Lewon Aronjan

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Lewon Aronjan
Während der Schacholympiade 2008 in Dresden.
Name Lewon Aronjan
Schreibweisen Levon Aronjan (FIDE)

Լևոն Արոնյան (armenisch)

Land ArmenienArmenien Armenien
Geboren 6. Oktober 1982
Jerewan, Armenische SSR, Sowjetunion
Titel Internationaler Meister (1997)
Großmeister (2000)
Aktuelle Elo-Zahl 2804 (September 2014)
Beste Elo-Zahl 2830 (März 2014)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Lewon Aronjan, auch Levon Aronjan, englische Transkription und FIDE-Bezeichnung Levon Aronian (armenisch Լևոն Արոնյան; * 6. Oktober 1982 als Lew Aronow in Jerewan) ist ein armenischer Schachgroßmeister der Weltklasse. Er ist ehemaliger Weltmeister im Schnellschach und ehemaliger Weltmeister im Blitzschach. Vom 4. Oktober 2003 bis zum 14. Mai 2004 spielte er für den Deutschen Schachbund.

Leben[Bearbeiten]

Schachliche Entwicklung[Bearbeiten]

Aronjans Vater war ein weißrussischer Physiker (Fachgebiet Lasertechnik), die Mutter war als Spezialistin im Sprengwesen tätig. Er begann mit ungefähr neun Jahren Schach zu spielen.[1][2] Für kurze Zeit wurde Ljudmila Finarewa in einem Pionierhaus seine Trainerin, danach übernahm diese Aufgabe Melikset Khachiyan. Im Sommer 1992 nahm er unter dem Namen seines Vaters Aronow an der U10-Weltmeisterschaft in Duisburg teil.[3] 1994 wurde er Jugendweltmeister U12 in Szeged, vor den späteren Weltklassespielern Étienne Bacrot, Ruslan Ponomarjow, Francisco Vallejo Pons und Alexander Grischtschuk, und erhielt daraufhin von der FIDE den Titel FIDE-Meister verliehen. Ein Jahr darauf gewann er in Paris die Jugendschnellschachweltmeisterschaft U14, bei der er noch 1994 in der U12 auf dem dritten Platz landete. 1996 erhielt er den Titel Internationaler Meister. 1997 gewann Aronjan den Kasparov Cup, ein bedeutendes Jungmeisterturnier, in Moskau. Im nächsten Jahr konnte er die Jugendeuropameisterschaft U20 in Jerewan für sich entscheiden.[4] Im Jahr 1999 gewann er in Jerewan die Meisterschaft Armeniens und war Mitglied der armenischen Nationalmannschaft, die in Batumi die Europamannschaftsmeisterschaft gewann. Im Mai 2000 verlieh ihm die FIDE den Großmeistertitel.[5]

2002 wurde Aronjan Juniorenweltmeister U20 in Panaji (Goa). 2003 gewann er in Mainz das Chess960-Open. Aronjan, der zwischenzeitlich in Deutschland wohnte, gewann 2004 die Deutsche Internet-Meisterschaft. Bei der FIDE-Weltmeisterschaft in Tripolis im gleichen Jahr schied er nach Erfolgen gegen Magnus Carlsen und Qədir Hüseynov in der dritten Runde gegen Pawel Smirnow aus. 2005 gewann er das Open von Gibraltar, gemeinsam mit Hikaru Nakamura und Boris Awruch, und ein sehr stark besetztes Turnier in Stepanakert (Bergkarabach), vor unter anderem Hikaru Nakamura und Wassyl Iwantschuk. Bei der Europameisterschaft in Warschau 2005 errang er, nach Stichkämpfen, Bronze. Aronjan gewann zum Ende des Jahres den im K.-o.-System ausgespielten FIDE-Weltpokal in Chanty-Mansijsk; er besiegte im Finale den Ukrainer Ruslan Ponomarjow 2:0 im Schnellschachstechen (1:1 nach Turnierpartien).

Höhepunkte[Bearbeiten]

2006 gelang ihm der bislang bedeutendste (Einzel-)Erfolg seiner Karriere: Er gewann das Traditionsturnier von Linares (erstmals zur Hälfte in Morelia ausgetragen) vor Wesselin Topalow und Teymur Rəcəbov, nachdem ihm in der letzten Runde ein Sieg über Péter Lékó gelungen war. Zudem wurde er im August 2006 in Mainz bei den Chess Classic durch seinen 5:3-Sieg gegen Peter Swidler Weltmeister im Chess960.

