Ligatur (Chirurgie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter einer Ligatur (lateinisch ligare ‚binden‘, ‚verbinden‘; lat. ligatur ‚es wird gebunden‘) versteht man in der Chirurgie das Unterbinden eines Hohlorganes mit einem chirurgischen Faden, zum Beispiel eines Blutgefäßes. In besonderen Situationen wird bei einer Ligatur das Gewebe zusätzlich mit der Nadel durchstochen, um ein Abrutschen zu verhindern (scharfe Ligatur).

Geprägt wurde der Begriff Ligatur von dem französischen Chirurgen Ambroise Paré, der als Vorreiter der modernden Gefäßchirurgie gilt. Obwohl die Methode bereits zwei Jahrhunderte zuvor beschrieben worden war, ist es Paré Verdienst, sie Mitte des 16. Jahrhunderts wieder als bevorzugte Methode bei Gefäßverletzuungen eingeführt zu haben. Diese Methode wurde benutzt, um nach der Amputation einer oder mehrerer Extremitäten Gefäße zu verschließen und damit das Verbluten der Patienten zu verhindern.[1][2]

Spezialformen der Ligatur werden zum Beispiel zur Behandlung von Hämorrhoiden-Beschwerden oder als Notfallmaßnahme bei lebensgefährlichen Blutungen von Ösophagusvarizen eingesetzt (Gummibandligatur). Eine andere Anwendung ist das Abbinden von nicht mehr benötigten Gefäßen nach Kreislaufmodifikationen wie beispielsweise der Glenn-Anastomose.

Der Vorteil der Ligatur gegenüber dem Elektrokauter liegt in der Zuverlässigkeit, dass das Gefäß sicher mechanisch verschlossen wird. Mit dem Kauter koagulierte/kauterisierte Gefäße können dagegen durch den Brandschaden in der Nachbarzone undicht werden und wieder zu bluten beginnen.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steven G. Friedman: A History of Vascular Surgery. John Wiley & Sons, 2. Auflage 2008, ISBN 9781405171298, S. 10.
  2. a b Franka Böck und Thomas Riedel: Blut ist ein ganz besonderer Saft: Blut & Kreislaufsystem von der Antike zur Moderne. epubli, 2013, ISBN 9783844261844, S. 54.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!