Lexikographische Ordnung
Die lexikographische Ordnung ist eine Methode, um aus einer linearen Ordnung für einfache Objekte, beispielsweise alphabetisch angeordnete Buchstaben, eine lineare Ordnung für zusammengesetzte Objekte, beispielsweise aus Buchstaben zusammengesetzte Wörter, zu erhalten. Das namengebende Beispiel ist die Anordnung der Wörter in einem Lexikon: Sie werden zunächst nach ihren Anfangsbuchstaben sortiert, dann die Wörter mit gleichen Anfangsbuchstaben nach dem jeweils zweiten Buchstaben usw. Ist ein Wort ganz in einem anderen als Anfangsteil enthalten (wie beispielsweise „Tal“ in „Talent“), so wird das kürzere Wort zuerst aufgeführt.
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Definition und Beispiele [Bearbeiten]
Formal kann diese Ordnung wie folgt beschrieben werden: Eine Zeichenkette
ist kleiner als eine Zeichenkette
(d. h.
liegt in der Sortierung vor
), wenn
- entweder das erste Zeichen von
, in dem sich beide Zeichenketten unterscheiden, kleiner ist als das entsprechende Zeichen von
, - oder wenn
den Anfang von
bildet, aber kürzer ist.
Ein Spezialfall dieser Ordnung ist die lexikographische Ordnung endlicher Folgen einer festen Länge. Beispielsweise ist ein geordnetes Paar
lexikographisch kleiner als ein Paar
, wenn
- entweder

- oder
und 
gilt.
Ein Beispiel für eine derartige Ordnung ist die zeitliche Reihenfolge für Zahlentripel (Jahr, Monat, Tag): Ein Datum X ist früher als ein anderes Datum Y, wenn
- entweder die Jahreszahl von X kleiner ist als die Jahreszahl von Y
- oder die Jahreszahlen gleich sind, aber X in einem im Jahresverlauf früheren Monat liegt
- oder die Jahreszahlen und Monate gleich sind, aber der Tag von X kleiner als der Tag von Y ist.
Ein weiteres Beispiel ist die übliche Rangfolge innerhalb eines Medaillenspiegels, bei der als erstes Kriterium die Anzahl der Goldmedaillen ausschlaggebend ist, bei gleicher Goldmedaillenzahl die Anzahl der Silbermedaillen und bei nochmaligem Gleichstand die Anzahl der Bronzemedaillen:
| Land | Gold |
Silber |
Bronze |
|---|---|---|---|
| Land 1 | 10 | 5 | 7 |
| Land 2 | 8 | 7 | 4 |
| Land 3 | 8 | 5 | 7 |
| Land 4 | 5 | 3 | 7 |
| Land 5 | 5 | 3 | 2 |
Mathematische Verwendung [Bearbeiten]
Unendliche Folgen [Bearbeiten]
Analog lässt sich die lexikographische Ordnung auch auf unendlichen Folgen definieren: Eine Folge
ist lexikographisch kleiner als eine Folge
wenn beide Folgen vor einem bestimmten Index k gleich sind aber
. Nehmen z. B. die Folgenglieder die Ziffern
an, so kann die Folge als ein Dezimalbruch interpretiert werden, der eine reelle Zahl zwischen
und
darstellt. Die lexikographische Ordnung der Folgen entspricht im Wesentlichen der natürlichen Ordnung der reellen Zahlen. Man muss dabei nur beachten, dass ein Dezimalbruch, der schließlich nur noch die Ziffer
annimmt, lexikographisch einen unmittelbaren Nachfolger hat, der die gleiche reelle Zahl darstellt. (z. B.
)
Weitere Verallgemeinerung [Bearbeiten]
Das Prinzip kann weiter ausgedehnt werden auf Folgen, in denen der Indexbereich eine beliebige wohlgeordnete Menge
ist. In diesem Fall definiert man
für Funktionen
(wobei
linear geordnet ist), falls für das minimale Element
des Definitionsbereiches
, für das sich
und
unterscheiden,
gilt. Die so entstandene Ordnung auf den Funktionen ist wieder linear geordnet.
