Liechtenstein

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Liechtenstein (Begriffsklärung) aufgeführt.
Fürstentum Liechtenstein
Flagge Liechtensteins
Wappen Liechtensteins
Flagge Wappen
Amtssprache Deutsch
Hauptstadt Vaduz (Hauptort)
Staatsform konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratisch-parlamentarischer Grundlage[1]
Staatsoberhaupt Fürst Hans-Adam II.
(vertreten durch
Erbprinz Alois von Liechtenstein)
Regierungschef Adrian Hasler
Fläche 160[2] km²
Einwohnerzahl 37'132 (31. Dezember 2013)[3]
Bevölkerungsdichte 232 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung +1,0 % (2012)[4] pro Jahr
Bruttosozialprodukt 4'047 Mio. CHF (2011)[3]
Bruttosozialprodukt pro Einwohner 111'000 CHF (2011)[3]
Bruttoinlandsprodukt 5'144 Mio. CHF (2012)[3]
Human Development Index 0,889 (18.) (2013)[5]
Währung Schweizer Franken (CHF)
Unabhängigkeit 1806 (vom Heiligen Römischen Reich)
Nationalhymne Oben am jungen Rhein
Nationalfeiertag 15. August
Zeitzone UTC+1 MEZ
UTC+2 MESZ (März bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen FL
ISO 3166 LI, LIE
Internet-TLD .li
Telefonvorwahl +423
Frankreich Liechtenstein Deutschland Italien Österreich Schweiz Österreich Belgien Bulgarien Republik Zypern Tschechien Deutschland Dänemark Dänemark Estland Spanien Finnland Frankreich Frankreich Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Griechenland Griechenland Ungarn Irland Italien Italien Italien Litauen Luxemburg Lettland Niederlande Polen Portugal Rumänien Schweden Slowenien Slowakei Island Montenegro Mazedonien Kroatien Türkei Türkei Malta Serbien Dänemark Dänemark Norwegen Norwegen Isle of Man Guernsey Jersey Andorra Monaco Schweiz Liechtenstein Vatikanstadt San Marino Albanien Kosovo Bosnien und Herzegowina Moldawien Weissrussland Russland Ukraine Kasachstan Abchasien Südossetien Georgien Aserbaidschan Aserbaidschan Armenien Iran Libanon Syrien Israel Jordanien Saudi-Arabien Irak Russland Tunesien Algerien MarokkoLiechtenstein in Europe (zoomed).svg
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Administrative Gliederung: zwei Wahlkreise, elf Gemeinden
Topografische Karte
Topografische Karte

Liechtenstein [ˈlɪçtn̩ˌʃtaɪ̯n], amtlich Fürstentum Liechtenstein (liechtensteinerisch: Förschtatum Liachtaschta, Füarstatum Liachtastoo, Fürstatum Liachtastei), ist ein Binnenstaat in Mitteleuropa und flächenmässig der sechstkleinste Staat der Welt. Liechtenstein ist eine konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratisch-parlamentarischer Grundlage. Die Souveränität liegt sowohl beim Volk als auch beim Fürsten, den das Haus Liechtenstein stellt. Das Alpenland Liechtenstein grenzt westlich an die Schweiz und östlich an Österreich und gliedert sich in zwei Wahlkreise und elf Gemeinden. Der Hauptort und Fürstensitz ist Vaduz, der flächenmässig grösste Ort ist Triesenberg und der bevölkerungsreichste Ort ist Schaan. Der stark kultivierte Norden (Unterland) und der weniger bewirtschaftete Süden (Oberland) charakterisieren die Landschaft des Fürstentums.

Liechtenstein ist mit 37'000 Einwohnern[3] der kleinste der deutschsprachigen Staaten und gleichzeitig der einzige Staat, in dem Deutsch die alleinige Amts- und Landessprache ist.[6] Der Ausländeranteil beträgt 34 Prozent.[3]

Das Fürstentum wurde mit der Gründung des Rheinbundes im Jahr 1806 faktisch unabhängig und ist seit der Einführung eines Zollvertrags im Jahr 1923 verwaltungsmässig und wirtschaftlich eng mit der Schweiz verbunden. Die Fürstenmonarchie ist Mitglied der Vereinten Nationen (UNO) und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), andererseits nicht der Europäischen Union (EU).

Liechtenstein war als Steueroase bekannt. Die Liechtensteiner Steueraffäre und Offshore-Leaks haben dazu beigetragen, dass Liechtenstein im November 2013 ein internationales Abkommen zur Verhinderung von Steuerflucht («OECD-/Europarats-Übereinkommen») unterzeichnete.[7][8]

Geographie[edit]

Liechtenstein ist ein am Rhein gelegener Binnenstaat in den Alpen, umgeben von den Schweizer Kantonen St. Gallen im Westen und Graubünden im Süden sowie dem österreichischen Bundesland Vorarlberg im Osten. Seine Staatsgrenze zur Schweiz im Westen entspricht dem Rheinverlauf, während die südliche und östliche Staatsgrenze vom Alpen-Hochgebirge, dem Rätikon, geprägt ist. Die Grenze zu Österreich verläuft grösstenteils auf dem Gebirgsgrat. Neben Usbekistan ist Liechtenstein der einzige Staat, der ausschliesslich von Binnenstaaten umgeben ist (sofern das Kaspische Meer, an das Usbekistans Nachbarstaaten angrenzen, mit der herrschenden Meinung als See aufgefasst wird).

Das Land bedeckt eine Fläche von 160,475[2] Quadratkilometern und ist damit der viertkleinste Staat Europas[9] und sechstkleinste der Erde.[2] Es misst an seiner längsten Stelle 24,77 Kilometer und an seiner breitesten 12,35 Kilometer.[2]

Liechtenstein grenzt auf 41,2 Kilometern an die Schweiz, wovon 27,2 Kilometer auf den Kanton St. Gallen und 14 Kilometer auf den Kanton Graubünden entfallen.[10] Die Staatsgrenze mit der Republik Österreich (Bundesland Vorarlberg) beträgt 35,04 Kilometer.[11] Grösster Ort nach Einwohnern ist Schaan.

Naturräumliche Gliederung[edit]

Blick nach Balzers und Triesenberg

Liechtenstein gliedert sich in zwei Landschaften, als Hauptsiedlungsraum das Rheintal im Westen und das Saminatal mit Nebentälern im Osten. Letzteres wechselt im weiteren Verlauf die Grenze und mündet bei Frastanz in den unteren Walgau Vorarlbergs. Dieser Landesteil ist durch einen 1000 bis über 2000 Meter hohen Kamm vom Rheintal getrennt und kaum besiedelt, macht aber etwa ein Drittel der Landesfläche aus.

Weiter gliedert man das Land in zwei Regionen, das Unterland und das Oberland. Das Unterland umfasst die Gemeinden nördlich von Schaan und Planken (etwa an der Linie der Drei Schwestern), während das Oberland den südlichen Teil des Fürstentums beinhaltet. Naturräumlich unterscheiden sich diese beiden Regionen darin, dass das Oberland stärker vom alpinen Gebirge geprägt ist, während sich Unterland vorwiegend – ausgenommen der Eschnerberg – auf die Rheintalebene erstreckt.

Von der Landesfläche sind 11 Prozent Siedlungsraum, 33 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche, 41 Prozent Waldgebiet und 15 Prozent unproduktive Fläche.[12]

Gebirge[edit]

Rund die Hälfte des liechtensteinischen Staatsgebietes ist Gebirge.[13] Liechtenstein liegt dabei vollständig im Rätikon und ist so – je nach Einteilung der Alpen – den Ostalpen (Zweiteilung der Alpen) oder den Zentralalpen (Dreiteilung der Alpen) zuzuordnen.

Der höchste Punkt Liechtensteins ist der Vordere Grauspitz mit einer Höhe von 2'599 m ü. M., während den tiefsten Punkt das Ruggeller Riet mit einer Höhe von 430 m ü. M. darstellt.

Insgesamt gibt es in Liechtenstein 32 Berge mit einer Höhe von mindestens 2000 Metern. Das Falknishorn ist mit 2'452 m ü. M. der fünfthöchste Berg in Liechtenstein und stellt den südlichsten Punkt des Landes dar. Das Dreiländereck Liechtenstein–Graubünden–Vorarlberg ist der Naafkopf (2'570 m ü. M.).[10][14]

Neben den Gipfeln der Alpenkette, die zu den Kalkalpen gehören,[15] ragen mit den Grenzbergen Fläscherberg (1'135 m ü. M.) im Süden und dem Eschnerberg (698 m ü. M.) im Norden zwei Inselberge aus dem Rheintal, die zur helvetischen Decke bzw. Flyschzone der Alpen gehören.[16] Der Eschnerberg stellt ein wichtiges Siedlungsgebiet im Liechtensteiner Unterland dar.

