Leuchtturm

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum heraldischen Artikel siehe Leuchtturm (Heraldik). Zum Artikel über das Unternehmen bzw. die Marke „Leuchtturm1917“ siehe Leuchtturm Albenverlag.
Roter Sand – in Deutschland der Inbegriff von Leuchtturm

Als Leuchtturm wird ein Turm bezeichnet, der ein Leuchtfeuer trägt. Leuchttürme stehen an für die Navigation wichtigen Punkten oder an gefährlichen Stellen, wo sie der Schifffahrt auch nachts als weithin sichtbares Seezeichen dienen.

Durch ihre Lichtsignale (Leuchtfeuer) weisen Leuchttürme Schiffen den Weg und ermöglichen so die Navigation und das Umfahren gefährlicher Stellen im Gewässer.

Im übertragenen Sinn (Metapher) wird als Leuchtturm oder Leuchtfeuer oft bezeichnet, was weithin sichtbar ist und von dem eine bedeutsame Wirkung oder Vorbildfunktion ausgeht (Leuchtturmprojekt). In der englischsprachigen Welt ist die Moderne Sage vom Leuchtturm und Kriegsschiff eine beliebte Metapher für gelegentliche Unflexibilität von großen Mächten.

Nach dem wohl ersten Leuchtturm der Geschichte, dem antiken Pharos von Alexandria, werden Leuchttürme auch als Pharos und die Leuchtturmkunde als Pharologie bezeichnet.[1]


Funktionen und Technik von Leuchttürmen[Bearbeiten]

Leuchtturm Travemünde, der älteste Leuchtturm an der deutschen Ostseeküste

Es lassen sich mehrere grundsätzliche Funktionen unterscheiden:

Als Leuchtfeueroptik werden seit etwa 1820 Fresnel-Linsen verwendet (nach Augustin Jean Fresnel), die eine kompakte Bauform, ein relativ geringes Gewicht und eine hohe Lichtausbeute haben.

Das Drehlinsensystem hat mehrere (bis zu 20) Sektoren und Brennweiten bis etwa 70 Zentimeter. Jeder Turm hat seine kennzeichnende Umdrehungszeit und Blinkart („Wiederkehr“ und Kennung). Sie werden für jedes Revier periodisch im Leuchtfeuerverzeichnis veröffentlicht.

Die Bauweise der Leuchttürme ist sehr vielfältig. Neben Metall, Holz, Beton- und Steintürmen gibt es auch Rohr- und mastartige Konstruktionen. Lichtanlage und Optik sitzen bei größeren Bauten zumeist im sogenannten Lampenhaus (in der Laterne). Früher gab es auch Funkfeuer nach ähnlichem Prinzip: Funkstrahlen mit festgelegten Kennungen, die als Dreh- und Richtfunkfeuer einsetzbar waren. Heute ist diese Bezeichnung fast gänzlich auf die Funkstationen der Luftfahrt übergegangen.

Bis in das späte 20. Jahrhundert waren in der Nordsee und der Ostsee, wo die Errichtung von Leuchttürmen nicht möglich war, zahlreiche Feuerschiffe positioniert, mit Leuchtfeuern in bis zu 45 Metern Höhe. Heute werden von der Deutschen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nur noch zwei Feuerschiffspositionen unterhalten.

Reichweite[Bearbeiten]

Die Reichweite der meisten Leuchtfeuer liegt – je nach Bauart und Umständen – zwischen 5 und 20 Seemeilen. Sie hängt von fünf Faktoren ab. Zum ersten spielt die „Höhe des Feuers“ über dem Meeresspiegel eine Rolle, zum zweiten die Höhe des Navigators über dem Wasserspiegel, drittens die Leuchtkraft und Farbe der Lichtquelle, zum vierten die Qualität der Optik. Fünftens kann das Wetter und die daraus resultierenden Sichtbedingungen die Reichweite begrenzen. Den Wettereinfluss berücksichtigt man durch eine sogenannte Sichtweitenskala, denn bei schlechten Bedingungen kann die Lichtstärke von mehreren Millionen Candela stark gemindert werden. Letztlich stellt die Reichweite einen Kompromiss zwischen dem technisch Möglichen und dem Aufwand für Stromversorgung und Wartungskosten dar.

Wegen der Erdkrümmung nimmt die theoretische Reichweite mit der Wurzel der Turmhöhe und der Wurzel der Augeshöhe des Navigators zu. Aus Kostengründen ist es sinnvoll, den Leuchtturm auf einer küstennahen Anhöhe zu errichten, weil der Turm selber dadurch niedriger ausfallen kann.

