Liebherr

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt das Unternehmen Liebherr, weitere Bedeutungen siehe Liebherr (Begriffsklärung).
LIEBHERR-INTERNATIONAL AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1949
Sitz Bulle, Schweiz[1]
Leitung Willi Liebherr
(VR-Präsident)
Isolde Liebherr
(VR-Vizepräsidentin)
Jan Liebherr, Stéfanie Wohlfarth, Sophie Albrecht, Patricia Rüf (Mitglieder des Verwaltungsrats)[2]
Mitarbeiter 39.424 (2013)[2]
Umsatz 8.96 Mrd. Euro (2013)[2]
Gewinn 364 Mio. Euro (2013)[2]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Branche Maschinenbau, Fahrzeugbau, Flugzeugbau, Haushaltsgeräte
Website www.liebherr.com
Stand: 31. Dezember 2013 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2013
Liebherr Zweiwegebagger

Die Liebherr-International AG mit Sitz in Bulle in der Schweiz[1] ist die Dachgesellschaft einer Unternehmensgruppe, die Hersteller von Kränen, Baufahrzeugen, Luftfahrtausrüstungen, Verkehrstechnik, Werkzeugmaschinen und Haushaltsgeräten umfasst. Im Jahr 2013 erreichte der Konzern, dessen Inhaber ausschließlich Mitglieder der Familie Liebherr sind, mit über 39.424 Mitarbeitern in über 130 Gesellschaften auf der ganzen Welt einen Gesamtumsatz von rund 8,96 Milliarden Euro.[2] 59 % der hergestellten Produkte gehen in die Länder Westeuropas.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1938 übernahm Hans Liebherr in Kirchdorf an der Iller im Landkreis Biberach die Leitung des elterlichen Baugeschäfts. Nach Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg entwickelte er 1949 zur Arbeitserleichterung auf kleinen Baustellen einen mobilen Turmdrehkran (TK 10), der innerhalb weniger Stunden montiert werden konnte. Vorgestellt wurde er im selben Jahr auf der Frankfurter Herbstmesse.[3] Die Nachfrage nach dieser Weltneuheit machte aus der Baufirma den Baumaschinenhersteller Liebherr, der bereits 1950 weitere Modelle in sein Produktprogramm aufnahm.[4]

Als ein 1953 gemieteter Seilbagger ein auffälliges Missverhältnis von Gewicht zu bewegtem Aushub aufwies, nahm Liebherr das zum Anlass, den ersten Hydraulikbagger auf dem Kontinent zu entwickeln. Der L300 wog nur 7,5 Tonnen und konnte durch die Hydraulikzylinder mit größerer Kraft ins Erdreich graben als konventionelle Modelle, die nur mit dem Eigengewicht der Schaufel arbeiteten.

Im selben Jahr wurde Liebherr vom Direktor seiner Hausbank gefragt, ob er an der Übernahme eines zahlungsunfähigen Kühlschrankwerks interessiert sei. Nachdem er sich über Produktionszeiten und Preise der Komponenten erkundigt hatte, baute er 1954 in Ochsenhausen eine eigene Fertigung für selbst entwickelte Kühlschränke auf.

Ebenfalls 1954 erfolgte der Aufbau eines zweiten Kranwerkes in Biberach an der Riß, 1958 hatte das Unternehmen bereits über 2000 Mitarbeiter. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung der ersten Auslandsgesellschaft in Irland. 1960 begann man in Lindenberg im Allgäu mit der Reparatur von Flugzeugfahrwerken und hydraulischem Gerät für die Bundeswehr. Daraus entstand der Geschäftsbereich Liebherr Aerospace. Im selben Jahr wurde das Werk im österreichischen Bischofshofen für die Produktion von Radladern eröffnet.

Im Jahr 1964 hatte das Unternehmen einen Anteil von etwa 60 Prozent an der deutschen Kranproduktion. 1969 begann in Ehingen die Fertigung von Fahrzeugkränen, in den 1970er Jahren wurden Werke in den USA (Beginn der Produktion von Muldenkippern) und Brasilien eröffnet.[4] Ebenfalls Anfang der 1970er Jahre wurden gemeinsam mit anderen Maschinenbauunternehmen in der Sowjetunion Getriebewerke zur Automobilproduktion aufgebaut. 1974 sorgten die Liebherr-Auslandsgesellschaften für 44 Prozent des Umsatzes und für 53 Prozent der Erlöse, der Konzern beschäftigte 8500 Mitarbeiter.[3] 1982 wurde der Firmensitz in die Schweiz verlegt, um die Zahlung von Erbschaftssteuer in Deutschland zu vermeiden.[5]

Als Hans Liebherr 1993 starb, beschäftigte der Konzern alleine in Deutschland über 9.000 Mitarbeiter und hatte einen Umsatz von umgerechnet 2,5 Milliarden Euro.[6] Die Firmengruppe wird seither in der zweiten Generation von den Geschwistern Isolde und Willi Liebherr geleitet, die heute im Verwaltungsrat sitzen.[1][7][8]

1995 wurde im Unternehmen die Stereolenkung für Radlader entwickelt, was eine bis dahin nicht erreichte Wendigkeit für diese Baumaschinen brachte.[9]

Produkte[Bearbeiten]

Im Besitz der Fruppe befinden sich auch sechs Hotels in Österreich, Irland und Deutschland.

Produktionsstandorte[Bearbeiten]

Das Unternehmen produziert an 34 Standorten in 17 Ländern und auf vier Kontinenten. In Deutschland sind die Standorte vor allem in Oberschwaben und im Allgäu angesiedelt.[11]

Land Stadt Produktpalette Mitarbeiter
BrasilienBrasilien Brasilien Guaratinguetá 1&2 Raupenbagger, Mobilbagger, Radlader und Fahrmischer (Fabrik 1); Luftfahrtkomponenten (Fabrik 2) 1.299 (Fabrik 1), 25 (Fabrik 2)
BulgarienBulgarien Bulgarien Marica Kühl- und Gefriergeräte 1.660
China VolksrepublikChina Volksrepublik China Dalian 1&2 Radlader, Umschlagtechnik, Fahr- und Schwenkantriebe, Hydraulikbagger (Fabrik 1); Großwälzlager für Bagger, Radlader und Windenergieanlagen, Getriebe und andere Komponenten (Fabrik 2) 300 (Fabrik 1), 22 (Fabrik 2)
Xuzhou 1&2 Fahrmischer (Fabrik 1); Misch- und Recyclinganlagen (Fabrik 2) 23 (Fabrik 1), 327 (Fabrik 2)
DeutschlandDeutschland Deutschland Bad Schussenried Betonmischanlagen, Recyclinganlagen, Fahrmischer, Förderbänder für Fahrmischer, Steuerungen, Messtechnik 820
Biberach an der Riß 1&2 Turmdrehkräne und Mobilbaukräne (Fabrik 1); Großwälzlager, Getriebe und Seilwinden, Steuerungstechnik, elektrische Maschinen (Fabrik 2) jeweils 1.100 in Fabrik 1 und 2
Ehingen Fahrzeug- und Raupenkräne, Großschirmkonstruktion 2.800
Ettlingen 1&2 Verzahnwerkzeuge und CBN-Schleifwerkzeuge (Fabrik 1); ReMan-, ReBuilt- und Generalüberholungen von Antriebskomponenten 100 (Fabrik 1), 105 (Fabrik 2)
Friedrichshafen Spezielle Betätigungs- und Antriebssysteme für Hubschrauber und Flugzeuge 275
Kempten Liebherr-Verzahntechnik - Wälzfräsmaschinen, Wälzstoßmaschinen, Wälz- und Profilschleifmaschinen, Verzahnwerkzeuge, Materialfluss- und Handhabungstechnik 900
Kirchdorf an der Iller Mobilbagger, Hydraulikkomponenten 1.525
Lindau Baugruppen und Geräte aus dem Bereich elektronische Steuerungen und Gesamtsysteme 700
Lindenberg im Allgäu Fahrwerke, Betätigungssysteme, Flugsteuerungen und Elektronik für Luftfahrzeuge 1.650
Ochsenhausen Stand- und Einbaugeräte der Kühl- und Gefriertechnik 1.775
Rostock Maritime Kräne 1.000
FrankreichFrankreich Frankreich Colmar 1&2 Raupenbagger (Fabrik 1); Raupenbagger für Mining und Pontoneinsatz (Fabrik 2) 1.450 (Fabrik 1), 450 (Fabrik 2)
Toulouse Klimatisierungssysteme für Luftfahrzeuge 951
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Großbritannien Sunderland Schiffs-, Bohrinsel- und Sonderkräne 200
IndienIndien Indien Bangalore Verzahnmaschinen 26
Pune Mischtechnik, Baukrane 160
IrlandIrland Irland Killarney Containerverladebrücken, gummibereifte und schienengebundene Stapelkräne 560
ItalienItalien Italien Collegno Verzahnwerkzeuge 90
MalaysiaMalaysia Malaysia Kluang Kühl- und Gefriergeräte für gewerbliche Anwendungen 280
MexikoMexiko Mexiko García Komponenten der Antriebstechnik 180
OsterreichÖsterreich Österreich Bischofshofen Radlader 800
Telfs Planier- und Laderaupen, Rohrleger, Teleskoplader 450
Nenzing Schiffskräne, Bohrinselkräne, Hafenmobilkräne, Reachstacker, Hydro-Seilbagger und Raupenkräne, Ramm- und Bohrgeräte 1.700
Lienz Standgeräte der Kühl- und Gefriertechnik, Gefriertruhen, Weinkühlschränke, Kühl- und Gefriergeräte für den gewerblichen Einsatz 1.475
Korneuburg Ausrüstungen für Schienenfahrzeuge 225
RusslandRussland Russland Nizhny Novgorod 1&2 Turmdrehkräne, Erdbewegungsmaschinen, Hydraulik-Komponenten, Getriebe und Stahlbau (Fabrik 1); Luftfahrtkomponenten (Fabrik 2) 500 (Fabrik 1), 100 (Fabrik 2)
SchweizSchweiz Schweiz Bulle Dieselmotoren für Baumaschinen, Komponenten der Antriebstechnik 780
SpanienSpanien Spanien Pamplona Turmdrehkräne, Fahrmischer 250
ThailandThailand Thailand Rayong Fahrmischer und Mischanlagen 150
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Newport News Muldenkipper 375

Steuer- und Subventionspolitik[Bearbeiten]

Das Rostocker Werk

1978 gründete Hans Liebherr in Bulle in der Schweiz die Liebherr Machines Bulle S.A.[12] und verlegte 1982 mit Gründung der Liebherr International AG[13] den Konzernsitz in die Schweiz, um die Zahlung von Erbschaftssteuer in Deutschland zu vermeiden.[14] Es ist erklärtes Ziel der Firma, mit Hilfe von Subventionen die Risiken zu minimieren[15]. So erhielt der Konzern z.B. 2010 für Investitionen in Rostock 28,7 Millionen Euro von der EU[16], obwohl er im selben Jahr 494 Millionen Euro Gewinn nach Steuern machte, eine Eigenkapitalquote von 57,7 % aufwies und über 1,2 Milliarden Euro flüssige Mittel verfügte.[17]

Liebherr-Hotels[Bearbeiten]

Interalpen-Hotel Tyrol vor der Hohen Munde

Zur Gruppe gehören unter anderem auch sechs Hotels in Irland, Österreich und Deutschland mit einer Bettenkapazität von insgesamt 1.450 Betten. Die Leitung der Sparte Dienstleistungen und somit auch der Hotels übernahm Mitte der siebziger Jahre Isolde Liebherr.

