Lichtfreunde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Lichtfreunde (Verein der Protestantischen Freunde) waren eine freikirchliche nationalistisch geprägte protestantische Gemeinde Mitteldeutschlands. Sie setzten sich in Abkehr von der evangelischen Amtskirche für ein vernunftgemäßes, praktisches Christentum ein. Der Name „Lichtfreunde“ beruhte auf einer spöttischen Bezeichnung durch die Gegner, die sich jedoch schnell durchsetzte und bisweilen auch als Selbstbezeichnung übernommen wurde.

In der Folge des Vorgehens der evangelischen Amtskirche gegen den rationalistischen Pfarrer Wilhelm Franz Sintenis (→ im Magdeburger Bilderstreit) versammelten sich am 29. Juni 1841 auf Einladung des Pfarrers Leberecht Uhlich in Gnadau 16 Pfarrer als innerkirchliche Oppositionsgruppe und gründeten den Verein der Protestantischen Freunde.

Vor allem in der preußischen Provinz Sachsen, aber auch darüber hinaus, entstanden diverse örtliche Vereine der Lichtfreunde. Seit 1842 fanden zweimal jährlich Hauptversammlungen unter der Leitung Uhlichs in seiner Heimatstadt Köthen statt. Das im unabhängigen Herzogtum Anhalt liegende Köthen war auch gewählt worden, um Gegenmaßnahmen Preußens zu entgehen. Zur Pfingstversammlung 1844 erschienen etwa 600 Personen in Köthen, bei Veranstaltungen im Jahre 1845 waren es mehrere tausend Menschen. Als Triebfeder der 1848er Revolution hatten die Lichtfreunde bis zu 150.000 Mitglieder.

Pfarrer Gustav Adolf Wislicenus in Halle übte eine Bibelkritik, die über die rein akademische hinausging, und vormärzlich Stimmung machte. Er wurde aus dem Kirchendienst entlassen und dokumentierte diesen Vorgang in einer Publikation. Dann baute er in Halle selber eine Gemeinde auf. Er wird später vor einer Haftstrafe wegen einer Schrift über die Bibel in die USA fliehen. Die von ihm gegründeten und pastorierten Gemeinden führte später sein Bruder Adolf Timotheus Wislicenus weiter, der seinerseits in Halberstadt eine Gemeinde aufbaute. Der sehr beliebte Pfarrer Uhlich konnte eine bedeutendere Pfarrstelle in Magdeburg erstreiten, wurde aber, als er seinen angriffigeren Kollegen Gustav Wislicenus verteidigte, selbst schweren Schikanen des Staates ausgesetzt. Seine Absetzung soll auf Geheiß des Königs geschehen sein. Er baute dann in rührender Hingabe dort die freie Gemeinde auf. Pfarrer Eduard Baltzer hatte ein weit greifendes Lebens-Programm – Vegetarismus und Fröbelkindergärten –, das er in seiner Gemeindegründung in Nordhausen zu entfalten suchte. Er wurde später auch der erste Präsident des Bundes der freireligiösen Gemeinden.

Aber auch in fernen Gebieten des damaligen Preußens entstanden Gemeinden, so 1844 in Königsberg, wo Julius Rupp zu den Gründungsmitgliedern zählte. In Marburg gründete Karl Theodor Bayrhoffer seine mit den Lichtfreunden assoziierte Freikirche.

Die freie Diskussion des Volkes über seinen Glauben erschien König und Kirche bedenklich, und so wechselten im kampf um eine Verfassung, die auch Religionsfreiheit gewährt, Verbote und Erlaubnisse ab. 1845 wurden Versammlungen verboten, 1847 aber erhielten bestehende Gemeinden ein königliches Patent (vom 30. März 1847), das ihnen freie Religionsübung zusicherte. Uhlich, Baltzer, Wislicenus und Bayrhoffer wurden ins Frankfurter Parlament gewählt. Zu dieser Zeit gab es in deutschen Landen 40 Gemeinden.

Die Unterdrückung fand nach dem kurzen Aufschwung der Revolution von 1848/49 in der darauf folgenden Reaktionsära umso entschiedener statt. Gemäß dem national-liberalen und damit christlich national-ökumenischen Konzept der Lichtfreunde war der Kontakt zu den national-liberalen Katholiken von deren Anbeginn an gut. 1859 vereinigten sich Freien Gemeinden mit den deutsch-katholischen zum Bund freier religiöser Gemeinden.

[Bearbeiten] Literatur

  • Carl Mirbt: Lichtfreunde, in RE3, Band 11, S. 465–474
  • Christian Uhlig: Lichtfreunde. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 21, de Gruyter, Berlin/New York 1991, ISBN 3-11-012952-3, S. 119–121.
  • Horst Groschopp: Dissidenten. Freidenkerei und Kultur in Deutschland, Dietz Verlag, Berlin 1997. ISBN 3-320-01936-8
  • Helmut Steuerwald: Kritische Geschichte der Religionen und freien Weltanschauungen. Eine Einführung, Angelika Lenz Verlag, Neustadt am Rübenberge 1999. ISBN 3-933037-08-5

[Bearbeiten] Weblinks

Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen