Licence Raj

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Licence Raj (zu deutsch „Lizenzherrschaft“) ist eine spöttische Bezeichnung für das komplizierte Geflecht von staatlichen Erlaubnissen, Auflagen und Bürokratie, dem die Wirtschaft Indiens in den Jahren von 1947 bis 1990 unterworfen war.

Indien war damals eine gelenkte Volkswirtschaft. Das gesamte Wirtschaftsleben unterlag staatlicher Kontrolle. Wer einen Betrieb eröffnen und führen wollte, bedurfte staatlicher Genehmigung. Wenn ein Privatunternehmen nach Anträgen an bis zu 80 Behörden schließlich die Produktion aufnehmen durfte, dann stand auch diese unter staatlicher Kontrolle. Auch Einfuhren bedurften einer Lizenz und wurden zudem durch hohe Zölle gehemmt.

Dieses System erstickte die Eigeninitiative, förderte die Korruption, ließ die indische Wirtschaft stagnieren und brachte Indien mehrmals an den Rand des Staatsbankrotts.

Seit dem Amtsantritt von Premierminister Rajiv Gandhi 1984, vor allem aber ab 1991, als der spätere Premierminister Manmohan Singh als Finanzminister amtierte, ist das einst mehr oder weniger sozialistische Wirtschaftssystem Indiens spürbar dereguliert worden.[1] Dies hat zu einem Wirtschaftswunder mit hohen Wachstumsraten geführt. Dennoch ist die Wirtschaft Indiens im Vergleich zu anderen mehr marktwirtschaftlich orientierten Ländern immer noch stark reguliert.[2]

Der Begriff „Licence Raj“ wurde von dem indischen Politiker C. Rajagopalachari geprägt, der mit seiner Swatantra-Partei die Zentralplanung, Verstaatlichung und Monopolisierung der indischen Wirtschaft sowie die Abschottung des indischen Marktes bekämpfte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marc Stüssel: Die Evolution von IT-Offshoring. Syntesion GmbH, 2009, S. 43–44, abgerufen am 23. April 2010 (PDF; 483 kB).
  2.  Wolfgang-Peter Zingel: Indien auf dem Weg zur postindustriellen Gesellschaft. Infrastruktur, Dienstleistungen und Deregulierung. In: Indien 2004. Institut für Asienkunde, Hamburg 2004, ISBN 3-88910-306-5, ISSN 1436-1841, S. 319–338, hier S. 323–324 (http://www.sai.uni-heidelberg.de/abt/intwep/zingel/jbind2004.pdf, abgerufen am 22. September 2012).