Liebfrauenkirche (Bremen)

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Haupteingang (Westseite)
1589: Ausschnitt vom Kupferstich von Frans Hogenberg
Oben/Mitte: Domshof mit Dom
Unten/Links: Marktplatz mit Rathaus
über dem Markt: Liebfrauenkirche
rechts: Domsheide
Pfarrhaus, heute als Büroraum der Gemeinde und als Gaststätte genutzt

Die Kirche Unser Lieben Frauen steht nordwestlich des Marktplatzes in Bremen am Platz Unser-Lieben-Frauen-Kirchhof. Sie ist neben dem Dom die älteste Kirche der Stadt und steht seit 1973 unter Denkmalschutz[1].

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünglich war die Kirche St. Veit geweiht und diente als Marktkirche der Stadt, später auch als Ratskirche. Um 1020 erfolgte ein Neubau von dem heute noch die mit mittelalterlichen Wandgemälden verzierte Krypta erhalten ist. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die Kirche zu einer Basilika erweitert. Um 1220 wurde sie dann Unser Lieben Frauen (der Jungfrau Maria) geweiht und ab 1230 im frühgotischen Stil zu einer Hallenkirche umgebaut. Es entstand ein Westwerk mit zwei Türmen. Im Nordturm befand sich lange Zeit das Urkundenarchiv des Bremer Rates, die Tresekammer. Im 14. Jahrhundert wurde der Chor erweitert.

1944 brannte die Kirche infolge eines Luftangriffs teilweise aus. Von 1958 bis 1965 wurde das Innere nach Plänen des Architekten Dieter Oesterlen neu gestaltet. Hierbei war die wichtigste Veränderung für den Raumeindruck das Abschlagen des mittelalterlichen Putzes mit Resten von Wandmalereien, so dass der Kirchenraum heute steinsichtig ist. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fenster wurden 1966 bis 1969 durch Glasfenster des französischen Künstlers Alfred Manessier ersetzt.

Name[Bearbeiten]

Der Name der Kirche seit etwa 1220: Unsere Liebe Frau – kurz Liebfrauenkirche – verweist auf das Patrozinium Mariens, der Mutter Jesu. Er steht oder stand in Verbindung mit

  • dem Platz Unser-Lieben-Frauen-Kirchhof, kurz Liebfrauenkirchhof,
  • dem Liebfrauenkeller, der sich an der Nordwestecke der Kirche befand und von 1948 bis 2002 gastronomisch genutzt wurde (Eisdiele, Konditorei Schnuchel, Restaurant Liebfrauenkeller, Disco New Yorker),
  • der Liebfrauenschule im Kirchspiel der Liebfrauenkirche, die sich im zweiten Seitenschiff und in Anbauten vor der Westseite befand. 1901 übernahm die Stadt die Schule, gab sie auf, und die Schulgebäude wurden abgerissen.
  • der Liebfrauen-Gaststätte bzw. dem Liebfrauen-Restaurant, das sich von 1871 bis 1891 an der Nordwestecke des Liebfrauenkirchhofs befand. Als das Bickhaus aus dem 18. Jahrhundert abgerissen wurde, zog die Gaststätte in die Sögestraße/Ecke Queerenstraße um, bevor sie 1944 zerbombt wurde.

Bauwerk[Bearbeiten]

Die Liebfrauenkirche zu Bremen besitzt zwei Türme. Der Nordturm ist inkl. der rund 6 Meter hohen Wetterfahne 84,2 Meter hoch und damit nach den zwei Türmen des Domes der drittgrößte Kirchturm der Stadt. Seine Breite beträgt 9,4 m. Die Turmuhr befindet sich in einer Höhe von 37,4 Meter. Der kleinere Südturm hat eine Höhe von rund 30,5 Meter und eine Breite von 8,3 Meter. Die Dachhöhe des Kirchenschiffs beträgt 22,9 Meter.[Anmerkung 1]

Die gesamte Länge des Kirchenbaus beträgt etwa 59 m und die gesamte Breite etwa 34 Meter.[Anmerkung 2]

Das Moltke-Denkmal am Nordturm[Bearbeiten]

Das Moltke-Reiterstandbild
am Nordturm der Liebfrauenkirche

Auf die Stiftung des Reiterstandbildes des preußischen Generalfeldmarschalls Helmuth Graf von Moltke durch den Bremer Bankier Bernhard Loose an der Westseite des Nordturmes weist die Inschrift an der Konsole hin: „Helmuth v. Moltke / zu Ehren errichtet / von einem Bürger / Bremens MDCCCCIX“. Loose erlebte die Enthüllung des Reiterstandbildes am 4. November 1909 an der Fassade der ehemaligen Bremer Garnisonkirche nicht mehr: er starb bereits am 31. Mai 1902.
Das Hochrelief entstand nach Plänen des Charlottenburger Architekten Heinrich Jennen und des Münchener Bildhauers Hermann Hahn aus Kernmuschelkalkstein. Die Inschrift an der Wand über dem Reiterstandbild gibt Zeugnis über die Denkweise der damaligen Zeit:

