Libanesische Nationalbewegung

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Die Libanesische Nationalbewegung (französisch: Mouvement national libanais, MNL; arabisch: الحركة الوطنية اللبنانية ) war ein Zusammenschluss von Parteien und Organisationen, die während der ersten Jahre des Bürgerkrieges im Libanon aktiv war.

Sie wurde von Kamal Dschumblat, dem Oberhaupt der drusischen Dschumblat-Familie geführt.

Politische Ausrichtung[Bearbeiten]

Die MNL war eine der beiden Hauptkräfte während der ersten Runde der Kämpfe, die andere war in der überwiegend christlichen Libanesischen Front zusammengeschlossen und wurde 1969 aus der Front für Progressive Parteien und Nationale Kräfte (Front for Progressive Parties and National Forces) gebildet, als eine selbsterklärte "demokratische, fortschrittlich und nicht-konfessionelle" Front. Ihre Mitglieder gehörten überwiegend dem linken Flügel an und galten als säkularisiert, obwohl der öffentliche Auftritt von Dschumblats PSP und einiger sunnitischer, arabisch nationalistischer Organisationen diesen Anspruch debattierbar machte. Die Feststellung, die MNL sei eine moslemische Organisation wäre allerdings eine zu grobe Vereinfachung. Ihre Grundsätze sind die Überwindung der Konfessionsunterschiede, politische und soziale Reformen und ein klares Bekenntnis zu einem arabischen Libanon, eine größere Unterstützung des Kampfes der Palästinenser und der Abtritt von Präsident Suleiman Frangieh. Direkt nach dem Ausbruch des Krieges erklärt die LNM die Schaffung einer Exekutiv-Struktur, den "zentralen politischen Rat".

Teilnehmer und Milizen[Bearbeiten]

Unter den Teilnehmern in der Bewegung waren die Libanesische Kommunistische Partei (LCP), die Kommunistische Aktionsorganisation (CAO), die Progressiv-Sozialistische Partei (PSP), die Syrische Soziale Nationalistische Partei (SSNP), die beiden libanesischen Ba'th-Parteien (eine pro-syrischen und eine pro-irakische), sowie die Murabitun-Miliz der Unabhängigen Nasseristischen Organisation, die überwiegend schiitische Amal-Bewegung und verschiedene kleinere Gruppen von Nasseristen. Einige palästinensische Organisationen traten der MNL bei, unter anderem viele der Ablehnungsfront. Sowohl die PFLP als auch die PDFLP/DFLP waren aktive Teilnehmer.

Zu Beginn des Krieges 1975 zählten die verschiedenen MNL-Milizen in etwa 25.000 Freischärler und standen gegen 18.000 Angehörige der rechtsgerichteten Libanesischen Front. Sie setzten sich wie folgt zusammen: PSP-Miliz (5.000 Mann), LCP-Miliz (5.000 Mann), SSNP-Miliz (4.000 Mann), pro-irakische Baath-Miliz (3.000 Mann), pro-syrische Baath-Miliz (3.000 Mann), Murabitun-Miliz (3.000 Mann). Den Rest bildeten die anderen Milizen.

Entwicklung[Bearbeiten]

Als die Kämpfe eskalierten, verbündete sich die Bewegung mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), und bildete die "gemeinsamen Kräfte" (arabisch: القوات المشتركة). Sie erhielten finanzielle Hilfe aus mehreren Ländern, unter anderem Libyen, dem Irak und dem Jemen. Anfang des Jahres 1976 kontrollierte die LNM 80 % des libanesischen Gebiets[1]. Am 20. Januar 1976 war die Bewegung an dem Massaker von Damura beteiligt. Als sich die Beziehungen mit Damaskus verschlechtern, verlassen die pro-syrische Baath-Gruppierung, die Amal-Bewegung und eine großer Teil der SSNP die Bewegung oder schränken zumindest ihr Engagement ein. Im Juni 1976, greift die syrischen Armee, die befürchtet, dass ein syrischer Sieg die eigene strategische Position schwächt in die Kämpfe an der Seite der Libanesischen Front ein. Nach anfänglich starkem Widerstand, verlieren die Truppen der MNL/PLO an Boden und als die arabischen Staaten nach den Konferenzen von Kairo und Riad die syrische Intervention gutheißen, akzeptieren sie einen Waffenstillstand, der die syrischen Truppen als "Arab Deterrent Forces" (ADF) zwischen die Kämpfenden bringt. Im Jahre 1977 wird Walid Dschumblat nach der Ermordung seines Vaters Kamal, die weitgehend dem syrischen Geheimdienst und pro-syrischen Milizionären der SSNP zugeschrieben wird, Führer der MNL. Trotz dieser Tatsache stimmt Walid mit der syrischen Position überein und unterhält gute Beziehungen mit Präsident Hafiz al-Assad, der mit Kamal Dschumblat ein notorisches gegenseitiges Misstrauen geteilt hat. Die israelische Invasion von 1978 in den südlichen Libanon, die unter dem Namen Operation Litani bekannt ist, war teilweise gegen die MNL-Milizen gerichtet, die nach der Verbesserung der Beziehungen mit Syrien an der Seite der PLO kämpften. Als im Juni 1982 der Libanonkrieg 1982 begann, wurde die Bewegung aufgelöst und durch die Libanesische Nationale Widerstandsfront (arabisch: جبهة المقاومة الوطنية اللبنانية) ersetzt, die im September des Jahres mit Guerilla-Operationen gegen die israelische Armee begann.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.111101.net/Writings/Essays_Research/Fawwaz_Traboulsi/thesis_10.php