Liebenau (Niedersachsen)
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
|
||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Niedersachsen | |
| Landkreis: | Nienburg/Weser | |
| Samtgemeinde: | Liebenau | |
| Höhe: | 26 m ü. NN | |
| Fläche: | 71,96 km² | |
| Einwohner: |
3.777 (31. Dez. 2010)[1] |
|
| Bevölkerungsdichte: | 52 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 31618 | |
| Vorwahl: | 05023 | |
| Kfz-Kennzeichen: | NI | |
| Gemeindeschlüssel: | 03 2 56 019 | |
| Adresse der Verbandsverwaltung: | Ortstraße 28 31618 Liebenau |
|
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Margit Schmidt (CDU) | |
| Lage der Gemeinde Liebenau im Landkreis Nienburg/Weser | ||
Liebenau ist eine Gemeinde im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen und ist Verwaltungssitz der Samtgemeinde Liebenau.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geografie
Liebenau liegt zwischen Mittelweser (etwa 15 Kilometer von der Kreisstadt Nienburg/Weser entfernt) und dem Westhang der in der Eiszeit entstandenen Nienburg-Meppener Geestplatte.
[Bearbeiten] Geschichte
Liebenau wird im Zusammenhang mit Ritter- und Adelsgeschlechtern bereits im 12. und 13. Jahrhundert erwähnt. Der Name Liebenau taucht erstmals im Jahr 1167 in einer Urkunde Heinrichs des Löwen auf.
Auf dem in der Gemarkung Liebenau gelegenen Heidberg nahe der Bauernschaft Reese wurde ein Friedhof freigelegt, dessen Entstehung in die Zeit von 800 v. Chr. bis 800 n. Chr. fällt. Die Grabbeilagen lassen erkennen, dass Handelsbeziehungen zu weit entfernten Gebieten bestanden haben. Es wurden dort ebenfalls christliche Gräber gefunden.
Dieser dürfte, als die dazugehörende Wohnsiedlung unterging, nach Bruchtorf – dem südlichen Ortsteil des heutigen Liebenau – verlegt worden sein. Da im 10. Jahrhundert der Heilige Laurentius häufig als Schutzherr neu gegründeter Gotteshäuser erscheint, darf angenommen werden, dass das Kirchspiel Bruchtorf mit diesem Schutzpatron zu dieser Zeit entstanden ist. Es gehörte zum Bistum Minden und war Gerichtsort der Mindener Bischöfe. Mit dem Zeugen Eilward von Bructhorpe ist der Name des Dorfes Bruchtorf im Jahre 1167 erstmals urkundlich erwähnt.
In der Wesermarsch bei Bruchtorf kaufte 1241 der Bischof von Minden eine Burg namens Venau von den Grafen von Oldenburg-Wildeshausen, die der Bischof von Minden sogleich im Jahre 1242 zu der neuen, gegen die Grafschaft Hoya gerichteten Wasserburg Nygenhus ausbaute. 1346 eroberten die Grafen von Hoya die Burg und zerstörten sie. Aus den Steinen der zerstörten Burg bauten die Grafen von Hoya noch im 14. Jahrhundert nördlich der Großen Aue das Schloss Liebenau, um das der Flecken Liebenau entstand. Das Schloss zerstörten um 1512 die Grafen von Schaumburg. Es wurde später lediglich als Amtshof wiederaufgebaut.
Etwa seit Mitte des 14. Jahrhunderts sind die Orte Bruchtorf und Liebenau gemeinsam verwaltet worden, wobei sie allerdings noch bis nach dem 30-jährigen Krieg getrennt unter ihren Namen erschienen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erhielt Liebenau Fleckenrechte. 1709 wurde das Amt Liebenau an das Amt Steyerberg angeschlossen, der Liebenauer Amtshof 1728 abgerissen.