Anwendung: Ketten in der Potenzmenge einer Ordinalzahl [Bearbeiten]
In der Mengenlehre wird oft der Spezialfall betrachtet, bei dem die Indexmenge eine Ordinalzahl
ist und die Folgenglieder nur die Werte
oder
annehmen. Diese Grundmenge wird mit
bezeichnet und sie steht in einer bijektiven Beziehung zu der Potenzmenge von
. Eine Ordinalzahl wird immer als die Menge ihrer Vorgänger-Ordinalzahlen gesehen. Einer Teilmenge
von
kann man die Funktion
zuordnen für die
, wenn
und
, wenn
. Umgekehrt kommt man von einer Funktion
mit der Menge
wieder zu einer Teilmenge von
. Wir betrachten jetzt
mit der lexikographischen Ordnung, wie sie oben definiert wurde. Diese lineare Ordnung kann für kombinatorische Fragen über unendliche Kardinalzahlen verwendet werden. Es gilt:
- Für jede wohlgeordnete Teilmenge
von
gilt
.
Zum Beweis durch Induktion nehmen wir an, dass die Aussage für alle Ordinalzahlen
bereits gegeben ist. Ist
so betrachten wir die Einschränkungen
der Funktionen
auf die Teilmenge
. Die Mengen
sind dann wohlgeordnete Teilmengen der lexikographisch geordneten Mengen
. Aus der Induktionsvorausetzung folgt, dass
. Jetzt nehmen wir wieder ein f in der wohlgeordneten Menge
und betrachten auch den direkten Nachfolger
. Wir definieren
als das kleinste
mit
. Dann gilt für
stets
sowie
und
. Zwei Funktionen
und
in
mit
müssen sich schon unterhalb von
unterscheiden. Nehmen wir an, dass
gilt. Dann ist
,
,
und
. Daraus folgt, dass in der lexikographischen Ordnung auch
und
gilt und folglich
und
, also
. Die Mengen
für ein gegebenes
werden also jeweils durch die Einschränkung auf
injektiv auf eine Teilmengen von
abgebildet und haben somit auch nur eine Mächtigkeit
. Da aber
ist
bewiesen.
Anwendung in der Mikroökonomik [Bearbeiten]
→ Siehe auch: Präferenzrelation
Sei durch
mit
das Güterbündel / die Alternative
gegeben und mit
die Alternative
(
ist entsprechend beispielsweise die Menge von Gut 2 im Güterbündel
). Man bezeichnet eine Präferenz-Indifferenz-Relation R als lexikographisch, wenn
dann und nur dann, wenn entweder
oder
und zugleich
.[1] Mit anderen Worten wird bei einer lexikographischen Präferenz-Indifferenz-Relation ein Güterbündel nur dann schwach gegenüber einem zweiten vorgezogen (das heißt als mindestens so gut wie dieses angesehen), wenn es mehr Einheiten vom ersten Gut enthält oder hilfsweise, falls beide Güterbündel gleich viele Einheiten von diesem Gut umfassen, wenn es mehr Einheiten vom zweiten Gut beinhaltet.
Eigenschaften der lexikographischen Präferenzenordnung[2]:
- Eine lexikographische Präferenzenordnung ist vollständig, asymmetrisch (und folglich auch antisymmetrisch), negativ transitiv und transitiv. (Zur Definition der Eigenschaften wird auf den Artikel Präferenzrelation verwiesen.)
- (Debreu 1959[3]:) Eine lexikographische Präferenzenordnung kann nicht durch eine Nutzenfunktion repräsentiert werden.
Literatur [Bearbeiten]
- Andreu Mas-Colell, Michael Whinston und Jerry Green: Microeconomic Theory. Oxford University Press, Oxford 1995, ISBN 0-195-07340-1.
- James C. Moore: General equilibrium and welfare economics. An introduction. Springer, Berlin u.a. 2007, ISBN 978-3-540-31407-3 (auch online: doi:10.1007/978-3-540-32223-8).

und 
von
.