Liebesgrüße aus Moskau
Liebesgrüße aus Moskau (Originaltitel: From Russia with Love) ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ian Fleming und der zweite James-Bond-Film, der auf Flemings Werken basiert. Der Film kam 1963 in die Kinos und wird von Kritikern als einer der besten Bond-Filme angesehen – auch vom Hauptdarsteller Sean Connery selbst. Das Lied From Russia With Love wurde von Matt Monro gesungen und wird nur im Abspann gespielt, im Vorspann wird eine Version ohne Text verwendet. Nachdem er die viel beachtete Instrumentierung im Vorgängerfilm Dr. No durchführte, ist dies der erste komplette Bond-Film des Komponisten John Barry. Erstmals wird von ihm auch ein musikalisches Action-Thema unter der Bezeichnung „007“ in den Soundtrack eingeführt, das von nun an in den Bond-Filmen bis einschließlich Moonraker (1979) in Variationen zur Aufführung kommt. Der Film startete am 14. Februar 1964 in den bundesdeutschen Kinos.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Handlung
Die Verbrecherorganisation S.P.E.C.T.R.E. (Special Executive for Counter Intelligence, Terrorism, Revenge, Extortion, aber auch engl. für „Schreckgespenst“, in der deutschen Fassung „Phantom“; siehe auch A spectre is haunting Europe/Ein Gespenst geht um in Europa) will sich für den Tod ihres Mitglieds Dr. No rächen. Als Köder benutzt sie eine sowjetische Dechiffriermaschine mit der Bezeichnung Lector. James Bond erhält den Auftrag, sich dieses Gerät zu beschaffen, ahnt aber, dass das Gerät nur ein Vorwand ist, um ihn in eine tödliche Falle zu locken. Als er in Istanbul mit der schönen Dechiffrier-Spezialistin des russischen Konsulates, Tatiana Romanova, eine Romanze beginnt, um an die Dechiffriermaschine zu gelangen, verliert er die Idee des Vorwands aus den Augen.
Bond bringt mit Hilfe des MI6-Vertrauten Ali Kerim Bey und Tatianas die Dechiffriermaschine an sich und flieht mit ihnen im Orient-Express durch Jugoslawien. Sowohl ein russischer Agent als auch der SPECTRE-Agent 'Red' Grant sind mit an Bord des Zuges. Bond findet den russischen Agenten und Ali Kerim Bey, die von Grant getötet worden sind, und wird schließlich von ihm selbst in eine Falle gelockt. Durch einige Tricks und mithilfe der technischen Spielzeuge von Major Boothroyd „Q“ kann Bond sich aus der misslichen Situation befreien und schafft es nach einer Schlägerei im Abteil, Grant zu töten und mit Tatiana aus dem Zug zu entkommen. Im Folgenden wird er von zwei SPECTRE-Agenten mit einem Hubschrauber angegriffen, flieht schließlich mit Tatiana per Boot gen Venedig und wird dann noch einmal von Verfolgern mit Booten bedrängt. Nachdem Bond alle Gefahren durch List und Geschick überstanden hat, zitiert Blofeld, der Anführer von SPECTRE, Kronsteen, den Chef-Strategen von S.P.E.C.T.R.E., und Rosa Klebb zu sich. Sie geben sich gegenseitig die Verantwortung am Scheitern des Plans, und Blofeld lässt schließlich Kronsteen als Versager hinrichten und gibt Klebb eine weitere Chance.
Klebb erhält nochmals eine Chance, Bond endgültig zu eliminieren, und so steht 007 in Venedig als letzte Widersacherin die abtrünnige KGB-Agentin Rosa Klebb gegenüber, die - als Zimmermädchen verkleidet und von Bond zuerst nicht erkannt - ihn mit einer vergifteten Schuhspitze töten will. Doch Tatiana Romanovas Liebe zu Bond ist zu stark, sie verweigert den Befehl von Klebb, ihr zu helfen, erschießt Klebb und rettet Bond damit in höchster Not.
Blofeld, Nummer 1 der Verbrecher, jedoch lebt weiter - und wird in späteren Bondfilmen noch prominenter in Erscheinung treten. Im englischen Original stammt in diesem Film, wie auch in Feuerball (Thunderball, 1965), seine Stimme vom österreichischen Schauspieler Eric Pohlmann (1913 - 1979), während seine Silhouette von Anthony Dawson stammt, der im Vorgängerfilm noch den Bösewicht Professor Dent mimte.
[Bearbeiten] Besonderes
- Desmond Llewelyn tritt zum ersten Mal in der Rolle des Q auf, wobei er in der deutschen Synchronfassung des Filmes hier noch als „Waffenmeister“ bezeichnet wird. Diesen Charakter spielte er in insgesamt siebzehn Bond-Filmen, von 1963 bis zu seinem Tod im Jahre 1999 in allen der offiziellen Reihe (außer 1973 in Leben und sterben lassen). Das für die Beziehung zwischen Bond und Q übliche verbale Kräftemessen fehlt in diesem Film noch. Q erklärt hier lediglich die unterschiedlichen Funktionen von Bonds Aktenkoffer, ohne dass die „spezielle“ Freundschaft zwischen den beiden zum Ausdruck kommt.
- Als unwahr stellte sich das Gerücht heraus, dass Ian Fleming, der Autor der James-Bond-Romane, einen kurzen Cameo-Auftritt in einer Bahnhofsszene gehabt haben soll.
- Die von Lotte Lenya gespielte Rolle Rosa Klebb wird als Frau Farbissina in Austin Powers parodiert.
- Da die Verantwortlichen der Meinung waren, dass Daniela Bianchis Englisch nicht gut genug sei, wurde der Ton für die Rolle der Tatiana Romanova nachsynchronisiert.[2]
- Daniela Bianchi überlebte bei dem Dreh einen Autounfall nur knapp.
- Dies war der letzte Film des Schauspielers Pedro Armendáriz (Rolle Ali Kerim Bey), der an den Dreharbeiten nur unter starken Schmerzen verursacht durch seine Krebserkrankung teilnehmen konnte und für den extra die Drehpläne umgestellt wurden. Am 18. Juni 1963 erschoss er sich, also noch vor der Filmpremiere am 10. Oktober 1963 in London. Dies war dann die letzte Bond-Premiere, an der auch Ian Fleming selbst teilnehmen konnte.
- In Deutschland gab es auch eine deutschsprachige Version des Titelliedes, welche von Ruth Berlé unter dem Titel "Die Wolga ist weit" gesungen wurde.
- Für Publicity-Fotos posierte Hauptdarsteller Sean Connery mit einer erhobenen Pistole in der Hand. Dabei handelte es sich um eine einfache Luftpistole der Marke Walther, Modell 53. Diese wurde 2010 vom englischen Auktionshaus Christie’s für unerwartet hohe 277.250 £ versteigert und dürfte damit die teuerste Luftpistole der Welt geworden sein [3].
[Bearbeiten] Gadgets
- Der Aktenkoffer – dies ist Bonds erstes Gadget (technische Spielerei). Dieser wird ihm von der Q-Abteilung übergeben und enthält ein „zerlegbares Scharfschützengewehr Kaliber 0.25 mit Infrarotzielfernrohr“. Ein Nachtsichtgerät in der gezeigten Größe war damals technisch nicht machbar, und die im Film gezeigte Waffe war tatsächlich eine „AR-7 Survival Rifle“ Kaliber .22 LR (5,56 mm), die von der Fa. ArmaLite für die US Air Force als Notfallbewaffnung hergestellt wurde.[4] Die originale AR-7 war zwar wie dargestellt zerlegbar, enthielt aber keinen Schalldämpfer. Die AR-7 taucht übrigens im Film „Goldfinger“ in der Hand von „Tilly Masterson“ wieder auf.