1939 entstand unmittelbar westlich von Liebenau in der Eickhofer Heide eine große Munitionsfabrik.[2] Gebaut wurde diese Fabrik von der Firma Wolff & Co. in Bomlitz. Sie wurde dann an die Montan GmbH übergeben, die sie an die Firma Eibia GmbH, eine hundertprozentige Tochter von Wolff & Co., verpachtete. Die Eibia produzierte auf dem Gelände für das Oberkommando des Heeres zum größten Teil verschiedene Pulvergrundstoffe, Pulver, Nitrozellulose und Raketentreibsätze. Ab 1943 wurden zudem auf dem Gelände verschiedene Prüfstände für Raketenmotoren errichtet. Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde zunächst von der Dynamit Nobel, später von der holländischen Eurometaal bis 1994 auf dem Eibia-Gelände in Liebenau Munition produziert. Noch Anfang der 1960er Jahre war die Pulverfabrik in Liebenau die größte in ganz Westdeutschland.
Von 1963 bis 1992 befand sich auf dem Gelände außerdem das Atomwaffendepot Sondermunitionslager Liebenau für die 1. Panzerdivision der Bundeswehr. Heute liegt das 12 Quadratkilometer große Areal der ehemaligen Eibia weitgehend brach und kann noch immer nicht ohne Erlaubnis betreten werden. Käufer und Investoren werden gesucht.
[Bearbeiten] Politik
[Bearbeiten] Gemeinderat
Der Gemeinderat aus Liebenau setzt sich aus 15 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.
(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)
[Bearbeiten] Bürgermeister
Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Margit Schmidt wurde am 17. November 2011 gewählt.
[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten] Bauwerke
- St. Laurentiuskirche Liebenau
Am Standort der heutigen St. Laurentiuskirche stand zunächst eine Holzkirche, die ungefähr im Jahre 900 errichtet wurde. Zum Schutzpatron dieser Kirche wählte man den Heiligen Laurentius. Während der Lehnskriege der Hoyaer Grafen mit den Herzögen von Braunschweig und Lüneburg wurde die Kirche teilweise zerstört. Die Inschrift über dem nördlichen Eingang nennt das Jahr der Wiederherstellung 1522. Auch nach der Reformation ist der Kirchenpatron, der Heilige St. Laurentius beibehalten worden. Dies erklärt sich wohl aus einer Bedeutung als Schutzheiliger der Schmiede; der Flecken Liebenau war in dieser Zeit durch die Herstellung von Sensen weithin bekannt.
Die Kirche ist im spätgotischen Baustil errichtet. Es ist ein dreischiffiger Hallenbau mit Kreuzgewölben. Die Außenmauern bestehen aus Bruch- steinen und Findlingen; die Sakristei ist im Fachwerkbaustil errichtet und stammt aus der nachreformatorischen Zeit. Die evangelische Kirche ist etwa 40 m lang und 16,55 m breit. Der Kirchturm ist 35 m hoch.
Das wertvollste Kunstwerk der Kirche ist das aus Sandstein gearbeitete Tabernakel, auch Sakramentshäuschen genannt. Sie ist eine spätgotische Arbeit und hat eine Höhe von 6,5 m. Der Schrein ist mit einem kunstvollen schmiedeeisernen Gittertürchen, das in Liebenau gefertigt wurde, verschlossen. Der Schnitzaltar stammt aus dem Jahr 1517.
- Heimathaus Witten Hus
Dieses für die Region typische Ackerbürgerhaus steht in der Ortstraße in Liebenau auf einem etwa 4000 Quadratmeter großen Grundstück. Nach dem großen Brand vom 21. April 1869 in Liebenau, dem zahlreiche Gebäude im Bereich der Langen Straße und Ortstraße zum Opfer fielen, wurde das Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts neu errichtet. Das Haus wurde bis 1997, zuletzt von der Familie Dietrich Witte, bewohnt. Aufgrund der Tatsache, dass in all den Jahrzehnten keine baulichen Veränderungen vorgenommen worden sind, war das Anwesen besonders gut für die Einrichtung eines Heimathauses geeignet. Mitglieder des Heimatvereines Liebenau haben das historische Gebäude in ehrenamtlichem Einsatz saniert und eingerichtet.