Im Juni 2006 gewann er mit der armenischen Nationalmannschaft die Goldmedaille bei der Schacholympiade in Turin.

Im Januar 2007 gewann Aronjan zusammen mit den punktgleichen Wesselin Topalow und Teymur Radjabov das Großmeister-Turnier in Wijk aan Zee. Sein Sieg über Viswanathan Anand im Turnier von Morelia/Linares wurde zur besten Partie des Jahres 2007 gewählt.[6]

Im Mai 2007 besiegte er den Weltmeister Wladimir Kramnik in einem Schnellschach-Wettkampf in Jerewan mit 4:2 (3 Siege, 1 Niederlage, 2 Remis). Im August 2007 verteidigte er im Mainzer Chess Classic seinen Chess960-Weltmeistertitel gegen Viswanathan Anand erst im Blitz-Stichkampf.

Mit seinem Erfolg beim Schach-Weltpokal 2005 qualifizierte sich Aronjan zugleich für das von der FIDE wieder eingeführte Kandidatenturnier (2007) zur Weltmeisterschaft, dort wurden durch Zweikämpfe im K.-o.-System unter 16 Spielern vier WM-Teilnehmer ermittelt. In der ersten Runde bezwang Aronjan das norwegische Schachtalent Magnus Carlsen nach Stichkampf (+2, =2, −2, Stichkampf: 4:2), in der zweiten Runde siegte er gegen Alexei Schirow (+1, =5, −0) und qualifizierte sich dadurch für das Weltmeisterschaftsturnier 2007 in Mexiko, wo er schließlich über den vorletzten Platz nicht hinauskam.

Levon Aronian und Staatspräsident Sersch Sarkissjan Schacholympiade 2008 in Dresden

Zusammen mit Carlsen gewann Aronjan im Januar 2008 das Corus-Turnier in Wijk aan Zee, unter 14 Teilnehmern mit einem Elo-Schnitt von 2742 (Kategorie 20) erzielten beide 8 Punkte aus 13 Partien. Im März gewann er das Melody Amber-Turnier in Nizza, bei dem er im Schnellschach das Feld mit 2,5 Punkten Vorsprung dominierte und auch in der Blindschach-Wertung auf den geteilten ersten Rang kam. Im August 2008 gewann er unter 14 Teilnehmern die zweite Veranstaltung des FIDE Grand Prix 2008/09 in Sotschi, ein Turnier der Kategorie 19. In 13 Partien erzielte er 8,5 Punkte. Nachdem er im April 2009 auch das vierte Turnier der Serie in Naltschik gewann (8,5 Punkte aus 13 Partien) und im August 2009 beim fünften Turnier in Dschermuk mit 8 Punkten aus 13 Partien den zweiten Platz belegte, sicherte er sich vorzeitig den Gesamtsieg. Im November 2008 gewann er mit der armenischen Mannschaft die Goldmedaille bei der Schacholympiade in Dresden. Am Spitzenbrett erzielte er 5,5 Punkte aus zehn Partien (+2 = 7 -1).[7]

Im März 2009 gewann er erneut die Gesamtwertung beim Melody Amber-Turnier. Bei den Chess Classic in Mainz gewann er im August 2009 die Grenkeleasing-Weltmeisterschaft im Schnellschach, verlor jedoch seinen Chess960-Weltmeistertitel an Hikaru Nakamura. Das Grand-Slam-Finale in Bilbao gewann er im September 2009 mit 4,5 Punkten aus sechs Partien, er war als Ersatzspieler für Wesselin Topalow angetreten. Im November 2010 gewann er in Moskau die Blitzschach-Weltmeisterschaft. Beim Kandidatenturnier 2011 schied Aronjan etwas überraschend bereits in der 1. Runde mit 1,5-2,5 gegen Alexander Grischtschuk aus. Im Juli 2011 spielte er für Armenien am Spitzenbrett bei der Mannschafts-Weltmeisterschaft und trug mit seinem Ergebnis von 5 Punkten aus acht Partien zum Titelgewinn bei. Im Januar 2012 gewann er das Tata-Steel-Schachturnier in Wijk aan Zee mit 9 Punkten aus 13 Partien (+7 =4 -2). Im Januar 2014 gewann er dieses Turnier abermals, mit 8 Punkten aus 11 Partien (+6 =4 -1).

