Linux Professional Institute
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Das Linux Professional Institute (LPI) gilt als weltweit führendes professionelles Zertifizierungsprogramm der Linux-Gemeinschaft. Das LPI entwickelt professionelle Zertifizierungen für das Betriebssystem GNU/Linux, unabhängig von Software- oder Schulungsanbietern (also weitgehend distributionsunabhängig). Bisher wird ein Zertifizierungsprogramm, Linux Professional Institute Certification (kurz LPIC), angeboten, das sich an Systemadministratoren richtet; über weitere Zertifizierungsprogramme, etwa für Anwender oder Entwickler, wird nachgedacht.
[Bearbeiten] Aufbau
Das mehrstufige Prüfungsprogramm des LPI wird weltweit durch Prüfungszentren von Pearson VUE und Prometric angeboten. Bei den Prüfungen handelt es sich größten Teils um Multiple-Choice-Fragen mit einer oder mehreren richtigen Antworten und um "fill in the blank"-Fragen, bei denen man die richtigen Antworten eintippen muss. Es werden aber auch textuelle Antworten erwartet. Die Prüfungen für Level 1 und 2 kann man in den Sprachen Englisch, Japanisch und seit kurzem auch auf Deutsch durchführen. Eine Prüfung zum Level 3 ist in Vorbereitung. Zur Vorbereitung auf die Prüfungen werden keine konkreten Angaben gemacht, sondern nur Prüfungsziele genannt und deren Inhalte kurz zusammengefasst. Es gibt keine Pflichtkurse oder vorgeschriebene Literatur, allerdings zertifiziert das LPI im Sinne einer Qualitätssicherung im Rahmen des "LATM"-Programms (LPI Approved Training Materials) Lernmaterial auf Vollständigkeit und didaktischen Sinn. Damit ist aber keine Empfehlung verbunden. Viele Kandidaten nutzen zur Vorbereitung LATM-Unterlagen oder im Buchhandel erhältliche Bücher, kostenlos oder frei verfügbares Studienmaterial aus dem Internet, und andere nur die klassischen Linux-Howtos und -Manuals. Das LPI hat weltweit seit dem Start im Jahr 1999 mehr als 150.000 Zertifizierungsprüfungen ausgeliefert.
[Bearbeiten] Gültigkeitsdauer
LPIC-Zertifikate sind prinzipiell unbegrenzt gültig; allerdings legt das LPI Zertifikatsinhabern "dringend nahe", sich spätestens alle 5 Jahre zu "rezertifizieren" (und unterfüttert das damit, den Status von existierenden Zertifikaten 5 Jahre nach dem Erwerb auf inaktiv zu setzen). Ursprünglich sollte gar keine Rezertifizierung verlangt werden; der Sinneswandel des LPI beruhte darauf, dass es eine Akkreditierung bei der National Organization for Competency Assurance (NOCA), einer Qualitätssicherungs-Organisation für Zertifikatsanbieter, erreichen wollte. Zu den Voraussetzungen einer solchen Akkreditierung gehört ein Rezertifizierungs-Mechanismus. Für eine Weile galt eine Rezertifizierungsfrist von 10 Jahren. Eine Rezertifizierung erreicht man entweder durch das erneute Ablegen der für das Zertifikat ursprünglich erforderlichen Prüfungen oder durch das Ablegen eines höherwertigen LPIC-Zertifikats, in welchem Fall die 5 Jahre auch für die niedrigeren Zertifikate neu gestartet werden (Über eine spezielle geraffte "Rezertifizierungs-Prüfung" wurde beim LPI nachgedacht, aber aktuell ist das kein Thema mehr). Das heißt konkret, jemand, der am 2. September 2004 die Prüfung LPI101 abgelegt hat und am 1. März 2005 LPI102, bekommt ein LPIC-1-Zertifikat, das bis zum 1. März 2010 rezertifiziert werden sollte. Dazu kann er entweder die LPI101- und -102-Prüfungen neu ablegen oder aber LPIC-2 in Angriff nehmen; bekommt er etwa am 1. April 2008 ein LPIC-2-Zertifikat ausgestellt, dann bleiben sowohl sein LPIC-1- als auch sein LPIC-2-Zertifikat bis zum 31. März 2013 aktiv. Das LPI verspricht, die Prüfungsziele der einzelnen Prüfungen in einem Zweijahres-Turnus zu überarbeiten, und empfiehlt eine Rezertifizierung im selben Abstand.
[Bearbeiten] Sponsoren
Die größten Sponsoren des LPI sind IBM, Bradford Learning, Linux Magazin, Linuxcare, Maxspeed, SGI, Turbolinux, Novell, Hewlett-Packard, Linux Journal und Wave Technologies.
[Bearbeiten] Ablauf der Prüfung
Die Reihenfolge der beiden Prüfungen (x01 und x02, siehe unten) ist beliebig. Die Prüfungen werden an einem PC in einem - entweder von einer Person oder einer Kamera - überwachten Raum vorgenommen. Es existiert eine kleine Anzahl unterschiedlicher Fragekataloge, die jeweils aus einem großen Vorrat von Fragen so ausgewählt wurden, dass gewisse psychometrische Bedingungen erfüllt sind (sie werden auch hin und wieder neu zusammengestellt, um den Nutzen veröffentlichter Gedächtnisprotokolle zu reduzieren). Der Prüfling bekommt einen dieser Fragenkataloge vorgelegt, wobei die Reihenfolge der Fragen beliebig sein kann. Es ist gestattet Fragen zu überspringen oder bereits gegebenen Antworten innerhalb der Prüfungszeitspanne zu korrigieren. Das Bestehen oder Nichtbestehen wird nebst der erreichten Punktezahl unmittelbar nach Beendigung der Prüfung auf dem Bildschirm angezeigt. Das Prüfungszentrum gibt nach Abschluss der Prüfung einen Ausdruck des Prüfungszeugnisses über Gesamtergebnis und Abschneiden in den jeweiligen Themenbereichen aus.
Alternativ hierzu werden auf Messen und anderen Veranstaltungen Prüfungen angeboten, bei welchen die zu prüfende Person einen ausgedruckten Fragenkatalog erhält, auf welchem die die eigenen Antworten kenntlich zu machen sind. Diese Antwortbögen werden von dem LPI zentral ausgewertet. Bis zum Erhalt der Prüfungsergebnisse kann es hierbei mehrere Wochen dauern.
Das Zertifikat (inklusive einer kreditkartengroßen Zertifikats-Karte) wird nach Erreichen der Mindestpunktzahl bei beiden Prüfungen durch den LPI-Hauptsitz in Brampton, Ontario, Kanada verschickt.
Im Falle des Nichtbestehens der Prüfung kann diese nach frühestens einer Woche (mit einem anderen Fragenkatalog) wiederholt werden. Nach einem erneuten Nichterreichen der Mindestpunktzahl ist bis zu einem dritten Prüfungsversuch 90 Tage zu warten, was auch für alle potenziell darauffolgenden Versuche gilt.
[Bearbeiten] Neue Prüfungsinhalte
Seit dem 1. April 2009 gibt es für die LPIC-Prüfungen neue Inhalte in der Version 3.0. Der bisherige Stoff wurde um weitere Inhalte ergänzt und Bestehendes aktualisiert. Die umfangreichsten Änderungen betreffen den Hardware-Teil, der radikal gekürzt wurde.[1].
[Bearbeiten] Zertifikat LPIC-1 ("Junior Level Linux Professional")
Um dieses Zertifikat zu erhalten, müssen die Prüfungen 101 und 102 bestanden werden. Diese Prüfungen gibt es auf Englisch, Japanisch und Deutsch. Man hat für die Prüfungen jeweils 90 Minuten Zeit.
Früher konnte man zwischen zwei Varianten der Prüfung 101 wählen, die entweder Fragen zum Paketmanagement mit rpm (Red Hat, SUSE, Mandriva, ...) oder aber mit dpkg (Debian, Ubuntu, Xandros, ...) enthielten. Seit 2006 ist das aber nicht mehr möglich; es werden beide Bereiche geprüft.
