Lin Zexu

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Lin Zexu

Lin Zexu (chinesisch 林則徐 / 林则徐Pinyin Lín Zéxú, W.-G. Lin Tse-hsü) (* 30. August 1785; † 22. November 1850) war ein für seine Aufrichtigkeit und besondere persönliche Integrität bekannter hoher Beamter der chinesischen Qing-Regierung.

Aufstieg[Bearbeiten]

Aus Fujian gebürtig bestand Lin 1811 sein Jinshi-Examen (entspricht dem Doktorgrad) und war daraufhin als Gelehrter an der renommierten kaiserlichen Hanlin-Akademie, aber auch auf verschiedenen Verwaltungsposten in Yunnan, Jiangsu, Shaanxi, Shandong, Hubei und Hunan tätig. Als Generalgouverneur der beiden letztgenannten Provinzen war Lin erstmals mit der Bekämpfung des britischen Opiumhandels in China befasst. In einem Brief an seinen Mitarbeiter Gong Zizhen legte er unmissverständlich Zeugnis von seinem diesbezüglichen Standpunkt ab: Opiumraucher sollten erwürgt, die Händler und Produzenten der Droge indes enthauptet werden.

Sonderkommissar in Kanton[Bearbeiten]

1838 schickte Kaiser Daoguang Lin Zexu als Sonderkommissar nach Kanton, um den Kampf gegen den Opiumhandel nachdrücklich zu forcieren. Zunächst wies Lin in entsprechenden Aufklärungskampagnen die Konsumenten auf die Gefährlichkeit der Droge hin und forderte sie zur Abgabe ihrer Bestände sowie der zugehörigen Pfeifen binnen zwei Monaten auf. Weiter bat er um – auf Wunsch auch anonyme – Hinweise auf Opiumhändler und Distributeure sowie um Vorschläge, wie man sie bekämpfen könne. Im Übrigen ließ er weite Kreise der Bevölkerung, insbesondere aber Examenskandidaten und Militärangehörige, in Fünfer-Gruppen (sog. Baojia) zusammenfassen, die sich gegenseitig auf etwaigen Opiumkonsum zu überwachen und ggf. bei den Behörden zu denunzieren hatten. Die Kampagne zeitigte durchaus beachtliche Erfolge: Bis Mitte Juli 1839 waren über 1.600 Chinesen verhaftet sowie 73.000 kg Opium und 70.000 Opiumpfeifen beschlagnahmt.

Schwieriger gestaltete sich indes Lin Zexus Kampf gegen die ausländischen Opiumkaufleute selbst unter Führung des englischen Superintendenten Charles Elliott. Zunächst appellierte er an das moralische Bewusstsein der Ausländer: So wies er in einem Brief an Königin Viktoria etwa auf das auch in England bestehende Opiumverbot hin und bat dementsprechend auch um eine Einstellung der Exporte nach China. Hierbei übersah er freilich, dass die Droge im Mutterland letztlich nur auf dem Papier verboten war, im Alltag jedoch ohne Probleme konsumiert werden konnte und gesellschaftlich in ähnlichem Maße akzeptiert war wie etwa alkoholische Getränke. So stießen die Mahnungen auf wenig Resonanz.

Ausbruch des Ersten Opiumkriegs[Bearbeiten]

Daraufhin eskalierte die Situation: Lin forderte von den Kaufleuten die entschädigungslose Herausgabe aller Opiumbestände sowie die Auslieferung ihres Kollegen Lancelot Dent. Nachdem beides verweigert worden war, ließ er jeglichen Handelsverkehr mit den Ausländern unterbinden, zwang die in ausländischen Diensten stehenden Chinesen zur Kündigung ihrer Verträge und ließ am 24. März 1839 350 Ausländer in ihren Faktoreien internieren.

Auf diese Weise erzwang Lin nach sechs Wochen die Herausgabe von 20.000 Kisten (=1,4 Mio. kg) Opium. In der Nähe von Humen ließ er die Droge am 3. Juni 1839 ins Meer spülen, nicht ohne den „Geist des Südmeeres“ um Vergebung für eine derartige Besudelung seines Reviers zu bitten. In erstaunlich naiver Verkennung der Sachlage berichtete Lin schließlich in einer Denkschrift an Kaiser Daoguang, die Ausländer hätten ihr Unrecht eingesehen und würden sich nunmehr „von Herzen schämen“.

Stattdessen sandten die Briten eine Kriegsflotte an die chinesische Küsten und eröffneten damit den Ersten Opiumkrieg, der 1842 mit einer vernichtenden Niederlage für China und dem Abschluss des demütigenden Vertrags von Nanjing enden sollte.

Letzte Jahre[Bearbeiten]

Lin Zexu fiel deshalb beim Kaiser in Ungnade, wurde seiner Ämter enthoben und in die unwirtliche Region Ili im äußersten Nordwesten ins Exil geschickt. Angesichts seiner unbestreitbaren Leistungen wurde er 1845 rehabilitiert und durfte nach Peking zurückkehren. Nach dem Tode Daoguangs wurde er von seinem Nachfolger Xianfeng 1850 gar mit der Bekämpfung des Taiping-Aufstands beauftragt. Lin sollte diese Mission nicht mehr erfüllen können, er starb auf dem Weg nach Guangxi in der Nähe des Distelgebirges. In Fuzhou befindet sich heute eine Gedenkstätte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfram Eberhard: Geschichte Chinas. Von den Anfängen bis zur Gegenwart (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 413, ZDB-ID 986558-5). Kröner, Stuttgart 1971.
  • Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Die Geschichte Chinas von den Anfängen bis zur Jetztzeit (= Suhrkamp-Taschenbuch 1505). 1. Auflage, Nachdruck. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-518-38005-2.
  • Jonathan D. Spence: Chinas Weg in die Moderne (= dtv 30795). Aktualisierte und erweiterte Ausgabe. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2001, ISBN 3-423-30795-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lin Zexu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Chinesische Eigennamen Anmerkung: Bei diesem Artikel wird der Familienname vor den Vornamen der Person gesetzt. Dies ist die übliche Reihenfolge im Chinesischen. Lin ist hier somit der Familienname, Zexu ist der Vorname.