Gewässer[edit]

Der Rhein als Grenzfluss zur Schweiz

Der Rhein ist das wichtigste und grösste Gewässer in Liechtenstein. Auf einer Länge von etwa 27 Kilometern stellt er die natürliche Grenze zur Schweiz dar und besitzt grosse Wichtigkeit für die Wasserversorgung Liechtensteins. Daneben ist der Rhein ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. Die Samina ist mit 12 Kilometern der zweitlängste Fluss des Fürstentums. Der Wildwasserfluss entspringt in Triesenberg und fliesst schliesslich in Österreich mit der Ill (zum Rhein bei Feldkirch) zusammen.

Der einzige natürlich entstandene See in Liechtenstein ist das Gampriner Seele, das erst 1927 durch eine Überschwemmung des Rheins mit gewaltiger Erosion gebildet wurde. Daneben gibt es aber weitere, künstlich angelegte Seen, die vorwiegend zur Stromgewinnung dienen. Einer davon ist der Stausee Steg, der grösste See Liechtensteins.[17]

Klima[edit]

Die Lage im Rheintal beeinflusst das Klima Liechtensteins wesentlich.

Das Klima des Landes ist trotz der Gebirgslage relativ mild. Es wird stark durch die Einwirkung des Föhns (warmer, trockener Fallwind) geprägt, wodurch die Vegetationszeit im Frühling und im Herbst verlängert wird, und auch im Winter Temperaturen um 15 °C durch starken Föhn keine Seltenheit sind.[18][19] Gegen atlantische und polare Kaltluft schützen die vorgelagerten Schweizer und Vorarlberger Bergketten, womit eine typische inneralpine Schutzlage entsteht. So verfügt das Fürstentum über Obstkultur mit Streuwiesen, und auch lange Weinbautradition.[20][21] Die geringe räumliche Ausdehnung Liechtensteins spielt bei den Klimaunterschieden kaum eine Rolle, von grosser Bedeutung ist dagegen die vertikale Gliederung in unterschiedliche Höhenlagen, sodass wesentliche Klimaunterschiede entstehen.

Im Winter sinkt die Temperatur selten unter minus 15 Grad, während im Sommer die mittleren Temperaturen zwischen 20 und 28 Grad schwanken. Die Messungen der jährlichen Niederschlagsmengen ergeben im Schnitt rund 900 bis 1200 Millimeter, im direkten Alpengebiet dagegen liegen die Niederschläge oft bis zu 1900 Millimeter. Die mittlere Sonnenscheindauer liegt bei etwa 1600 Stunden.[22]

Wohnbevölkerung[edit]

Liechtenstein zählte am 31. Dezember 2013 insgesamt 37'132 Einwohner.[3] Etwa zwei Drittel der Einwohner sind gebürtige Liechtensteiner (65,8 Prozent); ein Fünftel (20,1 Prozent) der Wohnbevölkerung kommt aus dem übrigen deutschen Sprachraum (10,8 Prozent aus der Schweiz, 5,9 Prozent aus Österreich und 3,4 Prozent aus Deutschland), gefolgt von jeweils 3,3 Prozent aus Italien und Einwohnern des früheren Jugoslawien, 2,6 Prozent sind Türken und 4,8 Prozent kommen aus anderen Staaten. Insgesamt umfasst Liechtensteins ständige Wohnbevölkerung Menschen aus rund 90 Nationalitäten.[9] Im Jahr 2012 lag das Bevölkerungswachstum bei 1,0 Prozent (Zuwachs von 363 Personen).[4] Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt bei rund 230 Menschen pro Quadratkilometer.

Im Liechtensteinischen Landesspital wurde das letzte Kind im Frühling 2014[23] geboren. Seit April 2014 müssen werdende Mütter aus Liechtenstein für Spitalsgeburten ins Ausland, weil die einzige Geburtsabteilung des Landes geschlossen wurde.[24]

Sprache[edit]

In Liechtenstein ist gemäss der Verfassung Artikel 6 Deutsch die Amtssprache.[25] Liechtenstein ist der einzige Staat mit Deutsch als alleiniger (anerkannter) Amts- und Landessprache (in den übrigen Staaten des deutschen Sprachraums sind auch andere Sprachen als Amts- oder Minderheitensprachen anerkannt).

Schrift- und Mediensprache ist üblicherweise Schweizer Hochdeutsch. In Liechtenstein schreibt man, gleich der Schweiz, anstelle des ß ein Doppel-s.

Die Liechtensteiner Bevölkerung spricht verschiedene liechtensteinische Mundarten, die in ihrer grossen Mehrheit einer mittelalemannisch-hochalemannischen Übergangsmundart angehören, so wie sie grenzüberschreitend im Rheintal auch im benachbarten Kanton St. Gallen (Schweiz) und im benachbarten Vorarlberg (Österreich) gesprochen wird. Die Ortsdialekte unterscheiden sich dabei von Gemeinde zu Gemeinde teilweise wesentlich voneinander.[26]

Allerdings hebt sich die höchstalemannisch-walserdeutsche Mundart von Triesenberg bis heute deutlich von den hochalemannischen Dialekten der altansässigen Bevölkerung ab, deren Träger sind um das Jahr 1300 n. Chr. im Zuge der Walserwanderung aus dem Schweizer Kanton Wallis ins Land gekommen. Diese Bevölkerung hatte im Laufe des Mittelalters hier – wie im ganzen unterrätischen Raum – die alte rätoromanische Landessprache zugunsten des Alemannischen aufgegeben.

Religion und Kirche[edit]

Die römisch-katholische Kirche ist gemäss Art. 37 II der Landesverfassung Landeskirche und geniesst als solche den vollen Schutz des Staates.[27] Die Trennung von Kirche und Staat wird in heutiger Zeit allerdings angestrebt. Seit dem 20. Dezember 2012 kann jeder Liechtensteiner Bürger ab 14 Jahren auch ohne Zustimmung eines Erziehungsberechtigten sein religiöses Bekenntnis frei wählen.[28]

Nach dem Ergebnis der Volkszählung aus dem Jahr 2010[29] waren 75,9 % der Liechtensteiner römisch-katholisch, 8,5 % evangelisch, rund 5,4 % gehörten einer islamischen Religionsgemeinschaft an. 2,2 % waren Mitglied einer anderen christlichen Konfession oder nichtchristlichen Religion, als konfessionslos bezeichneten sich 5,4 %, weitere 2,6 % der Bevölkerung machten keine Angabe zu ihrer Religionszugehörigkeit.

Bei einer von der liechtensteinischen Regierung in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage zur Religionsangehörigkeit aus dem Jahr 2008 gaben noch 78 Prozent der in- und ausländischen Bewohner ihre Religion mit römisch-katholisch an, elf Prozent waren evangelisch, rund drei Prozent gehörten einer islamischen Religionsgemeinschaft an und sechs Prozent machten keine Angaben. Der Bevölkerungsanteil ohne Konfession belief sich demnach in Liechtenstein auf 2,8 Prozent.[30]

Bis 1997 gehörte Liechtenstein zum Bistum Chur. Am 2. Dezember 1997 wurde schliesslich das Erzbistum Vaduz von Papst Johannes Paul II. errichtet und vom Bistum Chur losgelöst. Seit der Errichtung des Erzbistums Vaduz ist Wolfgang Haas Erzbischof und die Pfarrkirche St. Florin in Vaduz wurde zur Kathedralkirche erhoben.

Es gibt zwei kleine protestantische Kirchen im Fürstentum, die als Verein organisiert sind: Die Evangelische Kirche im Fürstentum Liechtenstein und die Evangelisch-lutherische Kirche im Fürstentum Liechtenstein, die gleiche Wurzeln hat.

Geschichte[edit]

Hauptartikel: Geschichte Liechtensteins

Vorgeschichte[edit]

Der Burghügel der Burg Gutenberg ist seit Jahrtausenden besiedelt.

Archäologische Funde haben gezeigt, dass das heutige Gebiet Liechtensteins seit der Jungsteinzeit (5. Jahrtausend v. Chr.) besiedelt ist. Während im Tal der frei fliessende Rhein eine Siedlung erschwert hatte, bildeten sich an Talerhebungen erste Siedlungsstätten. So nachweislich am Burghügel Gutenberg in Balzers oder am Eschnerberg. Im Jahr 15 v. Chr. eroberten die Römer unter Augustus das Gebiet der Räter und errichteten die römische Provinz Raetia. Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde die Heeresstrasse Mailand-Bregenz errichtet, die über die Luzisteig entlang des rechten Rheinufers verlief, und so sind auch im Gebiet des heutigen Liechtensteins Gutshöfe und Kastelle (z. B. in Schaan) errichtet worden.[31]

Mit dem Zerfall des römischen Weltreiches begann die Zuwanderung der Alemannen und schliesslich wurde Rätien im 8. Jahrhundert ins Fränkische Reich und im 10. Jahrhundert ins alemannische Herzogtum eingebunden. Zu dieser Zeit wurde das Gebiet des heutigen Liechtensteins durch die Grafen von Bregenz regiert. Am 3. Mai 1342 wurde das damalige Herrschaftsgebiet geteilt, sodass die Grafschaft Vaduz entstand. In den nachfolgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten wurde die Grafschaft immer wieder Schauplatz von Kriegen und Plünderungen, so z. B. im Alten Zürichkrieg (1444–1446) oder im Schwabenkrieg (1499–1500).[32]

Entstehung des Fürstentums und Unabhängigkeit[edit]

Im Laufe der Zeit verschuldeten sich die Herrscher von Hohenems zunehmend, so dass sie schliesslich gezwungen waren, die Grafschaft Vaduz und die Herrschaft Schellenberg zu verkaufen. Im Jahr 1699 erwarb Fürst Hans Adam von Liechtenstein die Herrschaft Schellenberg und im Jahr 1712 die Grafschaft Vaduz. Am 23. Januar 1719 vereinigte ein Diplom von Kaiser Karl VI die Grafschaft Vaduz und die Herrschaft Schellenberg und erhob es zu einem Reichsfürstentum mit dem Namen Liechtenstein.[33] Da das neue Land nur aus kleinen Bauerndörfern bestand, wurde die Administration vorerst in der nächstgelegenen Stadt, in Feldkirch, installiert, wo der Fürst zu diesem Zweck das Palais Liechtenstein errichten liess.

Während der Koalitionskriege wurde Liechtenstein immer wieder von fremden Truppen besetzt, sodass eine verstärkte Verarmung der Bevölkerung einsetzte. Im ersten Koalitionskrieg (1792–1797) marschierten französische Truppen im Fürstentum ein und nach Kämpfen zwischen Österreich (mit Unterstützung Russlands) und Frankreich wurde Liechtenstein im zweiten Koalitionskrieg (1799–1802) von napoleonischen Truppen besetzt. 1806 gründete Napoleon Bonaparte den Rheinbund und nahm das Fürstentum Liechtenstein als eines der 16 Gründungsmitglieder mit auf, sodass Liechtenstein unter dem Fürsten Johann I. faktisch unabhängig wurde. Beim Wiener Kongress wurde die Unabhängigkeit Liechtensteins bestätigt und das Land in den Deutschen Bund aufgenommen.[34]

Zollvertrag mit Österreich[edit]

Liechtenstein entwickelte sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte nur langsam und blieb lange Zeit rückständig. Eine Revolution 1848 brachte kurzfristig keine Änderung. Erst der im Jahr 1852 geschlossene Zollvertrag mit Österreich ermöglichte einen Aufschwung der wirtschaftlichen Verhältnisse und die konstitutionelle Verfassung von 1862 brachte politische Veränderung, sodass der Fürst nicht mehr uneingeschränkt herrschen konnte.[35]

Im Ersten Weltkrieg blieb Liechtenstein neutral und hätte sich im Kriegsfall nicht verteidigen können, da die Armee bereits 1868 aus Kostengründen aufgelöst worden war. Die fehlende Armee sorgte jedoch dafür, dass es keine Ausfälle an Arbeitskräften gab. So hätte die in den letzten Jahrzehnten aufgebaute Textilindustrie weiter an Bedeutung gewinnen können, doch verboten die Alliierten die Garnzufuhr über die Schweiz, sodass die Textilindustrie völlig zum Erliegen kam. Damit verbunden war auch die Verarmung der liechtensteinischen Bevölkerung. Mit dem Kriegsende löste Liechtenstein schliesslich den Zollvertrag mit dem Kriegsverlierer Österreich-Ungarn auf.[36]

Zollvertrag mit der Schweiz[edit]

Nach der Auflösung des Zollvertrags mit Österreich 1919 näherte sich Liechtenstein zunehmend der Schweiz an und schliesslich wurde im Jahr 1923 der bis heute bestehende Zollvertrag mit der Schweiz unterzeichnet. Nachdem Österreich im März 1938 an das Deutsche Reich angeschlossen worden war, entschied sich der neu regierende Fürst Franz Josef II. als erster Fürst Liechtensteins – aufgrund der Ablehnung des Nationalsozialismus – seinen Wohnsitz nach Liechtenstein auf Schloss Vaduz zu verlegen.[37]

Liechtenstein blieb im Zweiten Weltkrieg – wie im Ersten Weltkrieg – neutral und wurde nie in direkte Kriegshandlungen verwickelt. Stattdessen konnte das Fürstentum seine Standortvorteile nutzen, zu denen gehörten: keine Ausfälle von Armeeangehörigen, zentrale Lage, Zollunion mit der neutralen Schweiz, steuerliche Vorteile und politische Stabilität. So wurden viele neue Industriebetriebe in Liechtenstein gegründet und ein starkes Wirtschaftswachstum setzte ein.[38]

Spätere Entwicklungen[edit]

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges konnte sich Liechtenstein langsam aber stetig zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort mit einer grossen politischen Stabilität entwickeln. Das Frauenstimmrecht wurde allerdings erst im Jahr 1984 eingeführt und der Beitritt zu den Vereinten Nationen (UNO) erfolgte im Jahr 1990. Wichtig für die Entwicklung der Wirtschaft war die Teilnahme am Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), der 1992 durch eine Volksabstimmung mit einer deutlichen Mehrheit beschlossen wurde – die Schweiz hatte wenige Wochen zuvor den Beitritt abgelehnt.

Die EWR-Mitgliedschaft brachte die vier Freiheiten (Personen, Güter, Dienstleistungen und Kapital) zwischen der Europäischen Union und Liechtenstein sowie den übrigen EWR-Mitgliedern Norwegen und Island mit sich. Am 15. August 2004 ernannte Fürst Hans-Adam II seinen Sohn und Erbprinz Alois von Liechtenstein zu seinem Stellvertreter und betraute ihn mit der Ausübung der dem Fürsten zustehenden Hoheitsrechte. Der Fürstentitel wird allerdings erst nach dem Tod Hans-Adams auf seinen Sohn übergehen.

Im Jahr 2008 kam es schliesslich zu einer Steueraffäre mit Deutschland, in der zahlreiche deutsche Steuerhinterzieher aufflogen. Trotz vieler solcher Vorkommnisse, auch im Zusammenhang mit anderen europäischen Staaten und den USA,[39] hat sich Liechtenstein zu der in der EU angestrebten Weissgeldstrategie, die auch die Schweiz bis 2018 umsetzen will,[40] zunächst nicht geäussert.

Politik[edit]

Politisches System[edit]

Liechtenstein definiert sich nach seiner Verfassung als «konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratisch-parlamentarischer Grundlage». Die demokratisch-parlamentarische Grundlage ergibt sich aus der vom Volk gewählten und abwählbaren Legislativen und der direkt-demokratischen Möglichkeiten des Volkes, sich unmittelbar im Politalltag einzubinden.

Die Staatsgewalt ist nach Art. 2 der Verfassung «… im Fürsten und im Volke verankert und wird von beiden nach Massgabe der Bestimmungen dieser Verfassung ausgeübt.» Der Landesfürst kann als Staatsoberhaupt den Landtag auflösen, schliessen und vertagen, die Volkswahl der Parlamentsmitglieder obliegt einer Angelobung des Fürsten, die Staatsregierung wird auf Vorschlag des Landtages vom Fürsten ernannt und er kann durch die Sanktionsrechte vom Parlament und vom Volk beschlossene Gesetze widerrufen. Das aktuelle Staatsoberhaupt Liechtensteins ist seit 1989 der Fürst Hans Adam II. von und zu Liechtenstein. Die Staatsgeschäfte obliegen seit August 2004 dem Erbprinzen Alois von und zu Liechtenstein.

Legislative[edit]

Das 2008 eröffnete Landtagsgebäude in Vaduz

Die gesetzgebende Gewalt liegt beim Landesfürsten und dem Landtag des Fürstentums Liechtenstein. Der Landtag besteht aus 25 Abgeordneten, die nach dem Proporzwahlrecht für vier Jahre vom Volk gewählt werden. Das Volk wählt dabei in zwei Wahlkreisen, wobei im Unterland 10 und im Oberland 15 Abgeordnete gewählt werden. Die Gesetzgebung wird durch den 65. Verfassungsartikel definiert. Nach diesem dürfen ohne die Mitwirkung des Landtages keine Gesetze beschlossen oder abgeändert werden. Nachdem ein Gesetz vom Landtag beschlossen wurde, muss es noch vom Fürsten sanktioniert, vom Regierungschef gegengezeichnet sowie im Landesgesetzblatt bekanntgegeben werden, bevor es endgültig in Kraft tritt. Wird ein Gesetz nicht innerhalb von sechs Monaten vom Landesfürsten sanktioniert, gilt es als verweigert.[27]

In der politischen Landschaft Liechtensteins spielen zwei Parteien die Hauptrolle, nämlich die beiden konservativen Parteien Vaterländische Union und Fortschrittliche Bürgerpartei. Sie stehen in einer Koalition und stellen die Regierung. Die Vaterländische Union ist im Oberland stärker vertreten und gilt gemeinhin als eher der Schweiz zugewandt und liberaler, während die Fortschrittliche Bürgerpartei im Unterland überwiegt und als fürstentreu und österreichfreundlich gilt. Davon abgesehen gibt es keine grösseren ideologischen Unterschiede zwischen den beiden grossen Parteien.

