Leuchtturm und Kriegsschiff (Moderne Sage)

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Die moderne Sage vom Leuchtturm und einem Kriegsschiff geht auf Anfang der 1930er Jahre erschienene Witze- und Cartoonsammlungen zurück und kursiert seit den 1990er Jahren im Internet.

Inhalt und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Sage beschreibt die Kommunikation zwischen einem Kriegsschiff und einem Leuchtturm. Die Besatzung des Kriegsschiffs verlangt eine Kursänderung von dem Leuchtturm, den sie für ein Schiff auf Kollisionskurs hält. Der Leuchtturmwärter lehnt dies ab, die Konversation eskaliert. Das Kriegsschiff, gelegentlich auch als Flugzeugträger oder Flaggschiff einer ganzen Flotte dargestellt, verlangt zunehmend drohend eine Kursänderung. Am Ende droht der Kommandant des Kriegsschiffes mit seiner ganzen militärischen Macht und bekommt zurückgemeldet Wir sind ein Leuchtturm. Bitte kommen! und ist damit bis auf die Knochen blamiert.

Formal ist der zugehörige Witz seit den 1930er Jahren bekannt.[1] Die ersten Erwähnungen waren Zeichnungen, es wurde dabei eine Konversation per Megafon zwischen einem überheblichen Offizier und einem Leuchtturmwärter mit Unterklassenakzent abgebildet, beide stehen an der Reling, aufgrund von Nebel oder Bildausschnitt ist der Unterschied von Leuchtturm und Schiff zunächst nicht zu erkennen.[2] Seit etwa 1995 findet die moderne Sage Verbreitung im Internet und wird dabei oft als tatsächliche Mitschrift verbreitet, die etwa vom U.S. Chief of Naval Operations freigegeben worden sei.

Beispiel[Bearbeiten]

Eine klassische Version schaut wie folgt aus:[1]

„Anbei die Niederschrift einer Funkkommunikation an der Küste Neufundlands zwischen einem US-Kriegsschiff und kanadischen Behörden im Oktober 1995. Die Freigabe der Daten durch den Chief of Naval Operations erfolgte 10-10-95, Geheimhaltungsstufe frei.

US-Kriegsschiff: Bitte steuern Sie 15° Nord, um eine Kollision zu vermeiden. Bitte kommen.
CDN: Empfehle SIE steuern 15° Nord, um eine Kollision zu vermeiden. Bitte kommen. Bitte kommen.
US-Kriegsschiff: Hier spricht der Kommandeur eines Schlachtschiffs der US Navy. Ich wiederhole, korrigieren Sie Ihren Kurs. Bitte kommen.
CDN: Wiederhole, Sie sollten Ihren Kurs korrigieren. Bitte kommen.
US-Kriegsschiff: Wir haben unter unserem Kommando den Flugzeugträger USS Lincoln, das zweitgrößte Schiff der US-Atlantikflotte. Wir werden von drei Zerstörern, Kreuzern und verschiedenen Unterstützungsungsschiffen begleitet. Wir legen Ihnen dringends ans Herz, unverzüglich Ihren Kurs zu ändern, da wir ansonsten Maßnahmen zur Sicherung unseres Geleitzuges unternehmen werden.
CDN: Hier spricht Sergeant McNeill, ich befinde mich auf einem Leuchtturm. Bitte kommen.[1]

Einigen Flugzeugträgern wie der Enterprise, Coral Sea sowie der Nimitz und dem Schlachtschiff Missouri wurde die Anekdote zugeschrieben.[1][3] Es gibt ebenso schottische oder irische Varianten,[4] die Schiffe werden dann gelegentlich auch der britischen Marine zugeordnet.[5]

Rezeption[Bearbeiten]

Die US Navy hat eine eigene Webseite, die das Thema als Witz erklärt.[3] Dies hinderte Mike McConnell als Direktor der National Intelligence nicht daran, es 2008 in einer Rede zu verwenden.[6] Ebenso nahmen Isaac Asimov[7] und Steven Covey es in Büchern auf.[8] Die Geschichte wird gerne als Metapher für wirkungslose Übermacht sowie mangelnde Flexibilität und übergroße Einbildung verwendet. 2004 nutzte die schwedische Marinefirma Silva den Ablauf für eine preisgekrönte Fernsehwerbung.[9][10]

Aus verschiedenen Gründen ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Geschichte tatsächlich passiert ist,[11] was ihrer Beliebtheit dennoch keinen Abbruch getan hat. Tatsächliche Unfälle von Schiffen mit Leuchttürmen oder Feuerschiffen sind selten, so wurde das Elbow of Cross Ledge Light in New Jersey einmal und das Moreton Bay Pile Light in Australien sogar mehrfach von Schiffen gerammt. Die US-Küstenwache sieht die Anekdote als verbreiteten Witz über die Navy.[12] Rein technisch sind solche Konversationen heute aufgrund der Automatisierung der Leuchttürme sowie deren bekannten Positionen unrealistisch.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Barbara Mikkelson: The Obstinate Lighthouse. Snopes.com. 18. März 2008. Abgerufen am 17. September 2011.
  2. Lewis and Faye Copeland: 10,000 Jokes, Toasts and Stories. Garden City Books, New York, NY 1939., cited by Mikkelson.
  3. a b The Lighthouse Joke. US Navy, 2. September 2009, abgerufen am 5. März 2014 (englisch).
  4. Scottish Humour, Real Life Stories. RampantScotland.com. Abgerufen am 20. September 2011.
  5. Adrian Gostick, Scott Christopher: The Levity Effect: Why It Pays to Lighten Up. John Wiley & Sons, New York, NY 29. Dezember 2010, ISBN 978-1-118-03941-0, S. 107–08 (Zugriff am September 18, 2011).
  6. Mark Silva: DNI Mike McConnell: 'America hates spies'. In: Chicago Tribune, 13. März 2008. Abgerufen am 17. September 2011. 
  7. Isaac Asimov: Asimov Laughs Again. HarperCollins, 11. März 1992, ISBN 978-0-06-016826-1., cited at Mikkelson.
  8. Stephen R. Covey: The Seven Habits of Highly Effective People. Simon & Schuster, 1989, ISBN 978-0-671-71117-7, S. 32–33., cited at Mikkelson.
  9. Duncan: Silva Captain and the Lighthouse. The Inspiration Room. 3. Dezember 2006. Abgerufen am 17. September 2011.
  10. Cannes Lions 2004 Filmpreisliste
  11. Lisa Chadderdon: This Time, Consultants Are In The Dark. In: Fast Company, 31. August 1999. Abgerufen am 17. September 2011. 
  12. Gail Collins: A Black Hole Rating System. In: The New York Times, 3. April 2008. Abgerufen am 20. September 2011. 
  13. Mathew LoFiego: Classic Bilge: The Lighthouse vs. The Aircraft Carrier. Military Officers Association of America. 29. März 2009. Abgerufen am 20. September 2011.

Weblinks[Bearbeiten]