Liebelei (1933)

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Filmdaten
Originaltitel Liebelei
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1933
Länge 94 Minuten
Stab
Regie Max Ophüls
Drehbuch Hans Wilhelm
Curt Alexander
Max Ophüls
Produktion Christoph Mülleneisen junior für Elite Tonfilm-Produktion GmbH, Berlin
Musik Theo Mackeben
Kamera Franz Planer
Schnitt Friedel Buckow
Besetzung

Liebelei ist eine deutsche Verfilmung des gleichnamigen Schauspiels von Arthur Schnitzler. Regie führte Max Ophüls. Der Film wurde am 24. Februar 1933 in Wien uraufgeführt.

Handlung[Bearbeiten]

Schnitzlers Stück wie Ophüls’ Film zeichnen ein Sittengemälde der Wiener Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg.

Leutnant Fritz Lobheimer hat ein Verhältnis mit der Baronin Eggersdorf. Als er bei einem Opernbesuch das Mädchen Christine, die Tochter eines Kammermusikers, kennenlernt, ist es um ihn geschehen. Beide jungen Leute verlieben sich rasch ineinander. Doch wie ein Schatten legt sich über Lobheimer seine Vergangenheit, mit der er nicht aufzuräumen imstande ist: Die Affäre mit der verheirateten Baronin.

Eines Tages entdeckt der Gatte der untreuen Baronin Beweise für ihre außereheliche Beziehung. Baron Eggersdorf ist ein Mann der starren Konventionen. Sein Rang und seine gesellschaftliche Herkunft rufen nach Genugtuung. Und so fordert der Adelige den jungen Leutnant Lobheimer zum Duell. Lobheimers bester Freund, Oberleutnant Theo Kaiser, versucht vergeblich, die Militärführung davon zu überzeugen, in dieser Angelegenheit zu intervenieren, ehe es zu spät ist. Lobheimer wird beim Duell tödlich getroffen. Der Baron, seine Ehre wiederhergestellt, verlässt die Lichtung als Sieger.

Verbittert über den völlig veralteten und ebenso sinnlosen Ehrenkodex, der seinen Freund das noch junge Leben gekostet hat, nimmt Oberleutnant Kaiser seinen Abschied von der Armee und kehrt ins Zivilleben zurück. Als Christine vom Tod ihres Geliebten erfährt, stürzt sie sich in tiefer Verzweiflung und unendlichem Schmerz aus dem Fenster in die Tiefe.

Produktionsnotizen[Bearbeiten]

Der Film entstand im Dezember 1932 und im Januar 1933. Die deutsche Erstaufführung von Liebelei fand am 10. März 1933 in Leipzig statt. Vorhergehende (Stummfilm-)Versionen entstanden 1913 in Dänemark und im Winter 1926/27 in Deutschland.

Ophüls drehte von Liebelei noch im selben Jahr eine französische Fassung unter dem Titel Une histoire d’amour. Mit Ausnahme von Willy Eichberger spielten alle Liebelei-Hauptdarsteller auch in dieser Version ihre Rollen.

Entgegen dem Wunsch der Produktionsfirma Elite Tonfilm verpflichtete Ophüls für die Hauptrollen nur wenig filmerfahrene Schauspielnovizen, darunter Magda Schneider, Luise Ullrich, Willy Eichberger und Wolfgang Liebeneiner. Lediglich Gustaf Gründgens in der Rolle des Baron Eggersdorf hatte sich seit seiner Hauptrolle in M – Eine Stadt sucht einen Mörder als neuer Kinostar bereits durchgesetzt. Für die vier zuvorgenannten Schauspieler/innen erwies sich Liebelei als Startschuss für eine lang anhaltende Karriere.

An der Produktionsleitung war der ehemalige Stummfilmserienstar (Stuart Webbs-Detektivfilme) Ernst Reicher beteiligt, für den Liebelei der letzte deutsche Film werden sollte. Gleich darauf musste er emigrieren.

Originellerweise wurde die Aufführung des von einer Reihe von nachmaligen Emigranten mitgestalteten Films, mittlerweile international längst als Meisterwerk anerkannt, von den alliierten Militärbehörden in Deutschland 1945 verboten. Ein (nach heutigen Gesichtspunkten absurder) Grund dafür dürfte die Präsentation der Ständegesellschaft im alten Österreich mit ihren Ehrenhändeln, Standesdünkeln und militärischen Habiti (Duelle) gewesen sein.

Kritiken[Bearbeiten]

Die Kritik fand für Ophüls’ wichtigsten (und letzten) Film vor seiner Emigration nach Frankreich durchgehend lobende Worte:

In Kay Wenigers 'Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …' heißt es in der Biografie von Max Ophüls: „Ovationen erhielt er jedoch erst mit seiner letzten in Deutschland entstandenen Inszenierung, der kongenialen Verfilmung von Arthur Schnitzlers „Liebelei“. Mit einem sicheren Instinkt für Atmosphäre und Stil ließ Ophüls das k.u.k.-Österreich ... wiederauferstehen, eine Welt der in Konventionen erstarrten, staatstragenden Gesellschaftsschichten eines dem Untergang geweihten Systems und seiner Epoche mit ihren Standesdünkeln und Ehrenhändeln.“[1]

In Buchers Enzyklopädie des Films ist zu Liebelei zu lesen: „Dieser Film ist neben Die verkaufte Braut (1932) Ophüls’ gelungenstes Werk vor seiner Emigration. In zahlreichen bemerkenswerten Passagen verrät der Film das außerordentliche Gefühl seines Regisseurs für Atmosphäre, die er fast ohne Dialoge, allein mit seinen Bildkompositionen und etwas Musik erzeugt. Eine nicht weniger große Meisterschaft bewies Ophüls in der Führung seiner Schauspieler.“[2]

Das Lexikon des Internationalen Films schrieb: „Ideal besetzte Rollen, virtuose Kameraarbeit, poetische Milieuzeichnung und das völlige Fehlen jeglicher Sentimentalität machen den Film zu einer Ausnahmeerscheinung in deutschen Kinos der dreißiger Jahre, die ihre jugendliche Frische über die Jahrzehnte bewahrt hat.“[3]

In Reclams Filmführer kann man lesen: „Ophüls hat diese Vorlage leise und melancholisch inszeniert; wienerischer Charme paart sich mit Resignation. Alle lauten Effekte werden vermieden.“[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eberhard Berger Liebelei. In Günther Dahlke, Günther Karl (Hrsg.): Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933. Ein Filmführer. Henschel Verlag, 2. Auflage, Berlin 1993, S. 315 ff. ISBN 3-89487-009-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kay Weniger: 'Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …'. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. S. 375, Hamburg 2011
  2. Buchers Enzyklopädie des Films, Verlag C. J. Bucher, Luzern und Frankfurt/M. 1977, S. 785.
  3. Klaus Brüne (Red.): Lexikon des Internationalen Films Band 5, S. 2273. Reinbek bei Hamburg 1987.
  4. Reclams Filmführer. Von Dieter Krusche, Mitarbeit Jürgen Labenski. Stuttgart 1973, S. 387