Bei den Landtagswahlen 2013 verloren die beiden grossen bürgerlichen Parteien VU und FBP zusammen 17,6 Prozent der Stimmen. Der grosse Gewinner war die erstmals angetretene Wählergruppe Die Unabhängigen, die auf Anhieb 15,3 Prozent der Stimmen errangen. Auch die bisher einzige Oppositionspartei, die grün-alternative Freie Liste, konnte zwei Mandate dazu gewinnen.

Exekutive[edit]

Die liechtensteinische Regierung 2013 (v. l.):
Marlies Amann-Marxer,
Thomas Zwiefelhofer (Regierungschef-Stellvertreter),
Adrian Hasler (Regierungschef),
Aurelia Frick,
Mauro Pedrazzini

Die fünfköpfige Regierung – der Regierungsrat – stellt die Exekutive. Sie besteht aus dem Regierungschef und den vier Regierungsräten und ihren jeweiligen der 15 Ressorts. Regierungschef ist seit dem 27. März 2013 Adrian Hasler, der für die Ressorts Präsidium und Finanzen in der Regierung verantwortlich ist. Auf Vorschlag des Landtages werden sie vom Landesfürsten ernannt. Mit der umstrittenen Verfassungsänderung 2003 erhielt der Landesfürst mit dem 80. Verfassungsartikel die Möglichkeit, die Regierung oder einzelne Regierungsräte jederzeit und ohne Angabe von Gründen zu entlassen.[27]

Als Stellvertreter des Regierungschefs sitzt Thomas Zwiefelhofer in der Regierung und führt die Dossiers Inneres, Wirtschaft und Justiz. Weitere Regierungsratsmitglieder sind Aurelia Frick (mit den Ressorts Äusseres, Kultur und Bildung), Marlies Amann-Marxer (Ressorts Infrastruktur, Umwelt und Sport) und Mauro Pedrazzini (Ressort Gesellschaft).

Judikative[edit]

Die Judikative bildet ein mit fünf Richtern besetzter Oberster Gerichtshof, der die letzte Instanz der ordentlichen Gerichtsbarkeit in Liechtenstein darstellt. Die Richter werden in Liechtenstein von einem Gremium mit dem Fürsten als Vorsitzendem bestellt (Artikel 95 ff. Landesverfassung).[27] Haftstrafen bis zu zwei Jahren werden im Landesgefängnis in Vaduz verbüsst, höhere Strafen müssen in österreichischen Gefängnissen abgesessen werden; dies ist durch ein bilaterales Abkommen beider Länder möglich.[41]

Die Todesstrafe wurde vom Liechtensteinischen Landtag erst im Jahr 1987 formal abgeschafft. Zuvor war die Todesstrafe aufgrund der Orientierung am alten österreichischen Strafgesetz von 1852 noch formal als Höchststrafe vorgesehen, allerdings de facto seit 1784 nicht mehr vollstreckt worden. Jedoch wurde noch am 26. November 1977 ein Mörder vom Kriminalgericht zum Tode verurteilt. Diese Strafe wurde nach der Begnadigung durch den Landesfürsten in eine 15-jährige Haftstrafe umgewandelt und war das letzte Todesurteil, das ein Liechtensteinisches Gericht fällte.[42]

Direkte Demokratie[edit]

Es gibt ein stark direktdemokratisches Element im liechtensteinischen System. So können mindestens 1000 Bürger den Landtag einberufen (Art. 48(2) der liechtensteinischen Verfassung)[27] und mindestens 1500 können eine Volksabstimmung über seine Auflösung beantragen (Art. 48(3) der liechtensteinischen Verfassung).[27] Ebenfalls können 1000 Bürger den Begehr auf Erlass, Abänderung oder Aufhebung eines Gesetzes an den Landtag stellen. Jedes Gesetz unterliegt einer Volksabstimmung, sofern dies der Landtag beschliesst oder mindestens 1000 Bürger oder vergleichsweise drei Gemeinden dies verlangen (Art. 64 der liechtensteinischen Verfassung).[27] Für Verfassungsänderungen oder Staatsverträge sind mindestens 1500 Bürger oder vier Gemeinden notwendig. Die Verfassung vom März 2003 hat die direktdemokratischen Rechte der Landesbürger in grundlegenden Aspekten erweitert.

Das Frauenstimmrecht wurde erst mit dem dritten Anlauf im Jahr 1984 eingeführt. Eine vom Landtag 1976 beschlossene Verfassungsänderung ermöglichte den Gemeinden, das Frauenstimmrecht schon vorher auf Gemeindeebene einzuführen.

In Krisenzeiten kann sich der Fürst auf ein Notrecht berufen (Artikel 10 der liechtensteinischen Verfassung).[27]

Administrative[edit]

Die Verwaltung in Liechtenstein hat ein modernes und breit gefächertes Angebot. Sie umfasst 46 Einrichtungen, die im Allgemeinen direkt der Regierung unterstellt sind:[43]

  • eine Administration (Bau);
  • 19 Ämter, von Auswärtigen Angelegenheiten bis Volkswirtschaft und Zivilstand;
  • eine Agentur (Internationale Bildung);
  • ein Dienst (Rechte der Regierung und Ämter);
  • eine Dienststelle (Sport), eine Fachstelle (E-Government), eine Hilfsstelle (Opfer), acht Stabsstellen (von EWR bis öffentliches Auftragswesen), eine sonstige Stelle (Datenschutz);
  • eine Abteilung Information und Kommunikation mit der Regierung;
  • zwei Kontrollorgane (Finanzen und Motorfahrzeuge);
  • eine Pensionsversicherung;
  • eine Steuerverwaltung;
  • eine Regierungskanzlei;
  • eine Staatsanwaltschaft;
  • je ein Landesarchiv, Landeskasse und Landespolizei.

E-Government[edit]

Die Liechtensteiner Landesverwaltung bietet E-Government-Lösungen für die Erledigung von Online-Behördengängen über sogenannte Onlineschalter an. Dabei werden Formularlösungen des österreichischen IT-Dienstleisters aforms2web verwendet. Um die kundenorientierte Online-Dienstleistung zu optimieren, wurde im Herbst 2013 die EAP-Anwendung in den bereits vorhandenen Formularserver AFORMSOLUTION (AFS) integriert.[44]

Zudem konnten bei der United Nations E-Government Survey 2010 für Liechtenstein mit die größten Fortschritte bei der Optimierung von Onlinediensten ermittelt werden. Im weltweiten Vergleich konnte Liechtenstein auf Platz 23 gelistet werden.[45]

Aussenpolitik und diplomatische Beziehungen[edit]

Mangels politischer oder militärischer Macht hat Liechtenstein die Erhaltung seiner Eigenstaatlichkeit in den vergangenen 200 Jahren durch die Mitgliedschaft in Rechtsgemeinschaften gesucht. Internationale Kooperation und europäische Integration sind deshalb Konstanten der liechtensteinischen Aussenpolitik, die darauf abzielen, die völkerrechtlich anerkannte Souveränität des Landes weiterhin abzusichern. Entscheidend für die innenpolitische Legitimation und Nachhaltigkeit dieser Aussenpolitik waren und sind dabei starke direkt-demokratische und bürgernahe Entscheidungsmechanismen, die in Liechtenstein in der Verfassung von 1921 verankert sind.

Die «offene» Grenze zwischen Liechtenstein und der Schweiz

Wichtige historische Etappen der Integrations- und Kooperationspolitik Liechtensteins waren der Beitritt zum Rheinbund 1806, zum Deutschen Bund 1815, der Abschluss bilateraler Zoll- und Währungsabkommen mit der Donaumonarchie 1852 und schliesslich des Zollvertrags mit der Schweiz im Jahr 1923, dem eine ganze Reihe von weiteren wichtigen bilateralen Verträgen folgte.

Nach dem wirtschaftlichen Wiederaufbau der Nachkriegszeit folgte 1950 der Beitritt zum Statut des Internationalen Gerichtshofs, 1975 unterzeichnete Liechtenstein zusammen mit 34 weiteren Staaten die KSZE-Schlussakte von Helsinki (heutige OSZE), 1978 trat Liechtenstein dem Europarat bei und 1990 wurde Liechtenstein in die Vereinten Nationen (UNO) aufgenommen. 1991 trat Liechtenstein der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) als Vollmitglied bei und seit 1995 ist Liechtenstein Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) sowie der Welthandelsorganisation (WTO). 2008 unterzeichnete Liechtenstein das Schengen/Dublin-Abkommen. Die Beziehungen im Rahmen des EWR und der EU nehmen aus wirtschafts- und integrationspolitischer Sicht eine besondere Stellung in der liechtensteinischen Aussenpolitik ein (siehe Liechtenstein und die Europäische Union).

2009 erkannte als letztes EU-Mitglied die Tschechische Republik Liechtenstein als souveränen Staat an. Dem vorhergegangen war ein jahrzehntelanger diplomatischer Streit zwischen den beiden Ländern, nachdem durch die Benes-Dekrete sämtliche Besitztümer der Fürstenfamilie in der Tschechoslowakei enteignet und verstaatlicht worden waren. Der Fall war beim Internationalen Gerichtshof gelandet, Liechtenstein hatte ihn jedoch verloren. Im Laufe des Jahres 2009 normalisierten die Länder ihre Beziehungen, Liechtenstein sprach darüber hinaus auch erstmals der Slowakei diplomatische Anerkennung aus.[46]

Die konsularische Vertretung Liechtensteins wird seit dem Zollvertrag mit der Schweiz 1923 zumeist von der Schweiz wahrgenommen. Liechtenstein hält direkte diplomatische Vertretungen in Wien, Bern, Berlin, Brüssel, Strassburg und Washington, D.C. sowie Ständige Missionen in New York und Genf bei den Vereinten Nationen.[47] Derzeit sind diplomatische Vertretungen von 78 Ländern in Liechtenstein akkreditiert, residieren jedoch meist in Bern.

Die Botschaft in Brüssel koordiniert die Kontakte zur Europäischen Union, zu Belgien und auch zum Heiligen Stuhl. Die Beziehungen zur Schweiz sind wegen der engen Zusammenarbeit in vielen Bereichen besonders umfangreich; die Schweiz erfüllt an einigen Stellen Aufgaben, die für das Fürstentum aufgrund seiner Grösse schwer selbst zu bewältigen wären. Seit dem Jahr 2000 hat die Schweiz einen Botschafter gegenüber Liechtenstein ernannt, der allerdings in Bern residiert.

Die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland wurden lange Zeit über einen nichtresidierenden Botschafter unterhalten; also über eine Kontaktperson, die nicht dauerhaft in Deutschland ansässig war. Seit 2002 hat Liechtenstein jedoch einen festen Botschafter in Berlin, während die deutsche Botschaft in der Schweiz auch für das Fürstentum zuständig ist. Das Aussenministerium Liechtensteins sieht die Kontakte besonders auf wirtschaftlicher Ebene als überaus fruchtbar und wichtig für die Entwicklung des Landes an. Konflikte über den Umgang mit Bank- und Steuerdaten haben die Beziehungen jedoch immer wieder belastet. Am 2. September 2009 haben Liechtenstein und Deutschland ein Abkommen über die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch in Steuersachen unterzeichnet. Der Abkommenstext folgte dem OECD-Musterabkommen und sieht ab dem Steuerjahr 2010 einen Informationsaustausch in Steuerfragen auf Anfrage vor. Darüber hinaus begreift Liechtenstein die Bundesrepublik als wichtigen Partner bei der Wahrnehmung seiner Interessen bei der europäischen Integration. Auf kultureller Ebene spielt besonders die Projektförderung eine Rolle, so finanzierte etwa die Hilti-Stiftung die Ausstellung «Ägyptens versunkene Schätze» in Berlin, und der Staat spendete 20'000 Euro nach dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar.

Die Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum sah im Prinzip die volle Personenfreizügigkeit vor. Weil allerdings absehbar war, dass zahlreiche EU-Bürger im steuergünstigen Fürstentum ihren Wohnsitz nehmen würden, was weder in deren Heimatländern (die Steuerausfälle befürchteten) noch in Liechtenstein (wo steigende Immobilienpreise befürchtet wurden) erwünscht war, wurde eine Sondervereinbarung getroffen, wonach Liechtenstein pro Jahr 64 neue Aufenthaltsbewilligungen vergibt, davon 56 an Berufstätige und acht an Nichtberufstätige. Von den erstgenannten wird die Hälfte nach unklaren Kriterien von der Regierung «nach den Bedürfnissen der Wirtschaft», die andere Hälfte und die Bewilligungen für Nichtberufstätige auf Drängen der EU in einem Losverfahren vergeben. In jedem Fall ist der Nachzug von Familienangehörigen möglich. Am 28. Februar 2008 unterzeichnete das Fürstentum seinen Beitritt zum Schengenraum, der Beitritt erfolgte am 19. Dezember 2011.[48]

Landesverteidigung[edit]

Am 12. Februar 1868 beschloss Johann Fürst von Liechtenstein, «bei den dermaligen geänderten Verhältnissen im staatlichen Organismus Deutschlands» sei es «im Interesse meines Fürstentums gelegen, von der Unterhaltung eines Militärkontingents abzusehen», und löste die liechtensteinischen Streitkräfte auf. Das Fürstentum besitzt seither keine eigene Armee mehr, jedoch ist in der Verfassung die allgemeine Wehrpflicht nach wie vor verankert. Für die innere Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung ist die Landespolizei zuständig. Einige Gemeinden unterhalten eine eigene Gemeindepolizei.

Während des Zweiten Weltkriegs wollte die Schweiz das Territorium des Fürstentums Liechtenstein in ihre Landesverteidigung einbeziehen, da die liechtensteinische Topographie günstige Voraussetzungen für einen Angriff auf die schweizerische Landesgrenze im Rheintal bot. Liechtenstein lehnte dies jedoch ab, da es fürchtete, dies würde seine Beziehungen zum nationalsozialistischen Deutschland übermässig belasten. Die Schweiz drängte auch nach Kriegsende auf eine Lösung des Problems. Schliesslich trat Liechtenstein in mehreren Etappen – jeweils gegen finanzielle und territoriale Entschädigung – militärisch wichtige Punkte an die Schweiz ab, zuletzt 1949 mit dem Ellhorn.[49][50]

Bis heute existiert kein Vertrag, der eine Interventionspflicht oder ein Interventionsrecht der Schweiz für den Fall eines Angriffs auf liechtensteinisches Territorium regeln würde.

Verwaltungsgliederung[edit]

Schweiz Österreich Schaan Ruggel Schellenberg Gamprin Gamprin Eschen (Liechtenstein) Eschen (Liechtenstein) Planken Planken Vaduz Vaduz Vaduz Vaduz Vaduz Schaan Schaan Schaan Schaan Triesenberg Triesenberg Balzers Balzers Balzers Triesen Mauren (Liechtenstein) Vaduz Vaduz Planken
Verwaltungsgliederung: Gemeinden Liechtensteins

Liechtenstein gliedert sich in elf Gemeinden, die auf die beiden Wahlkreise Unterland und Oberland verteilt sind. Die Gemeinden weisen trotz ihrer geringen Grösse komplexe Formen in ihrer territorialen Ausdehnung auf. Sieben Gemeinden umfassen neben einem Hauptteil auch eine oder mehrere Exklaven. Die politische Zweiteilung des Landes ist historisch bedingt; das Unterland geht auf die Herrschaft Schellenberg, das Oberland auf die Grafschaft Vaduz zurück.

Zum Unterland gehören die Gemeinden Eschen, Gamprin, Mauren, Ruggell und Schellenberg; zum der Fläche nach wesentlich grösseren Oberland zählen die Gemeinden Balzers, Planken, Schaan, Triesen, Triesenberg und Vaduz.

Infrastruktur[edit]

Die Alte Rheinbrücke zwischen Vaduz und Sevelen SG
Erdgasbus in Vaduz

Strassenverkehr[edit]

Das liechtensteinische Strassennetz umfasst 105 Kilometer befestigte und 25 Kilometer unbefestigte Wald- und Güterwege.[51] Liechtenstein selbst besitzt keine Autobahnen, allerdings führt die Schweizer A13 entlang der linken Rheinseite in unmittelbarer Nähe zur Liechtensteinischen Grenze. Insgesamt sind fünf Ausfahrten auch mit liechtensteinischen Ortschaften verbunden.
Die Strassennetze der Schweiz und Liechtensteins sind im Allgemeinen sehr eng verknüpft und so beginnen bzw. enden zum Beispiel die Hauptstrasse 16 und die Hauptstrasse 28 in Liechtenstein.

Generell gelten (mit einigen Ausnahmen) dieselben Strassenverkehrsregeln wie in der Schweiz. Die Kontrollschilder (Kfz-Kennzeichen) sind von den Schrifttypen und der Anordnung her im Schweizer Design gehalten. Wie die Schweizer Militärkennzeichen führen die Liechtensteiner Schilder weisse Zeichen auf schwarzem Grund.

Der öffentliche Verkehr ist in Liechtenstein sehr gut ausgebaut und so sind alle elf Gemeinden des Fürstentums problemlos zu erreichen.[52] Das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel stellen dabei die gelbgrünen («lime») Busse des Unternehmens Verkehrsbetrieb LIECHTENSTEINmobil (kurz: LIEmobil) dar. 13 Linien führen durch die Liechtensteiner Gemeinden und verbinden auch die Schweizer Gemeinden Sargans und Buchs (SBB-Bahnhöfe) sowie Sevelen und die österreichische Stadt Feldkirch mit Liechtenstein. Ausserdem verkehrt die Buslinie 70 des Verkehrsverbunds Vorarlberg zwischen Schaan, Feldkirch und Klaus im Vorarlberger Vorderland mehrmals täglich zu Zeiten, die an den Schichtbetrieb der grossen Firmen angepasst sind.

