Lindum Colonia

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Der römische Nordwall

Lindum Colonia, auch Colonia Domitiana Lindensium, war eine antike römische Stadt an der Stelle des heutigen Lincoln in der Grafschaft Lincolnshire in England.

Die Stadt war eine römische Colonia (Kolonie), die am Ende der Regierungszeit Domitians in der römischen Provinz Britannia Britannien gegründet wurde. An der Stelle der Stadt befand sich zuvor das Lager der Legio IX Hispana.

Lage[Bearbeiten]

Lindum Colonia lag an der Kreuzung einiger wichtiger römischer Straßen und hatte den Fluss Witham als weitere wichtige Verkehrsader. Von Nord nach Süd war es die „Ermine Street“, die Londinium (London) mit Eboracum (York) verband. Der von Isca Dumnoniorum (Exeter) kommende „Fosse Way“ endete in Lincoln. Bei der Stadt gab es wahrscheinlich auch eine Brücke, die den Witham überspannte. Des Weiteren gab es eine Straße, die nach Osten zur Küste führte.

Stadtaufbau[Bearbeiten]

Die antike Stadt bestand aus zwei Teilen. Im Norden, auf einem Hügel, gab es ein quadratisches (ca. 300 × 300 Meter), etwa 16 Hektar großes Areal, das an der Stelle des einstigen Legionslagers lag. Es wird auch als Oberstadt bezeichnet. Südlich schloss sich die sog. Unterstadt an, die genauso breit, aber rund 400 Meter lang war. Sie grenzte im Süden an die Witham, einen kleinen Fluss. Durch die moderne Bebauung ist es schwer, sich ein Bild von der antiken Stadt zu machen. Die Unterstadt entwickelte sich offensichtlich aus der Lagersiedlung (Canabae), die sich neben dem Militärlager befand.

Newport Tor (Nordtor)

Die Stadt hatte einen Stadtplan mit sich rechtwinklig kreuzenden Straßen, obwohl es in der Unterstadt auch eine diagonale Straße gibt, die andeutet, dass die Vorgängersiedlung eher ungeplant wuchs. Die Oberstadt hatte von Anfang an eine Stadtmauer, die aus Stein war und die Erdwerke des Militärlagers ersetzte. Der Bogen des nördlichen Stadttores steht noch heute teilweise an. Die Mauer der Unterstadt ist erst später errichtet worden.

Das Osttor

In der Mitte der Oberstadt befanden sich das Forum und eine Basilika. Das Forum stand an der Stelle der Principia des Legionslagers und wurde offensichtlich mit dem Umbau zur Zivilsiedlung auch einer zivilen Funktion zugeführt. Etwas nördlich des Forums konnten die Reste von Thermen ausgegraben werden. Im Norden gab es einen Aquädukt, der die Stadt mit Wasser versorgte. In der Unterstadt fanden sich Reste eines öffentlichen Brunnens und eines weiteren Bades. Hier konnten auch Reste eines eventuell klassischen Tempels gefunden werden. Nur wenig ist von der Wohnbebauung bekannt. Vor allem im 19. Jahrhundert fanden sich vereinzelte Mosaike, die meist nur geometrische Muster aufweisen.[1] Sie belegen ein gehobenes Wohnniveau und deuten auf teilweise prächtige Wohnbauten. Außerhalb der Stadtmauer befanden sich Friedhöfe, Vororte und auch Werkstätten.

Spätantike[Bearbeiten]

Unter Diokletian wurde Lindum Colonia Hauptstadt der neu eingerichteten Provinz Flavia Caesariensis. Für das vierte Jahrhundert ist ein Bischof mit dem Namen Adelphius bezeugt, der 314 bei dem Konzil von Arles anwesend war. Ansonsten gibt es nur wenige Belege für das Christentum in der Stadt. Immerhin gibt es in der Unterstadt Reste eines Baues mit einer Apsis, die nach Osten orientiert ist. Es könnte sich um eine Kirche handeln.[2] Im Laufe dieses Jahrhunderts scheint die Bevölkerung immer mehr an die Ufern des Flusses gezogen zu sein.

Die Stadt verlor im fünften Jahrhundert an Bedeutung, doch gibt es Anzeichen für eine kontinuierliche Besiedlung, zumindest in kleinem Rahmen, bis in das Mittelalter. Hierfür ist vor allem die Namenskontinuität ein Beleg; aus Lindum Colonia wurde Lincoln.

Literatur[Bearbeiten]

  • John Wacher: The Towns of Roman Britain. Routledge, London/New York 1997, ISBN 0-415-17041-9, S. 132–150.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lindum Colonia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David S. Neal, Stephen R. Cosh: Roman Mosaics of Britain. Volume I: Northern Britain, incorporating the Midlands and East Anglia. The Society of Antiquaries of London, London 2002, ISBN 0-953-78452-5, S. 162–174.
  2. Wacher: The Towns of Roman Britain, S. 146.

53.234-0.538Koordinaten: 53° 14′ N, 0° 32′ W