz in der St. Marienkirche zu Dessau auf den Namen seines kaiserlichen Paten Leopold getauft. An dieses Ereignis erinnert eine Medaille mit einem Orangenbaum, dem Symbol der Oranier, und der lateinischen Inschrift TANDEM (lat. endlich).

Seine Erziehung diente der Vorbereitung auf die Militärlaufbahn; Waffenübungen, Sport und Jagd standen im Vordergrund, dabei blieben sein „schriftlicher Ausdruck...ungelenk, seine Handschrift ...völlig unorthographisch“.[1] Schon Mitte der achtziger Jahre des 17. Jahrhunderts begegnete er der Tochter des Dessauer Hofapothekers Föhse, Anna Luise, die seine Jugendliebe und spätere Gemahlin wurde. Das erste militärisches Kommando wurde dem noch kindlichen Leopold 1688 vom Kaiser übertragen; als Oberst übernahm er das Infanterieregiment Diepenthal.

1693 starb sein Vater; die Vormundschaft für den noch minderjährigen Erbprinzen übernahmen Fürstin Henriette Catharina als Regentin des Fürstentums Anhalt-Dessau und ein adliger Vormundschaftsrat.[2] Sofort veranlasste seine Mutter die für viele junge Adlige seiner Zeit übliche Kavalierstour, wohl nicht nur um Leopolds Ausbildung zu vervollkommnen, sondern auch um Abstand zu seiner bürgerlichen Geliebten Anna Luise zu schaffen. Die Reise organisierte und finanzierte der Hofbankier Moses Benjamin Wulff, ein Nachfahre des Moses Isserles. Incognito als Graf von Waldersee reiste Leopold über ein Jahr durch Italien, besuchte Verona, Venedig, Ferrara, Rom (wo er August dem Starken begegnete), Neapel, bestieg den Vesuv, der ihn „mehr interessierte als der Papst“.[1] In Livorno empfing ihn ein Salut englischer und holländischer Schiffe, die ihn als Verwandten ihrer Herrscherhäuser grüßten. Den Sommer 1694 verbrachte er als Gast des toskanischen Grossherzogs Cosimo in Florenz. In Turin schließlich lernte er Prinz Eugen von Savoyen kennen,[3] bevor er zu Beginn 1695 über Wien nach Dessau zurückkehrte. Auf Betreiben der Fürstin Henriette Catharina erklärte Kaiser Leopold I. ihn 1695 für mündig und regierungsfähig.

Wirken als Landesfürst[Bearbeiten]

Situation in Anhalt-Dessau am Ende des 17. Jahrhunderts[Bearbeiten]

1648, am Ende des Dreißigjährigen Krieges litt das kleine Fürstentum Anhalt-Dessau – seine Fläche wird auf etwa 630 km² geschätzt[4] – schwer unter den Folgen: Schlachten, Truppendurchzüge, Einquartierungen, Kontributionen, Seuchen und Missernten hatten Wirtschaft und Infrastruktur an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Erst mehrere Jahrzehnte später hatten sich Land und Bevölkerung dank der Bemühungen Johann Georgs II. erholt. Die 25.000 bis 30.000 Untertanen lebten zumeist im ländlichen Raum, als Städte galten nur Dessau mit seinen etwa 3.000 Einwohnern, Jeßnitz, Raguhn und das von Leopolds Mutter planmäßig gestaltete Oranienbaum. Die hoch verschuldeten Stände und die Magistrate der Städte waren ohne politischen Einfluss; der Landtag wurde letztmals 1698 einberufen. Dessen Recht der Steuerbewilligung – bis dahin gesamtanhaltische Angelegenheit der Landstände – unterliefen die Fürsten und führten ab 1700 die Akzise[5] in den vier anhaltischen Teilstaaten ein.

Leopold und Anneliese

In dieser Lage übernahm Leopold 1698 die selbständige Regierung seines Fürstentums. Drei Monate später heiratete er gegen den Widerstand seiner Mutter Anna Luise Föhse, die drei Jahre später (1701) vom Kaiser zur Reichsgräfin erhoben und für ihre Kinder mit Sukzessionsrechten belehnt wurde. Sie agierte als Regentin, wenn ihr Mann auf Feldzügen war; in den folgenden Jahren hielt er sich nur zeitweise in Dessau auf.

Gut zwanzig Jahre später blickte er in einem Brief an die köthensche Fürstinwitwe Gisela Agnes zurück: „1701 … in welchen Jahr ich angefangen selbsten alles genauer zu überlegen und eine besser wirthschaft einzuführen, solchergestalt daß ich, mittelst … meiner eigenen industrie .. über zweymahl hundert tausend rthl. revenus habe.“[2] Eine Ursache dieser Überlegung waren sicher die von Johann Georg II. ererbten 300.000 Reichstaler Schulden, denen nur 24.000 Reichstaler Einkünfte aus dem Land sowie sein brandenburgisches Offizierssalär gegenüberstanden.

Leopold I. veranlasste in seiner fast fünfzigjährigen Regierungszeit viele Reformen in den Bereichen Landwirtschaft, Steuern, Infrastruktur und Ansiedlung von Manufakturen.

Als Grundherr (Allodialbesitz)[Bearbeiten]

1706, mit dem Ankauf des von Dennstedtschen Gutes in Freckleben, begann Leopold mit dem Erwerb fast aller anhaltischen Güter, die bis dahin im Besitz des Landadels waren. Der Chronist Franz Kindscher schreibt dazu: „... der Fürst meinte, es sei für das kleine Anhalt Dessau am besten, wenn er Alleinbesitzer aller in seinem Fürstenthum gelegenen Rittergüter und andern einträglichen Grundstücke sei...“.[6] Als Nebeneffekt ging das Recht zur Steuerbewilligung für diese Güter auf Leopold als Landesherrn über. Dabei übte der Fürst auch mehr oder weniger starken Druck auf die Eigentümer aus. Er nutzte seine Macht als Landes- und Lehnsherr ebenso wie juristische Möglichkeiten, schreckte auch nicht vor dem Einsatz polizeilicher oder militärischer Gewalt zurück. Nicht immer nahmen die Landadligen und Bauern diese Willkür widerspruchslos hin. So klagten die Gröbziger nach dem Erwerb der Herrschaft Gröbzig und des Gutes Werdershausen in Zusammenhang mit der morganatischen Heirat des hoch verschuldeten Bernburger Fürsten Karl Friedrich vor dem kaiserlichen Reichskammergericht in Wien; zu einer Verhandlung kam es nie. Die Kläger gaben – zermürbt von landesherrlicher Verzögerungstaktik – auf und verkauften an Leopold.

Als Ergebnis dieser Politik existierte am Ende seiner Regierungszeit das historische Kuriosum eines Fürstentums ohne Adel, so sein Biograph Varnhagen von Ense. Den Ausverkauf der Adelsgüter vollendete sein Sohn, Leopold II. Maximilian, 1752 mit dem Erwerb der von Rindtorfschen Güter in Großalsleben.

Neuordnung des Abgabensystems[Bearbeiten]

Zur Erhöhung und Absicherung seiner Einnahmen, beschloss Leopold eine umfassende Neuordnung des Abgabensystems. Dazu gehörten im Wesentlichen:

  • das Landvermessungswerk
  • Umwandlung der Frondienste in Dienstgeld
  • Ersatz aller bäuerlicher Einzelabgaben durch die Gabe
  • Einführung der Akzise

Das Landvermessungswerk[Bearbeiten]

Ab 1702 begann Leopold mit der Generalvermessung aller fürstlichen, adligen sowie bäuerlichen Äcker und Wiesen seines Fürstentums. Dieses Landvermessungswerk fand 1718 mit dem Amt Gröbzig seinen Abschluss. Ziele waren

  • die Inventur allen Landbesitzes als Basis für den Ausbau der fürstlichen Vorwerke,
  • die Vereinheitlichung der Bauerngüter durch gleiche Größen und damit gleiche Abgabenlast; einem Vollspänner standen demnach zwei Hufen, einem Halbspänner eine Hufe zu,
  • die Feststellung des Überackers als Differenz zwischen dem (nachweisbaren) Eigentum und dem verfügbaren Besitz der Bauern sowie
  • die Aufteilung der Allmende in Verbindung mit der Zusammenlegung größerer Flächen durch Separation.

Fürstliche Beamte vermaßen die gesamte Dorfflur einschließlich der Allmende. Teilweise wurde die Größe der Hufe je nach Gemarkung von Fall zu Fall geändert. Die Besitzer machten ihre Ansprüche durch Vorlage der Erbzinsbriefe oder Kaufverträge geltend. Häufig nutzten sie mehr Land als verbrieft um sich und ihre Familien ernähren zu können. Diese Differenz, der Überacker, mussten die Bauern zu höherem Zins zurückpachten, was wegen der ohnehin schlechten finanziellen Situation nur selten geschah. Meist wurde der Überacker eingezogen, zu größeren Breiten im Zentrum der Dorfflur zusammengelegt und den fürstlichen Vorwerken zugeordnet. Abschließend wurden die restlichen Grundstücke den Besitzern durch Los zugeeignet. Ob der Ertrag des zugewiesenen Bodens seinen Bauern auch ernährte, interessierte den Alten Dessauer nicht.

Bis 1718 konnte Leopold seinen fürstlichen Besitz um etwa 600 Hektar vergrößern; nur noch 47 % der landwirtschaftlichen Flächen Anhalt-Dessaus wurden von Bauern und Kossaten bewirtschaftet, gegenüber 65 % vor dem Beginn der Generalvermessung.[7]

Rest der Akzisemauer von 1712 im Dessauer Stadtpark

Die Akzise[Bearbeiten]

Um die fürstlichen Einnahmen auch in den Städten zu steigern, führte vermutlich 1704 oder 1708 die Akzise in der Stadt Dessau ein.[8] Damit folgte er einem Plan, den bereits sein Vater entwickelt hatte. Fällig wurde sie beim Passieren der Stadttore, die allerdings nur durch Schlagbäume gesichert und damit leicht zu umgehen waren. Diesem Schmuggel begegnete Leopold durch Soldatenstreifen, später durch den 'Plankenzaun'. Schließlich – die Stadt war mittlerweile beträchtlich angewachsen – wurde die alte Stadtmauer abgerissen und 1712–1714 die Akzisemauer errichtet. Nun auch die neuen Stadtteile umschließend, war sie ein Ring, begrenzt vom Muldeufer und nur unterbrochen von festen Torhäusern, die die konsequente Kassierung der Akzise garantierten.[9] 1715 wurden 9.733 Taler aus der Akzise eingenommen.[10]

Wirken als preußischer Heerführer[Bearbeiten]

Adolph Menzel, (ca.1850): Leopold I. in der Uniform seines Regiments zu Fuß
Leopold von Anhalt-Dessau

Berühmt wurde Leopold von Anhalt aber vor allem für seine militärischen Leistungen. Bereits 1693, im Alter von 17 Jahren, wurde er Oberst des brandenburgischen Regiments Anhalt zu Fuß, das vor ihm sein Vater innehatte und das er in der Folge zu einem Reformregiment ausbaute. Als dessen Befehlshaber nahm er an diversen preußischen Militäroperationen teil. Er führte in der brandenburgisch-preußischen Armee den Gleichschritt und auch um 1700 den eisernen Ladestock (bis dahin aus Holz) ein.

Leopold nahm als Befehlshaber der preußischen Truppen am Spanischen Erbfolgekrieg (1701–14) teil. Er zeichnete sich bei den Belagerungen von Kaiserswerth, Venlo und Bonn (1703), sowie insbesondere unter Prinz Eugen von Savoyen in der Schlacht von Höchstädt 1704 aus. Danach kämpfte er in den Schlachten bei Cassano (1705) und Turin (1706) in Norditalien. 1709 nahm er in Flandern mit Prinz Eugen und dem Herzog von Marlborough an der Belagerung Tournais und der Schlacht bei Malplaquet teil. 1712 wurde er Befehlshaber aller preußischen Truppen an der Front. Nachdem er die Festung von Moers genommen hatte, ohne dass ein Schuss gefallen war, wurde er zum preußischen Generalfeldmarschall ernannt. Er wurde später ein enger Vertrauter von König Friedrich Wilhelm I. und – obwohl Nichtraucher – Mitglied des Tabakskollegiums.[11] Im Großen Nordischen Krieg gegen Schweden eroberte er im November 1715 Rügen und im Dezember 1715 Stralsund.

Zwischen 1715 und 1740 widmete Leopold sich vor allem der Ausbildung des preußischen Heeres. Er legte viel Wert auf Disziplin und technische Ausbildung der Infanterie, und ohne Zweifel verdankte Preußen ihm den Ruf als Militärmacht. Im Krieg um die polnische Thronfolge (1733 bis 1735) wurde er zum Feldmarschall des Reiches ernannt und kämpfte wiederum unter Prinz Eugen von Savoyen am Rhein gegen Frankreich.

Als Kronprinz Friedrich im Jahr 1730 vor der harten, autoritären Erziehung seines Vaters geflohen und als Deserteur gefangen genommen worden war, überzeugte Leopold den König, Friedrich zu vergeben und ihn wieder in die preußische Armee aufzunehmen.

König Friedrich II. begann sofort nach seiner Thronbesteigung 1740 den Ersten Schlesischen Krieg, in dem er Leopold zunächst als Befehlshaber eines Beoachtungskorps bei Brandenburg an der Havel, dann als Oberkommandierenden in Oberschlesien einsetzte. Im Mai 1742 nahm Leopold mit seinen Truppen an der siegreichen Schlacht bei Chotusitz teil. Zu einem dauernden, nur zeitweise unterbrochenen Zerwürfnis mit Friedrich kam es 1743, als dieser dem Prinzen Eugen von Anhalt-Dessau, einem Sohn Leopolds, den Abschied gab.

Im Zweiten Schlesischen Krieg führte Leopold im Herbst 1745 selbständig eine der zwei preußischen Hauptarmeen, mit der ihm am 15. Dezember 1745 in der Schlacht bei Kesselsdorf der entscheidende Sieg über die kursächisch-österreichische Armee gelang. Am 17. Dezember zog Leopold in Dresden ein. Sachsen und Österreich nahmen erleichtert das zeitgleich gemachte Friedensverhandlungsangebot Friedrichs an, und am 25. Dezember 1745 beendete der Friede von Dresden den Krieg. Danach kam es durch den Sieg Leopolds zu einer nur vorübergehenden Aussöhnung mit Friedrich. Leopold zog sich nach Dessau zurück, wo er 1747 starb und begraben wurde.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Für seine militärtechnischen und strategischen Erfolge als preußischer Oberst des Regiments „Anhalt zu Fuß“ und General-Lieutenant wurde er im Januar 1703 von König Friedrich I. als 23. Ritter in den Schwarzen Adlerorden aufgenommen.[12]

Denkmäler, Erinnerungen und Legenden[Bearbeiten]

  • Den Generälen seines großen Vorfahren Friedrich II. stiftete der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. erste Denkmäler, die 1860 auf dem Berliner Wilhelmplatz errichtet wurden. Das Marmorstandbild des Fürsten Leopold I. schuf der Bildhauer Johann Gottfried Schadow aus Carrara-Marmor. Witterungsschäden machten jedoch schon nach wenigen Jahrzehnten einen Austausch der Marmorstandbilder durch Bronzegüsse notwendig. Die Marmorstandbilder wurden zunächst magaziniert und nach der Fertigstellung des Kaiser-Friedrich-Museums im Jahre 1904 in den Nischen im Hinteren Treppenhaus, zusammen mit einem Standbild ihres Königs, aufgestellt.[13]
  • Das Modell zu dem Bronzestandbild des Altes Dessauers schuf der Bildhauer August Kiß nach dem Schadowschen Standbild, der Guss erfolgte im Königlichen Gewerbe-Institut. Das Bronzestandbild wurde 1859 an der Stelle des Marmordenkmals errichtet. Es überstand an dieser Stelle beide Weltkriege; die Machthaber des DDR-Regimes ließen die Denkmäler jedoch aus ideologischen Gründen abbauen und einlagern. Zur Zeit der Wende standen sie kurzzeitig auf dem Areal des Lustgartens. Auf Initiative der Schadow-Gesellschaft Berlin und durch Sponsorengelder ermöglicht, steht der bronzene Leopold seit 2005 aufgefrischt fast wieder an der originalen Stelle am Wilhelmplatz (U-Bahneingang Wilhelmstraße/Mohrenstraße).[14]
  • Am 18. Oktober 1860 wurde auf dem Großen Markt in Dessau vor der Adler-Apotheke ein weiteres Standbild des Alten Dessauers feierlich enthüllt. Stifter war der Herzog von Anhalt; bei dem Standbild handelt es sich um einen Zweitguss des Berliner Bronzedenkmals vom August Kiß nach dem Original von Johann Gottfried Schadow. Auch dieses Denkmal wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst entfernt. Inzwischen wurde es wieder aufgestellt und kann heute vor der Marienkirche auf dem Dessauer Schlossplatz besichtigt werden.
  • Als Kaiser Wilhelm II. anlässlich seines Geburtstages im Jahr 1895 die Stiftung der „Siegesallee“ bekannt gegeben hatte, wurde der Bildhauer Rudolf Siemering beauftragt, als 27. Denkmalgruppe das Standbild für König Friedrich Wilhelm I. zu schaffen. Als Assistenzbüsten wurden ihm Heinrich Rüdiger von Ilgen zur linken und der Alte Dessauer zur rechten Seite beigegeben. Die Denkmalgruppe wurde am 22. Dezember 1900 in Gegenwart des Kaisers feierlich enthüllt. Die leicht lädierte Büste des Alten Dessauers ist im Lapidarium in der Zitadelle Spandau erhalten.
Die Grablege des „Alten Dessauers“
  • Der bei der Bombardierung von Dessau, am 7. März 1945, und durch nachfolgende Plünderungen zerstörte Prunksarg des „Alten Dessauers“ in der Fürsten- und Leopoldsgruft der Marienkirche wurde von 12 Zinnfiguren umringt, welche preußische Grenadiere in ihrer alten Uniform mit ihren Gardemützen darstellten.

Weitere Erinnerungen[Bearbeiten]

  • Nach Leopold I. ist auch ein langsamer Infanteriemarsch, Dessauer Marsch, benannt.
  • Theodor Fontane widmete ihm ein Gedicht. Es heißt Der alte Dessauer.
  • Einige Straßen wurden nach ihm benannt, u. a. in Berlin, Detmold oder Schlangen. In Dessau selbst ist seit 1945 keine Straße nach ihm benannt.
  • Ein literarisches Denkmal setzte ihm Karl May mit insgesamt neun Humoresken, die 1875 bis 1883 erschienen und z. T. mehrfache Nachdrucke (teilweise unter anderen Titeln) erfuhren.[15] Wiederkehrende Motive dieser Erzählungen sind das Werberwesen und das Inkognito: So tritt Leopold I. u. a. als Bäcker, Drehorgelspieler, Ameisenhändler, etc. auf. Noch im Jahre 1898 plante May ein Theaterstück über den Fürsten; es wurde nicht mehr verwirklicht.[16] Weitere Informationen unter: Der Alte Dessauer (Karl May).

Legenden[Bearbeiten]

Der Legende nach soll der alte Dessauer die in seiner Heimat verbreitete Gose in Leipzig eingeführt haben. Die Bierspezialität wurde eines der beliebtesten Getränke in der Messestadt.

Vor der Schlacht von Kesselsdorf soll der alte Dessauer geschworen haben, Sachsen mit einem Gestank auszufüllen, der noch jahrelang zu riechen sein sollte.[17] Danach schloss er mit dem berühmten Gebet, in dem er Gott um Neutralität ersuchte: „Lieber Gott, stehe mir heute gnädig bei! Oder willst Du nicht, so hilf wenigstens die Schurken, die Feinde nicht, sondern siehe zu, wie es kommt!“[18]

Eines Abends soll der Fürst die Dessauer Spittelstraße hinaufgeritten sein. Als er dabei an den Topfwarenhändlerinnen vorbeiritt, fragte er, wie denn das Geschäft gewesen sei. Die Frauen klagten und lamentierten. Daraufhin ritt der Fürst mitten in die Topfwaren hinein, so dass bald nur noch Scherben zu sehen waren. Die Marktfrauen schrien und heulten, doch je mehr sie das taten, umso ungestümer verhielt sich ihr Landesherr. Am Ende war kein einziges Stück mehr ganz. Als der Fürst alles zerritten hatte, forderte er die Marktweiber auf, gleich mit aufs Schloss zu kommen und er bezahlte ihnen den angerichteten Schaden nach Heller und Pfennig, so dass die Weiber doch noch einen guten Markt gemacht haben. Diese Anekdote soll in das Märchen vom König Drosselbart eingeflossen sein; jedenfalls ist überliefert, dass die Brüder Grimm von der Wandersage Kenntnis hatten.[19]

Nachkommen[Bearbeiten]

