Liberecký kraj

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Liberecký kraj
Reichenberger Region
Wappen
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Basisdaten
Verwaltungssitz: Liberec
Größte Stadt: Liberec
ISO 3166-2: CZ-LI
Einwohner: 438.433 (31. März 2012)
Bevölkerungsdichte: 139 Einwohner/km²
KFZ-Kennzeichen: L
Geografie
Fläche: 3.163 km²[1]
Ausdehnung: Nord-Süd: 28 – 56 km
West-Ost: bis 86 km
Höchster Punkt: 1,435 m n.m.
Tiefster Punkt: 208 m n.m.
Struktur
Bezirke: 4
Gemeinden: 216
Verwaltung
Hejtman: Martin Půta
Website: www.kraj-lbc.cz

Der Liberecký kraj (deutsch: Reichenberger Region), ist eine der 14 Regionen in Tschechien. Die auf die Fläche bezogen kleinste tschechische Region liegt im Nordosten Böhmens. Verwaltungssitz ist Liberec (deutsch: Reichenberg). Hier befindet sich das Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien.

Landschaft[Bearbeiten]

Zum Bezirk gehört der Norden der Česká kotlina (deutsch: Böhmischer Kessel), Jizerské hory (deutsch: Isergebirge), westliche Krkonoše mit den Vorbergen (Riesengebirge) und der östliche Teil vom Lausitzer Gebirge. Im Norden grenzt der Bezirk auf 20 km Länge an Deutschland und 130 km lang an Polen. Im Uhrzeigersinn folgen die böhmischen Regionen Königgrätz, Mittelböhmen und Aussig. Der Bezirk ist meist gebirgig. Höchster Punkt ist der Kotel (deutsch: Kesselkoppe) unweit von Harrachov (deutsch: Harrachsdorf) und Rokytnice nad Jizerou (deutsch: Rochlitz an der Iser) mit 1.435 m ü. M., der niedrigste Punkt mit 208 m ü. M. das Gebiet, in dem der Fluss Smědá (deutsch: Wittig) das Gebiet Tschechiens verlässt. Ein bekannter Berg ist der Ještěd (deutsch: Jeschken) am westlichen Stadtrand von Liberec mit 1.012 m ü. M.; der nordöstliche Teil gehört zu den kälteren Regionen, die westlichen und südwestlichen Teile zu den etwas wärmeren Gegenden. Das Wasser wird größtenteils in drei Flüssen gesammelt, der Ploučnice (deutsch: Polzen), Lausitzer Neiße und der Jizera (deutsch: Iser). Im Bezirk befinden sich auch Mineralquellen und Heilmoore.

Fläche[Bearbeiten]

Der Bezirk nimmt 4,0 % der Gesamtfläche Tschechiens ein. Mit Ausnahme von Prag ist er damit mit 3.163 km³ der kleinste Bezirk Tschechiens. Landwirtschaftlich nutzbarer Boden nimmt 22,3 % ein und liegt damit weit unter dem Landesdurchschnitt. Einen hohen Anteil hat dafür das Waldgebiet mit 44,2 %.

Rohstoffe[Bearbeiten]

Im Bezirk befinden sich Lagerstätten von qualitativ hochwertigen Glas- und Gießereisanden. Bekannt sind auch die hier gebrochenen Dekorations- und Bausteine. Im Okres Semily wird Steinkohle gefördert. Im Okres Česká Lípa wurde bis in die jüngste Zeit Uran gefördert.

Demografie[Bearbeiten]

Am 31. März 2012 zählte der Bezirk 438.433 Einwohner (Anteil an Bevölkerung Tschechiens 4,2 %). Die Bevölkerungsdichte beträgt 138,6 Einwohner pro km² und liegt leicht über dem Staatsdurchschnitt. Die höchste Konzentration wird im Okres Jablonec nad Nisou mit 219 Einwohnern je km² erreicht. Im Bezirk befinden sich 216 Gemeinden. In Orten mit weniger als 500 Einwohnern leben 5,9 % des Bezirkes. In den Städten leben 78,0 % der Bevölkerung. Zentrum des Kreises ist die Kreisstadt Liberec mit etwa einhunderttausend Einwohnern. Das Durchschnittsalter mit 38,6 Jahren liegt leicht unter dem Landesdurchschnitt. Durch die niedrige Geburtenrate kommt es im Bezirk zur Überalterung, obwohl Okres Česká Lípa das niedrigste Durchschnittsalter in Tschechien aufweisen kann.

Größte Städte[Bearbeiten]

Stadt Einwohner
(31. Dezember 2005)
Liberec 97.950
Jablonec nad Nisou 44.748
Česká Lípa 38.489
Turnov 14.489
Nový Bor 12.192
Semily 8.924
Frýdlant v Čechách 7.608
Hrádek nad Nisou 7.358
Tanvald 6.966
Mimoň 6.742
Železný Brod 6.409
Chrastava 6.038
Lomnice nad Popelkou 5.896
Jilemnice 5.710
Doksy 5.103

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Bezirk ist stark industrialisiert. Wichtige Rollen spielen die Glas- und Bijouterieindustrie, Kunststoffverarbeitung, der Maschinenbau sowie Automobilzulieferer. Die traditionelle Textilindustrie verliert immer mehr an Bedeutung. In der Landwirtschaft, die allerdings kaum eine Rolle spielt, werden Getreide und Futterpflanzen angebaut. Vor allem in der zweiten Hälfte der 90er Jahre siedelte sich im Bezirk eine große Anzahl ausländischer Unternehmen an. Wachstum ist auch im Bereich Handel und beim Fremdenverkehr zu verzeichnen.

Volkswirtschaftliche Kennzahlen[Bearbeiten]

Der Bezirk beteiligt sich mit 3,5 % am Bruttoinlandsprodukt Tschechiens.

Arbeitsmarkt[Bearbeiten]

Die Umstrukturierungsmaßnahmen in der Industrie und die Stilllegung des Uranabbaus trugen stark zur Arbeitslosigkeit bei. Sie liegt mit 9,48 % leicht unter dem staatlichen Durchschnitt, wuchs aber innerhalb des letzten Jahres um 0,8 % (Tschechien 0,5 %). Der Verdienst liegt unter dem Landesdurchschnitt und beträgt 15.102 CZK.

Verkehrsinfrastruktur[Bearbeiten]

Die gesamte Länge des Schienennetzes beträgt 543 km und liegt weit über dem Durchschnitt in Tschechien. Die Hauptverkehrsader bildet die Schnellstraße von Prag nach Liberec, weitere wichtige Verkehrsadern verbinden den Bezirk von Norden nach Süden (Svor-Česká Lípa-Mělník) und nach Westen (Děčín-Nový Bor-Chrastava-Liberec-Turnov-Hradec Králové). 20 % der Straßen gehören zur Kategorie 2, 66,5 % zur Kategorie 3.

Umwelt[Bearbeiten]

Die wachsende Mobilisierung wirkt sich negativ auf die Lebensqualität aus. Auch die Wärmekraftwerke tragen zur Verunreinigung der Luft bei. Etwa 60 % der Gesamtfläche des Bezirkes gehört zum Wasserschutzgebiet, der höchste Anteil in Tschechien. Bedingt durch eine Vielfalt an Ökosystemen wurden im Bezirk 115 kleinflächige Schutzgebiete (8 Nationale Naturreservate, 8 Nationale Naturdenkmale, 35 Naturreservate und 64 Naturdenkmale) sowie 9 großflächige Schutzgebiete (1 Nationalpark, 5 Landschaftsschutzgebiete, 3 Naturparke) ausgewiesen[2].

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete im Liberecký kraj

Soziale Einrichtungen[Bearbeiten]

Schulwesen[Bearbeiten]

Neben den Grundschulen sind im Bezirk auch Sonderschulen für körperlich und seelisch Behinderte stark vertreten. Seit 1990 erhöhte sich die Zahl der Gymnasien, während die Zahl der Fachgymnasien zurückging. An Hochschulen gibt es in Liberec die Technische Universität Liberec. Neben den Studienfächern Maschinenbau und Textiltechnologie (einzige Fakultät in diesem Bereich in Tschechien), wird Pädagogik, Wirtschaftswissenschaften, Architektur, Mechatronik und Ingenieurwesen gelehrt.