„Der Euch gewappnet u. gewehrt / bedenkt die ihr ihm naht: /
Es stützt der Friede sich aufs Schwert / Im Schweigen wächst die Tat.“

Das Kriegerdenkmal in der Gedächtniskapelle[Bearbeiten]

Das Kriegerdenkmal 1914-18
in der Gedächtniskapelle

Nach dem Ersten Weltkrieg entstand als Gemeinschaftswerk des Bremer Architekten Otto Blendermann und des Münchener Bildhauers Friedrich Lommel aus hellem Sandstein das Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Bremer Garnison, das in der neu geschaffenen Gedächtsniskapelle feierlich eingeweiht wurde. Dargestellt ist auf einem Sarkophagdenkmal die Liegefigur eines sterbenden Soldaten mit Mantel und Helm. Das linke Bein ist leicht angewinkelt, die rechte Hand hält noch den Griff des Schwertes fest umklammert, während der linke Arm hilfesuchend nach hinten gestreckt ist.

Persönlichkeiten der Kirche[Bearbeiten]

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel der Liebfrauenkirche wurde 1953 von Paul Ott (Göttingen) erbaut. Das Instrument stand bis zur Wiederherstellung des Turmjochs an der Westwand des (zugemauerten) Turmjochs, und wurde 1964 an der Westwand des südlichen Seitenschiffs in einem neuen Gehäuse aufgestellt. Das Instrument wurde zuletzt im Jahr 1984 durch die Orgelbaufirma Karl Schuke (Berlin) überholt, wobei auch die Disposition geringfügig verändert wurde.[2]

I Rückpositiv C–f3

1. Holzpfeife 8'
2. Quintadena 8'
3. Principal 4'
4. Rohrflöte 4'
5. Sesquialtera II 22/3'
6. Waldflöte 2'
7. Octave 1'
8. Scharff IV-V
9. Dulcian 8'
Tremulant
Cymbelstern
II Hauptwerk C–f3
10. Quintadena 16'
11. Principal 8'
12. Hohlflöte 8'
13. Octave 4'
14. Spitzflöte 4'
15. Nasat 22/3'
16. Octave 2'
17. Mixtur VI-VIII
18. Trompete 16'
19. Span. Trompete 8'
20. Trompete 4'
III Brustwerk C–f3
21. Gedackt 8'
22. Principal 4'
23. Blockflöte 4'
24. Gemshorn 2'
25. Terz 13/5'
26. Quinte 11/3'
27. Cymbel III-IV
28. Vox humana 8'
Tremulant
Pedal C–f1
29. Principal 16'
30. Subbaß 16'
31. Octave 8'
32. Gedacktpommer 8'
33. Octave 4'
34. Holzflöte 4'
35. Nachthorn 2'
36. Rauschpfeife II
37. Mixtur X
38. Posaune 16'
39. Trompete 8'
40. Schallmey 4'

Geläut[Bearbeiten]

Die Liebfrauenkirche zu Bremen besitzt ein Geläut, das aus einer Glocke besteht, sonst existiert nur noch eine Uhrglocke. Die Läuteglocke hat den Schlagton cis' + 3 (sie hängt im rechten Turm), die Uhrglocke hat den Ton gis' (sie hängt im linken Turm). Die Glocke wurde im 13. oder im 14. Jahrhundert gegossen.

Sonstige Informationen[Bearbeiten]

Gottesdienste werden in der Liebfrauenkirche sonn- und feiertags um 10:30 Uhr gehalten. Die Gemeinde unterhält den regional bedeutenden Bremer Knabenchor, der 1945 von Kantor Harald Wolff gegründet wurde.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Unser Lieben Frauen Kirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Alle Höhen der Liebfrauenkirche durch indirekte Höhenmessungen am 13. Juli 2009 durch J. Möhring bestimmt. Ältere Höhenangabe des Nordturmes: 86 m (keine Information, ob mit oder ohne Wetterfahne).
  2. Bestimmung der Gesamtlänge und -breite über Satellitenbild (Juli 2009).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denkmaldatenbank des LfD
  2. Nähere Informationen zur Geschichte der Orgeln der Liebfrauenkirche

53.0763888888898.8075Koordinaten: 53° 4′ 35″ N, 8° 48′ 27″ O