Liebesgräser

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Liebesgräser
Großes Liebesgras (Eragrostis cilianensis)

Großes Liebesgras (Eragrostis cilianensis)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Chloridoideae
Tribus: Eragrostideae
Gattung: Liebesgräser
Wissenschaftlicher Name
Eragrostis
Wolf

Die Liebesgräser (Eragrostis) sind eine Gattung innerhalb Familie der Süßgräser (Poaceae). Diese umfasst weltweit etwa 350 Arten. Der deutsche Trivialname ist eine direkte Übersetzung des wissenschaftlichen Gattungsnamens (siehe unten). Einige Vertreter der Gattung gehören zu einer Gruppe von Getreiden, die unter dem Begriff „Hirse“ zusammengefasst werden.

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Liebesgräser sind ein- oder mehrjährige Pflanzen. Sie wachsen rasenförmig oder gelegentlich büschelig. Wenige Arten wie zum Beispiel Eragrostis hypnoides oder Eragrostis barbinodis bilden Ausläufer. Die Arten erreichen Wuchshöhen zwischen 10 und 300 Zentimetern. Es sind meist krautige, nur gelegentlich teilweise verholzende Gräser. Die ein- bis zwanzigknotigen Halme sind überwiegend unverzweigt. Die Knoten sind fast immer unbehaart; selten behaart wie beispielsweise bei Eragrostis annulata oder Eragrostis kennedyae.

Die meist schmal linealisch geformten Laubblätter sowie die Blütenstände sind oft drüsig. Die Blattspreiten sind meist flach oder seltener gerollt. Die Blatthäutchen sind als feiner Haarkranz ausgebildet, manchmal auch als häutige Membran. Selten sind Blattöhrchen im Übergang zur Blattscheide, deren Ränder nicht verwachsen sind, ausgebildet. Die Scheiden sind gekielt oder gerundet.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Blütenstände sind offene, zusammengezogenen oder ährenförmige (Eragrostis chapelieri) Rispen. Die seitlich zusammengedrückten, kugeligen bis länglichen Ährchen sind zwei- bis vielblütig und zwittrig. Sie messen 1 bis 40 Millimeter in der Länge und 0,5 bis 8 Millimeter in der Breite. Die Hüllspelzen sind oft ungleich geformt und ein- bis dreinervig. Die grannenlosen allenfalls mit kurzer Spitze ausgestatteten und ein- bis fünfnervigen Deckspelzen sind meist kahl, selten behaart, gekielt oder auf dem Rücken gerundet. Die männlichen Blüten verfügen über zwei, zum Beispiel Eragrostis ciliaris, bis in den meisten Fällen drei Staubblätter. Die weiblichen Blüten haben zwei Narben.

Die Früchte sind 0,4 bis 2,4 Millimeter lange Karyopsen (Korn), selten ist das Perikarp frei. Die Körner stehen bei allen Arten frei und werden ausgestreut, nachdem sich ein Bruch am Grunde der sie haltenden Deckspelzen entwickelt hat.

Stoffwechselweg und Chromosomensätze[Bearbeiten]

Es handelt sich bei allen Arten mit Ausnahme von Eragrostis walteri um C4-Pflanzen.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 10. Es wurden unterschiedlich Ploidiegrade mit 2n = 20, 40, 50, 60, 80, 100 festgestellt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Liebesgräser sind weltweit verbreitet mit einem Schwerpunkt in den Tropen und Subtropen. Sie besiedeln vor allem sandige oder gestörte Böden an offenen Standorten. Die meisten Arten gelten als sogenannte Unkräuter. Wenige Vertreter der Gattung haben als Getreide eine wirtschaftliche Bedeutung wie beispielsweise der Teff (Eragrostis tef) in Äthiopien oder das Behaarte Liebesgras (Eragrostis pilosa) in Zentralafrika und den Nilländern[1].

Kleines Liebesgras (Eragrostis minor)
Eragrostis pectinacea
Teff (Eragrostis tef)
Eragrostis variabilis

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Eragrostis wurde 1776 durch Nathanael Matthäus von Wolf in Genera Plantarum, S. 23 aufgestellt. [2] Der Gattungsname Eragrostis ist ein Kunstwort und leitet sich vom griechischen Wort eros für Liebe und dem mittellateinischen Wort agrostis für Unkraut, bzw. griechisch agrostis, die Bezeichnung mehrerer unterschiedlicher Gräser, ab[3]. Synonyme für Eragrostis Wolf sind: Boriskellera Terechov, Erochloe Raf., Erosion Lunell, Exagrostis Steud. nom. inval., Macroblepharus Phil., Psilantha (K.Koch) Tzvelev, Roshevitzia Tzvelev, Triphlebia Stapf, Vilfagrostis Döll nom. inval..

Die Gattung Liebesgräser (Eragrostis Wolf) gehört zur Tribus Eragrostideae in der Unterfamilie Chloridoideae innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae).[4]

In Mitteleuropa kommen unter anderem folgende Arten vor, wovon etliche Arten eingeschleppt wurden[5][6]:

Sonstige Arten (Auswahl):[8]

Quellen und weiterführende Informationen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. E. Bayer: Bedeutende und interessante Nutzpflanzen aus der Familie der Gräser. In: Bayerische Akademie der Wissenschaften (Herausgeber): Gräser und Grasland: Biologie – Nutzung – Entwicklung, Rundgespräch am 10. Oktober 2005, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München ISSN 0938-5851, ISBN 3-89937-070-8
  2. Eintrag bei Tropicos. letzter Zugriff am 2. März 2003
  3. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. S. 46, 232
  4. Eragrostis. In: Germplasm Resources Information Network (GRIN). United States Department of Agriculture, abgerufen am 1. März 2013 (englisch).
  5. Jürg Röthlisberger: Die Gattung Eragrostis in der Schweiz – eine Standortbestimmung. Bauhinia 19, 2005 PDF
  6. H. Haeupler & Th. Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Ulmer Verlag, Stuttgart, 2000. ISBN 3-8001-3364-4
  7. Helmut Herwanger: Spannende Geschichte um einen floristischen Neufund für Baden-Württemberg. In: Oberschwaben naturhah. Zeitschrift des Bundes für Naturschutz in Oberschwaben e. V. und des Naturschutzzentrums Bad Wurzach, Jahresheft 2012, S. 36 f.
  8. Artenliste bei Germplasm Resources Information Network (GRIN).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Liebesgräser (Eragrostis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien