Lewada-Zentrum

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Das Lewada-Zentrum (auch: Analytisches Center Levada oder Levada-Center, russisch Левада-Центр, Lewada-Zentr) ist ein gemeinnütziges und unabhängiges Meinungsforschungsinstitut in Russland. Das Center wurde nach seinem Gründer, dem ersten russischen Professor der Soziologie Juri Lewada benannt. Die Ursprünge hatte das Lewada-Zentrum 1987 mit der Gründung von WZIOM unter der Leitung des Akademiemitgliedes Tatjana Saslawskaja.

Struktur[Bearbeiten]

Das Lewada-Zentrum betreibt Forschungs- und Meinungsumfragen in Gebieten wie Soziologie, Wirtschaft, Psychologie und Marktforschung. Mit ungefähr 80 Mitarbeitern im Moskauer Büro, 80 Mitarbeitern in den regionalen Abteilungen und ca. 3000 Interviewern zählt es zu einer der größten Meinungsforschungsagenturen Russlands.

Die Schlüsselfiguren sind die Gründer der Firma, die ihre Arbeit bei WZIOM begonnen haben und im Lewada-Zentrum ihre Forschungsarbeit fortsetzen. Von 2003 bis 2006 war Juri Lewada der Direktor der Firma. Seit Dezember 2006 hat Lew Gudkow dieses Amt übernommen.

Die Hauptforschunsabteilungen sind:

  • Abteilung für sozialpolitische Forschungen
  • Abteilung für Einkommens- und Konsumstudien
  • Abteilung für qualitative Forschungen
  • Abteilung für soziale und wirtschaftliche Forschungen
  • Abteilung für Marktforschung

Organisation[Bearbeiten]

Das Lewada-Zentrum hat Partnerschaften mit Forschungszentren in Russland, den übrigen GUS-Staaten und den baltischen Ländern. Ihre Partner und Kunden sind russische und internationale Firmen und Organisationen.[1]

Das Lewada-Zentrum ist Mitglied in den internationalen Gemeinschaften ESOMAR[2] und ОIRОМ[3]. Mitarbeiter das Lewada-Zentrum sind ständige Mitglieder in den Konferenzen und Rundtischgespraechen Fond für die „Liberale Mission“ (russisch фонд «Либеральная миссия»), das Moskauer Carnegie-Zentrum (russisch Московский Центр Карнеги), die Gorbatschow-Stiftung (russisch Горбачёв-фонд), die Menschenrechtsorganisation Memorial (russisch общество «Мемориал»), die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, die Heinrich-Böll-Stiftung, Öffentliche Vorlesungen von Polit.ru (russisch Публичные лекции Полит.ру), Höhere Schule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften Moskau (russisch Московская высшая школа социальных и экономических наук), das öffentliche Zentrum von Sacharow (russisch общественный центр им. А.Д. Сахарова), und „Chodorkowskis Lesungen“ (russisch Ходорковские чтения).

Artikel, Interviews und Experten Meinungen die von Lewada herausgegeben wurden, erscheinen im Kommersant, Wedomosti, The Economist, The Wall Street Journal, The New York Times. Andere Publikationen in der Wissenschaftlichen und Sozio-politischen Presse in Russland beinhalten „Pro et Contra“, „Otetscheswenije sapiski“ (russisch „Оте́чественные запи́ски“), „Gesellschaftswissenschaften und die Gegenwart“ (russisch Общественные науки и современность), Neue Zeiten (russisch „Новое Время“), Ogonjok und Nowaja Gaseta. Das Zentrum gibt selbst die Fachzeitschrift „Bote der gesellschaftlichen Meinung“ (russisch Вестник общественного мнения) heraus, die vierteljährlich erscheint.

Das Lewada-Zentrum ist auf der von Freedom House[4] veröffentlichten Liste der unabhängigen analytischen Zentren Europas. Informationen die Lewada publizierte, wurden für die Zeitschrift The Economist in deren Russlandbericht[5] benutzt.

In Zusammenarbeit mit dem Lewada-Zentrum, strahlt der Radiosender Radio Free Europe wöchentlich die Sendung „Öffentliche Meinung“ (russisch „Общественное мнение: граждане России у микрофона Радио Свобода“) aus.[6]

1988 entwickelten die Mitarbeiter von WZIOM die erste Studie über Verbrauchervorlieben in der Sowjetunion. Zur Zeit, führt das Lewada-Zentrum eine breite Reihe von Soziologischen- und Marktforschungen durch und benutzt dabei verschiedene Techniken.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Lewada-Zentrum wurde 2003 als Abspaltung des Meinungsforschungsinstituts WZIOM gegründet. Tatjana Saslawskaja, die jetzige Ehrenpräsidentin des Lewada-Zentrums, leitet WZIOM von 1987 bis 1992, Juri Lewada von 1992 bis 2003.

Im August 2003 veranlasste das russische Ministerium für Eigentumsbeziehungen die Einstellung von Staatsangestellten in die Direktion des WZIOM. Dadurch konnten Regierungsstrukturen und einzelne Personen, die nichts mit der Arbeit von WZIOM zu tun hatten, Teile des Centers kontrollieren und überwachen.

Im Gegenzug dazu, kündigten alle WZIOM Mitarbeiter ihre Arbeitsstellen und setzten ihre Tätigkeiten unter dem neuen Namen „WZIOM-A“[7] fort. Nachdem der Bundesantimonopoldienst der Russischen Föderation die Nutzung dieses Namens verbot, wurde die Organisation in Analytisches Center Lewada (Lewada-Zentrum) umbenannt.[8]

Das Lewada-Zentrum führt die Forschungsprogramme und Umfragen fort, die sie unter WZIOM in den Jahren 1990-2000 gestartet haben. Eines der größten Projekte des Lewada-Zentrums war die Studie „Der Sowjetische Mensch“ („Homo Soveticus“, russisch Советский Человек). Spezialisten nutzen in verschiedenen Umfragen die Monitoring-Technik, um die größten Trends in der sozialen Entwicklung von Russlands Gesellschaft der letzten 15 Jahre aufzuzeigen.

Das Lewada-Zentrum gibt außerdem das Jahrbuch „Russische Öffentliche Meinung“ in Russisch und Englisch heraus, welches in diversen Medien benutzt wird.

Forschung[Bearbeiten]

Die Forschung des Lewada-Zentrums basiert auf regelmäßigen, öffentlichen Meinungsumfragen in ganz Russland. Dies sind einige der größten Projekte:

  • Der sowjetische Mensch (russisch Советский человек). Fünf große Wellen der öffentlichen Meinungsumfragen in Russland in den Jahren 1989, 1994, 1999, 2003 und 2008.
  • Beobachtung von Wahlvorlieben in Russland, in den Jahren 1993, 1995–1996, 1999–2000, 2003–2004, 2007–2008.
  • Stimmen aus Russland: Gesellschaft, Demokratie, Europa, 2006.[9]
  • Eliteprobleme im modernen Russland. 2005–2006.
  • Stimmen aus Russland: Was der russische Mittelstand über sein eigenes Land und Europa denkt, 2008.[10]
  • International Social Survey Programme (ISSP), seit 1991.[11]
  • Neues Russland-Barometer, in Kollaboration mit dem Zentrum für die Studie der Rechtsordnung (University of Strachclyde, University of Aberdeen), seit 1991.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.levada.ru/partneri.html
  2. http://directory.esomar.org/Russian-Federation/r771_Levada-Center.php
  3. http://www.oirom.ru/?pt=4
  4. http://www.freedomhouse.hu/index.php?option=com_content&task=view&id=46
  5. http://www.economist.com/specialreports/displaystory.cfm?story_id=12628010
  6. http://www.svobodanews.ru/archive/ru_bz_vox/latest/896/264.html
  7. http://magazines.russ.ru/nz/2003/5/levin.html
  8. Radio Liberty
  9. Society, Democracy, Europe
  10. Russian „Middle Class“ (PDF)
  11. ISSP–Russia
  12. New Russia Barometer