  1. legitim mit Anna Luise Föhse (1677–1745):
    1. Wilhelm Gustav (1699–1737), Ahnherr der Grafen von Anhalt, preußischer Generalleutnant.
    2. Leopold Maximilian (1700–1751), preußischer Generalfeldmarschall, folgte 1747 seinem Vater als Leopold II.
    3. Dietrich (1702–1769), preußischer Generalfeldmarschall
    4. Friedrich Heinrich Eugen, (1705–1781), preußischer Generalmajor, sächsischer Feldmarschall
    5. Henriette Marie Luise (1707–1707), sie lebte nur fünf Tage
    6. Luise (1709–1732) - verheiratet mit Fürst Victor Friedrich von Anhalt-Bernburg (1700–1765)
    7. Moritz (1712–1760), preußischer Generalfeldmarschall
    8. Anna Wilhelmine (1715–1780), blieb unverheiratet und kinderlos, erbaute Schloss und Park Mosigkau
    9. Leopoldine Marie (1716–1782) - verheiratet mit Markgraf Heinrich Friedrich von Brandenburg-Schwedt (1709–1788)
    10. Henriette Amalie (1720–1793), lebte fast 40 Jahre in Bockenheim bei Frankfurt, baute in Bockenheim und Kreuznach kleine Schlösser, starb in Dessau
  2. illegitim mit Sophie Eleonore Söldner (1710–1779), welche später den Amtsmann Johann August Rode heiratete, aus dessen Ehe u. a. August von Rode hervorging.
    1. Georg Heinrich von Berenhorst (1733–1814). Über Berenhorst ist Fürst Leopold ein direkter Vorfahr des berühmten Jagdfliegers Manfred von Richthofen (1892–1918).
    2. Karl Franz von Berenhorst (1735–1804)

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Erfurth: Leopold I. von Anhalt-Dessau. Der Alte Dessauer als Landesvater. Festschrift zum 1. Leopoldsfest in Dessau 2004, Verein zur Förderung der Stadtkultur Dessau e.V. (Hrsg.), Anhalt Edition Dessau, 2004, ISBN 3-936383-09-X
  • Marcus Junkelmann: Leopold I.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 266–268 (Digitalisat).
  • Ulla Jablonowski: Fürst Leopold von Anhalt-Dessau (1676–1747). In: Zwischen Wörlitz und Mosigkau, Heft 31, Historische Dessauer Persönlichkeiten. Rat der Stadt Dessau (Hrsg.), Dessau, 1988
  • Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau (1676–1747). Der Alte Dessauer. Ausstellung zum 250. Todestag. (Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau, 25. April bis 27. Juli 1997; Museum für Stadtgeschichte Dessau, 25. April bis 25. September 1997; Museum Schloß Mosigkau Dessau, 25. April bis 22. Juni 1997). Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau in Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv Oranienbaum und dem Stadtarchiv Dessau (Hrsg.), ISBN 3-930134-12-8, Dessau, 1997
  • Friedrich von Oppeln-Bronikowski: Der Alte Dessauer. Fürst Leopold von Anhalt-Dessau. Eine Studie seines Lebens und Wirkens, Akademische Verlagsgesellschaft m.b.H., Potsdam, 1936
  • Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg o. J., Teil 1, Nr. 102 (Band 1, S. 61–64)
  • Ferdinand Siebigk: Leopold I., (Fürst von Anhalt-Dessau). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 18, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 336–352.
  • Briefwechsel mit Friedrich II. Œuvres de Frédéric le Grand. Digitale Ausgabe der Universitätsbibliothek Trier

Ältere Darstellungen[Bearbeiten]

  • Michael Ranft: Des weltberühmten Fürstens Leopoldi von Anhalt-Dessau Leben und Thaten. Frankfurt und Leipzig 1742 (Digitalisat in der Google-Buchsuche)
  • Das rühmliche Leben und die unvergleichlichen Helden-Thaten des Fürsten Leopolds zu Anhalt. Braunschweig und Leipzig 1747 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leopold I. von Anhalt-Dessau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Ein Soldatenfürst des vorigen Jahrhunderts – von F. v. D, illustriert von Theobald von Oer, In: Die Gartenlaube. (1866), Heft 40 und 42
 Wikisource: So leben wir – Volkstümliche Spottversion des Dessauer Marsches. In: Silcher/Erk (Hrsg.): Allgemeines Deutsches Kommersbuch, Nr. 756, Verlag Moritz Schauenburg, Lahr 1858
 Wikisource: Der alte Dessauer (Fontane) – von Theodor Fontane, aus Gedichte Fontane (Ausgabe 1905), Seite 257–258

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Friedrich von Oppeln-Bronikowski: Der Alte Dessauer. Fürst Leopold von Anhalt-Dessau. Eine Studie seines Lebens und Wirkens, Akademische Verlagsgesellschaft m.b.H., Potsdam, 1936, S. 11/12
  2. a b Gottlieb Krause: Ein Brief des Fürsten Leopold zu Anhalt-Dessau an die verwitwete Fürsten Giesela Agnes zu Anhalt-Cöhten, in: Mitteilungen des Vereins für anhaltische Geschichte und Alterthumskunde, Erster Band, Heft 5, Wilhelm Hosäus (Hrsg.), Dessau, 1877, S. 482
  3. Michael Ranft: Des Weltberühmten Fürstens Leopoldi von Anhalt=Dessau, Leben und Thaten, Frankfurt und Leipzig, 1742, S. 15
  4. Barbara Czerannowski: Leopold I. von Anhalt-Dessau als Landesfürst. In: Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau 1676–1747. Der Alte Dessauer. Ausstellung zum 250. Todestag. 25. April bis 27. Juli 1997. (Hrsg.) Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau, Museum für Stadtgeschichte und Museum Schloß Mosigkau, Dessau 1997, ISBN 3-930134-12-8, S. 125–129
  5. Die Akzise ersetzte bereits vorher existierende Verbrauchssteuern auf Lebens- und Genussmittel, war höher und ihre Eintreibung rigider. Bereits Johann Georg II. plante sie nach Kurbrandenburger Vorbild. Dort wurde sie 1684 eingeführt.
  6. Franz Kindscher: Fürst Leopold als Landesherr. In: Mitteilungen des Vereins für anhaltische Geschichte und Alterthumskunde, Erster Band, Heft 5, Wilhelm Hosäus (Hrsg.), Dessau, 1877, S. 480
  7. Ulla Jablonowski: Wirtschaftliche und soziale Grundlagen der Dessau-Wörlitzer Aufklärung (etwa 1760 bis 1800). In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde. Herausgegeben in Verbindung mit dem LHSA (Ast. Oranienbaum), 1. Jg., Köthen 1992, S. 87 und 96
  8. Der genaue Beginn ist nicht überliefert. Franz Brückner: Häuserbuch der Stadt Dessau, Heft 12, Rat der Stadt (Hrsg.), Dessau, 1984, S. 1066 ff.
  9. Teile der Akzisemauer stehen heute noch im Stadtpark und am Jüdischen Friedhof.
  10. Franz Brückner: Häuserbuch der Stadt Dessau, S. 1066 ff.
  11. Das freundschaftliche Verhältnis wird im jahrzehntelangen Briefwechsel der beiden deutlich, veröffentlicht in O. Krauske (Bearb.): Acta Borussica. Die Briefe König Friedrich Wilhelms I. an den Fürsten Leopold zu Anhalt-Dessau 1704-1740. Parey, Berlin 1905; Reprint der Ausgabe: Keip, Frankfurt 1987, ISBN 3-8051-0007-8 (Gesamtwerk).
  12. Gerd Scharfenberg: Die Verleihung des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler an den Fürsten Leopold. In: Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau 1676–1747. Der Alte Dessauer. Ausstellung zum 250. Todestag. 25. April bis 27. Juli 1997. (Hrsg.) Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau, Museum für Stadtgeschichte und Museum Schloß Mosigkau, Dessau 1997, ISBN 3-930134-12-8, S. 125–129
  13. DAS * KAISER* FRIEDRICH * * MUSEUM * ZU · BERLIN
  14. Susanne Kähler, [1].
  15. Hainer Plaul: Illustrierte Karl-May-Bibliographie. Unter Mitwirkung von Gerhard Klußmeier. Saur. München, London, New York, Paris 1989.
  16. Christian Heermann: Winnetous Blutsbruder. Karl-May-Biografie. Karl-May-Verlag. Bamberg 2002.
  17. Heiterer Anekdotenschatz. Bindlach 1996, ISBN 3-8112-1457-8, S. 282.
  18. Karl Otmar von Aretin und Erhard Bethke (Red.): Friedrich der Große. Herrscher zwischen Tradition und Fortschritt. Orbis Verlag, München 1991, S. 81.
  19. Dessau, Bauhausstadt im Gartenreich. Hg. vom Amt für Kultur, Tourismus und Sport Dessau, Dessau 2006, S. 14.
Vorgänger Amt Nachfolger
Johann Georg II. Fürst von Anhalt-Dessau
1693–1747
Leopold II.