In Extremfällen kann es jedoch sinnvoller sein, einen Leuchtturm an einer tiefer gelegenen Stelle zu errichten, wenn er dadurch in klareren Luftschichten steht. So wurde der alte, 238 m hoch gelegene Leuchtturm am Cape Point in Südafrika 1911 durch einen niedriger gelegenen Leuchtturm ersetzt, da der alte Turm sich zu oft im Hochnebel befand und sein Licht somit nicht so weit sichtbar war, wie ursprünglich angenommen.

Wenn ein Leuchtfeuer gerade am nautischen Horizont („in der Kimm“) auftaucht beziehungsweise verschwindet, kann seine Entfernung einfach berechnet und damit der Standort des Schiffes bestimmt werden. Die Formel kann mittels des Satzes von Pythagoras hergeleitet werden. In der vereinfachten Näherung, wenn die Höhen von Leuchtfeuer und Navigator verglichen mit dem Erdradius gering sind, lautet sie:

\text{Distanz in Seemeilen} = 1{,}9274 \cdot \left(\sqrt{\text{Augenhöhe in Metern}} + \sqrt{\text{Feuerhöhe in Metern}} \right)

Neue Navigationsmethoden und Touristik[Bearbeiten]

Les Éclaireurs bei Ushuaia, einer der südlichsten Leuchttürme der Welt

Auch wenn mittlerweile zahlreiche funktechnische Navigationshilfen mit den Leuchtfeuern in Konkurrenz treten, können visuelle Schifffahrtszeichen insbesondere im küstennahen Bereich nicht ersetzt werden. Bei Ausfall funktechnischer Navigationshilfen (GPS/DGPS, siehe hierzu Volpe Report des U.S. Department of Transportation) stellen sie die unverzichtbare Rückfallebene dar. In bestimmten Fällen sind sie die genauesten Navigationshilfen überhaupt (Richtfeuer/Sektorenleitfeuer).

Früher waren die Türme Arbeitsplatz und teilweise Wohnort der Leuchtfeuerwärter. Dieser Beruf wird in dieser Form praktisch nicht mehr ausgeübt, da der Betrieb der Leuchtfeuer schon lange automatisiert ist.

Trotz modernster Elektronik wie Satellitennavigation und Radar haben aber Leuchttürme nach wie vor ihren Platz in der Navigation, wenn auch zumeist nur noch als Sicherungssystem: bei Ausfällen der Elektronik, der Stromversorgung oder bei Unsicherheiten bei der Ortung. Teilweise befinden sich in der Nähe von Leuchtfeuern auch Funkfeuer.

Viele Leuchttürme haben inzwischen die meist vorhandene Aussichtsplattform für Touristen geöffnet. Sie ist im Regelfall über ein Treppenhaus im Innern des Turms zu erreichen. Vereinzelt dienen Türme auch als Unterkunft oder können für einige Zeit gemietet werden. Einer der ersten derartigen Gelegenheiten war in den 1980er Jahren die Insel Scalpay zwischen Schottland und den Hebriden. In Deutschland steht der Leuchtturm Roter Sand in der Wesermündung als Quartier zur Verfügung.

Geschichte des Leuchtturms[Bearbeiten]

Wie die Geschichte der Leuchttürme begann, ist heute nicht mehr genau bekannt. Im östlichen Mittelmeer gab es schon Jahrhunderte vor Christi Geburt regen Seehandel – und wohl auch Leuchtfeuer, um auch bei widrigen Verhältnissen den Heimathafen zu finden.

Mindestens zwei antike Feuer sind überliefert, die um 300 v. Chr. entstanden: Der Koloss von Rhodos und Pharos von Alexandria. Allerdings ist unsicher, ob der Koloss wirklich als Leuchtfeuer diente. Er soll nur wenige Jahrzehnte gestanden haben, bis er 224 v. Chr. einstürzte. Der ägyptische Turm ging hingegen erst 1303 bei einem Erdbeben verloren.

Die Seefahrt suchte schon zu Beginn nach einfachen Wegen, den Seefahrern „heimzuleuchten“. Fackeln und kleine Feuer wiesen den Fischern nachts ihren Weg. Mönche empfahlen deren Betrieb als gottgefällige Aufgabe.

In Westeuropa war wohl der „Herkulesturm“ (span. Torre de Hércules) im galizischen A Coruña, Spanien einer der ersten. Der noch heute genutzte Turm wurde im Jahr 110 von Caius Sevius Lupus fertiggestellt und war ursprünglich 36 m hoch und maß 18 m × 18 m am Fuß. Seit einer Renovierung und Erweiterung im Jahr 1791 beträgt seine Höhe 50 m. Die Maße am Fuß betragen 20 m × 19,5 m. Auch der Leuchtturm Hook Head in Irland wird zu den ersten gezählt. Er wurde angeblich 1172 über den Klippen des südirischen Ortes in der Grafschaft Wexford bei Waterford erbaut. Heute trägt der Turm sein Feuer in 35 m Höhe.

