Lesná u Znojma

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Lesná
Wappen von ????
Lesná u Znojma (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 343 ha
Geographische Lage: 48° 54′ N, 15° 33′ O48.90722222222215.5425463Koordinaten: 48° 54′ 26″ N, 15° 32′ 33″ O
Höhe: 463 m n.m.
Einwohner: 258 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 671 02
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeněk Uhlík (Stand: 2006)
Adresse: Lesná 21
671 02 Šumná
Gemeindenummer: 594342
Website: www.obec-lesna.unas.cz

Lesná (deutsch Liliendorf) ist eine tschechische Gemeinde mit 279 Einwohnern (1. Jänner 2004) im Okres Znojmo (Bezirk Znaim) in Südmähren westlich von Znaim.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbarorte von Lesna sind Vracovice (Edenthurn), Šumná (Schönwald), Onšov (Windschau), Vranov nad Dyjí (Frain) und Horní Břečkov (Oberfröschau).

Liliendorf, ist in 463 m ü. M. an der Straße zwischen Znojmo nad Dyji im Osten und Vranov nad Dyjí (Frain) im Westen gelegen. der Ort selbst ist als ein Längsangerdorf angelegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Dorf, wurde am 5. Juli 1794 im Gebiet der Herrschaft Frain an der Thaya gegründet. Die Siedler für den neuen Ort wurden angeworben. Die Anlage des Ortes und die bis 1945 gesprochene bairisch-österreichische „ui“- Mundart (Dialekt) mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern weisen darauf hin, dass die Siedler aus dem österreichischen bzw. süddeutschen Raum stammten.[2] Der Name Liliendorf leitet sich vom Gründer, Ritter von Lilienborn, ab. Um die verschuldete Herrschaft zu sanieren, verkaufte dieser kahlgeschlagene Waldflächen an neue Siedler und befreite diese ebenfalls von der Robotverpflichtung. Dadurch erhielt Liliendorf einen ungeahnten Aufschwung und wurde so bald zur selbstständigen Gemeinde. Die Grundstücke, die zum Verkauf standen, waren alle gleich groß, nur für das Wirtshaus wurde die doppelte Fläche veranschlagt.[3] Die Matriken des Ortes wurden bei Oberfröschau mitgeführt.

Im Jahr 1799 wurde am östlichen Ortsende der Friedhof angelegt und ein Jahr später (1800) vom Pfarrer Engelbert Mather aus Oberfröschau (Horní Břečkov) geweiht. In den Jahren zwischen der Anlage des Friedhofs und dem Beginn des Kapellenbaues wurde der Ort in den Jahren 1805 und 1809 von französischen Truppen geplündert. 1815 wurde der Friedhof erweitert und ummauert. Am 16. August 1850 wurde der erste Gemeinderat mit Bürgermeister gewählt und am 9. Juni 1851 der Grundstein für die Schule samt Lehrerwohnung gelegt. Fertig wurde das Gebäude im November des gleichen Jahres.

1862 ging das Wahrzeichen von Liliendorf, die Windmühle am östlichen Ortsanfang, in Betrieb. Sie wurde unter der Anleitung des Maurers Franz Czerny aus Liliendorf erbaut, der sein Wissen von der Mitarbeit an der Windmühle von Retz in Niederösterreich weitergab. Erster Müller war Johann Bergmann, der Sohn des Retzer Windmüllers. Er heiratete später die Tochter von Franz Czerny. Im Mai 1864 fand die erste Kommissionierung für den Bau der Kapelle am westlichen Ortsende statt. Am 17. April 1866 wurde der Bauplatz für die Kapelle eingeebnet, am 22. April fand die Grundsteinlegung statt und am nächsten Tag begannen die Bauarbeiten. Während des Deutsch-Österreichischen Krieges werden am 14. Juli 1866 30 Laib Brot von preußischen Soldaten requiriert. Einen Tag später kam ein preußisches Infanterieregiment in den Ort und am 6. August wurden 1160 Mann Infanterie und Kavallerie bis 5. September einquartiert. Die am 2. September 1867 fertiggestellte Kapelle wurde der Heiligen Theresia geweiht. Am 16. Juli 1890 wurde das Postamt eingerichtet. 1898 wurde auf Kosten des 1895 gegründeten Verschönerungsvereins die erste Straßenbeleuchtung errichtet und auf Kosten der Gemeinde eine Uhr in den Turm der Kapelle eingebaut.

1904 wurde die Freiwillige Feuerwehr von Liliendorf gegründet. Das Jahr 1907 brachte durch Aufkommen von Dampfmühlen das Ende der Windmühle. Heinrich Bergmann, der jüngste Sohn des Müllers, machte aus der Mühle eine Wagnerwerkstätte, die bis etwa 1930 bestand. 1989 wurde aus dem Bauwerk ein Restaurant mit Aussicht auf das Kernkraftwerk Dukovany. Im Jahre 1913 wurde ein Quellenbad mit Bassin und Badehaus im Ort errichtet, welches aber 1939 wieder geschlossen wurde.

