Leudelsbach

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Leudelsbach
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Einmündung des Nebenarms im Remminger Tal

Einmündung des Nebenarms im Remminger Tal

Daten
Gewässerkennzahl DE: 238472
Lage Baden-Württemberg
  Landkreis Ludwigsburg
Flusssystem Rhein
Abfluss über Enz → Neckar → Rhein → Nordsee
Ursprung in Möglingen
48° 53′ 24″ N, 9° 7′ 42″ O48.899.1283333333333280
Quellhöhe ca. 280 m ü. NHN[1]
Mündung zwischen Unterriexingen und Untermberg von rechts in die Enz48.9263888888899.0777777777778186Koordinaten: 48° 55′ 35″ N, 9° 4′ 40″ O
48° 55′ 35″ N, 9° 4′ 40″ O48.9263888888899.0777777777778186
Mündungshöhe 186 m ü. NHN[2]
Höhenunterschied ca. 94 m
Länge 6,6 km[3]
Einzugsgebiet 21,7 km²[4]
Talmulde des Oberlaufs mit dem Hohenasperg
Weinberg, Sozialbrache, Kalkmagerrasen und Hangwald mit Kiefern am Oberen Wannenberg

Der Leudelsbach im baden-württembergischen Landkreis Ludwigsburg ist etwas über 6 km lang, fließt überwiegend durch Markgröninger Markung in die Enz und hat ein Einzugsgebiet von etwa 22 Quadratkilometern.

Geographie[Bearbeiten]

Der Leudelsbach hat zwei Oberläufe, die sich nordwestlich von Möglingen vereinigen: Der von Osten kommende Arm beginnt heute am Steg nahe der Möglinger Wiesenstraße. Davor ist er verdolt. Ursprünglich entsprang der Untere Leudelsbach der „Wette“ unterhalb des Möglinger Pfarrhauses, die von mehreren Quellen gespeist wurde.[5] Die Quelle des Oberen Leudelsbachs liegt südwestlich von Möglingen im Markgröninger Gewann „Leudelsbach“.[6] Der von hier in nordöstlicher Richtung fließende Arm vereinigt sich bei den ehemaligen Weinbergen nordwestlich von Möglingen mit dem Unteren Leudelsbach.[7] Von hier fließt der Leudelsbach in nordwestlicher Richtung rechts an Markgröningen vorbei durchs tief eingeschnittene Remminger Tal und mündet gegenüber vom ehemaligen Remmigheim in die Enz, knapp 15 Kilometer vor deren eigener Mündung in den Neckar.

Zuflüsse[Bearbeiten]

Zuflüsse von der Quelle zur Mündung (Länge[3], Einzugsgebiete[8] nach den entsprechenden Layern der Kartendienste der LUBW):

  • Oberlauf Furtbach, 0,9 km. Entsteht als Riedbach beim Sportgelände von Pflugfelden und unterquert schon als Furtbach die Anschlussstelle Ludwigsburg Süd der B 41, um dann am Südrand von Möglingen beim Stadion in einer Verdolung zu verschwinden.
    • Binsach, von links kurz vor der Verdolung in den Furtbach, 0,8 km.
    • Sonnenbrunnen, Quelle rechts des Furtbachs
  • Hanfbach (Eselspfad), von rechts längs der nördlichen Siedlungsgrenze Möglingens, 1,5 km.
  • Oberer Leudelsbach, von links wenig nordwestlich des Siedlungsrandes von Möglingens, 1,4 km und 2,1 km².
  • Riedbach, von rechts an der Bachquerung der Landstraße L 1138 von Markgröningen nach Asperg auf etwas unter 255 m ü. NN, 1,4 km und 2,1 km².
  • Andelbach, von rechts kurz vor der Markgröninger Ölmühle, 0,7 km und 1,4 km².

Im „Remminger Tal“ (Unterlauf) münden keine weiteren Bäche in den Leudelsbach. Zusätzliches Wasser kommt periodisch von der Entwässerung der Unterriexinger Straße. Beim Ausflugslokal am Markgröninger Badplatz, wo der Leudelsbach in die Enz mündet, entspringt rechts des Baches eine kleine namenlose Quelle.

Einzugsgebiete[Bearbeiten]

Das Einzugsgebiet des Leudelsbaches umfasst nur etwa 22 Quadratkilometer. Wenig westlich des unteren Leudelsbachs rückt die Glems nahe an das Leudelsbachtal heran. Jenseits der nördlichen Wasserscheide entwässert der Bissinger Saubach zur abwärtigen Enz. Im Nordosten fließt der Freiberger Gründelbach zum Neckar. Im Osten führt die Ludwigsburger Stadtentwässerung durchs Hohenecker Tal zum Neckar. Südöstlich vom Einzugsgebiet der verdolten Oberläufe des Leudelsbachs entwässert der Aldinger Holzbach weiter flussaufwärts zum Neckar.

Geologie und Ökologie[Bearbeiten]

Aufgrund einer geologischen Verwerfung ändert sich die Charakteristik des Leudelsbachtales abrupt: Die für das Lange Feld typische flache Talmulde geht ab dem Parkplatz am ehemaligen Tammer See[9] in ein Kastental und ab der Kläranlage in eine Klinge über, die der Bach durch den hier anstehenden Muschelkalk gegraben hat. Dieser „Remminger Tal“ genannte Abschnitt gehört großteils zum Naturschutzgebiet Leudelsbachtal. Ökologisch besonders wertvoll sind die Kalkmagerrasen an den sonnenexponierten Steilhängen rechts des Baches.

Die ab dem Klärwerk[10] häufig stark ansteigende Wassermenge führte zu zahlreichen Überschwemmungen und schließlich zur Entstehung von zwei naturbelassenen Verzweigungsbereichen des Bachbetts. Beim älteren Bereich ist eine Auwaldinsel, beim zweiten und jüngeren sind facettenreiche Feuchtwiesen mit ersten Röhrichtinseln entstanden. Der erhoffte Artenreichtum wird jedoch durch starken Nährstoffeintrag und das expansive Indische Springkraut eingeschränkt, das hier optimale Wuchsbedingungen vorfindet.

Wasserqualität[Bearbeiten]

Gruppenklärwerk Leudelsbach bei Markgröningen

Die Kommunen Asperg, Ludwigsburg, Möglingen und Markgröningen betreiben gemeinsam in Form eines Zweckverbands das Gruppenklärwerk Leudelsbach. Dessen Einzugsbereich umfasst den westlichen Teil Aspergs und die Markgröninger Siedlung Hurst/Landesheim, den Ludwigsburger Stadtteil Pflugfelden, ganz Möglingen und den nördlichen Stadtteil Markgröningens. Die Abwasserleitungen verlaufen zum einen entlang des Riedbachs und des Leudelsbachs, zum anderen direkt von Markgröningen zur Kläranlage. Durch deren Ausbau um eine weitere Reinigungsstufe hat sich die einst schlechte Wasserqualität unterhalb der Kläranlage weiter verbessert. Bei anhaltendem Starkregen gelangen allerdings immer noch größere Schübe ungeklärter Abwässer in den Leudelsbach. Erkennbar an Schaumbildung, starkem Tensidgeruch und zahlreich abgelagerten Damenbinden in zuvor überfluteten Bereichen.

An den ab 2010 fälligen Investitionskosten übernehmen Asperg 15,55 Prozent, Ludwigsburg für den Stadtteil Pflugfelden 16,3 Prozent, Möglingen 31,5 Prozent und Markgröningen 36,65 Prozent.[11]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name des Baches soll von „Pliedelsbach“ abgeleitet sein, was wie der Ortsname Plieningen auf die „Pleonungen“, eine im Stuttgarter Raum einst führende alemannische Familie, hinweise. In der Forstkarte von Georg Gadner (1590) wird der Leudelsbach kongruent zum Namen des Talabschnitts (Remminger Tal) als „Remmick“ bezeichnet.[12] An den südexponierten Steillagen im Remminger Tal finden sich noch zahlreiche Weinbergterrassen. Einige werden bis heute bewirtschaftet. Zwei der brachliegenden Weinberge werden vom staatlichen, einer vom städtischen Naturschutz offen gehalten. Ein weiterer wurde von privater Hand als „Kunstwengert“[13] zu einem Skulpturengarten umgestaltet. Der Leudelsbach trieb einst zwei Mühlen an.

Mühle und Wasserwerk in Möglingen[Bearbeiten]

Die erstmals 1453 erwähnte und für 1523 urkundlich gesicherte Möglinger Mühle an der Asperger Straße 18[14] wurde damals von Conrad Müller betrieben.[15] Der 1561 Mühlbach genannte und heute verdolte Untere Leudelsbach hatte seinen Ursprung damals in der „Wette“ unterhalb des Pfarrhauses. Nach kurzem Lauf durch den Ort mündeten von rechts der aus Pflugfelden kommende Furtbach und der Hanfbach in den Leudelsbach, der dann meist stark genug war, um das Wasserrad der Mühle anzutreiben.

Im 17. Jahrhundert bestand am Leudelsbach bei Möglingen eine Pulvermühle zur Versorgung der Festung Hohenasperg, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde – vermutlich 1634 im Zuge der Belagerung der Festung. 1662 ließ Herzog Eberhard III. von Württemberg statt dessen eine Pulvermühle an der weit mehr Wasser führenden Glems bei Markgröningen errichten.

