Leopoldskirche (Leopoldstadt)

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Südseite der Leopoldskirche
Innenraum der Leopoldskirche
Mittagsgeläute der Leopoldskirche, Leopoldstadt

Die Leopoldskirche ist ein barockes Kirchengebäude im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt. Die römisch-katholische Pfarrkirche ist dem Heiligen Leopold geweiht. Sie entstand auf den Grundmauern der neuen Synagoge, welche 1670 nach der Vertreibung der Juden aus dem unteren Werd, der damaligen "Judenstadt", dem jüdischen Ghetto, niedergerissen wurde. Der erste Pfarrer dieser Gemeinde war Johann Ignaz Arnezhofer, dieser hat als Kommissär zur Ordnung israelitischer Angelegenheiten die Schließung des Leopoldstädter Ghettos und die Vertreibung der dort lebenden jüdischen Bevölkerung betrieben.[1]

Lage und Architektur[Bearbeiten]

Das Kirchengebäude am Alexander-Poch-Platz 6 besitzt einen auffallend hervortretenden Fassadenturm. Markant gestaltet ist auch sein Mansarddach. Außen beim Haupteingang stehen zwei Statuen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, die den Heiligen Leopold und den Heiligen Florian darstellen und die ursprünglich aus der Kirche am Hof stammen.

Die Saalkirche besitzt durch eine querhausartige Erweiterung einen klaren Mittelpunkt, über dem sich eine Pendentifkuppel befindet. Der breite Hochaltar wurde vermutlich von Anton Ospel um 1722/25 entworfen. Das Hochaltarbild Verherrlichung des Heiligen Leopold ist eine von Alexander Brunner angefertigte Kopie des 1945 zerstörten barocken Originalgemäldes von Martino Altomonte. Das Taufbecken aus rotem Marmor wurde Mitte des 18. Jahrhunderts angefertigt. Die Aufsatzfiguren auf dem Deckel des Taufbeckens stellen die Taufe Jesu dar und sind ein Werk des Bildhauers Adolf Wagner von der Mühl. Die Orgel von Gregor Hradetzky stammt aus dem Jahr 1971. Unter der Orgelempore stehen barocke Beichtstühle, die ursprünglich aus der Rochuskirche stammen, sowie vom Bildhauer Franz Barwig dem Jüngeren 1946 geschaffene Holzfiguren, die Judas Thaddäus und den Heiligen Antonius darstellen.

Die Leopoldskirche weist mehrere Seitenaltäre auf. Der Bruder-Klaus-Altar aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts steht in einer Wandnische und besitzt ein Altarbild von Lucia Jirgal aus dem Jahr 1948, auf dem Bruder Klaus mit Engeln zu sehen ist. Der Mariä Himmelfahrt gewidmete Marienaltar hat ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes Altarbild zur Vision des Heiligen Antonius, das Antonio Malinconico zugeschrieben wird und sich bis 1976 in der Mariahilfer Kirche befand. Die Seitenfiguren stellen den Heiligen Joachim und die Heilige Anna dar, ein Relief den Guten Hirten. Das Altarbild des Johannes-Nepomuk-Altars mit einer Darstellung des Johannes Nepomuk wird dem Barockmaler Johann Georg Schmidt zugeschrieben. Die Nischenfiguren des Johannes-Nepomuk-Altars stellen den Heiligen Antonius (links) und die Heilige Katharina (rechts) dar. Der Taufe-Christi-Altar besitzt ebenfalls ein Altarbild von Johann Georg Schmidt aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts, auf dem die Taufe Jesu zu sehen ist. Die Nischenfiguren stellen den Heiligen Petrus und den Heiligen Paulus dar. Am Kreuzaltar befindet sich eine Kreuzigungsgruppe aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts aus der ehemaligen Friedhofskapelle. Eine der Altarfiguren aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts stellt die Heilige Helena dar. Der Floriansaltar weist ein Altarbild mit dem Heiligen Florian aus der Mitte des 18. Jahrhunderts auf, das Matthias Mölk zugeschrieben wird. Zwei Figuren aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts sind Abbildungen des Heiligen Franziskus und des Heiligen Antonius.

Blick auf die Hradetzky-Orgel

Die Orgel wurde 1971 durch den Orgelbauer Gregor Hradetzky erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 22 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[2]

I Hauptwerk C–g3
1. Prinzipal 8'
2. Oktave 4'
3. Superoktave 2'
4. Mixtur 11/3'
5. Quintadena 16'
6. Rohrflöte 8'
7. Spitzflöte 4'
8. Sesquialtera II
9. Trompette 8'
II Schwellwerk C–g3
10. Spitzgamba 8'
11. Holzgedackt 8'
12. Prinzipal 4'
13. Rohrflöte 4'
14. Gemshorn 2'
15. Quinte 11/3'
16. Scharff 1'
17. Cromorne 8'
Tremulant
Pedalwerk C–f1
18. Subbass 16'
19. Oktave 8'
20. Gedacktbass 8'
21. Choralbass 4'
22. Fagott 16'

In der Sakristei befinden sich barocke Schränke mit Intarsien und Gemälden aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den Themen Vermählung Mariä und Taufe Jesu. Ein Raum auf der gegenüberliegenden Seite ist ähnlich der Sakristei gestaltet. Über den Portalen zu beiden Räumen sind kreisrunde, vergoldete Darstellungen der Heiligen Petrus (links) und Paulus (rechts) angebracht.

