Limes Saxoniae

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Limes Saxoniae bei Hornbek

Der Limes Saxoniae war eine unbefestigte Grenze, die seit ungefähr 809 den fränkischen Einflussbereich im sächsischen Nordalbingien von dem Gebiet der slawischen Abodriten trennte.

Geschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten]

Der Limes Saxoniae, also die „Grenze Sachsens“ zu den Abodriten, wurde von Karl dem Großen 809 bei seinem letzten Aufenthalt in Norddeutschland durch Vertrag mit den Abodriten vereinbart, als auch die Eider als nördliche Reichsgrenze festgeschrieben wurde[1]. Mit dieser Grenzziehung wurde das 804 von Karl dem Großen den Abodriten überlassene sächsische Gebiet dem fränkischen Reich einverleibt, das nun auf einem schmalen Streifen zwischen der Levensau und der Schwentine bis an die Ostsee stieß. Bei dieser Grenze handelte es sich jedoch nicht um eine durchgehend befestigte Wehranlage, sondern eine mitten in einem schwer zu durchdringenden Sumpf- und Waldland, der eigentlichen Grenzzone, definierten Linie. Auch eine nur punktuelle Grenzbefestigung am „Limes“ ist nicht bekannt. So konnte dieser „Limes“ keinen nachhaltigen Schutz vor Überfällen und Eroberungen durch die Abodriten bieten, die beispielsweise 1066 und 1072 bis Hamburg vordrangen und die Stadt zerstörten.

Verlauf[Bearbeiten]

Limes Saxoniae

Der Verlauf folgt im Wesentlichen natürlichen Hindernissen, Flüssen, Sümpfen sowie unwegsamen Wäldern und ist keineswegs so scharf umrissen oder gar befestigt wie der römische Limes.

Adam von Bremen beschrieb um 1075 in der von ihm verfassten „Hamburger Kirchengeschichte“ den Grenzverlauf unter Berufung auf eine Urkunde aus der Zeit Karls des Großen wie folgt:

Invenimus quoque limitem Saxoniae, quae trans Albiam est, prescriptum et Karolo et imperatoribus ceteris, ita se continetem, hoc est:
Ab Albiae ripa orientali usque ad rivulum quem Sclavi Mescenreiza vocant,
a quo sursum limes currit per silvam Delvunder usque in fluvium Delvundam ;
sicque pervenit in Horchenbici et Bilenispring ;
inde ad Liudwinestein et Wispircon et Birznig progreditur.
Tunc in Horbinstenon vadit usque in Travena silvam, sursumque per ipsam in Bulilunkin ;
mox in Agrimeshov, et recto ad vadum, quod dicitur Agrimeswidil, ascendit.
Ubi et Burwido fecit duellum contra campionem Sclavorum, interfecitque eum: et lapis in eodem loco positus est in memoriam
Ab eadem igitur aqua sursum procurrens terminus in stagnum Colse vadit;
sicque ad orientalem campum venit Zuentifeld, usque in ipsum flumen Zuentinam,
per quem limes Saxoniae usque in pelagus Scythicum et mare quod vocant orientale delabitur.
[2].

Auch ich habe eine Festlegung der sächsischen Grenze jenseits der Elbe durch Karl den Großen und andere Kaiser gefunden:
Vom Ostufer der Elbe bis zu dem Flüsschen, das die Slawen Mescenreiza nennen.
Oben trennt sich der Limes von ihm und verläuft im Delvenauwalde bis an die Delvenau.
Von ihr kommt man an die Hornbek und an die Billequelle.
Von da geht man weiter zum Liudwinestein, nach Wispircon und die Birznig.
Dann läuft sie auf die Sumpfbeste bis zum Travewald und aufwärts durch diesen zur Blunk-Niederung.
Dann führt sie zum Ackerrandwald und steigt geradewegs an bis zur Furt über den Ackerrandbach.
Dort bestand Burwido einen Zweikampf gegen einen Slawenkämpen, den er tötete. Hier steht ein Gedenkstein.
Von diesem Gewässer weg läuft die Grenze oben und fällt in den Stocksee ab.
Dann kommt man an das östliche Schwentinefeld und an die Schwentine selbst.
An ihr läuft die Sachsengrenze aus in Skytenmeer und Ostsee.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arno Jenkis, Die Eingliederung Nordalbingiens in das Frankenreich, ZSHG Band 79 (1955), Seiten 81-104
  2. Adamus Bremensis: Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum (lat.) 2. Buch Kap. 15b
  3. Übersetzt von Werner Trillmich, Quellen des 9. und 11. Jahrhunderts zur Geschichte der Hamburgischen Kirche und des Reiches, Darmstadt, 1973, FvS Bd. IX

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Struck: Die Beziehungen des Limes Saxoniae und des Dannewerkes zur Topographie und Geologie ihrer Umgebung. Lübcke & Nöhring, Lübeck 1906.
  • Matthias Hardt: Linien und Säume, Zonen und Räume an der Ostgrenze des Reiches im frühen und hohen Mittelalter. In: Walter Pohl, Helmut Reimitz (Hrsg.): Grenze und Differenz im frühen Mittelalter. In: Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse Denkschriften 287. Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 1. Wien 2000, ISBN 3-7001-2896-7, S. 39–56.
  • Matthias Hardt: Hesse, Elbe, Saale and the Frontiers of the Carolingian Empire. In: Walter Pohl, Ian N. Wood, Helmut Reimitz (Hrsg.): The Transformation of Frontiers. From Antiquity to the Carolingians. The Transformation of the Roman World 10. Leiden/Boston/Köln 2001, ISBN 90-04-11115-8, S. 219–232.
  • Matthias Hardt: Limes Saxoniae. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 18, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 3-11-016950-9, S. 442–446.
  • Günther Bock: „Böhmische Dörfer“ in Stormarn? Verlauf und Bedeutung des Limes Saxoniae zwischen Bille und Trave. In: Ders.: Studien zur Geschichte Stormarns im Mittelalter. Stormarner Hefte 19. Neumünster 1996, ISBN 978-3-529-07124-9, S. 25–70 (mit Karten).
  • Walther Lammers: Germanen und Slawen in Nordalbingien. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (ZSHG) 79. 1955, S. 17–80.
  • Werner Budesheim: Slawen im Lauenburgischen. In: Lichtwark-Heft 66. Hamburg-Bergedorf 2001, ISSN 1862-3549

Weblinks[Bearbeiten]