Linn (Krefeld)

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51.3366666666676.645277777777835Koordinaten: 51° 20′ 12″ N, 6° 38′ 43″ O

Linn
Stadt Krefeld
Höhe: 35 m
Einwohner: 6871 (31. Dez. 2011)
Eingemeindung: 1901
Postleitzahl: 47809
Vorwahl: 02151
Sigulum Civitatis Linensis 1591

Linn ist seit der Eingemeindung im Jahre 1901 ein Stadtteil von Krefeld. Linn liegt mit seinem historischen Stadtkern eingebettet im niederrheinischen Tiefland ca. 5 Kilometer östlich des Krefelder Stadtzentrums. Es bildet zusammen mit Oppum und Teilen Bockums den Stadtbezirk Oppum-Linn.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Den ältesten Hinweis auf Linn findet man in der Kaiserswerther Urkunde die zwischen 1090 und 1120 verfasst wurde. Das Kaiserswerther Kapitel bezog zu dieser Zeit Einkünfte aus Linn. 1186 tritt ein Gerlach und 1234 ein Gerhard von Linn jeweils als Zeuge auf.[1] Die Burg in Linn wird erst 1299 erstmals urkundlich erwähnt.

Linn muss zu Anfang des 14. Jahrhunderts zur Stadt erhoben worden sein. In einer Urkunde von 1314 werden städtische Schöffen erwähnt.

Zu dieser Zeit gehörte Linn zur Grafschaft Kleve (1265 - 1392/94). 1388 setzte der Erzbischof von Köln (Friedrich III. von Saarwerden), Tilgin von Bremt als Amtmann von Linn ein. Linn wurde also Kurkölnisch.

In der kurkölnischen Zeit wurden die Burg und die Stadt nur bescheiden ausgebaut.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Die Erhebungsurkunde zur Stadt ist 1642 bei der Besetzung durch die Hessen nach der Schlacht auf der Kempener Heide verloren gegangen. Die hessische Besatzung baute die Befestigungsanlagen von Burg und Stadt weiter aus (1642/50) und gruben einen zweiten Wassergraben um Burg und Stadt.

Nach der hessischen Besatzung bemühten sich die Linner Bürger um die Restaurierung ihrer Stadtrechte. Der damalige Bürgermeister Johann Streithoven bezeugte 1652 auf seinem Sterbebett, noch von der alten Urkunde Kenntnis zu haben. Er bezeugt vor den Linner Schöffen, Müntje, Spies, Kochs und Peter Reinerz, die Art und den Umfang der Stadtprivilegien. Dokumentiert wurde dieser Vorgang vom damaligen Gerichtsschreiber Theodor Gerlatzen. Auch dieses Protokoll liegt nicht mehr im Original vor. Es gibt jedoch einen Auszug vom Gerichtsschreiber und Stadtsekretär Moras und dem Notar Küpper (Mitte 18. Jahrhundert), der anlässlich einer Beweisführung für die Berechtigung des Weid- und Schweidganges in der Elt den kurfürstlichen Behörden vorgelegt wurde. Aus diesem Auszug geht hervor, dass Herrn Küpper und Herrn Moras das Protokoll noch im Original vorgelegen haben muss.

1863 wurde an der Rheinbabenstraße eine Synagoge im Stil der orientalisierenden Architektur (mit Kuppel) errichtet; der "Seidenbaron" Philipp de Greif bzw. seine Witwe bezahlten den Bau.[2]

Moderne[Bearbeiten]

Der Linner Hafen heute

Linn ist seit der Eingemeindung im Jahre 1901 ein Stadtteil von Krefeld. Es liegt mit seinem historischen Stadtkern eingebettet im niederrheinischen Tiefland ca. 5 Kilometer östlich des Krefelder Stadtzentrums. Die Eingemeindung nach Krefeld und der Ausbau des Rheinhafens (1906) haben dann die weitere Entwicklung von Linn entscheidend beeinflusst. 1910/11 bekam der Hafen eine Hafenbahn. Im Folgenden siedelten sich in Linn (insbesondere um den Hafen) verschiedene Industriebetriebe an. Herausragendste Ansiedlungen waren:

  • Dreiring-Werk, (1905),
  • Schamottefabrik Stoecker & Konz (1906),
  • Guano Düngemittelwerke (1910),
  • Stahlwerk Becker (1917–1945),
  • Brand Purina Kraftfutterwerk (1925),
  • Deutsche Maizena-Werke als größte europäische Maisstärkefabrik (1954).

1941 wurden in Linn zwei Hochbunker gebaut; sie fassten je 2500 Menschen: einen am Memeler Platz und einen auf der Rheinbabenstraße (nahe der Burg Linn).[3] Letzterer ist heute Museum (siehe Museumszentrum Burg Linn).

In Linn (etwa da wo heute die Autobahnabfahrt Oppum/Linn ist) war eine der beiden großen Flak-Stellungen (schwere Flak) um Krefeld, die Batterie 2./264 'Latumer Bruch' (die andere war in Fichtenhain). Daneben gab es noch etwa ein Dutzend kleinerer Flakgeschütze um Krefeld.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Linn wurde in beiden Weltkriegen von der Zerstörung weitgehend verschont. Beinahe der gesamte historische Stadtkern steht heute unter Denkmalschutz. Bei der Erweiterung des Linner Hafens 1971–1978 fand man die Überreste einer alten römischen Kaianlage und auch drei mittelalterliche Schiffe unter dem Schwemmsand. Die Kähne wurden in einer Notgrabung gerettet. Einer der Kähne stammt aus karolingischer Zeit und wurde zunächst mehrere Jahrzehnte in einer Konservierungslösung aufbewahrt. Heute ist der Kahn in einer eigens dafür errichteten Halle im Niederrheinmuseum des Museumszentrums Burg Linn zu besichtigen.

Öffentliche Einrichtungen und Bildung[Bearbeiten]

Die Krefelder Stadtverwaltung unterhält in Linn ein Bürgerbüro. Linn besitzt eine Grundschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Burg Linn mit Jagdschlösschen

Museen[Bearbeiten]

Historische Gebäude[Bearbeiten]

  • Die Burg Linn ist eine Wasserburg mit Befestigungs- und Parkanlage und geht in ihren Ursprüngen bis ins 12. Jahrhundert zurück.
  • Der Mühlenhof ist eine historische Wassermühle.
  • Das in der Vorburg der Burg befindliche Jagdschlösschen war ursprünglich Back- und Brauhaus.
  • Das Greiffenhorst-Schlösschen ist ein ehemaliges Garten- und Jagdhaus im Greiffenhorstpark.
  • Das gesamte Ensemble der Altstadt steht unter Denkmalschutz, darunter auch der Issumer Turm und der Bakenhof.
  • Die Drehbrücke im Linner Rheinhafen feierte 2005 ihr hundertjähriges Bestehen.
Flachsmarkt Luftaufnahme

Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Jedes Jahr am Pfingstwochenende findet um die Burg Linn und in der angrenzenden Linner Altstadt der überregional bekannte Flachsmarkt statt. Der mittelalterliche Handwerkermarkt ist der größte Handwerkermarkt Deutschlands. Hier bieten mittlerweile über 300 Händler ihre Waren an.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johanna Klümpen-Hegmans: Linn, Burg und Stadt - vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Linn 1993, ISBN 3-7948-0210-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krefeld-Linn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Kaiser: Die Territorialbildung in den ehemals kurkölnischen Ämtern Kempen, Oedt und Linn. Schriftenreihe des Kreises Viersen, Band 29. Kempen-Niederrhein 1979, S. 195–196.
  2. Stadtrundgang, S. 5 (mit Foto der Synagoge)
  3. Stadtrundgang Krefeld-Linn (pdf, 8 Seiten, Fotos; 4,0 MB)
  4. Stadtrundgang, S. 7.