Linke-Hofmann R-Typen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Linke-Hofmann R.I
Linke-Hofmann R.II, man beachte die Größe der Personen zum Flugzeug

Die Linke Hofmann R-Typen waren überschwere Langstreckenbomber der deutschen Fliegertruppe im Ersten Weltkrieg.

Die mehrmotorigen R-Flugzeuge dienten als Langstreckenbomber mit großer Reichweite und schwerer Bombenlast für den strategischen Bombenkrieg. Da aufgrund schwerer Verluste die deutschen Luftschiffangriffe reduziert und schließlich eingestellt wurden, sollten Riesenflugzeuge in noch größerer Dimension als bisher in den Einsatz kommen und diese Lücke füllen.

Entwicklung[1][Bearbeiten]

Die Firma Linke Hofmann, Abteilung Flugzeugbau, befasste sich seit 1916 mit der Lizenzfertigung von Albatros- und Roland-Zweisitzern. Chefingenieur Paul Stumpf, der bereits bei der AEG im Flugzeugbau Erfahrung gesammelt hatte, begann jedoch bald selbst mit der Entwicklung von Riesenflugzeugen.

Von der Linke Hofmann R.I wurde der Prototyp (R.8/14?) hergestellt. Es handelte sich um einen gewaltigen Doppeldecker, dessen zwei Propeller von vier im Rumpf untergebrachten Motoren angetrieben wurden. Der sehr hohe Rumpf füllte vollständig den Raum zwischen den beiden Tragflächen und war mit einem transparenten Cellon-Bezug, einem Celluloid-ähnlichen Kunststoffbezug überzogen, um das Flugzeug möglichst schwer erkennbar zu machen. Der Cellonbezug bewährte sich jedoch nicht, da er das Sonnenlicht reflektierte und je nach Temperatur seine Ausdehnung änderte. Bei der R.40/16 wurde daher der normale, gegen Kriegsende allgemein übliche Rauten-Tarnstoff verwendet[2] Der vordere Teil des Rumpfes war in drei horizontale Abteilungen gegliedert: Der obere Teil für den Piloten und den Funktelegraphen, darunter die Motoren und unten die Tanks sowie der Bombenschacht mit dem Bombenschützen. Die Motoren wirkten auf ein gemeinsames Getriebe, die die Kraft über eine Welle zu den beiden Druck- und Zugpropellerpaaren zwischen den Tragflächen übertrugen.

Von der Linke Hofmann R.II wurden zwei Prototypen R.55/17 und R.58/17 gebaut. Sie wurde nach dem Vorbild der Albatros-Kampfflugzeuge, etwa im Maßstab 3:1 vergrößert, entworfen. Der Preis des Flugzeugs belief sich auf 450.000 RM. Die vier, paarweise im Zentralrumpf angeordneten, je 260 PS starken Mercedes D IVa-Motoren trieben über Kupplungen, Wellen und Getriebe einen Traktions-Propeller mit 6,90 m Durchmesser an.[3] Es wurde in keinem Flugzeug je ein Propeller mit größerem Durchmesser benutzt. Wahrscheinlich wird es auch kein größeres Flugzeug mit nur einem Propeller geben. Die R.II zeigte deutlich bessere Flugeigenschaften. Pläne, sie nach dem Krieg als Verkehrsflugzeug für 12 Passagiere weiterzuentwickeln, wurden aufgrund der harten Bedingungen des Friedensvertrags von Versailles aufgegeben.

Einsatz[Bearbeiten]

Die Flugleistungen der R.I waren enttäuschend. Besonders die Landung war schwierig, da der Pilot den Boden unter sich kaum erkennen konnte. Auch die Flügelvibration machte dem Flugzeugführer zu schaffen: „Das ist kein Flugzeug, sondern eine Krankheit,“, soll ein Pilot geäußert haben. Trotzdem erhielt Linke-Hofmann den Auftrag zum Bau des zweiten Flugzeugs (R.40/16). Es ist jedoch unklar, ob die R.I überhaupt in den Einsatz gelangte. Die R.14 gehörte zur Riesenflugzeug-Abteilung 500 (RFA 500, aufgestellt am 31. Januar 1916, am 23. Oktober 1918 umbenannt in Riesenflugzeug-Abteilung 501). Sie startete am 19. August 1917 vom Halberstädter Flugplatz und stürzte in den Klusbergen bei Halberstadt ab. Dabei starben alle 6 Besatzungsmitglieder (Flieger Karl Ebert, Vizefeldwebel Heinrich Eismann, Gefreiter Paul Munk, Beobachter Lt. Karl Plagermann, Pilot Oberlt. Effrem Rosetti-Solescu, Friedrich Windgassen), wie auf dem Denkmal dort zu lesen ist.

Die R.II kam nicht mehr zur Frontreife. Der Erstflug der R.55/17 fand 1919 nach dem Waffenstillstand der Inspektion der Fliegertruppen statt. Sie zeigte akzeptable Flugleistung und Wendigkeit, war auch mit nur 2 Motoren gut zu fliegen. Die normale Einsatzdauer waren 7 Stunden, aber mit Anpassung der Ladung und einer Fluggeschwindigkeit von nur 119 km/h waren 30 h Flugdauer möglich.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße R.I R.II
Baujahr: 1915/16 1916/18
Einsatzzweck: Bomber Bomber
Länge: 15,56 m 20,33 m[4]
Spannweite: 32,02 m 42,16 m[4]
Höhe: 6,78 m 6,70 m[4]
Flügelfläche: 264,0 m² 320,0 m²[4]
Leergewicht: 5.800 kg 8.000 kg
Startgewicht: 9.000 kg 11.200 kg
wassergekühlte Reihenmotoren: 4* Mercedes D.IVa mit je 260 PS 4* Mercedes D.IVa mit je 260 PS
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 130
Steigzeit auf 3.000m: 45 min
Dienstgipfelhöhe:
Reichweite: 1.040 km
Flugdauer: 4 h
Bewaffnung: 4 MG, 1.000 kg Bomben 4 MG
Besatzung: 6 6

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise/Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. vgl. Angaben in der engl. Wikipedia
  2. vgl. Bild 333 aus Pawlas, Karl R.: Deutsche Flugzeuge 1914-18, Nürnberg 1976
  3. vgl. Guinness-Buch der Rekorde gem. http://www.guinnessworldrecords.com/news/2008/01/080108.aspx
  4. a b c d Zum Teil widersprüchliche Angaben; hier gem Nowarra, Heinz: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914-18, München 1959

Literatur[Bearbeiten]

  • Brian Cooper, John Batchelor: Bombers 1914 – 1939. Phoebus Publishing Company, London o. J., (Purnell's history of the world wars special).
  • George W. Haddow, Peter M. Grosz: The German Giants. The Story of the R-planes, 1914 – 1919. Putnam & Company Limited, London 1962.
  • Günter Kroschel, Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910 – 1918. Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-920602-18-8.
  • Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914 – 1918. Lehmanns, München 1959.
  • Karl R. Pawlas: Deutsche Flugzeuge. 1914 – 1918. Eine Dokumentation. Pawlas, Nürnberg 1976, ISBN 3-88088-209-6, (Luftfahrt-Dokumente 20).

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]