Darstellung des Herrn

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Darbringung im Tempel (Meister der Pollinger Tafeln, 1444)

Darstellung des Herrn, lateinisch Praesentatio Jesu in Templo, altertümlich Jesu Opferung im Tempel, oder Mariä Lichtmess (früher auch: Mariä Reinigung, Purificatio Mariae) ist ein Fest, das am 2. Februar, dem vierzigsten Tag nach Weihnachten gefeiert wird.

Biblische Zusammenhänge[Bearbeiten]

Die Erzählung von der Darstellung Jesu, die sich an einen kurzen Hinweis auf dessen Beschneidung am achten Tag nach seiner Geburt (Lk 2,21 EU) anschließt, berichtet von zwei hier ineinander verwobenen Riten, die in Vorschriften des biblischen Buches Leviticus ihre Wurzeln haben. Die bei Lukas geschilderte Abfolge (Beschneidung – Reinigung der Frau – Heiligung der Erstgeburt) entspricht dem von der Tora vorgeschriebenen Zeitschema.

Reinigungsopfer[Bearbeiten]

Nach dem biblischen Gesetz des Mose gilt die Frau nach der Geburt eines Knaben 40 Tage (sieben plus 33 Tage; (Lev 12,2–4 EU)) und nach der Geburt eines Mädchens 80 Tage (14 plus 66 Tage; (Lev 12,5 EU)) als unrein (Lev 12,1–8 EU). Zur Zeit des Tempelkultes hatte sie nach diesen Tagen als Reinigungsopfer einem Priester ein Schaf und eine Taube zu übergeben, bei finanziellen Schwierigkeiten ersatzweise zwei Turteltauben oder andere Tauben (Lev 12,8 EU). [1]

Heiligung des Erstgeborenen[Bearbeiten]

Zudem wurde der erstgeborene Sohn in Erinnerung an die Pessach-Nacht als Eigentum Gottes angesehen (Ex 13,2.15 EU) und ihm im Tempel übergeben („dargestellt“), wo er durch ein Geldopfer (Num 18,16 EU) auszulösen war. Die Lukas-Erzählung von der Darstellung des Herrn berichtet von dieser Erstgeburtsweihe, merkwürdigerweise aber nicht von der Auslösung, die bis heute im traditionellen Judentum praktiziert wird.

Im Zusammenhang der Darstellung Jesu kommt es zur Begegnung mit Simeon und der greisen Prophetin Hanna.

Liturgie[Bearbeiten]

Hans Memling: Darstellung Christi im Tempel, um 1463

Das kirchliche Fest Darstellung des Herrn geht auf das 4. Jahrhundert zurück. Es entstand in Jerusalem als Nebenfest von Christi Geburt Das Festdatum war anfangs der 14. Februar (40 Tage nach dem Fest Erscheinung des Herrn (6. Januar), volkstümlich auch „Dreikönigsfest“ genannt), ab dem 6. Jahrhundert der 2. Februar (40 Tage nach dem Hochfest der Geburt Jesu Christi am 25. Dezember). Der 25. Dezember ist nach liturgischer Zählweise als erster Tag des Vierzig-Tage-Zeitraums mitzuzählen.

Geschichte[Bearbeiten]

Stand ursprünglich die von Lukas überlieferte Geschichte von der Darstellung Jesu im Zentrum des Festes, so traten alsbald weitere, vor allem außerbiblische Motive hinzu. Die Darstellung des Herrn, der ja nach den neutestamentlichen Weihnachtsgeschichten in Bethlehem geboren worden war, wurde zum ersten Einzug Jesu in die Davidstadt Jerusalem. Der antike Brauch, nach dem die Bewohner einer Stadt ihrem Herrscher bei seinem ersten Besuch entgegenzogen, wurde schon früh in die Festliturgie mit einbezogen. Auf dem Weg von Jerusalem nach Betlehem lag ein Kloster, das eine Frau namens Hikelia gegründet hatte. Hikelia soll ihre Mönche mit Kerzen ausgestattet haben, um damit Christus entgegenzugehen und anschließend mit ihm gemeinsam in die Heilige Stadt zu ziehen. In dieser Legende wurzelt die im 5. Jahrhundert entstandene Lichterprozession[2], die bis heute in der römisch-katholischen Christenheit einen festen Platz in der Festtagsliturgie hat und unter anderem mit der neutestamentlichen Bibelstelle (Lk 2,32 EU) begründet wird. Die örtliche Pfarrkirche wird in dieser liturgischen Inszenierung zur heiligen Stadt Jerusalem, aus der heraus die Prozessionsteilnehmer Christus entgegenziehen und danach sein Kommen im Licht der Kerzen, die bei diesem Fest besonders geweiht werden, begleiten.[3] Von den gesegneten Kerzen erwartete man vielfach auch eine Unheil abwendende Wirkung.