Im 13. Jahrhundert errichteten die Hansestädte Lübeck und Wismar Kerzenlaternen auf vorgelagerten Inseln. Das bestehende Hafenzeichen in Travemünde wurde 1226 kaiserlich privilegiert. 1299 erhielt Hamburg die Nordseeinsel Neuwerk, um dort eine Feuerblüse zu errichten. Sie wurde 1310 fertiggestellt und steht noch heute. Um 1625 folgte ein ständiges Leuchtfeuer auf Wangerooge; die Benutzung des Kirchturms bewährte sich aber nicht.

Leuchtfeuer[Bearbeiten]

Deutlich verbessert wurden die Leuchtfeuer 1782 durch den Genfer Physiker Aimé Argand (1750-1803) mit der Hohldochtlampe, einem Vorläufer der späteren Petroleumlampe. Erst später setzten sich Gasglühlichter durch. Schließlich entwickelte Augustin Jean Fresnel (1788–1827) im Auftrag der französischen Regierung eine Lichtbündelung durch spezielle Linsen. Mit den Fresnel-Linsen erreichten die Leuchtfeuer eine viel größere Tragweite. Eine Sonderform der Fresnel-Linse zur horizontalen Bündelung im gesamten 360° Umkreis wird auch als Gürtellinse bezeichnet.

Turmhöhen[Bearbeiten]

Höchstes Leuchtfeuer der Welt in Dschidda
Leuchtfeuer Bunthaus, 6,95 m

Als höchstes Leuchtfeuer der Welt gilt das des Leuchtturms von Dschidda in Saudi-Arabien in 140 Metern Höhe. Der derzeit höchste Leuchtturm in Deutschland steht in Campen an der Emsmündung. Der dreibeinige Gitterturm misst 65 Meter. Zurzeit plant man an der Elbe neue Richtfeuerlinien, deren Türme Höhen bis zu fast 100 Metern erreichen sollen. Erforderlich wurde ihr Bau wegen der geplanten Elbvertiefung, die eine Verbreiterung des Fahrwassers und eine Veränderung der Fahrlinien der Schiffe zur Folge haben wird.

Das höchste deutsche Leuchtfeuer sitzt auf dem 118 Meter hohen Hotel „Maritim“ in Lübeck-Travemünde, 114 m über der Mittelwasserhöhe der Ostsee.[2]

Einer der kleinsten Leuchttürme dürfte das ehemalige Leuchtfeuer Bunthaus (1914–1977) auf der Bunthäuser Spitze (Unterelbe bei Hamburg) mit 6,95 Metern Turmhöhe sein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Monika Bergmann: Lexikon der Leuchttürme. Komet, Köln 2008, ISBN 978-3-89836-827-8.
  • Gerhard Wiedemann (Hg.), Johannes Braun, Hans Joachim Haase: Das deutsche Seezeichenwesen. 1850 - 1990, zwischen Segel- und Container-Schiffsverkehr [In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven]. DSV-Verlag, Hamburg 1998, ISBN 3-88412-275-4.
  • Jean Guichard (Fotos), Vincent Guigueno (Text): Leuchttürme. (Originaltitel: Phares übersetzt von Christiane Hauert). DK Edition Maritim, Hamburg 2007, ISBN 978-3-89225-575-8.
  • Ian Penberthy: Die 75 beeindruckendsten Leuchttürme der Welt (Originaltitel: Lighthouses - Man-made Wonders, übersetzt von Annerose Sieck). Tosa, Wien 2009, ISBN 978-3-85003-388-6.
  • Jürgen Voss: Lichter am Horizont – Leuchttürme zwischen Tag und Nacht. DK Edition Maritim, Hamburg 2003, ISBN 978-3-89225-482-9.

Siehe auch[Bearbeiten]

Briefmarkenserien
Leuchttürme seit 2004 in Deutschland
Leuchttürme, Leit- Leucht- und Molenfeuer, 1974 und 1975 in der DDR

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Leuchtturm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Leuchttürme – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Nordsee: eine Natur- und Kulturgeschichte, Richard Pott, C.H.Beck, 2003 – „Der Pharos vor Alexandria (...) war wohl der älteste bekannte Leuchtturm der Erde, (...) er hat aber nicht nur der «Leuchtturmkunde», der «Pharologie», den Namen gegeben(...)“
  2. Daten zum Orientierungsfeuer Travemünde, abgerufen am 2. November 2010