In Geheimfächern des Aktenkoffers sind 20 Schuss Munition, ein Messer und zweimal 25 Goldstücke versteckt. Das Schloss ist mit einem Mechanismus gesichert, der eine Tränengaspatrone explodieren lässt, wenn der Koffer nicht richtig geöffnet wird. - Ein Pager – Bond besaß ein Gerät, mit dem der Geheimdienst MI6 ihn jederzeit kontaktieren konnte. Erwähnenswert ist auch, dass Bonds Auto (Bentley Mark IV) mit einem Telefon ausgestattet war.
[Bearbeiten] Filmmusik
Der Soundtrack erschien erstmalig bei United Artists Records im Jahre 1963 auf LP. In den 1980ern wurde eine erste CD Pressung von EMI Records herausgebracht. Nach dem 40. James Bond Jubiläum wurde 2003 eine neue aufgearbeitete Fassung von Capitol Records veröffentlicht.
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[Bearbeiten] Kritiken
„Höhepunkt der ironisch servierten Abenteuer ist die Jagd auf den flüchtenden Bond mit Hubschrauber und Schnellbooten.“
– Lexikon des internationalen Films
[Bearbeiten] Auszeichnungen (Auswahl)
Kameramann Ted Moore wurde 1964 in der Kategorie Best British Cinematography mit dem British Film Academy Award ausgezeichnet.
[Bearbeiten] Drehorte
In folgenden Ländern wurde gedreht:[5]
- Vereinigtes Königreich
- Türkei
- Istanbul
- Bucht von Pendik
- Serbien (damals Jugoslawien)
- Italien
[Bearbeiten] Videospiel
Den Herstellern des Spieles gelang es, Sean Connery zur Synchronisation seiner Bond-Rolle zu verpflichten. Engelbert von Nordhausen ist in der deutschen Version zu hören. Nordhausen synchronisierte bereits auch zusätzliche Szenen mit Connery in der Sag niemals nie-DVD-Auflage einige Jahre zuvor.
[Bearbeiten] Literatur
- Danny Morgenstern, Manfred Hobsch: James Bond XXL. Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 3-89602-545-7
[Bearbeiten] Siehe auch
- Die Schachpartie Kronsteen – MacAdams, alias Spasski – Bronstein, UdSSR-Meisterschaft 1960.
[Bearbeiten] Weblinks
- Liebesgrüße aus Moskau in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
- Liebesgrüße aus Moskau in der Online-Filmdatenbank
- Website zum Videospiel: http://ea.com/official/bond/fromrussiawithlove/us/home.jsp
- MGM's offizielle From Russia with Love Webseite
- Vergleich der Schnittfassungen Neue TV Fassung - alte TV Fassung, Kabel 1 Nachmittag - FSK 16 DVD von Liebesgrüße aus Moskau bei Schnittberichte.com
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Deutsche Synchronkartei
- ↑ Liebesgrüße aus Moskau Audiokommentar, Ultimate Edition DVD.
- ↑ Bericht im Spiegel
- ↑ http://www.notpurfect.com/main/AR7.html
- ↑ Siegfried Tescher: Der große James Bond-Atlas. Wissen Media verlag, Gütersloh/München 2008, ISBN 978-3-577-07305-9, S. 108
Von Eon produzierte Filme
1962: James Bond jagt Dr. No | 1963: Liebesgrüße aus Moskau | 1964: Goldfinger | 1965: Feuerball | 1967: Man lebt nur zweimal | 1969: Im Geheimdienst Ihrer Majestät | 1971: Diamantenfieber | 1973: Leben und sterben lassen | 1974: Der Mann mit dem goldenen Colt | 1977: Der Spion, der mich liebte | 1979: Moonraker – Streng geheim | 1981: In tödlicher Mission | 1983: Octopussy | 1985: Im Angesicht des Todes | 1987: Der Hauch des Todes | 1989: Lizenz zum Töten | 1995: GoldenEye | 1997: Der Morgen stirbt nie | 1999: Die Welt ist nicht genug | 2002: Stirb an einem anderen Tag | 2006: Casino Royale | 2008: Ein Quantum Trost | 2012: Skyfall
Sonstige Filme
1954: Casino Royale (Fernsehfilm) | 1967: Casino Royale | 1983: Sag niemals nie