Das Heimathaus beherbergt eine Vielzahl von Exponaten handwerklicher und hauswirtschaftlicher Gegenstände aus der Region. In einer Scheune sind alte landwirtschaftliche Maschinen und Geräte zu sehen, die den nächsten Generationen erhalten bleiben sollen. In einer Remise hat eine funktionstüchtige alte Dreschmaschine ihren Altersruhesitz gefunden.
Zum ständigen Programm des Heimatvereines gehören Ausstellungen, Lesungen und gesellige Veranstaltungen. Die rustikal-gemütliche Atmosphäre des alten Fachwerkhauses nutzen Liebenauer Hochzeitspaare gern für ihre standesamtliche Trauung.
- Schloss Eickhof
Inmitten des Forstes Eickhof liegt das Schloss Eickhof. Bis 1938 war das Schloss Sitz der Adelsfamilie von Eickhof-Reitzenstein. Seit 2006 befindet sich im Schloss ein Zenkloster der Rinzai-Linie.[3] Neben der Übung des Zen werden Lehrgänge und Seminare angeboten. Das Schloss ist umgeben von einem japanischen Garten, der von den jetzigen Eigentümern gestaltet wurde. Das Gartenbauunternehmen Japan-Garten-Kultur hat Ihren Geschäftssitz im Schloss und Schaugärten rund um das Schlossgelände.[4]
[Bearbeiten] Jüdischer Friedhof
Auf dem 2150 m² großen Friedhof an der Stolzenauer Straße befinden sich noch 70 Grabsteine aus der Zeit nach 1850 – ein Teil von ihnen nur mit hebräischen Inschriften.
[Bearbeiten] Kulinarische Spezialitäten
- Liebenauer Spargel, die besondere Delikatesse in vielen Variationen aus dem heimischen Anbaugebiet
[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur
Liebenau ist schon in den vergangenen Jahrhunderten durch die Fabrikation von Sensen und das Klöppeln von Spitzen weit über seine Grenzen hinaus bekannt geworden.
[Bearbeiten] Verkehr
Die Gemeinde Liebenau ist über die L 351 zu erreichen die von Nienburg nach Stolzenau führt.
[Bearbeiten] Persönlichkeiten
- Heinrich Gade (1816–1910), Pädagoge und Heimatforscher
- Carola Ferstl (* 1968), Fernsehmoderatorin und Buchautorin
[Bearbeiten] Literatur
- Heinrich Gade: Geschichte des Fleckens Liebenau a. d. W. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen, Jahrgang 1863, Hannover 1884
- Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e.V./Martin Guse: Pulverfabrik Liebenau 1938 bis 1945, Liebenau 2003. -ohne ISBN-
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen – Bevölkerungsfortschreibung (Hilfe dazu)
- ↑ Website zur Geschichte der Pulverfabrik Liebenau
- ↑ Website des Zen-Klosters
- ↑ Website des Unternehmens Japan-Garten-Kultur
[Bearbeiten] Weblinks
- Webseite der Samtgemeinde
- Webseite über die Geschichte des Eibia-Geländes in Liebenau
- Schloss Eickhof und der Japan-Garten
- Verein Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau
- Geschichte des Fleckens Liebenau in der Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen
Balge | Binnen | Bücken | Diepenau | Drakenburg | Estorf | Eystrup | Gandesbergen | Hämelhausen | Haßbergen | Hassel (Weser) | Heemsen | Hilgermissen | Hoya | Hoyerhagen | Husum | Landesbergen | Leese | Liebenau | Linsburg | Marklohe | Nienburg/Weser | Pennigsehl | Raddestorf | Rehburg-Loccum | Rodewald | Rohrsen | Schweringen | Steimbke | Steyerberg | Stöckse | Stolzenau | Uchte | Warmsen | Warpe | Wietzen
