Lipodystrophie

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Klassifikation nach ICD-10
E88.1 Lipodystrophie, anderenorts nicht klassifiziert
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter Lipodystrophie versteht man eine Veränderung des Unterhautfettgewebes, die lokal oder auch generalisiert auftreten kann. Die Veränderungen können je nach Ursache reversibel sein.

Formen der Lipodystrophie[Bearbeiten]

Lipohypertrophie unter Insulintherapie[Bearbeiten]

Bei häufiger und wiederholter Injektion von Insulin an einem sehr begrenzten Hautareal kommt es durch die lipogenetische Wirkung zu einer Vermehrung des Fettgewebes. Die Folge ist eine schlechtere Resorption des Insulins und im Weiteren eine Stoffwechselverschlechterung. Das Aussparen der Injektionsstelle führt zu einer vollständigen Rückbildung.

Lipodystrophiesyndrom unter antiretroviraler Therapie[Bearbeiten]

Die Lipodystrophie ist ein Stoffwechselsyndrom, das bei HIV-Infizierten unter antiretroviraler Therapie auftreten kann. Ältere Studien wiesen auf ein Auftreten bei 30-50 % unter HAART stehender Patienten hin. Untersuchungen bei aktuellen Behandlungsregimes zeigen jedoch ein deutlich selteneres Auftreten, so wird in der Erstlinientherapie eine jährliche Inzidenz von nur 5-10 % ausgewiesen, die in den Folgejahren weniger fortzuschreiten scheint.[1] Die Lipodystrophie geht einher mit einer Erhöhung der Blutfette und des Serumcholesterins sowie einer Umverteilung des Fettgewebes, wobei sowohl atrophische als auch hypertrophische Veränderungen auftreten können. Die Betroffenen entwickeln typischerweise Fettauszehrungen im Gesichtsbereich (Lipoatrophie), sowie an den Extremitäten; dagegen entsteht oft ein „Stiernacken“ und ein größeres Fettpolster im Bauchbereich („Rettungsring“). Außerdem kommt es zu einer Insulinresistenz. Die Lipodystrophie beeinträchtigt die Infizierten kosmetisch stark und erhöht in noch unbekanntem Ausmaß das Risiko der HIV-Infizierten, an Diabetes oder kardiovaskulären Leiden zu erkranken.

Familiäre Lipodystrophie-Syndrome[Bearbeiten]

Es sind zwei sehr selten auftretende, genetisch bedingte Erkrankungen. Beim Typ I oder Köbberling-Syndrom betrifft die Lipodystrophie die untere Körperhälfte, beim Typ II oder Dunningan-Syndrom betrifft die Lipodystrophie auch den Körperstamm. Daneben kommt es zu einer Vermehrung des Fettgewebes im Gesicht und am Hals, was bei den Betroffenen zu einem pseudo-cushingoiden Aussehen führt. Bei den Betroffenen, typischerweise junge Frauen nach der Pubertät, kommt es zu einem Hirsutismus, die Frauen wirken aufgrund des fehlenden subkutanen Fettgewebes und der damit hervorstehenden Muskulatur und der Blutgefäße muskulös. Tatsächlich aber leidet der Körper unter einer pathologischen, aber visceral gelegenen Fettansammlung und einer massiven Hypertriglyceridämie, die einerseits zu akuten Bauchspeicheldrüsenentzündungen und andererseits über eine erhöhte Insulinresistenz zu einem Diabetes mellitus führen kann. Die Therapie besteht in der Gabe von rekombinantem Leptin.[2][3]

Ferner gibt es die angeborene Lipodystrophie Typ Berardinelli mit weiteren Auffälligkeiten.

Nicht familiäre Syndrome[Bearbeiten]

Hierzu zählt das seltene Barraquer-Simons-Syndrom

Quellen[Bearbeiten]

  1. [1] Das HIV-Buch 2012, Kapitel 8: Das Lipodystrophie-Syndrom, abgerufen am 5. Januar 2012
  2. [2] Orphanet, Portal für seltene Krankheiten und Orphan Drugs, abgerufen am 24. Juni 2011
  3. [3] Lipodystrophie, Der Internist, Abstract, April 2011

Weblinks[Bearbeiten]

  • [4] DocCheck Flexikon, Lipodystrophie, abgerufen 24. Juni 2011
  • [5] Das HIV-assoziierte Lipodystrophiesyndrom, Abstract, Medizinische Klinik 2001
  • S2-Leitlinie: Strategies for Treating Morphological and Metabolic Alterations under Antiretroviral Treatment, AWMF-Registernummer 055/005 (online: Volltext), Stand 12/2004
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