[Bearbeiten] Prüfung 101
Anzahl der Fragen: 60 [2]
Mindestpunktzahl: 500 (von insgesamt 800)
Systemarchitektur
- Hardwareeinstellungen festlegen
- Bootvorgang
- Verändern eines Runlevels, herunterfahren und neustarten
Linux Installation und Paket-Management
- Situationsabhängige Aufteilung einer Festplatte
- Boot-Manager installieren
- Gemeinsam genutzte Bibliotheken (shared libraries)
- Umgang mit der Debian-Paketverwaltung
- Umgang mit dem RPM und YUM
GNU- und Unix-Befehle
- Arbeiten auf der Kommandozeile
- Anwenden von Filtern auf Textströme
- Grundlegendes Arbeiten mit Dateien
- Streams, Pipes, Umleitungen
- Prozessmanagement
- Prozessprioritäten
- Texte mit regulären Ausdrücken durchsuchen und modifizieren
- Grundlegendes Arbeiten mit dem Editor vi
Laufwerke, Dateisysteme, Verzeichnisstruktur und dem Filesystem Hierarchy Standard (FHS)
- Partitionierung
- Überprüfen der Integrität, überwachen von Inodes, einfache Reparaturen eines Dateisystems
- Dateisysteme ein- und aushängen
- Quotas verwalten
- Dateirechte
- Hard- und Softlinks
- Systemdateien und Anwendungen finden und konform zum FHS ablegen
[Bearbeiten] Prüfung 102
Anzahl der Fragen: 60
Mindestpunktzahl: 500 (von insgesamt 800)
Shell, Skripten und SQL
- Anpassen einer Shellumgebung
- Vorhandene Shell-Scripte anpassen oder neue schreiben
- Durchsuchen sowie ändern von Daten in einer Datenbank
Benutzerinterface und Desktop
- Installieren und Einstellen des X-Servers.
- Display-Manager einrichten
- Barrierefreiheiten
Administrative Aufgaben
- Benutzer und Gruppen anlegen, entfernen, sperren und ändern
- Automatisierte, Zeit gesteuerte Systemadministrationsaufgaben
- Systemsprache, Tastaturlayout, Zeitzonen
Wichtige Systemdienste
- Systemzeit
- Systemlogging
- Grundlegende Aufgaben eines Mail Transfer Agenten (MTA)
- Verwalten von Druckern
Netzwerkgrundlagen
- Internet-Protokoll, Netzmasken, Routen
- Netzwerkkonfigurationen
- Erkennen und beheben von Netzwerkproblemen
- Ansprechen eines DNS-Servers
Sicherheit
- Wissen welche Systemkonfigurationen zur Sicherheit beitragen
- Systemsicherheit
- Datenverschlüsselung
[Bearbeiten] Zertifikat LPIC-2 ("Intermediate Level Linux Professional")
Um dieses Zertifikat zu erhalten, müssen die Prüfungen 201 und 202 bestanden werden. Diese Prüfungen gibt es auf Englisch, Japanisch und Deutsch.
Man hat für die Prüfungen jeweils 90 Minuten Zeit. Wenn Pilotfragen gestellt werden, die nicht mit in die Bewertung der Prüfung einfließen, stehen 120 Minuten Zeit zur Verfügung.
Prinzipiell ist es möglich, Prüfungen auf LPIC-2-Niveau abzulegen, bevor man das LPIC-1-Zertifikat erworben hat. Allerdings bekommt man das LPIC-2-Zertifikat selbst erst, wenn man über ein aktives LPIC-1-Zertifikat verfügt.