Der Pfarrhof neben der Kirche wurde 1863/64 erbaut. Hier werden Paramente aufgewahrt, darunter ein von Maria Theresia 1778 der Pfarre geschenkter Ornat. Ein aus dem Jahr 1588 stammendes Leopold-Reliquiar im Besitz der Pfarre befindet als Leihgabe im Dom- und Diözesanmuseum.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1670 wurden die Juden aus dem Ghetto im Unteren Werd vertrieben. Die Stadt Wien erwarb das Gebiet und verpflichtete sich zum Bau einer römisch-katholischen Kirche an Stelle der Neuen Synagoge. Der Grundstein zur Leopoldskirche wurde am 18. August 1670 von Kaiser Leopold I. gelegt. An der Errichtung waren der Baumeister Hans Strobel, der Hofmaurermeister Georg Gerstenbrand sowie vermutlich Carlo Canevale als Bauführer beteiligt. Die Weihe der Kirche in Anwesenheit des Kaisers, dessen Frau Margarita Theresa und des Wiener Bürgermeisters Daniel Lazarus Springer erfolgte am 5. September 1671. Die Festpredigt hielt Bischof Leopold Karl von Kollonitsch. Der erste Pfarrer der neuen Pfarre, der ältesten im späteren Stadtdekanat 2, wurde Johann Ignaz Arnezhofer. Eine Umgestaltung der Kirche wurde 1676 abgeschlossen.

Die Leopoldskirche im Jahr 1733 (Stich von Salomon Kleiner)

Im Zuge der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 brannte die Leopoldskirche vollständig aus und musste wiederhergestellt werden. Auf Grund der steigenden Einwohnerzahl der Vorstadt Leopoldstadt wurde die Kirche zu klein, sodass sie 1722 abgetragen wurde. Auf ihren Fundamenten wurde nach Plänen des Architekten Anton Ospel die heutige Leopoldskirche erbaut. 1723 fand die Segnung der Kirche statt. Die noch nicht erfolgte Weihe der Kirche wurde 1779 auf Veranlassung von Maria Theresia vollzogen. 1824 wurde das Gebäude renoviert, als Johann Baptist Weber, der Mitbegründer der Ersten österreichischen Spar-Casse, als Pfarrer in der Leopoldskirche wirkte. Mitte des 19. Jahrhunderts war der spätere Erzbischof Anton Josef Gruscha als Provisor in der Pfarre tätig. Im Ersten Weltkrieg wurden sechs der acht Kirchenglocken eingeschmolzen. 1923 erfolgte eine Innenrestaurierung der Kirche.

Der 12. März 1945 war der Tag des schwersten Luftangriffs auf Wien im Zweiten Weltkrieg, an dem auch die Wiener Staatsoper getroffen wurde. Auf die Leopoldskirche wurde eine 1.000-Kilogramm-Bombe abgeworfen, die das Kirchendach, Teile des seitlichen Mauerwerks und große Teile der Einrichtung und Ausstattung zerstörte Den Wiederaufbau von 1946 bis 1948 leitete die Architektin Helene Koller-Buchwieser, wobei zwei Drittel der Kosten von der Gemeinde Wien getragen wurden. Weihbischof Franz Kamprath nahm am 6. Juni 1948 die Weihe der sanierten Leopoldskirche vor. Von 1959 bis 1961 erfolgte erneut unter der Leitung von Helene Koller-Buchwieser eine Außenrestaurierung des Kirchengebäudes und des Pfarrhofs. 1984 wurde der Kirchturm restauriert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Leopold Kremser: Wien, Pfarrkirche St. Leopold – Wien 2. Peda, Passau 2004, ISBN 3-89643-547-7
  • Walther Pichler: Von der Synagoge zur Kirche. Zur Entstehungsgeschichte der Pfarre St. Leopold, Wien II. Wiener Dom-Verlag, Wien 1974, ISBN 3-85351-067-1
  • Von der St. Leopoldi Pfarrkirche in der Leopolds-Stadt von St. Brigida, in: Fuhrmann, Mathias (Hrsg.): Historische Beschreibung und kurz gefaste Nachricht von der Römisch. Kaiserl. und Königlichen Residenz-Stadt Wien, und Ihren Vorstädten, Wien 1767, Zweyter Band, S.435 ff. (Digitalisat)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel zur Ausstellung auf www.gedenkdient.at
  2. Nähere Informationen zur Orgel
  3. Dehio-Handbuch Wien. II. bis IX. und XX. Bezirk. Hrsg. v. Bundesdenkmalamt. Anton Schroll, Wien 1993, ISBN 3-7031-0680-8, S. 14–16

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leopoldskirche (Leopoldstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.21888888888916.379388888889Koordinaten: 48° 13′ 8″ N, 16° 22′ 46″ O