Im Lauf der weiteren Entwicklungen verschob sich der Schwerpunkt des Darstellungsfest von Jesus auf die Jesus-Mutter Maria. Aus dem Fest der Darstellung des Herrn wurde Mariä Reinigung und Mariä Lichtmess, was mit der Liturgiereform der 1960er Jahre wieder rückgängig gemacht wurde.

Mit der Vorverlegung des Festes vom 14. auf den 2. Februar entstand eine zeitliche Nähe zum Gedenktag des hl. Blasius am 3. Februar und dem mit ihm verbundenen Sakramentale des Blasiussegens. Der Blasiussegen wird in der römisch-katholischen Kirche seit dem 16. Jahrhundert gespendet[4]. An vielen Orten erfolgt diese Segenshandlung auch am Lichtmesstag.

Liturgischer Kalender[Bearbeiten]

Lichtmess galt in der katholischen Kirche früher als Ende der Weihnachtszeit. Noch heute bleiben in vielen katholischen Kirchen und Häusern Krippe und Weihnachtsbaum bis zum 2. Februar stehen. Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils Mitte der 1960er Jahre endet die Weihnachtszeit am Fest der Taufe des Herrn, dem Sonntag, der dem Hochfest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar folgt. Im evangelischen Kirchenjahr wird Epiphanias zwar von vielen als der Abschluss der Weihnachtszeit angesehen, der liturgische Kalender sieht den Weihnachtsfestkreis aber erst mit dem letzten Sonntag nach Epiphanias als beendet an.

Die Ostkirche nennt das Fest Hypapante (Begegnung). Sie betont den Aspekt der Begegnung des Erlösers mit den Frommen seines Volkes, die ihn erwarten. Auch die anglikanischen Kirchen begehen das Fest der Darstellung des Herrn.

Die lutherische Kirche behielt das Datum in ihrem liturgischen Kalender bei. Biblische Lesungen sind Mal 3,1–4 LUT, Hebr 2,14–18 LUT und Lk 2,22–24 (25–35) LUT. Das Fest wird heute nur noch in relativ wenigen lutherischen Gemeinden gottesdienstlich begangen. Allerdings verdrängt das Proprium dieses Festes das des jeweiligen Sonntags, wenn der 2. Februar auf einen Sonntag fällt und es sich bei diesem nicht um den letzten Sonntag nach Epiphanias handelt.[5] Von Johann Eccard stammt einer der bekanntesten Chorsätze zum Fest: Maria wallt zum Heiligtum. Johann Sebastian Bach schrieb mehrere Kantaten für das Fest der Darstellung des Herrn, darunter Mit Fried und Freud ich fahr dahin, BWV 125.

Das Fest in Volksmund und Tradition[Bearbeiten]

Kostüm eines Lichtmess-Läufers in Spergau (Stadtteil von Leuna)

Das Fest der Darstellung des Herrn (Mariä Reinigung, Mariä Lichtmess) war in früherer Zeit ein wichtiges Datum im Jahreslauf. Mit ihm verbanden sich Zahlungsfristen, zeitliche Fixierungen von Arbeitsverhältnissen sowie der Beginn des sogenannten Bauernjahres. Außerdem bezogen sich manche volkstümliche Bräuche, Sprichwörter, Reime und Wetterregeln auf diesen Festtag.[6]

