Liebherr
| Liebherr-International AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1949 |
| Sitz | Bulle, Schweiz[1] |
| Leitung | Willi und Isolde Liebherr |
| Mitarbeiter | 37.800 (GJ 2012)[2] |
| Umsatz | 9,1 Mrd. Euro (2012)[2] |
| Gewinn | 540 Mio. Euro (2012)[2] |
| Branche | Maschinenbau |
| Produkte | Krane, Bagger, Baufahrzeuge, Komponenten, Luftfahrtausrüstungen, Verkehrstechnik, Werkzeugmaschinen, Kühl- und Klimatechnik |
| Website | www.liebherr.com |
Die Firmengruppe Liebherr ist ein Hersteller von Kranen, Baufahrzeugen, Luftfahrtausrüstungen, Verkehrstechnik, Werkzeugmaschinen und Haushaltsgeräten mit Sitz in Bulle in der Schweiz. Sie befindet sich vollständig in Familienbesitz. Im Jahr 2012 erreichte der Konzern mit über 37.800 Mitarbeitern in über 130 Gesellschaften auf der ganzen Welt einen Gesamtumsatz von rund 9,1 Milliarden Euro.[2] 59 % der hergestellten Produkte gehen in die Länder Westeuropas.
Dachgesellschaft der Firmengruppe ist die Liebherr-International AG mit Sitz in Bulle in der Schweiz,[1] deren Inhaber ausschließlich Mitglieder der Familie Liebherr sind. Das Familienunternehmen wird in der zweiten Generation von den Geschwistern Isolde und Willi Liebherr geleitet.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Im Jahr 1938 übernahm Hans Liebherr in Kirchdorf an der Iller im Landkreis Biberach die Leitung des elterlichen Baugeschäfts. Nach Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg entwickelte er 1949 zur Arbeitserleichterung auf kleinen Baustellen einen mobilen Turmdrehkran (TK 10), der innerhalb weniger Stunden montiert werden konnte. Vorgestellt wurde er im selben Jahr auf der Frankfurter Herbstmesse.[3] Die Nachfrage nach dieser Weltneuheit machte aus der Baufirma den Baumaschinenhersteller Liebherr, der bereits 1950 weitere Modelle in sein Produktprogramm aufnahm.[4]
Als ein 1953 gemieteter Seilbagger ein auffälliges Missverhältnis von Gewicht zu bewegtem Aushub aufwies, nahm Liebherr das zum Anlass, den ersten Hydraulikbagger auf dem Kontinent zu entwickeln. Der L300 wog nur 7,5 Tonnen und konnte durch die Hydraulikzylinder mit größerer Kraft ins Erdreich graben als konventionelle Modelle, die nur mit dem Eigengewicht der Schaufel arbeiteten.
Im selben Jahr wurde Liebherr vom Direktor seiner Hausbank gefragt, ob er an der Übernahme eines zahlungsunfähigen Kühlschrankwerks interessiert sei. Nachdem er sich über Produktionszeiten und Preise der Komponenten erkundigt hatte, baute er 1954 in Ochsenhausen eine eigene Fertigung für selbst entwickelte Kühlschränke auf.
Ebenfalls 1954 erfolgte der Aufbau eines zweiten Kranwerkes in Biberach an der Riß, 1958 hatte die Firma bereits über 2000 Mitarbeiter. Ebenfalls 1958 erfolgte die Gründung der ersten Auslandsgesellschaft in Irland. 1960 begann man in Lindenberg im Allgäu mit der Reparatur von Flugzeugfahrwerken und hydraulischem Gerät für die Bundeswehr. Daraus entstand der Geschäftsbereich Liebherr Aerospace. Im selben Jahr wurde das Werk in Bischofshofen für die Produktion von Radladern eröffnet.
Im Jahr 1964 hatte Liebherr einen Anteil von etwa 60 Prozent an der deutschen Kranproduktion. 1969 begann in Ehingen die Fertigung von Fahrzeugkränen, in den 1970er Jahren wurden Werke in den USA (Beginn der Produktion von Muldenkippern) und Brasilien eröffnet.[4] Ebenfalls Anfang der 1970er Jahre wurden gemeinsam mit anderen Maschinenbauunternehmen in der Sowjetunion Getriebewerke zur Automobilproduktion aufgebaut. 1974 sorgten die Liebherr-Auslandsgesellschaften für 44 Prozent des Umsatzes und für 53 Prozent der Erlöse, der Konzern beschäftigte 8500 Mitarbeiter.[3] 1982 wurde der Firmensitz in die Schweiz verlegt, um die Zahlung von Erbschaftssteuer in Deutschland zu vermeiden.[5]
Als Hans Liebherr 1993 starb, beschäftigte der Konzern alleine in Deutschland über 9.000 Mitarbeiter und hatte einen Umsatz von umgerechnet 2,5 Milliarden Euro.[6]
1995 wurde bei Liebherr die Stereolenkung für Radlader entwickelt, was eine bis dahin nicht erreichte Wendigkeit für diese Baumaschinen brachte.[7]
Produkte [Bearbeiten]
- Krane, z. B. Container-, Fahrzeugkrane (zum Beispiel der Mobilkran LTM 11200 und der Gittermastkran Liebherr LG 1750), Hafenkrane, aber auch Offshorekrane für Bohrinseln
- Lkw-Aufsätze für Fahrmischer („Betonmischer“), sonstige Mischanlagen, Recyclinganlagen
- Bagger (z. B A 904 C Litronic), Planierraupen, Radlader, Laderaupen, Teleskoplader, Dumper, Bohrgeräte, Bergbauausrüstungen wie Muldenkipper (beispielsweise der Liebherr T282), Maritime Krane usw.
- Dieselmotoren
- Luftfahrtausrüstungen für militärische und zivile Luftfahrt (Liebherr-Aerospace)[8]
- u.a. Fahrwerke für Embraer 190, Comac C919
- im Maschinen- und Anlagenbau Werkzeugmaschinen, Materialflusstechnik und Engineeringprojekte
- dem privaten Konsumenten ist Liebherr wohl vor allem wegen seiner Haushaltsgeräte bekannt.
-
Großmuldenkipper Liebherr T282
-
Autokran Liebherr LTM 1500-8.1
-
LRS 645 Reachstacker Containerstapler
Im Besitz der Firmengruppe befinden sich auch sechs Hotels in Österreich, Irland und Deutschland.
Produktionsstandorte [Bearbeiten]
Liebherr produziert an 29 Standorten in 15 Ländern und auf vier Kontinenten. In Deutschland sind die Standorte in Oberschwaben und im Allgäu konzentriert.
| Land | Stadt | Produktpalette | Mitarbeiter |
|---|---|---|---|
| Guaratinguetá 1&2 | Raupenbagger, Mobilbagger, Radlader, Fahrmischer und Mobilkräne – Gehäuse und Ventilblöcke (für Luftfahrt) | 575 | |
| São José dos Campos | Fahrwerke und hydraulische Komponenten für Luftfahrzeuge | ||
| Radinovo | Kühl- und Gefriergeräte | 1660 | |
| Dalian | Hydraulikbagger, Radlader, Materialumschlag, Getriebe | 322 | |
| Xuzhou | Fahrmischer | 300 | |
| Bad Schussenried | Betonmischanlagen, Recyclinganlagen, Fahrmischer, Förderbänder für Fahrmischer, Steuerungen, Messtechnik | 820 | |
| Biberach an der Riß | Turmdrehkräne und Komponenten der Antriebstechnik | 1925 | |
| Ehingen | All-Terrain-Mobilkrane, Gittermastkräne mit Mobil- und Raupenfahrwerken, Mobilbaukräne und Spezialkräne für den Bergungseinsatz, Hydraulische Sonnenschirme | 2720 | |
| Friedrichshafen | Spezielle Betätigungs- und Antriebssysteme für Hubschrauber und Flugzeuge | 275 | |
| Kempten (Allgäu) | Werkzeugmaschinen (Verzahnmaschinen); Materialfluss- und Handhabungstechnik | 900 | |
| Kirchdorf an der Iller | Hydraulikbagger, Hydraulikkomponenten und Dumper | 1900 | |
| Lindau | Baugruppen und Geräte aus dem Bereich elektronische Steuerungen | 350 | |
| Lindenberg im Allgäu | Flugzeugausrüstungen, Fahrwerke und Flugsteuerung | 1650 | |
| Ochsenhausen | Kühl- und Gefriertechnik | 1775 | |
| Rostock | Maritime Kräne, Hafenmobilkräne, Schiffskräne, Offshorekräne, Reach-Stacker | 800 | |
| Colmar | Raupenbagger | 1450 | |
| Toulouse | Klimatisierungssysteme für Luftfahrzeuge | 825 | |
| Sunderland | Schiffs-, Bohrinsel- und Sonderkräne | 200 | |
| Killarney | Containerkräne | 500 | |
| Kluang | Kühl- und Gefriertruhen, Weinschränke, Display Kühlschränke | 300 | |
| Nuevo_León (Monterrey) | Komponenten der Antriebstechnik | 180 | |
| Bischofshofen | Radlader, Turmdrehkrane | 900 | |
| Korneuburg | Klima- u. Hydrauliksysteme für Schienenfahrzeuge | 225 | |
| Lienz | Kühl- und Gefrierschränke sowie Kühl- und Gefriertruhen | 1475 | |
| Nenzing | Raupenkräne, Hydro-Seilbagger, Hafenmobilkräne, Schiffskräne, Offshorekräne, | 1700 | |
| Telfs | Lade- und Planierraupen und Teleskoplader | 450 | |
| Dserschinsk 1 | Turmdrehkrane, Erdbewegungsmaschinen, Hydraulik-Komponenten, Getriebe und Stahlbau | 500 | |
| Dserschinsk 2 | Luftfahrtkomponenten | 100 | |
| Bulle | Dieselmotoren | 600 | |
| Pamplona | Turmdrehkräne (13 H) und Fahrmischer | 250 | |
| Rayong | Fahrmischer, Mischanlagen und Turmdrehkräne | 150 | |
| Newport News | Muldenkipper, Wartungswerkzeuge für Bergbaugeräte | 375 |
Steuer- und Subventionspolitik [Bearbeiten]
1978 gründete Hans Liebherr in Bulle in der Schweiz die Liebherr Machines Bulle S.A.[9] und verlegte 1982 mit Gründung der Liebherr International AG[10] den Konzernsitz in die Schweiz, um die Zahlung von Erbschaftssteuer in Deutschland zu vermeiden.[11] Es ist erklärtes Ziel der Firma, mit Hilfe von Subventionen die Risiken zu minimieren[12] so erhielt der Konzern z.B. 2010 für Investitionen in Rostock 28,7 Millionen Euro von der EU[13], obwohl er im selben Jahr 494 Millionen Euro Gewinn nach Steuern machte, eine Eigenkapitalquote von 57,7 % aufwies und über 1,2 Milliarden Euro flüssige Mittel verfügte.[14]
Liebherr-Hotels [Bearbeiten]
Zur Firmengruppe Liebherr gehören unter anderem auch sechs Hotels in Irland, Österreich und Deutschland mit einer Bettenkapazität von insgesamt 1.450 Betten. Die Leitung der Sparte Dienstleistungen und somit auch der Hotels übernahm Mitte der siebziger Jahre Isolde Liebherr.
Irland
- Hotel Europe
- The Dunloe
- Ard na Sidhe Country House
Österreich
- Interalpen-Hotel Tyrol
- Löwen-Hotel Schruns
Deutschland
- Hotel Falken[15]
Die Familie Liebherr [Bearbeiten]
Weitere Familienmitglieder des Firmengründers Hans Liebherr, die im Unternehmen tätig sind oder waren, sind seine Kinder:
- Hans Liebherr jun.
- Willi Liebherr (* 1947)
- Markus Liebherr (1948–2010)
- Isolde Liebherr (* 1949)
- Hubert Liebherr (* 1950)
Das Wirtschaftsmagazin Bilanz schätzt das Vermögen der Familie Liebherr auf 4,5 Milliarden Schweizer Franken.[16]
Sportsponsoring [Bearbeiten]
Liebherr ist aktuell der Hauptsponsor der Tischtennisfreunde Ochsenhausen. Seit 2005 sponsert Liebherr zudem die deutsche Nationalmannschaft, auch ist es Partner des Tischtennisweltverbandes ITTF.[17] 1997 wurde das Unternehmen auf Vermittlung von Klaus Augenthaler Namens-, Haupt- und Trikotsponsor beim Grazer AK und blieb es bis 2007.
Literatur [Bearbeiten]
- Frank Brunecker (Hrsg.): Liebherr – Kräne + mehr. Biberacher Verlags-Druckerei, Biberach 2005, ISBN 3-933614-19-8 (Ausstellungskatalog).
Weblinks [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Handelsregisterauszug der Liebherr International SA, Bulle
- ↑ a b c d liebherr.com: Portrait der Firmengruppe
- ↑ a b Rainer Frenkel: Die einfachen Rezepte des Hans Liebherr, Die Zeit vom 18. Oktober 1974.
- ↑ a b Frank Brunecker: Liebherr – Kräne und mehr, Eröffnungsrede zur Ausstellung im Museum Biberach/Riß vom 12. Mai 2005 (PDF, 70 KB).
- ↑ Stefan Lüscher: Deutsche machen die Schweiz reich www.bild.de, 3. Januar 2012.
- ↑ Christian Keun: Die reichsten Deutschen: Mit dem Bagger Milliarden geschaufelt, Beitrag aus dem Manager Magazin auf spiegel.de, 10. August 2001, abgerufen am 17. Mai 2013.
- ↑ Enge Räume? Kein Problem, baupraxis zeitung vom 01. Januar 1995, S. 26 (Online-Vorschau), abgerufen am 17. Mai 2013.
- ↑ Liebherr Aerospace. Abgerufen am 12. November 2010.
- ↑ Firmendaten auf moneyhouse.ch
- ↑ Firmendaten auf moneyhouse.ch
- ↑ Stefan Lüscher: Deutsche machen die Schweiz reich www.bild.de, 3. Januar 2012
- ↑ Vortrag von Wolfgang Remlinger, Liebherr MCCtec GmbH (PDF, 2,7 MB)
- ↑ EU billigt Millionen-Subventionen für Liebherr, dpa-Meldung in der Ostsee-Zeitung vom 6. Juli 2010
- ↑ Konzernabschluss 2010 der Liebherr International AG, Bulle, abrufbar auf www.bundesanzeiger.de
- ↑ Hotels der Firmengruppe Liebherr als Bestandteil der Dienstleistungs-Sparte
- ↑ Stefan Lüscher: Exportschlager Milliardäre, Bilanz, 3. Januar 2012
- ↑ tischtennis. Münster 2005,9, S.4. ISSN 0930-0791