Lieder ohne Worte

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Komponist der „Lieder ohne Worte“ und zugleich Schöpfer einer Genrebezeichnung: Felix Mendelssohn Bartholdy

Unter dem Titel Lieder ohne Worte erschienen acht Hefte mit je sechs lyrischen Klavierstücken des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Forschung geht davon aus, dass dieser Titel eine Eigenschöpfung Mendelssohns ist.[1]

Die acht Sammlungen[Bearbeiten]

Heft 1 (Op. 19, komponiert etwa 1829–30) hieß zunächst noch Melodies for the Pianoforte (London 1830); dagegen trug Heft 2 (Op. 30, komponiert etwa 1833–34) den Titel Lieder ohne Worte schon in der Erstausgabe (Bonn 1835).[2] Innerhalb des folgenden Jahrzehnts erschienen Heft 3 (Op. 38, komponiert etwa 1836–37), Heft 4 (Op. 53, komponiert etwa 1839–41), Heft 5 (Op. 62, komponiert etwa 1842–44) und Heft 6 (Op. 67, komponiert etwa 1843–45), erst mehrere Jahre nach Mendelssohns Tod Heft 7 (Op. 85, komponiert etwa 1834–45) und Heft 8 (Op. 102, komponiert etwa 1842-45).

Heft 2, Venetianisches Gondellied fis-Moll Op. 30 Nr. 6, Allegretto tranquillo

Nur fünf der Stücke tragen individuelle Originaltitel:

  • Venetianisches Gondellied g-Moll Op. 19 Nr. 6
  • Venetianisches Gondellied fis-Moll Op. 30 Nr. 6
  • Duetto As-Dur Op. 38 Nr. 6
  • Volkslied a-Moll Op. 53 Nr. 5
  • Venetianisches Gondellied a-Moll Op. 62 Nr. 5.[3]

Folgende verbreitete Namen stammen nicht vom Komponisten:

  • Jägerlied A-Dur Op. 19 Nr. 3
  • Trauermarsch e-Moll Op. 62 Nr. 3
  • Frühlingslied A-Dur Op. 62 Nr. 6
  • Spinnerlied C-Dur Op. 67 Nr. 4
  • Kinderstück A-Dur Op. 102 Nr. 5

Musikalische Charakteristik[Bearbeiten]

Mendelssohn verknüpfte in den meisten seiner Lieder ohne Worte sangliche Melodien mit durchgängigen Begleitfigurationen; weniger häufig sind chorische Sätze. Kontrastierende Mittelteile, wie sie für das Charakterstück des 19. Jahrhunderts typisch sind, fehlen.[4] Häufig beginnt die Begleitung, bevor die Melodie einsetzt. Daneben stehen „Lieder“ mit kurzen, kadenzierenden Vor- und Nachspielen, aber auch Stücke, in denen die Melodie von Anfang an erklingt. Die ausgefeilten Figurationen rücken zahlreiche Kompositionen in die Nähe virtuoser Konzertetüden.

Weitere Werke[Bearbeiten]

Unter Mendelssohns Werken finden sich mehrere nicht in die Sammlungen aufgenommene Lieder ohne Worte für Klavier sowie ein Lied ohne Worte für Violoncello und Klavier. Etliche andere Komponisten, darunter Tschaikowski und Schönberg, übernahmen Mendelssohns Titel für eigene Werke (engl. song without words, frz. chanson / chant / romance sans paroles).

Quellen[Bearbeiten]

  1. Riemann Musiklexikon. Mainz 1967 (Sachteil). Artikel Lied ohne Worte.
  2. The New Grove Dictionary of Music and Musicians. London 1980. Artikel Felix Mendelssohn.
  3. The New Grove Dictionary of Music and Musicians. London 1980. Artikel Song without words.
  4. Harvard Dictionary of Music. London 1970. Artikel Lieder ohne Worte.