[Bearbeiten] Prüfung 201
Anzahl der Fragen: 60
Mindestpunktzahl: 500 (von insgesamt 900)
Themen:
- Kernel
- Systemstart
- Dateisystem
- Hardware
- Datei- und Dienstefreigaben
- Systemverwaltung
- Skriptsprachen und Automatisierung
- Problemlösungen, Fehlersuche
[Bearbeiten] Prüfung 202
Anzahl der Fragen: 60
Mindestpunktzahl: 500 (von insgesamt 900)
Themen:
- Netzwerkkonfiguration
- Mail & News
- DNS
- Webdienste
- Verwaltung von Netzwerk-Clients
- Systemsicherheit
- Fehlerbehebung in Netzwerken
[Bearbeiten] Zertifikat LPIC-3 ("Senior Level Linux Professional")
Level 3 ist im Gegensatz zu den anderen Levels in eine Core-Prüfung 301 sowie fünf Spezialisierungen 302-306 aufgeteilt. Die Core-Prüfung 301 genügt zum Erhalt des Level 3 Zertifikates.
[Bearbeiten] Prüfung 301 Core
Mit bestehen der 301 ist der Prüfling nach LPIC-3 Core zertifiziert.
[Bearbeiten] Prüfung 302 Mixed Environment
Mit bestehen der 301 und 302 ist der Prüfling nach LPIC-3 Mixed Environment zertifiziert.
[Bearbeiten] Prüfung 303 Security
Ende 2008 fanden hierfür die Betaprüfungen statt
Mit bestehen der 301 und 303 ist der Prüfling nach LPIC-3 Security zertifiziert.
[Bearbeiten] Prüfung 304 High Availability and Virtualization
Die Prüfung ist noch nicht erschienen
Mit bestehen der 301 und 304 ist der Prüfling nach LPIC-3 High Availability & Virtualization zertifiziert.
[Bearbeiten] Prüfung 305 Web and Intranet
Die Prüfung ist noch nicht erschienen
Mit bestehen der 301 und 305 ist der Prüfling nach LPIC-3 Web & Intranet zertifiziert.
[Bearbeiten] Prüfung 306 Mail and Messaging
Die Prüfung ist noch nicht erschienen
Mit bestehen der 301 und 306 ist der Prüfling nach LPIC-3 Mail and Messaging zertifiziert.
[Bearbeiten] Literatur
- Anke Börnig, Thomas Korber, Mario van der Linde: LPIC-2: Vorbereitung auf die Prüfung des Linux Professional Institute, 3. aktualisierte und überarbeitete Auflage mit den neuen Prüfungsinhalten von April 2009, Open Source Press, September 2009, ISBN 978-3-937514-88-8. Leseproben
- Harald Maaßen: LPIC-1 Sicher zur erfolgreichen Linux-Zertifizierung, mit Prüfungssimulator von André Herrmann, Galileo Computing, aktualisierte Auflage von Juli 2009, ISBN 978-3-8362-1451-3.Leseproben
- Peer Heinlein: LPIC-1 : Vorbereitung auf die Prüfung des Linux Professional Institute, 4. aktualisierte und überarbeitete Auflage mit den neuen Prüfungsinhalten vom 1. April 2009, Open Source Press, April 2009, ISBN 978-3-937514-81-9. Leseproben
- Anselm Lingnau, Thomas Erker, Tobias Elsner, Michael Küpper (Linup Front GmbH): Trainingsbuch LPI-Level 1, 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. mitp-Verlag, September 2006, ISBN 3-8266-1682-0. Leseproben
- Pritchard, Steven u.a.: LPI Linux Certification in a Nutshell. O'Reilly Media, 4. August 2006, ISBN 0-596-00528-8 (englisch; umfasst LPIC1 und LPIC2)
[Bearbeiten] Weblinks
- LPI-Homepage (englisch)
- LPI e.V. German (deutsch)
- Online-Prüfungssimulator für LPIC-1 (deutsch, Inhalte bezogen auf die Prüfungsordnung vom 1. März 2006)
- Offline-Prüfungssimulator für LPIC-1 (deutsch)
- LPI-Studienguide: Linux Praxis (deutsch, Inhalte bezogen auf die Prüfungsordnung von Mitte August 2002 (teilweise veraltet, unvollständig))
- LPI-Studienguide: IBM DeveloperWorks (englisch)