Seine aktuelle Elo-Zahl im Nahschach beträgt 2830 (Stand: März 2014), damit nimmt Aronjan Rang 2 der Weltrangliste ein.[8] Er ist auf Platz 5 der Chess960-Weltrangliste (Stand: 4. Juli 2011) mit einer WNCA-IPS (Individual Player Strength der World New Chess Association) von 2779.[9]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Aronjan nahm zum ersten Mal 1996 am zweiten Reservebrett von Armeniens B-Mannschaft an einer Schacholympiade teil (als Ausrichter durfte Armenien damals mit zwei Mannschaften teilnehmen). Seit 2004 hat er mit der armenischen Mannschaft an allen Schacholympiaden teilgenommen und gewann diese 2006, 2008 und 2012, wobei er 2012 außerdem die beste Elo-Leistung am Spitzenbrett erspielte.[10] Außerdem nahm Aronjan an den Mannschaftsweltmeisterschaft 2005, 2010, 2011 und 2013 (und gewann diese 2011)[11] sowie an den Mannschaftseuropameisterschaften 1999 (die er mit Armenien gewann), 2005, 2007, 2009, 2011 und 2013 teil.[12]

Vereine[Bearbeiten]

Von 2000 bis 2004 spielte Aronjan in der Schachbundesliga beim SV Wattenscheid, von 2004 bis 2008 für den SC Kreuzberg. Für die Saison 2011/12 wurde er von den Schachfreunden Berlin verpflichtet. Er spielte nur an Brett 2, weil sein Schüler Hrant Melkumjan an Brett 1 Erfahrungen gegen möglichst starke Gegner sammeln sollte.[13] Er holte dabei 2,5 Punkte aus drei Partien. Seit der Saison 2012/13 ist er bei der OSG Baden-Baden gemeldet und wurde mit dieser 2013 und 2014 deutscher Mannschaftsmeister. Die niederländische Meesterklasse gewann Aronjan 2005 mit ZZICT/De Variant Breda, in Frankreich spielte er in der Saison 2003/04 bei Mulhouse Philidor und in der Saison 2004/05 bei Echiquier Nanceien. In Russland spielte er bei Tomsk-400, mit dem er 2005 sowohl die russische Mannschaftsmeisterschaft als auch den European Club Cup gewann, in Armenien für MIKA Jerewan, mit dem er dreimal am European Club Cup teilnahm.

Stil[Bearbeiten]

Aronjan bezeichnet sich selbst scherzhaft als „billigen Taktiker“ und sagt, er strebe vor allem „schräge“ (engl. crooked), unklare Positionen an. Weiterhin bezeichnete er seine Eröffnungsvorbereitung als Schwäche.[14] Generell gilt er als sehr stark im Endspiel.

Als Weißer spielt er geschlossene Eröffnungen (sowohl über 1.d4 als auch mit 1.c4); mit Schwarz erwidert er auf 1.e4 mit e5 (überwiegend mit Übergang in den geschlossenen Spanier). Gegen geschlossene Eröffnungen spielt er mit Schwarz eine größere Zahl verschiedener Systeme wie abgelehntes Damengambit, Slawisch, Damenindisch und Nimzo-Indisch.

Aronjans Stil ist exemplarisch in der „Partie des Jahres 2007“ zu erkennen, in der er den damaligen Weltmeister Anand schlug.[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lewon Aronjan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Левон Аронян: Хората трябва да живеят на земята на своите бащи, Monitor, vom 2. Juni 2008 (bulgarisch)
  2. Seda Aronowa: Lewon Aronjan. In: Literaturnaja Armenija. Nr. 3, 2012, S. 119. (russisch)
  3. Lewona wstretschali s opaskoi, ne ponimaja, otkuda on pojawilsja..., Nowoje Wremja (russisch)
  4. Europameisterschaft U20 in Armenien auf TeleSchach.com
  5. 64. Nr. 6, 2000, S. 3. (russisch)
  6. Aronian-Anand
  7. MEN'S CHESS OLYMPIADS - Aronian, Levon (Armenia) auf Olimpbase (englisch)
  8. World Chess Federation: Top 100 Players March 2014 (abgerufen 5. März 2014)
  9. WNCA-Weltrangliste
  10. Lewon Aronjans Ergebnisse bei Schacholympiaden auf olimpbase.org (englisch)
  11. Lewon Aronjans Ergebnisse bei Mannschaftsweltmeisterschaften auf olimpbase.org (englisch)
  12. Lewon Aronjans Ergebnisse bei Mannschaftseuropameisterschaften auf olimpbase.org (englisch)
  13. Rainer Polzin: Aronian an Brett 2, 30. Juni 2011
  14. Interview (PDF; 282 kB)
  15. Aronian-Anand 2007 zum Nachspielen