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Insgesamt 10 Krankenhäuser, das größte in Liberec, befinden sich im Kreis. In Vysoká nad Jizerou praktiziert eine Spezialklinik für plastische Chirurgie und Handchirurgie. Daneben sorgen zwei Kuranstalten (Lázně Libverda und Lázně Kunratice) für die Rehabilitation Kranker. Sie sind spezialisiert auf Bewegungstherapie, Herzkrankheiten und Rheumatismus.

Kultur[Bearbeiten]

Der Bezirk durchlebte eine bewegte Geschichte, die sich in zahlreichen Denkmälern widerspiegelt. Die Historie lässt sich im Severočeské muzeum in Liberec nachvollziehen, daneben kann man in dieser Stadt die Galerie und die Wissenschaftliche Bibliothek besuchen sowie das F. X. Šalda-Theater, das Naive Theater, den Botanischen Garten und den Zoo. Neben 257 Büchereien kann man im Bezirk weitere Museen, Galerien und Wandertheater besuchen.

Fremdenverkehr[Bearbeiten]

Zu den historisch wertvollen Denkmälern, die Gäste des Bezirkes zur Besichtigung einladen, gehören die Burgen und Schlösser (Burg Bezděz, Schloss Zákupy, Schloss Lemberk, Schloss Frýdlant, Schloss Sychrov, Schloss Hrubý Rohozec, Burg Valdštejn) und eine Reihe von Kirchen. Hinzu kommen viele Seen wie Máchovo jezero. Den Besuchern stehen etwa 50.000 Betten zur Verfügung. Daneben spielt auch der individuelle Urlaub eine wichtige Rolle. Zahlreiche Hütten und Pensionen vor allem in den Bezirken Česká Lípa und Semily bieten guten Komfort. Aktiver Winter- und Sommerurlaub wird vor allem in den Gebirgen des Bezirkes betrieben (Riesengebirge, Isergebirge, Český Ráj, Doksy, Lausitzer Gebirge, Erzgebirge).

Politik[Bearbeiten]

Bei den Bezirkswahlen am 12. und 13. Oktober 2012 gewann eine Wählergruppe regionaler Bürgermeister (Starostové pro Liberecký kraj) mit 22,21% die meisten Stimmen und erhielt 13 Mandate in der Bezirksvertretung. Zweitstärkste Kraft wurde die kommunistische KSČM mit 17,89% (10 Mandate) knapp vor einer weiteren regionalen Wählervereinigung (ZMĚNA PRO LIBERECKÝ KRAJ), auf die 16,85% (ebenfalls 10 Mandate) entfielen. Die beiden großen tschechischen Parteien ČSSD und ODS erreichten mit 13,05% (7 Mandate) bzw. 9,26% (5 Mandate) nur sehr schlechte Ergebnisse. Der Regionsrat wird seit den Wahlen allein von den beiden regionalen Wählergruppen gebildet, womit in Tschechien erstmals keine der klassischen Parteien in einer Regionsregierung vertreten ist. Neuer Bezirkshauptmann ist seit den Wahlen Martin Půta, davor Bürgermeister der Stadt Hrádek nad Nisou . Er löste den Sozialdemokraten Stanislav Eichler ab.

Internationale Partnerschaften[Bearbeiten]

Seit 2001 führt die Reichenberger Region eine Regionen-Partnerschaft mit dem Kanton St. Gallen aus der Schweiz (SchweizSchweiz).[3]

Bezirke[Bearbeiten]

Liberec districts.png

Bezirksstädte[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/kraj/78/Kraj-Liberecky
  2. Ing. Martin Modrý, Ph.D. und RNDr. Jarmila Sýkorová: Kleinflächige Schutzgebiete im Bezirk Liberec, 2011, Hrsg.: Gesellschaft für das Lausitzer Gebirge
  3. Aussenbeziehungen des Kantons St.Gallen - Partnerregionen. Kanton St. Gallen (www.sg.ch), abgerufen am 21. April 2014: „Im Jahr 2001 schlossen die Region Liberec und der Kanton St.Gallen eine Vereinbarung über regionale Zusammenarbeit ab.“

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Region Reichenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.7115Koordinaten: 51° N, 15° O