Schienenverkehr[edit]

Die einzige Bahnstrecke, die durch Liechtenstein verläuft, ist die mit 15 kV 16,7 Hertz elektrifizierte Bahnstrecke Feldkirch (Österreich) – Buchs (Schweiz), die sich in Eigentum und Betrieb der ÖBB befindet.[53] Auf der 9,5 Kilometer langen Strecke innerhalb des Landes halten Regionalzüge an den drei Stationen Forst-Hilti, Nendeln und Schaan-Vaduz. Ausserdem verkehren internationale Züge von Wien/Salzburg nach Zürich über diese Strecke (z. B. der railjet).[54]

Mit dem Projekt S-Bahn FL.A.CH soll bis Ende 2015 das Angebot des Regionalverkehrs auf der Bahnstrecke Feldkirch–Buchs ausgebaut werden. Ein wichtiges Ziel ist es u. a., Arbeitspendler von Österreich nach Liechtenstein zum Umsteigen auf die Bahn zu bewegen. Vorgesehen ist ein Halbstundentakt zu den Hauptverkehrszeiten. Dies setzt aber wiederum einen Doppelspurausbau im Raum TisisNendeln voraus.[55] Die Realisierung des Projektes ist mit grosser Wahrscheinlichkeit von einer Volksabstimmung in Liechtenstein abhängig.

In Malbun existieren fünf Luftseilbahnen.

Flugverkehr[edit]

Hubschrauberlandeplatz in Balzers

In Liechtenstein selbst gibt es keinen Verkehrsflughafen, allerdings existiert in Balzers ein privat betriebener Hubschrauberlandeplatz. Wie in Österreich darf in Liechtenstein nur auf offiziellen Landeplätzen gelandet werden und nicht wie in der Schweiz auf jedem vom Eigentümer bewilligten Privatgrund. Der nächstgelegene Flughafen – 50 km nördlich von Vaduz – ist der Flughafen St. Gallen-Altenrhein in Thal SG in der Schweiz. Der Flughafen Friedrichshafen ist rund 90 Kilometer und der Flughafen Zürich rund 115 Kilometer von Vaduz entfernt.

Der Airbus 340-300 der Swiss mit dem Kennzeichen HB-IMF wurde 2008 auf den Namen Fürstentum Liechtenstein getauft.[56] Dazu der damalige Swiss CEO Christoph Franz: «Viele Liechtensteiner benützen den Flughafen Zürich für ihre Reisen und fliegen Swiss. Damit sind wir als nationale Airline der Schweiz auch ein wenig die Fluggesellschaft für das Fürstentum.»

Kommunikation[edit]

Das Fürstentum ist zwar postalisch mit der Schweiz vernetzt, hat aber eine selbstständige Post (Liechtensteinische Post AG) und gibt eigene Briefmarken heraus und besitzt auch eine eigene Telefonvorwahl (+423).

In Liechtenstein gibt es über 19'600 Telefon-Festnetzanschlüsse, etwa 35'000 Mobiltelefone und etwa 23'000 Internetnutzer.[57]

Wirtschaft[edit]

Hauptartikel: Wirtschaft Liechtensteins

Die Wirtschaft in Liechtenstein ist vorwiegend auf den sekundären (Industrie) und den tertiären (Dienstleistung) Wirtschaftssektor konzentriert. Der Landwirtschaftssektor hat mit einem Anteil von zwei Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) einen vergleichsweise kleinen Anteil an der Gesamtwirtschaftsleistung. Das Bruttoinlandsprodukt Liechtensteins betrug dabei im Jahr 2011 ca. 5,14 Milliarden Schweizer Franken.[3]

Aufgrund des grossen Anteils an Zupendlern an der Gesamtzahl der in Liechtenstein Erwerbstätigen lassen sich aber kaum Rückschlüsse vom Bruttoinlandsprodukt auf die Einkommenssituation der Bevölkerung ziehen. So waren im Jahr 2009 von den 32'877 in Liechtenstein arbeitstätigen Personen über 50 Prozent nicht in Liechtenstein wohnhaft, sondern pendelten vom Ausland zu.[58] Die meisten Arbeitskräfte stammen dabei aus der Schweiz (Jahr 2009: 8'631 Personen) und Österreich (7'470 Personen). Weitere 603 Arbeitnehmer pendelten aus Deutschland und anderen Staaten zu.[59]

Im Winter gilt Liechtenstein, vor allem das Bergdorf Malbun (Teilort von Triesenberg), als Wintersportziel.

Landwirtschaft[edit]

Landwirtschaft in Liechtenstein

Von den im Jahr 2009 in Liechtenstein erwerbstätigen Personen waren 261 in der Landwirtschaft tätig, was einem Anteil von 0,8 Prozent entspricht.[58] Der grösste Teil der Betriebe hat sich dabei auf Tierhaltung spezialisiert und so wurden in Liechtenstein im Jahr 2009 6'078 Stück Rindvieh, 3'963 Schafe und ca. 12'000 Nutzhühner gehalten. Von den 123 landwirtschaftlichen Betrieben waren 25 in der Bergzone tätig.[60]

Industrie und Gewerbe[edit]

Produktionsstätte der Hilti AG in Schaan

41,3 Prozent der in Liechtenstein im Jahr 2009 beschäftigten Personen waren in der Industrie und im Gewerbe tätig.[61] Im Vergleich zu den anderen mitteleuropäischen Staaten (besonders der Schweiz, Deutschland und Österreich jeweils ca. 25 Prozent) liegt dieser Anteil sehr hoch. Die liechtensteinische Industrie ist dabei aufgrund des geringen Absatzmarktes im Inland stark exportorientiert und so wurden beispielsweise im Jahr 2008 Industrieprodukte im Wert von ca. 2'975 Millionen Schweizer Franken in Länder des Europäischen Wirtschaftsraumes ausgeführt.[62]

Viele Unternehmen sind im Maschinenbau und im Nahrungsmittelbereich tätig und besitzen häufig weitere Standorte im Ausland. Wichtige Industrieunternehmen, die aus Liechtenstein stammen sind die Hilti AG, die ThyssenKrupp Presta AG, die Hoval AG, die Hilcona AG, die Ivoclar Vivadent AG oder die OC Oerlikon Balzers.

Dienstleistungen[edit]

Von den im Jahr 2009 in Liechtenstein erwerbstätigen Personen bestritten 57,9 Prozent ihren Lebensunterhalt mit der Erbringung von Dienstleistungen.[63] Ein grosser Teil der Erwerbstätigen sind dabei in der öffentlichen Verwaltung, im Unterrichtswesen und Gesundheitswesen tätig.

Centrum Bank in Vaduz

Zudem sind rund 17 Prozent der liechtensteinischen Arbeitsplätze dem Finanzsektor zuzuordnen, der rund 27 Prozent zum liechtensteinischen Bruttoinlandsprodukt beiträgt.[64] Immer wieder geriet der Liechtensteiner Finanzsektor wegen grosser Steuer-Skandale in die Schlagzeilen, die durch das sogenannte "Stiftungsrecht" des Landes begünstigt wurden, das Anlegern vollständige Anonymität ermöglicht. So in Deutschland etwa die CDU-Spendenaffäre ("Stiftung Norfolk"), die Steuerfahnder-Affäre, und nicht zuletzt die Steueraffäre mit Deutschland, in deren Folge allein in Deutschland 1100 Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden und etwa 807 Millionen € Steuern nachgezahlt werden mussten.[65]

Staatshaushalt[edit]

Der Staatshaushalt umfasste 2008 Ausgaben von umgerechnet 820 Millionen US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 943 Millionen US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsüberschuss in Höhe von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Liechtenstein hat als eines von wenigen Ländern keine Staatsverschuldung.[57]

Kunst und Kultur[edit]

Das enge Nebeneinander von dörflichen Traditionen und einem intensiven internationalen Austausch bildet die Grundlage für das Liechtensteiner Kulturleben.

Theater, Musik, Literatur[edit]

Träger von Theater und Musik sind in erster Linie verschiedene Vereine. Die bedeutendsten Vertreter davon sind die Operettenbühne Balzers, die Operettenbühne Vaduz, die Liechtenstein Musical Company und der Opern Verein Vaduz. Alle vier genannten Vereine führen in der Regel jeweils im Zweijahresrhythmus eine neue Produktion auf.

Das Kunstmuseum Liechtenstein ist das staatliche Museum für internationale moderne und zeitgenössische Kunst in Vaduz.

Das Theater am Kirchplatz (TaK) in Schaan ist das bedeutendste Theater in Liechtenstein. Seit Oktober 2003 gibt es in Vaduz ausserdem das Theater Schlösslekeller, wo das «Liechtenstein Gabarett» (LiGa) jährlich ein neues Programm aufführt.

Der 1978 gegründete P.E.N.-Club Liechtenstein versammelt internationale Persönlichkeiten im wohl bekanntesten internationalen Autorenverband der Welt. Der Club vergibt Preise, Stipendien und veranstaltet Lesungen.

