Lindewerra

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lindewerra
Lindewerra
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lindewerra hervorgehoben
51.3136111111119.9480555555556150Koordinaten: 51° 19′ N, 9° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Eichsfeld
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Hanstein-Rusteberg
Höhe: 150 m ü. NHN
Fläche: 4,4 km²
Einwohner: 247 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 56 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37318
Vorwahl: 036087
Kfz-Kennzeichen: EIC, HIG, WBS
Gemeindeschlüssel: 16 0 61 066
Adresse der Verbandsverwaltung: Steingraben 49
37318 Hohengandern
Webpräsenz: www.lindewerra.de
Bürgermeister: Gerhard Propf
Lage der Gemeinde Lindewerra im Landkreis Eichsfeld
Niedersachsen Hessen Kyffhäuserkreis Landkreis Nordhausen Unstrut-Hainich-Kreis Am Ohmberg Am Ohmberg Am Ohmberg Arenshausen Asbach-Sickenberg Berlingerode Bernterode (bei Heilbad Heiligenstadt) Birkenfelde Bodenrode-Westhausen Bornhagen Brehme Breitenworbis Büttstedt Buhla Burgwalde Deuna Dieterode Dietzenrode-Vatterode Dingelstädt Ecklingerode Effelder Eichstruth Ferna Freienhagen (Eichsfeld) Fretterode Geisleden Geismar Gerbershausen Gernrode (Eichsfeld) Gerterode Glasehausen Großbartloff Hausen (Eichsfeld) Haynrode Heilbad Heiligenstadt Helmsdorf (Eichsfeld) Heuthen Hohengandern Hohes Kreuz Hundeshagen Kallmerode Kefferhausen Kella Kella Kirchgandern Kirchworbis Kleinbartloff Kreuzebra Krombach (Eichsfeld) Küllstedt Leinefelde-Worbis Lenterode Lindewerra Lutter (Eichsfeld) Mackenrode (Landkreis Eichsfeld) Marth Niederorschel Pfaffschwende Reinholterode Röhrig Rohrberg (Eichsfeld) Rustenfelde Schachtebich Schimberg Schönhagen (Eichsfeld) Schwobfeld Steinbach (Eichsfeld) Sonnenstein (Gemeinde) Steinheuterode Tastungen Teistungen Thalwenden Uder Volkerode Deuna Wachstedt Wahlhausen Wehnde Wiesenfeld (Eichsfeld) Wingerode WüstheuterodeKarte
Über dieses Bild
Lindewerra bei Werrahochwasser, von der Brücke aus gesehen
Werrabrücke Lindewerra
Blick von der Teufelskanzel auf die Werraschleife bei Lindewerra und Oberrieden mit Hohem Meißner (links) und Kaufunger Wald (rechts)

Lindewerra ist eine Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Hanstein-Rusteberg im thüringischen Landkreis Eichsfeld.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Lindewerra liegt an einer hufeisenförmigen Flussschleife der Werra zwischen Bad Sooden-Allendorf im Süden und Witzenhausen im Norden. Westsüdwestliches Nachbardorf ist das jenseits des Flusses am unteren Ende der Werraschleife liegende Oberrieden, das zu Bad Sooden-Allendorf im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis gehört. Nördlich der Ortschaft steigt das Gelände steil zum Höheberg an, dessen höchste Erhebung die nahe Junkerkuppe (510,7 m ü. NHN) ist. Ein dortiger Sandsteinfelsen, die Teufelskanzel (452 m), bietet gute Aussichtsmöglichkeiten unter anderem auf die Werraschleife. Unweit nördlich befindet sich bei Rimbach mit der Burgruine Hanstein ein Symbol des Eichsfeldes.

Geschichte[Bearbeiten]

Der wahrscheinlich bereits in der fränkischen Zeit vor 900 entstandene Ort Lindewerra wurde 1299 erstmals als „Lindenewerde“ urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich von lindenbestandenem Werder ab, und wurde erst später auf die Werra bezogen. Das Dorf gehörte bis zur Säkularisation 1802 zu Kurmainz. Die Gerichtsherrschaft hatte bis 1849 die Familie von Hanstein inne. Von 1815 bis 1945 war der Ort Teil der preußischen Provinz Sachsen.

Stockmacherdorf[Bearbeiten]

1830 brachte Wilhelm Ludwig Wagner das Stockmachergewerbe nach Lindewerra. Dieses bestimmte von da an weitgehend das Leben im Dorf und machte es als "Stockmacherdorf" bekannt. Wander- und Spazierstöcke aus Lindewerra wurden sogar weltweit gehandelt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich auch ein lebhaftes Vereinsleben in der Ortschaft, bei dem ein Männergesangverein eine führende Rolle einnahm.