  • Besondere Bräuche zu Lichtmess im Leunaer Stadtteil Spergau sind seit dem 17. Jh. bekannt. Das farbenprächtige Kostüm des Lichtmessläufers in Spergau besteht aus vielen bunten Bändern und Blumenschmuck, die das wieder erwachende Leben und den Frühling darstellen. Der Läufer zieht zusammen mit weiteren kostümierten Figuren (Sänger, Händler, Guckkastenmann, Küchenburschen, Registrator, Pritscher, Registrator, Erbs(stroh)bär, Pferden und Soldaten) durch die Straßen von Haus zu Haus.
  • Bis 1912 war der 2. Februar in Bayern gesetzlicher Feiertag.
  • In weiten Teilen Westdeutschlands, Süddeutschlands, Sachsens und in einigen Regionen des Erzgebirges ist es nach wie vor üblich, den weihnachtlichen Schmuck sowohl der kirchlichen wie privaten Räume bis zum 2. Februar stehen zu lassen.
  • In Sachsen und in einigen Regionen des Erzgebirges wird an Lichtmess das Ende der Weihnachtszeit mit einer Lichtmessvesper begangen. Anschließend wird die Weihnachtsbeleuchtung ausgelöscht und ein Festessen ausgerichtet.[7]
  • In vielen Gemeinden in denen die schwäbisch-alemannische Fastnacht gefeiert wird, gilt Lichtmess als Beginn der Fastnacht
  • Das Tageslicht soll gegenüber dem Zeitpunkt der Wintersonnwende, also der längsten Nacht, „an Weihnachten um einen Hahnentritt, an Neujahr um einen Männerschritt, an Dreikönig um einen Hirschensprung und an Lichtmess um eine ganze Stund’“ länger sein.
  • Mit dem 2. Februar begann das „Bauernjahr“: ab hier kann den Umständen entsprechend die Feldarbeit wieder aufgenommen werden. An diesem Tag endete dagegen das Dienstboten- und „Knechtsjahr“: Das Gesinde bekam den Rest seines Jahreslohnes ausbezahlt und konnte – oder musste – sich eine neue Dienststelle suchen, oder das Arbeitsverhältnis beim alten Dienstherrn, üblicherweise per Handschlag, um ein weiteres Jahr verlängern. Meist wurde von den Dienstboten das von ihnen aufgezogene Geflügel verkauft (siehe dazu Glanglmarkt). Am Tag danach, dem Schlenggeltag begann der kurze Zeitraum bis zum Agathatag am 5. Februar, an dem der Umzug zum neuen Arbeitgeber zu vollziehen war und der für die Dienstboten eine Art „Jahresurlaub“ – den einzigen – darstellte. Verbreitet war auch der Brauch, dem Gesinde zu Lichtmess ein Paar Schuhe als Lohn zu geben, für die weitere Arbeit, oder die Arbeitssuche. Zu Lichtmess wurden also die Belegschaften durcheinandergewürfelt und Liebschaften unter Dienstboten, denen das Heiraten lange Zeit nicht gestattet war, hielten oft nur bis zu diesem Zeitpunkt, woher der Spruch „Neue Schuhe, neue Liebe“ stammt.
  • Außerdem sollte der Bauer an Lichtmess noch die Hälfte des Winter-Futtervorrates für die Tiere im Lager haben.
  • Darüber hinaus gibt es mehrere Bauernregeln, die Sonnenschein an Lichtmess als ein schlechtes Zeichen für den bevorstehenden Frühling bewerten:

Ist’s an Lichtmess hell und rein,
wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.

Ist’s zu Lichtmess klar und hell,
kommt der Frühling nicht so schnell.

Wenn an Lichtmess der Dachs seinen Schatten sieht, geht er noch einmal für sechs Wochen in seinen Bau.

  • Der Groundhog Day, die Beobachtung des Verhaltens eines Murmeltiers an diesem Tag in Nordamerika (beispielsweise besonders in Punxsutawney, Pennsylvania), ist die Übertragung dieser Naturbeobachtung in den Kontext der Neuen Welt.
  • Um Lichtmess erstrahlt zum ersten Mal wieder das Sonnenlicht zur Frühmesse in der Kirche.
  • Ab dem 2. Februar könne wieder bei Tageslicht zu Abend gegessen werden: „Lichtmess, bei Tag ess“. So heißt es beispielsweise im Pfälzischen:

„Mariä Lichtmess,
spinne vergess‘,
bei Dag ze Nacht gess’.“

(siehe auch: Spinnstube)

Darstellung des Herrn (Kathedrale von Toronto, Mayer'sche Hofkunstanstalt)

Patrozinien[Bearbeiten]

siehe Darstellung-des-Herrn-Kirche

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinzgerd Brakmann: He hypapantè toû Kyríou. Christi Lichtmess im frühchristlichen Jerusalem. In: Hans-Jürgen Feulner u. a. (Hrsg.): Crossroad of Cultures. Studies in Liturgy and Patristics in Honor of Gabriele Winkler. Pontificio Istituto Orientale, Rom 2000, ISBN 88-7210-325-8, S. 151–172 (Orientalia Christiana Analecta 260), (mit weiterer Literatur).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Darstellung des Herrn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe dazu ausführlich Alexander Dubrau: Artikel Nidda (Januar 2009), in: Bibilex (Wissenschaftliches Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschft); eingesehen am 21. Dezember 2013
  2. Anke Fischer: Feste und Bräuche in Deutschland, München 2004, ISBN 3-89736-323-2, S. 14.
  3. Radio Vatikan: Das Fest Mariä Lichtmess, 3. Februar 2007
  4. Schott-Meßbuch, Gedenktag des hl. Blasius.
  5. Evangelisches Gottesdienstbuch 424
  6. Zum folgenden Abschnitt siehe Labertal: Lichtmess; eingesehen am 21. Dezember 2013
  7. Dietmar Sehn: Weihnachten in Sachsen, Erfurt 2013, S. 181f.