Am 30. September 1727 wurde der Müller Caspar Siglin jedoch auf Geheiß des Herzogs Eberhard Ludwig enteignet, um anstelle der Mühle ein Wasserhebewerk zur Trinkwasserversorgung der neu entstandenen Residenzstadt Ludwigsburg einzurichten. In einer Brunnenstube wurde das Wasser von mehreren Quellen der Umgebung gesammelt und zu einem Wasserturm auf dem „Löscher“ gepumpt. Fällige Entschädigungen und Entlohnungen blieb der Herzog schuldig und stürzte damit etliche Beteiligte ins Elend. Zehn Jahre später wurde der Betrieb wegen zu geringer Pumpleistung, zu hoher Betriebskosten und Leitungsschäden bereits wieder eingestellt. Dabei soll auch Sabotage im Spiel gewesen sein.[16]

Die 1743 wieder eingerichtete Getreidemühle erwies sich wegen der zu geringen Leistungsfähigkeit des Leudelsbaches als unwirtschaftlich, wechselte deshalb häufig den Besitzer und wurde 1904 stillgelegt.[17]

Ölmühle am Tammer See

Ölmühle Markgröningen[Bearbeiten]

Unterhalb des Zusammenflusses mit dem Andelbach reichte die Wassermenge aus, um die Markgröninger Ölmühle am ehemaligen Tammer See zu betreiben. Die Gebäude Ölmühle 1 und 3 stehen heute als Sachgesamtheit unter Denkmalschutz.[18] Unterhalb des erhaltenen Mühlengebäudes findet sich heute ein Regenrückhaltebecken.

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Brunner: Erläuterungen zu Blatt 7120 Stuttgart-NW der Geologischen Karte 1:25.000 von Baden-Württemberg. Hrsg. v. Geologischen Landesamt Baden-Württemberg. 3. neubearb. Aufl., Stuttgart 1992.
  • Oscar Paret: Ludwigsburg und das Land um den Asperg: Ein Heimatbuch für den Bezirk Ludwigsburg. Ludwigsburg 1934.
  • Karl Eduard Paulus u.a.: Beschreibung des Oberamts Ludwigsburg. Hrsg.: Königlich Statistisch-Topographisches Bureau. Stuttgart 1859. Reprint: Bissinger, Magstadt, ISBN 3-7644-0038-2.
  • Hermann Römer: Markgröningen im Rahmen der Landesgeschichte I. Urgeschichte und Mittelalter. Markgröningen 1933.
  • Thomas Schulz: Mühlenatlas Baden-Württemberg, Bd.3 Die Mühlen im Landkreis Ludwigsburg. Hennecke, Remshalden-Buoch 1999, ISBN 3-927981-63-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Höhe nach dem Höhenlinienbild auf der Hintergrundkarte Topographische Karte auf: Kartendienste der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) (Hinweise)
  2. Im Flusslauf der Enz zwei blaue Höhenangaben ober- und unterhalb der Mündung von 185,9 m und 185,8 m ü. NN auf: Kartendienste der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) (Hinweise)
  3. a b Länge nach dem Layer Gewässernetz (AWGN) auf: Kartendienste der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) (Hinweise)
  4. Einzugsgebiet als Summe der Teileinzugsgebiete nach dem Layer Basiseinzugsgebiet (AWGN) auf: Kartendienste der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) (Hinweise)
  5. Standort der Wette siehe 48° 53′ 7″ N, 9° 7′ 40″ O48.8852599.127746
  6. Standort der Quelle siehe 48° 53′ 27″ N, 9° 6′ 10″ O48.8908689.102739
  7. Standort des Zusammenflusses siehe 48° 53′ 45″ N, 9° 7′ 7″ O48.8958559.118671
  8. Teileinzugsgebiete nach dem Layer Basiseinzugsgebiet (AWGN) auf: Kartendienste der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) (Hinweise)
  9. Standort „Tammer See“ siehe 48° 54′ 36″ N, 9° 5′ 41″ O48.9099359.094722
  10. Standort des Gruppenklärwerks Leudelsbach siehe 48° 54′ 51″ N, 9° 5′ 4″ O48.9141249.08457
  11. Quelle: Satzung des Zweckverbands Gruppenklärwerk Leudelsbach
  12. Siehe „Remmick Fl.“ in der Karte des Leonberger Forsts (1590)
  13. „Wengert“ ist der schwäbische Ausdruck für Weingarten.
  14. Standort der Mühle siehe 48° 53′ 30″ N, 9° 7′ 34″ O48.8917949.125973
  15. Quelle: Lagerbuch des Amts Grüningen von 1523 (HStA Stuttgart)
  16. Quelle: Albert Kleemann (veröffentlicht in einer Beilage zur Ludwigsburger Kreiszeitung am 24. Dezember 1968)
  17. Quelle: Hermann und Adolf Seybold (Heimatverein Möglingen 1979)
  18. Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg. Verzeichnis der unbeweglichen Bau- und Kunstdenkmale und der zu prüfenden Objekte (PDF; 33 kB), Stand: 7. November 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leudelsbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien