Lettere di condannati a morte della Resistenza Europea

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Lettere di condannati a morte della Resistenza Europea (deutsch: Letzte Briefe zum Tode Verurteilter aus dem europäischen Widerstand) ist der Titel der italienischen Ausgabe eines Sammelbandes von Abschiedsbriefen junger Frauen und Männer, zum Teil auch von Jugendlichen und Kindern, vor ihrem Tod, die im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten und der Wehrmacht verfolgt, gefoltert und hingerichtet wurden.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Band erschien im Jahr 1954 im Verlag Giulio Einaudi Turin, herausgegeben von Piero Malvezzi und Giovanni Pirelli. Das Vorwort stammt von Thomas Mann. Im Jahr 1955 wurde im Steinberg-Verlag Zürich die deutsche Ausgabe des Sammelbandes veröffentlicht - mit der Dokumentation von 280 Briefen und Botschaften von jungen Menschen, die sich dem Faschismus widersetzten und gegen die deutsche Wehrmacht und die Nationalsozialisten gekämpft hatten.

Die Verfasser der Briefe und Mitteilungen stammten aus den Ländern Belgien, Bulgarien[1], Dänemark, Frankreich, Griechenland[2], Italien[3], Jugoslawien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen[4], Tschechoslowakei, Ungarn, der UdSSR[5] und Deutschland[6].

Der Sammelband enthält außerdem zu den einzelnen Ländern eine Beschreibung der Chronologie der Besetzung und eine Schilderung der Ereignisse, die von deutschen Faschisten zusammen mit ihren Kollaborateuren in den besetzten Ländern zu verantworten waren.

Vorwort von Thomas Mann[Bearbeiten]

Für den Sammelband Lettere di condannati a morte della Resistenza Europea hat Thomas Mann ein Vorwort geschrieben. Darin erinnert er an den europaweiten Kampf gegen Faschismus sowie gegen jede Form von Zerstörung, Unterdrückung und Diktatur.[7] Er schrieb:

„Das kehrt immer wieder, und das Herz zieht sich zusammen bei dem Gedanken, was aus dem "Sieg der Zukunft", aus dem Glauben, der Hoffnung dieser Jugend geworden ist, und in welcher Welt wir leben. In einer Welt bösartiger Regression, in welcher abergläubischer und verfolgungssüchtiger Hass sich paart mit panischer Angst; einer Welt, deren intellektueller und moralischer Unzugänglichkeit das Schicksal Zerstörungswaffen von scheusslicher Rasanz anvertraut hat, die man aufstapelt unter der schwachsinnigen Drohung "wenn es denn sein muß", die Erde in eine von giftigen Dünsten umhüllte Wüste zu verwandeln. Das Absinken des kulturellen Niveaus, die Verkümmerung der Bildung, die Stumpfheit im Hinnehmen von Untaten einer politisierten Justiz, Bonzentum, blinde Gewinngier, der Verfall von Treu und Glauben, erzeugt, jedenfalls gefördert von zwei Weltkriegen, sind ein schlechter Schutz gegen den Ausbruch eines dritten, der das Ende der Zivilisation bedeuten würde.“

Rezeption[Bearbeiten]

  • Zum Erscheinen der deutschen Ausgabe in Zürich schrieb die Neue Zürcher Zeitung:[8]

„Selten zuvor stand uns ein so unmittelbares Bild des europäischen Antifaschismus zur Verfügung: Da steht der Priester neben dem Kommunisten, stehen Deutsche und Italiener neben den anderen betroffenen Nationen, den Griechen und Russen, Polen und Jugoslawen, und der norwegische Fischer und der griechische Schäfer erscheinen neben dem Schriftsteller und Intellektuellen. Zehn Jahre nach dem Sturz des Nazismus kommt diesem Buch eine fest umrissene Bedeutung zu, so sehr sprechen diese Botschaften im Angesicht des Todes dieselbe moralische Sprache und führen dem Leser von 1955 die tiefe geistige Einheit vor Augen, die, jenseits aller nationalen und ideologischen Verschiedenheiten, die europäische Widerstandsbewegung zusammenhielt. Wir kennen kaum ein Buch, das so von verzweifelter Liebe zum Leben erfüllt wäre. Gerade die physische Gegenwart des Todes weicht dem Bild einer ungeheuren Lebenskraft.“