Museen[edit]

Das Kunstmuseum Liechtenstein ist das staatliche Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Vaduz. Das Gebäude wurde im Jahr 2000 vollendet und von den Architekten Meinrad Morger, Heinrich Degelo und Christian Kerez entworfen. Die Sammlung des Museums umfasst dabei internationale moderne und zeitgenössische Kunst aus dem Zeitraum vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ausserdem werden regelmässig Sonderausstellungen mit Werken aus den Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein gezeigt.

Grosse Bedeutung besitzt ausserdem das Liechtensteinische Landesmuseum, das im Jahre 2003 nach umfassender Renovation neu eröffnet wurde und die Geschichte sowie die Landes- und Naturkunde Liechtensteins präsentiert.

Weitere Museen sind das «Skimuseum» und das «Postmuseum», sowie verschiedene Ortsmuseen, darunter beispielsweise der Gasometer, einem Kulturzentrum der Gemeinde Triesen.

Feiertage[edit]

Hauptartikel: Feiertage in Liechtenstein

Der 15. August ist der Staatsfeiertag des Fürstentums Liechtenstein. Zum einen wird in Liechtenstein an diesem Tag das Fest Mariä Himmelfahrt gefeiert, zum anderen hatte der ehemalige Fürst Franz Josef II. (1906–1989) am 16. August seinen Geburtstag. Die beiden Feste wurden 1940 erstmals zusammengelegt und werden seitdem als Staatsfeiertag angegangen. Der Tag wurde auch nach dem Tod des Fürsten beibehalten und von offizieller Seite seither als Staatsfeiertag bezeichnet, wobei der Volksmund jedoch noch heute vom sogenannten Fürstenfest spricht.

Bildung[edit]

Liechtenstein besitzt eine Schulpflicht von neun Jahren. Gegliedert wird das Schulobligatorium in die Bereiche Primarschule (fünf Jahre) und Sekundarstufe (mindestens vier Jahre), wobei zuvor eine Vorschule (Kindergarten) auf freiwilliger Basis besucht werden kann. Die Sekundarstufe selbst ist in drei verschiedene Niveaus geteilt, in welche die Schüler je nach Leistungsvermögen eingeteilt sind. Die Oberschule und Realschule werden nach vier Jahren abgeschlossen, während beim Gymnasium nach sieben Jahren die Maturität erlangt werden kann.

Liechtenstein besitzt mit der Universität Liechtenstein eine eigene staatliche Universität. Daneben gibt es weitere private Hochschulen. Dazu zählt das Liechtenstein-Institut, die Internationale Akademie für Philosophie und die Private Universität im Fürstentum Liechtenstein.

Sport[edit]

Fussball[edit]

Das Rheinpark Stadion in Vaduz
Hauptartikel: Fussball in Liechtenstein

Die Liechtensteiner Fussballvereine nehmen am Spielbetrieb des Schweizerischen Fussballverbandes teil. Den Landespokal jedoch führen die Liechtensteiner unter eigener Regie, so dass jedes Jahr eine liechtensteinische Mannschaft an der Qualifikation zur Europa League teilnehmen kann. Diese Ehre erhält meistens der Pokal-Seriensieger FC Vaduz, der 2008 in der höchsten Schweizer Liga, der Super League, spielte, aber unterdessen wieder in die Challenge League abgestiegen ist.

Der bisher grösste Erfolg im liechtensteinischen Vereinsfussball war 1996, als die Amateure des FC Vaduz, damals noch in der 1. Liga des SFV (dritthöchste Liga), den lettischen Gegner FC Universitāte Rīga (1:1, 4:2 Elfmeterschiessen) im Europapokal der Pokalsieger bezwangen. Sie scheiterten jedoch anschliessend am prominenten Gegner Paris St. Germain (0:4, 0:3).

Die Liechtensteinische Fussballnationalmannschaft nimmt an WM- und EM-Qualifikationen teil. Der grösste Erfolg war ein 4:0 gegen Luxemburg in der WM-Qualifikation 2006; erst vier Tage zuvor hatte Liechtenstein ein 2:2 gegen den Vize-Europameister Portugal erreicht. Zudem feierten die liechtensteinischen Fussballspieler am 17. Oktober 2007 einen 3:0-Heimsieg gegen Island und am 3. Juni 2011 im Rahmen der Qualifikation für die Europameisterschaft in Polen/Ukraine einen 2:0-Heimsieg gegen Litauen.[66]

Bekanntester Spieler der Nationalmannschaft ist Mario Frick (seit 2011 FC Balzers, vorher Grasshopper Club Zürich, FC St. Gallen und AC Siena), der als erster Liechtensteiner in der italienischen Serie A debütierte (26. August 2001), und in dieser Saison sieben Tore für Hellas Verona erzielte.

FC Vaduz und Nationalmannschaft bestreiten ihre Heimspiele im Rheinpark Stadion in Vaduz, dem 1998 eröffneten Nationalstadion des Fürstentums.

Wintersport[edit]

Das Wintersportgebiet Malbun

Im Winter wird in der Gebirgsregion um Malbun Wintersport betrieben. Im Ski alpin hat Liechtenstein einige Erfolge vorzuweisen. Der Höhepunkt war – abgesehen von diversen Weltcup-Siegen –, als die Liechtensteinerin Hanni Wenzel zwei Goldmedaillen und eine silberne bei den Olympischen Spielen in Lake Placid im Winter 1980 gewann. Ausserdem hat sie zusammen mit ihrem Bruder Andreas Wenzel den Gesamtweltcup im Jahre 1980 gewonnen – dies als einziges Geschwisterpaar in der Geschichte des alpinen Skiweltcups. Dazu kommt noch eine bronzene Medaille von den Olympischen Winterspielen in Innsbruck. Andreas Wenzel gewann 1980 in Lake Placid eine silberne und 1984 in Sarajevo eine bronzene Olympiamedaille.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erzielte Marco Büchel verschiedene Erfolge. Gegenwärtig ist Tina Weirather (Tochter von Hanni Wenzel und Harti Weirather) die bekannteste und erfolgreichste Skifahrerin des Landes. Liechtenstein ist in der inoffiziellen Statistik «Olympische Medaillen pro Einwohner» die erfolgreichste Nation überhaupt. Erfolgreiche Langläufer waren Markus Hasler und Stephan Kunz.

Medien[edit]

Liechtenstein verfügt über einen landesweiten Radio- und Fernsehkanal. Der Landeskanal wird vom Presse- und Informationsamt betreut, Radio Liechtenstein vom Liechtensteinischen Rundfunk. Zudem verfügt jede Gemeinde über einen eigenen Gemeindekanal, der lokale Informationen ausstrahlt. Seit dem Jahr 2008 gibt es auch einen privaten Fernsehsender mit dem Namen 1 FL TV.

Die grösste Tageszeitung ist mit einer Auflage von etwa 18'000 Exemplaren das Liechtensteiner Vaterland, das politisch der Vaterländischen Union (VU) nahesteht. Die älteste Tageszeitung ist mit der ersten Ausgabe im Jahr 1878 das Liechtensteiner Volksblatt, seinerseits inoffizielles Parteiorgan der Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBP).

Siehe auch[edit]

 Portal: Liechtenstein – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Liechtenstein

Literatur[edit]

  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Das Fürstentum Liechtenstein. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 24). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1950. DNB 750089148.
  • David Beattie: Liechtenstein. Geschichte und Gegenwart. Triesen 2005, ISBN 3-905501-68-6 (leicht lesbare, besonders fürstentreue Geschichte Liechtensteins).
  • Das Fürstentum Liechtenstein. Hrsg. vom Organisationskomitee 200 Jahre Souveränität 1806/2006, Vaduz 2006, ISBN 978-3-9521735-8-9 (Sammelband mit Artikeln zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur).
  • Christoph Maria Merki: Wirtschaftswunder Liechtenstein. Die rasche Modernisierung einer kleinen Volkswirtschaft im 20. Jahrhundert. Zürich 2007, ISBN 978-3-0340-0883-9 (Standardwerk zur Entwicklung der liechtensteinischen Wirtschaft und des Finanzplatzes in den letzten hundert Jahren).
  • Arno Waschkuhn: Politisches System Liechtensteins. Kontinuität und Wandel. Vaduz 1994, ISBN 3-7211-1020-X (Überblickswerk zum politischen System).
  • Pierre Raton: Liechtenstein Staat und Geschichte. Liechtenstein-Verlag, Vaduz 1969.
  • Paul Vogt: Brücken zur Vergangenheit. Ein Text- und Arbeitsbuch zur liechtensteinischen Geschichte 17. bis 19. Jahrhundert. Amtlicher Lehrmittelverlag, Vaduz 1990.
  • Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein, Neue Ausgabe Band II. Das Oberland Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 112) Bern 2007. ISBN 978-3-906131-85-6.
  • Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Neue Ausgabe Band I. Das Unterland. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 122) Bern 2013. ISBN 978-3-9523760-0-3.

Weblinks[edit]

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 Wikimedia-Atlas: Liechtenstein – geographische und historische Karten

Einzelnachweise[edit]

  1. Liechtenstein in Kürze. Portal des Fürstentum Liechtensteins, abgerufen am 16. Februar 2014
  2. a b c d  Jahrbuch. 2011, 1. Raum, Umwelt und Energie 1.1 Geografie, Raumnutzung, S. 33 ff (pdf 1.1).
  3. a b c d e f g h Basisdaten zu Liechtenstein (PDF). Amt für Statistik. Abgerufen am 2. Juli 2014.
  4. a b Bevölkerungsstatistik 31. Dezember 2012. Amt für Statistik. Fürstentum Liechtenstein. Abgerufen am 27. Dezember 2013.
  5. Human Development Report Office: Liechtenstein – Country Profile: Human Development Indicators, abgerufen am 26. Oktober 2014
  6. Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen verpflichtet alle Unterzeichnerstaaten, darunter auch Deutschland, Österreich, die Schweiz und Liechtenstein, dazu, Regional- und Minderheitensprachen als amtliche Sprachen anzuerkennen. Liechtenstein ist der einzige deutschsprachige Staat, in dem es keine solche amtliche Regional- oder Minderheitensprache gibt.
  7. Liechtenstein gibt sein Bankgeheimnis auf. 14. November 2013. Focus Online. Abgerufen am 15. Dezember 2013.
  8. Die Schweiz hatte die Unterzeichnung desselben Abkommens einige Wochen zuvor beschlossen: Bundesrat beschliesst Unterzeichnung des Amtshilfe-Übereinkommens und verabschiedet Mandatsentwurf zur Zinsbesteuerung mit der EU. 9. Oktober 2013. Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (admin.ch). Abgerufen am 15. Dezember 2013.
  9. a b  Stabstelle für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.): Liechtenstein – Österreich. Ein Vergleich. Broschüre, Vaduz o.D. (Dokument nicht verfügbar, pdf, abgerufen am 9. Mai 2011).
  10. a b  Jahrbuch. 2011, Landesgrenzen Liechtensteins, S. 36.
  11. Vertrag zwischen der Republik Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein zur Feststellung der Staatsgrenze … Fassung vom 06.01.2013. Bundeskanzleramt, abgerufen am 6. Januar 2013.
  12.  Jahrbuch. 2011, Landesfläche nach Nutzungskategorie, 2008; Arealstatistik 2002 und 2008, S. 35, 38.
  13. Geographie - Liechtenstein. Portal des Fürstentum Liechtensteins. Abgerufen am 10. Mai 2011.
  14.  Jahrbuch. 2011, Berge und Höhen Liechtensteins und Höchste und tiefste Punkte Liechtensteins, S. 37.
  15. Der westliche Rätikon wird nur aus orographisch-systematischen Gründen zu den zentralen Ostalpen gerechnet, weil er südlich der Ill–Arlberg-Furche liegt
  16. Stabsstelle für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Fürstentum Liechtenstein → Geologie. alpen-info.at, abgerufen am 16. April 2011.
  17. Gewässer in Liechtenstein. Fischereiverein Liechtenstein. Abgerufen am 8. Mai 2011.
  18. Föhneinfluss Winter 2009-2010. Swissinfo 24. Dezember 2009. Abgerufen am 25. April 2011.
  19. Föhneinfluss Winter 2007–2008. Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz. 4. Januar 2008. Abgerufen am 25. April 2011.
  20. Weinkultur in Liechtenstein. Portal des Fürstentum Liechtensteins. Zugriff am 11. Mai 2011
  21.  Jahrbuch. 2011, 5. Wirtschaftsbereiche. Weinernte nach Gemeinde, 1960–2009, S. 199.
  22. Messstation Vaduz, 456 m ü. M.  Jahrbuch. 2011, 1.2 Klima, Wettergeschehen, S. 39 ff.
  23. Land ohne Babies. NZZ/Folio 11/2014.
  24. Schliessung Geburtenabteilung. Liechtensteiner Vaterland 01/2014.
  25. Verfassung des Fürstentums Liechtenstein vom 5. Oktober 1921, Art. 6, siehe LILEX – Portal der Liechtensteinischen Landesverwaltung
  26. Siehe auch: Dialektkontinuum
  27. a b c d e f g h Verfassung des Fürstentums Liechtenstein im Rechtsinformationssystem der Regierung des Fürstentums Liechtenstein (LILEX)
  28. Jugendliche mit 14 Jahren religionsmündig, Liechtensteiner Vaterland, 20. Dezember 2012
  29. Volkszählung 2010, abgerufen 13. April 2014
  30. Wilfried Marxer: Religion, Religiosität und religiöse Toleranz in Liechtenstein. Empirische Befunde aus der Umfragenforschung. Liechtenstein Institut, Bendern 2008. S. 10–12.
  31. Georg Malin: Das Gebiet Liechtensteins unter römischer Herrschaft. 1958, S. 22.
  32. Pierre Raton: Liechtenstein Staat und Geschichte. 1969, S. 14–16.
  33. Pierre Raton: Liechtenstein Staat und Geschichte. 1969, S. 17–20.
  34. Pierre Raton: Liechtenstein Staat und Geschichte. 1969, S. 22–24.
  35. Paul Vogt: Brücken zur Vergangenheit. 1990, S. 176.
  36. Pierre Raton: Liechtenstein Staat und Geschichte. 1969, S. 74–78.
  37. Paul Vogt: Brücken zur Vergangenheit. 1990, S. 52.
  38. Pierre Raton: Liechtenstein Staat und Geschichte. 1969, S. 139–145.
  39. süddeutsche.de Italienische Justiz untersucht 390 Verdachtsfälle in Steueraffäre Artikel vom 26. März 2008, abgerufen am 7. April 2010.
  40. Weissgeldstrategie. Neue Zürcher Zeitung, 20. Dezember 2010. Abgerufen am 25. April 2011.
  41. Alvaro Gil-Robles: Bericht über politische Situation in Liechtenstein (Stand 4. Mai 2005; Zugriff am 28. Februar 2008)
  42. Holger Franke: Das letzte Todesurteil in Liechtenstein (PDF; 62 kB). Artikel im Liechtensteiner Volksblatt vom 29. November 2012. (abrufbar im Rahmen des Webauftritts der Liechtensteinischen Landesverwaltung).
  43. http://www.llv.li/amtsstellen.htm
  44. Onlineschalter. Website der Landesverwaltung Fürstentum Liechtenstein. Abgerufen am 22. April 2014.
  45. „United Nations E-Government Survey 2010, S. 74“. United Nations E-Government Survey 2010. Abgerufen am 22. April 2014.
  46. Georgina Adam: Czech-Liechtenstein cultural détente vom 23. Juni 2010. Abgerufen am 29. November 2014
  47. Portal des Fürstentums Liechtenstein
  48. Neue Zürcher Zeitung: Liechtenstein ist endgültig im Schengen-Raum angekommen, 18. Dezember 2011.
  49. Arthur Brunhart: Balzers im Historischen Lexikon der Schweiz
  50. Ulrike Mayr, Arthur Brunhart, Rupert Quaderer: Liechtenstein (Fürstentum) im Historischen Lexikon der Schweiz
  51. Landesverwaltung Fürstentum Liechtenstein: Strassennetz
  52. Liechtenstein Bus . LBA. Abgerufen am 10. Mai 2011.
  53. Gemeinde Schaan: ÖBB, (Abgerufen am 20. Juli 2009)
  54. Railjet Wien - Zürich. Info 24. Abgerufen am 10. Mai 2011.
  55. Projekt S-Bahn FL.A.CH. Kanton St. Gallen. Abgerufen am 10. Mai 2011.
  56. [1]
  57. a b The World Factbook
  58. a b Erwerbsstatistik; Seite 9. Amt für Statistik. Abgerufen am 1. Mai 2011.
  59. Erwerbsstatistik; Seite 16. Amt für Statistik. Abgerufen am 1. Mai 2011.
  60. Landwirtschaftsstatistik; Seite 10/13 Amt für Statistik - Abgerufen am 1. Mai 2011.
  61. Erwerbsstatistik; Seite 10. Amt für Statistik. Abgerufen am 1. Mai 2011.
  62. Industrie in Liechtenstein; Seite 7 (PDF; 706 kB). Regierung des Fürstentums Liechtenstein. Abgerufen am 1. Mai 2011.
  63. Erwerbsstatistik; Seite 14 Amt für Statistik - Abgerufen am 1. Mai 2011.
  64. Finanzplatz. Regierung des Fürstentums Liechtenstein. Abgerufen am 1. Mai 2011.
  65. süddeutsche.de: „Liechtenstein-CD beschert Staat 807 Millionen Euro“ Artikel vom 6./7. April 2010. Abgerufen am 7. April 2010.
  66. Statistik der Spiele der Nationalmannschaft. Liechtensteiner Fussballverband. Abgerufen am 30. Juli 2011.

47.1459.5538888888889Koordinaten: 47° N, 10° O; CH1903: 760425 / 223720