Irland

  • Hotel Europe
  • The Dunloe
  • Ard na Sidhe Country House

Österreich

Deutschland

Die Familie Liebherr[Bearbeiten]

Weitere Familienmitglieder des Firmengründers Hans Liebherr, die im Unternehmen tätig sind oder waren, sind seine Kinder:

Das Wirtschaftsmagazin Bilanz schätzt das Vermögen der Familie Liebherr auf 4,5 Milliarden Schweizer Franken.[19] In der Liste der 500 reichsten Deutschen steht sie auf Platz 22.

Sportsponsoring[Bearbeiten]

Das Unternehmen ist aktuell der Hauptsponsor der Tischtennisfreunde Ochsenhausen. Seit 2005 sponsert Liebherr zudem die deutsche Nationalmannschaft, auch ist es Partner des Tischtennisweltverbandes ITTF.[20] 1997 wurde das Unternehmen auf Vermittlung von Klaus Augenthaler Namens-, Haupt- und Trikotsponsor beim Grazer AK und blieb es bis 2007.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Brunecker (Hrsg.): Liebherr – Kräne + mehr. Biberacher Verlags-Druckerei, Biberach 2005, ISBN 3-933614-19-8 (Ausstellungskatalog).
  • Stephan Bergerhoff / Heinz-Gert Kessel / Pius Meyer, "Turmdrehkrane - über 100 Jahre auf Baustellen in aller Welt" - Podszun-Verlag 2010
  • Dirk P. Moeller, "Kran- und Baumaschinenmuseum: Von der Idee zur Wirklichkeit" - Fachaufsatz 2012, Magazin "Stahlbau" Nr. 4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Liebherr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Handelsregisterauszug der Liebherr International SA, Bulle
  2. a b c d e [Geschäftsbericht 2013 http://www.liebherr.com/shared/media/corporate/documents/brochures/structure/annual_report_2013/liebherr_gb2013_de.pdf]
  3. a b Rainer Frenkel: Die einfachen Rezepte des Hans Liebherr, Die Zeit vom 18. Oktober 1974.
  4. a b Frank Brunecker: Liebherr – Kräne und mehr, Eröffnungsrede zur Ausstellung im Museum Biberach/Riß vom 12. Mai 2005 (PDF, 70 KB).
  5. Stefan Lüscher: Deutsche machen die Schweiz reich www.bild.de, 3. Januar 2012.
  6. Christian Keun: Die reichsten Deutschen: Mit dem Bagger Milliarden geschaufelt, Beitrag aus dem Manager Magazin auf spiegel.de, 10. August 2001, abgerufen am 17. Mai 2013.
  7. Bloomberg Businessweek: Willi Liebherr. Abgerufen am 29. Juni 2013.
  8. Bloomberg Businessweek: Isolde Liebherr. Abgerufen am 29. Juni 2013.
  9. Enge Räume? Kein Problem, baupraxis zeitung vom 1. Januar 1995, S. 26 (Online-Vorschau), abgerufen am 17. Mai 2013.
  10. Liebherr Aerospace. Abgerufen am 12. November 2010.
  11. Liebherr International S.A.: Fertigungsstandorte der Firmengruppe. Abgerufen am 28. Juni 2013.
  12. Firmendaten auf moneyhouse.ch
  13. Firmendaten auf moneyhouse.ch
  14. Stefan Lüscher: Deutsche machen die Schweiz reich www.bild.de, 3. Januar 2012
  15. Vortrag von Wolfgang Remlinger, Liebherr MCCtec GmbH (PDF, 2,7 MB)
  16. EU billigt Millionen-Subventionen für Liebherr, dpa-Meldung in der Ostsee-Zeitung vom 6. Juli 2010
  17. Konzernabschluss 2010 der Liebherr International AG, Bulle, abrufbar auf www.bundesanzeiger.de
  18. Hotels der Firmengruppe Liebherr als Bestandteil der Dienstleistungs-Sparte
  19. Stefan Lüscher: Exportschlager Milliardäre, Bilanz, 3. Januar 2012
  20. tischtennis. Münster 2005,9, S.4. ISSN 0930-0791