  • Der italienische Komponist Luigi Nono wählte im Jahr 1956 aus den Lettere für den Text seines 1956 geschriebenen Chorwerkes Il canto sospeso zehn Abschiedsbriefe von Frauen, Männern und Jugendlichen.
Hauptartikel: Il canto sospeso
Hauptartikel: Nonoprojekt
  • Auf Tafeln der Gedenkstätte in Como zur Erinnerung an den europäischen Widerstand gegen das NS-Regime, dem Monumento alla Resistenza Europea, sind kurze Passagen aus achtzehn letzter Briefe in ihrer jeweiligen Originalsprache eingelassen.[9] Die Texte stammen zum überwiegenden Teil aus dem hier besprochenen Band.[10]

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Lettere di condannati a morte della Resistenza Europea. Hrsg. Piero Malvezzi und Giovanni Pirelli, Vorwort von Thomas Mann. Giulio Einaudi, Turin 1954.
    • Letzte Briefe zum Tode Verurteilter aus dem europäischen Widerstand. Herausgegeben von Piero Malvezzi und Giovanni Pirelli, Vorwort von Thomas Mann. Steinberg-Verlag, Zürich 1955.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Länderprofil Historie Bulgarien 1923 - 1945
  2. Länderprofil Historie Griechenland 1940 - 1944
  3. Länderprofil Historie Italien 1922 - 1945
  4. Länderprofil Historie Polen 1939 - 1945
  5. Länderprofil Historie Rußland 1939 - 1945
  6. Länderprofil Historie Deutschland 1933 - 1945
  7. Letzte Briefe zum Tode Verurteilter aus dem europäischen Widerstand. Herausgegeben von Piero Malvezzi und Giovanni Pirelli. Vorwort von Thomas Mann. Steinberg-Verlag, Zürich 1955. S. XI–XII.
  8. Quelle: Beilage Sonderdruck Letzte Briefe zum Tode Verurteilter aus dem europäischen Widerstand. Herausgegeben von Piero Malvezzi und Giovanni Pirelli, Vorwort von Thomas Mann. Steinberg-Verlag, Zürich 1955.
  9. Gedenkorte Europas - Gedenkstätte Como
  10. Es sind die Briefe und Inschriften von:
    • Marguerite Bervoerts (Belgien), Lehrerin und Dichterin, enthauptet am 9. August 1944 (dokumentiert in: Letzte Briefe zum Tode Verurteilter aus dem europäischen Widerstand, herausgegeben von Piero Malvezzi und Giovanni Pirelli, Vorwort von Thomas Mann. Steinberg-Verlag, Zürich 1955, S. 35)
    • Ahmed Tatanov Ammedov (Bulgarien), erhängt am 16. Mai 1944
    • Christian Ulrik Hansen (Dänemark), Student, erschossen am 23. Januar 1944 (dokumentiert ebenda S. 84)
    • Elli Voigt (Deutschland), Arbeiterin, enthauptet am 8. Dezember 1944 (dokumentiert ebenda S. 136)
    • Jacques Decours (Frankreich), Schriftsteller, erschossen am 30. Mai 1942
    • Serafim Triantafilou (Griechenland), Rechtsanwalt, erschossen am 26. März 1944 (dokumentiert ebenda S. 242)
    • Pier Amato Perretta (Italien), Richter, gestorben am 15. November 1944
    • Ratko Zaric (Jugoslawien), Student, erschossen am 4. Mai 1943 (dokumentiert ebenda S. 341)
    • Adolphe Claude (Luxemburg), Arbeiter, enthauptet am 12. Februar 1942 (dokumentiert ebenda S. 353)
    • Anne Frank (Niederlande), jüdische Schülerin, Bergen-Belsen im Februar 1945
    • Borgen Boe (Norwegen), erschossen am 29. Dezember 1941 (dokumentiert ebenda S. 395)
    • Rudolf Fischer (Österreich), Arbeiter, enthauptet am 28. Januar 1943 (dokumentiert ebenda S. 425)
    • Inschrift an einer Zellenwand des Gestapo-Hauptquartiers in Warschau (Polen) (dokumentiert ebenda S. 462)
    • Filomon Sirbu (Rumänien), Arbeiter, erschossen am 17. Juli 1944
    • Irina Malozon (Sowjetunion), Mädchen des Komsomol, erschossen (dokumentiert ebenda S. 547)
    • Julius Fucik (Tschechoslowakei), Journalist und Schriftsteller, enthauptet am 18. September 1943 (dokumentiert ebenda S. 501)
    • Istvan Pataki (Ungarn), Arbeiter, erschossen am 24. Dezember 1944 (dokumentiert ebenda S. 536)
    • Chaim (Galizien), ein 14-jähriger Junge im Namen der Juden in ganz Europa (dokumentiert ebenda S. 467)