Gedenkstein der Heimatvertriebenen in Hardegg

Der größte Teil der Liliendorfer lebte von der Vieh- und Landwirtschaft, wobei der sonst in Südmähren wichtige Weinbau aufgrund des Klimas und der Bodenbeschaffenheit nie eine Rolle gespielt hatte. Weiters gab es neben dem üblichen Kleingewerbe ein Sägewerk und zwei Kohlenhändler.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[4] sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch die südmährische Ortschaft Liliendorf, deren Bewohner 1910 zu 99 % Deutschsüdmährer waren, an den neuen Staat. Die versprochene gleichberechtigte Stellung der Minderheiten wurde letztlich vom Mehrheitsvolk nicht zugestanden. Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte im Jahre 1931, wobei die Schule erst ein Jahr später an das Stromnetz angeschlossen wurde. Auch wird der Ort ein beliebter Ferienort für Bewohner von Prag, Brünn, Znaim und Wien. Im Rahmen von Regierungsmaßnahmen wurde eine tschechische Minderheitenschule im Ort errichtet. Aufgrund der wenigen tschechischen Kinder im Ort wurde Kinder aus Lundenburg im Ort eingeschult. Weitere Maßnahmen wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung, durch welche sich Tschechen in den deutschen Gemeinden ansiedeln sollten, verschärften die Spannungen. Als auch die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde und bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen geregelt wurde, an Deutschland. Somit wurde Liliendorf mit 1.Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 8.Mai 1945 - der 10 Opfer forderte - wurden die im Münchener Abkommen an Deutschland übertragenen Territorien wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Bis auf 15 Personen flohen alle Bürger von Liliendorf vor den einsetzenden Nachkriegsexzessen oder wurden noch vor dem Potsdamer Kommunique (Protokoll)[5] am 20. Juni 1945 über die Grenze nach Österreich vertrieben. Laut dem Beneš-Dekretes 108 wurde das Vermögen der deutsche Bevölkerung konfisziert und unter nationale Verwaltung gestellt. Eine Wiedergutmachung ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Transfermodalitäten[6] des Potsdamer Kommuniques verlangte im Jänner 1946 die Rote Armee den Abschub aller Volksdeutschen aus Österreich nach Deutschland. Ein Gedenkstein in Hardegg (Niederösterreich) erinnert an die Vertreibung. Von den Vertriebenen blieben 25 Familien in Österreich, während 69 Familien in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen ansässig wurden. [7][8]

Am 17. Oktober 1993 fand anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Kirche eine Messe mit den Vertriebenen in Liliendorf statt. Zelebriert wurde sie von Josef Hudec und dem Heimatpriester Dechant Johann Schlosser.

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Es ist nur der Abdruck eines bildlosen Siegelstempels aus dem 19. Jh. bekannt, obwohl es sicher ist, dass es bereits in den Jahren davor ein Dorfsiegel gegeben haben muss.[9]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 422 385 37
1890 387 387 -
1900 375 370 2 3
1910 373 370 3
1921 313 228 57 28
1930 360 225 85 20

[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kapelle der hl. Therese (1867/68) mit Altarbild von Josef Doré
  • Windmühle (1862), stillgelegt 1907, Wahrzeichen des Ortes

Brauchtum[Bearbeiten]

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • Der Kirtag findet immer Mitte Oktober, zum Fest der hl. Theresia statt.

Sagen aus dem Ort[Bearbeiten]

Die deutschen Ortsbewohner kannten eine Vielzahl von Mythen:

  • Eines Tages kam ein schwerbeladenes Fuhrwerk in den Ort. Der Kutscher stieg im Gasthaus ab und stärkte sich. Als er weiterfahren wollte, konnten die Pferde das Gefährt trotz aller Mühen nicht mehr bewegen. Daraufhin holte der Kutscher eine Axt, ging zum linken Hinterrad und hackte die 7te Speiche entzwei. Im gleichen Moment griff ein alter Mann im Gasthaus an sein Bein und schrie: "Ich wollte dem Fremden nur einen Possen spielen und ihn dann ohnehin weiterfahren lassen." Daraufhin konnte das Fuhrwerk seine Fahrt fortsetzen. [11]
  • Eine Bäuerin saß in der Stube und schluchzte über den Tod ihrer Mutter. Auch ihr Vater war schon vor vielen Jahren gestorben. Als es dunkel wurde und sie sich sehr verlassen fühlte, hörte sie plötzlich ein eigenartiges Rauschen. Plötzlich stand ihre Mutter vor ihr. Sie sprach: "Liebes Kind, ich darf nicht bei dir blieben, gleich muss ich wieder fort!". Und schon war sie wieder verschwunden.[12]

Weitere Sagen sind:

  • Grasls Schlüsseldepot
  • Das verschwundene G'sölchte
  • Die Irrwurzn[13]

Quelle[Bearbeiten]

  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. 1990, Liliendorf Seite 17
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts) 1995 und 1996
  • Felix Ermacora: Die sudetendeutschen Fragen, Rechtsgutachten, Verlag: Langen Müller, 1992, ISBN 3-7844-2412-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden. 1992, Liliendorf Seite 125
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 310f (Liliendorf).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Anton Vrbka: Heimatkunde Band I, Seite 16
  4. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  5. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  6. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  7. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z. 2009
  8. Brunnhilde Scheuringer: 30 Jahre danach. Die Eingliederung der volksdeutschen Flüchtlinge und Vertriebenen in Österreich, Verlag: Braumüller, 1983, ISBN 3-7003-0507-9
  9. Gustav Gregor: Der politische Landkreis Znaim Band 3.
  10. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  11. Südmährisches Jahrbuch,1976, S.163
  12. Südmährisches Jahrbuch, 1987, S.126
  13. Zuckriegl:Im Märchenland der Thayana, 2000, Eigenverlag, S. 89f