Letizia Moratti

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Letizia Moratti 2009 bei einer Ausstellungseröffnung im Palazzo Reale

Letizia Moratti (* 26. November 1949 in Mailand als Letizia Brichetto Arnaboldi) ist eine italienische Unternehmerin und Politikerin. Vom 29. Mai 2006 bis 30. Mai 2011 war sie Oberbürgermeisterin der Stadt Mailand.

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Letizia Morattis Vater Paolo Brichetto war Partisan der italienischen Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg und wurde mit seiner Frau Paola im Konzentrationslager Dachau interniert.

Nach dem Besuch der rein weiblichen Privatschule „Collegio delle Fanciulle“ im Mailand studierte Moratti Politikwissenschaften an der Universität Mailand und schloss ihr Studium 1972 mit einem Diplom (laurea) ab. Anschließend war sie an ihrer Hochschule als Assistentin für Europarecht tätig.

Moratti ist eine europaweit anerkannte Unternehmerin in den Bereichen Finanzen, Versicherung, Risikomanagement sowie Kommunikation und Massenmedien. Sie ist Mehrheitsaktionärin der Investitionsgesellschaft Syntek Capital Group. 1994 bis 1996 war sie Präsidentin der italienischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt RAI. Anschließend übernahm sie die Versicherungsbrokinggruppe Nikols, die bald unter ihrer Führung zum italienischen Marktführer wurde. 1998 wurde Moratti Vorstandsvorsitzende (CEO) von News Corp. Europe, dem europäischen Ableger von Rupert Murdochs Mediengruppe. Sie war in erster Linie für die Entwicklung des italienischen Kabelfernsehen Stream und des deutschen Senders TM3 zuständig. Sie ist Gründerin der im Medien- und Kommunikationsbereich aktiven Investitionsgesellschaft GoldenEgg[1].

Familie[Bearbeiten]

Letizia Moratti ist mit Gianmarco Moratti verheiratet und Mutter von zwei Kindern, Gabriele und Giada. Ihr Schwager Massimo Moratti ist Präsident des Fußballklubs Inter Mailand. Massimos Ehefrau Milly Moratti ist ebenfalls in Mailand politisch aktiv. 2001 war sie Spitzenkandidatin der Mailänder Grünen für das Bürgermeisteramt. 2006 wurde Milly Moratti erneut als freie Kandidatin in einer Bürgerliste, die Letizia Morattis Herausforderer Bruno Ferrante unterstützte, in den Stadtrat gewählt.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Am 11. Juni 2001 wurde Letizia Moratti zur italienischen Ministerin für Bildung, Hochschulen und Forschung in den Kabinetten Berlusconi II und III. Während ihrer Amtszeit setzte sie eine Reform des italienischen Schulsystems durch.

2006 trat sie als Bürgermeisterkandidatin an den Kommunalwahlen in Mailand an. Sie wurde von zwei Bürgerlisten unterstützt, wovon eine ausschließlich aus Jugendlichen bestand, sowie den Parteien Forza Italia, Alleanza Nazionale, Lega Nord, Unione dei Democratici Cristiani e Democratici di Centro, sowie einigen kleineren Parteien. Am 30. Mai 2006 wurde sie mit 52 % der Stimmen schon im ersten Wahlgang zur Bürgermeisterin der zweitgrößten Stadt Italiens gewählt. [2]

Als Bürgermeisterin eröffnete sie mit der italienischen Nationalregierung, der lombardischen Regionalregierung, sowie der Exekutive der Provinz Mailand den Verhandlungstisch Mailand (Tavolo Milano), um gemeinsame Lösungen für die Entwicklung der Metropole zu finden. Darüber hinaus ist sie Promotorin der erfolgreichen Kandidatur Mailands für die Organisation der Expo 2015.[3]

Letizia Moratti ist als Bürgerin in der Drogenbekämpfung engagiert. Sie war einst im Steuerungskomitee der NGO Rainbow International Association Against Drugs und ist seit März 2007 Botschafterin des United Nations Drug Control Program.

2007 stieß sie aufgrund von Zensurbestrebungen in der bildenden Kunst auf Widerspruch. Zu einer Ausstellung über Homosexualität in der Kunst urteilte sie: «La mostra "Vade retro" feriva chi ha dei valori. La raffinatezza, il gusto e la sensibilità degli omosessuali non affioravano. Erano solo brutte immagini, abbiamo cercato di rimediarla ma il vizio era nell´origine» ("Die Ausstellung "Vade retro" verletzte denjenigen, der Werte hochhält. Die Raffinesse, der Geschmack und die Sensibilität von Homosexuellen kamen nicht ans Licht. Es waren nur hässliche Bilder, wir haben versucht dem beizukommen, aber der Fehler bestand von Anfang an.") Mehrere, angeblich blasphemische Bilder sollten aus der Ausstellung entfernt werden.[4] Kulturstadtrat Vittorio Sgarbi sagte die Veranstaltung ab, die nun in Neapel stattfinden wird. Er erklärte, er sei nicht bereit, sich der Zensur „der Klosterversammlung unter Leitung der Ordensschwester Letizia“ zu beugen.[5]

Bei den Kommunalwahlen Ende Mai 2011 verlor Letizia Moratti die Wiederwahl zur Bürgermeisterin als Kandidatin der Partei Popolo della Libertà (PdL) gegen den linksgerichteten Kandidaten Giuliano Pisapia. Pisapia errang demnach 55,1 Prozent, Amtsinhaberin Moratti bekam 44,9 Prozent der Stimmen.[6]

Quellen[Bearbeiten]

  1. OECD: Letizia Brichetto Arnaboldi Moratti
  2. La Repubblica: Wahlergebnisse Kommunalwahlen 2006
  3. Italienische Regierung: A Milano il Tavolo con le istituzioni locali
  4. Stefano Rossi, Moratti: la mostra gay era brutta, 15. Juli 2007, La repubblica.
  5. http://derstandard.at/?url=/?id=2961227
  6. Schlappe für Berlusconi bei Kommunalwahlen. news.ch. 30. Mai 2011. Abgerufen am 30. Mai 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Letizia Moratti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Letizia Moratti – Zitate (Italienisch)