Fremdenverkehrsort[Bearbeiten]

Mit dem Bau der sechsbogigen Sandsteinbrücke über die Werra 1900/1901 entwickelte sich Lindewerra zur "Sommerfrische" und wurde auch von Göttinger Studenten regelmäßig zu Feiern besucht.

Kriegsende und Nachkriegsjahre[Bearbeiten]

Während des Rückzugs der Wehrmacht wurde am 8. April 1945 der Mittelteil der Werrabrücke gesprengt. Vor der Besetzung am 9. April entstanden durch amerikanischen Granatwerferbeschuss in Lindewerra zahlreiche Schäden an Wohnhäusern und Nebengebäuden. Anfang Juli 1945 wurde der Ort an die Sowjetische Besatzungszone abgegeben. Da er selbst vom Wanfrieder Abkommen nur dergestalt betroffen war, dass in dessen Folge der Verlauf der Zonengrenze nun in die Flussmitte verlegt wurde, blieb Lindewerra in der Sowjetzone. Die Grenze verlief von da an unmittelbar am Dorf vorbei und bildete damit ab 1949 die Innerdeutsche Grenze. Daher wurde auch die Werrabrücke nicht wieder aufgebaut. Anfangs bestand noch über eine Fähre Zugangsmöglichkeit zu den Feldern auf der anderen Flussseite. 1952 wurde das Grenzregime verschärft und alteingesessene Familien wurden im Rahmen der Aktion Ungeziefer ausgewiesen. Die 1961 und noch bis 1987 laufend verstärkten Grenzanlagen – auf dem erhaltenen östlichen Brückenkopf stand ein Wachturm – riegelten das Dorf hermetisch ab. Lindewerra lag im Sperrgebiet, das nur mit Sondergenehmigung von zuverlässigen Personen aus der DDR besucht werden durfte.

Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Die Grenzöffnung im November 1989 war eine Erlösung für die Bevölkerung. Diese begann schon selbst mit dem Abbau der Grenzanlagen, bevor diese im März 1990 durch die Grenztruppen systematisch beseitigt wurden. 1993 fielen die letzten Reste, der "Wiederaufbau" eines kurzen Stücks Grenzzaun als Denkmal ist geplant.

Gegenwart[Bearbeiten]

Seit 1990 gehört Lindewerra im Eichsfeldkreis zu deutschen Land Thüringen. 1991 begann die dringend notwendige Sanierung der Dorfkirche, der Dorfanger wurde neu gestaltet und die Restaurierung der schönen Fachwerkhäuser gefördert. Viele waren aber den Grenzanlagen oder der Vernachlässigung zum Opfer gefallen. Eine Bürgerinitiative kämpfte für den Wiederaufbau der Werrabrücke mit Erhalt des historischen Teils. Die restaurierten Brückenköpfe wurden durch ein Stahlsegment verbunden und 1999 konnte anlässlich der 700-Jahr-Feier des Ortes die Werrabrücke wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Lindewerra liegt in einem reizvollen Wandergebiet, am Werra-Radweg und die Werra ist hier für Kanus schiffbar.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1994: 237
  • 1995: 252
  • 1996: 253
  • 1997: 251
  • 1998: 255
  • 1999: 253
  • 2000: 259
  • 2001: 250
  • 2002: 270
  • 2003: 266
  • 2004: 274
  • 2007: 257
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Lindewerra setzt sich aus sechs Gemeinderatsmitgliedern zusammen.

(Stand: Kommunalwahl vom 7. Juni 2009)[2]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Gerhard Propf wurde am 6. Juni 2010 gewählt.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Lindewerra ist seit 1994 Sitz der Plattenfirma Ruf Records. Die von dem Plattenlabel durchgeführte weltweite Konzert-Tournee "Blues Caravan" beginnt jeweils mit einem thüringenweit einmaligen Konzert in Lindewerras Gemeindesaal.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Marienkirche
  • Barocke evangelische St.-Marien-Kirche von 1738, mit spätgotischem Flügelaltar um 1500
  • Stockmachermuseum von 1980
  • Werrabrücke von 1900/1901, Sprengung 1945, wiedererrichtet 1999

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Wilhelm Ludwig Wagner, brachte 1830 das Stockmachergewerbe nach Lindewerra, durch welches das Dorf später weltbekannt wurde

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKommunalwahlen in Thüringen am 7. Juni 2009. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Hrsg.: Der Landeswahlleiter, abgerufen am 10. März 2010 (PDF; 1,9 MB).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKommunalwahlen in Thüringen am 6. Juni 2010. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Hrsg.: Der Landeswahlleiter, abgerufen am 6. Juni 2010.

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Keppler: Lindewerrsches Bilderbuch (1895–1999), Verlag Mecke Druck, Duderstadt, 1999

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lindewerra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien