Lipsi (Tanz)

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Der Lipsi (nach lipsiens, lat. für der Leipziger) ist ein Modetanz, der 1959 in der DDR eingeführt wurde und an Stelle des amerikanischen Rock'n'Roll etabliert werden sollte.

Er steht im 6/4-Takt. Der Lipsi konnte sich trotz seines recht einfachen Grundschrittes nicht behaupten, da er als konventioneller Paartanz kaum den Anforderungen des jugendlichen Tanzpublikums entsprach. Er verschwand deshalb innerhalb weniger Jahre wieder.

Seine Erfinder waren der Komponist René Dubianski und das Tanzlehrer-Ehepaar Christa und Helmut Seifert. Bekannteste Interpretin der Musik war die Sängerin Helga Brauer. Alle vier Künstler kamen aus Leipzig.

Er wurde 1959 auf der Tanzmusikkonferenz in Lauchhammer vorgestellt. Grund für die Erfindung waren die von der DDR als Bedrohung wahrgenommenen westlichen Musikmoden wie der Twist, die als unerwünschte kapitalistische Beeinflussung der eigenen Jugend angesehen wurden. Diesen Musikmoden sollte eine sozialistische Tanzmusikkreation entgegenwirken. Im Vorgriff auf den erhofften Erfolg meldete die DDR den Lipsi weltweit zum Patent an.[1]

Der Grundschritt wird folgendermaßen getanzt (Herrenschritte, Dame entsprechend seitenverkehrt):

  1. Schritt mit dem linken Fuß nach links
  2. Tap mit dem rechten Fuß nach links
  3. Schritt mit dem rechten Fuß nach rechts
  4. Tap mit dem linken Fuß nach rechts
  5. Schritt mit dem linken Fuß nach links
  6. Schritt mit dem rechten Fuß nach links (Füße schließen)

Die Flamingos: Alle tanzen Lipsi und Martin Möhle Combo: Willibalds Lipsi spielten das Kunstprodukt Lipsi erstmals auf einer Amiga-Single 1959 ein.[2] Es folgte dann eine Single mit Helga Brauer: Heute tanzen alle jungen Leute und dem Rundfunk-Tanzorchester Leipzig, Leitung Kurt Henkels: Lipsi Nr 1.[3] Der Messe-Lipsi,[4] wieder mit dem Rundfunk-Tanzorchester Leipzig und Kurt Henkels, war der letzte Titel von Amiga, bei dem der Name Kurt Henkels auf dem Label genannt wurde. Henkels ertrug die Bevormundung und Verpflichtung durch die SED nicht länger und floh in die Bundesrepublik Deutschland.

Der Paartanz mit seinen wenig mitreißenden Rhythmen und Texten entsprach nicht den Erwartungen der Jugend. Sowohl in Halle als auch in anderen Städten der DDR haben sich die Jugendlichen in Sprechchören gegen den staatlich verordneten Tanz gewendet. So hieß es: „Wir tanzen keinen Lipsi und nicht nach Alo Koll, wir sind für Bill Haley und tanzen Rock 'n' Roll.“[5]

Hans Bentzien, seinerzeit Sekretär für Kultur und Bildung der SED-Bezirksleitung Halle und Mitglied der Kulturkommission beim Politbüro des Zentralkomitees der SED, war die Aktion mit dem Lipsi hingegen nach 47 Jahren ein Grund zum Schmunzeln: Der Lipsi war eine reine Propagandasache, die schnell in sich zusammenfiel und heute nur wieder herausgekramt wird, weil man so herrlich darüber lachen kann.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. taz, Leute, tanzt den Lipsi!
  2. Amiga 450 056 [1]
  3. Amiga 450 057[2]
  4. Amiga 450 067 [3]
  5. zit. nach Wiebke Jansen Halbstarke in der DDR: Verfolgung und Kriminalisierung einer Jugendkultur Berlin 2010, S. 108
  6. Johanna Metz: Der Sound des Kalten Krieges. In: Das Parlament, Nr. 12 / 20. März 2006 [4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hofmann, Hans Georg: „‚Die Tanzmusik muss neue Wege gehen.‘ Bemerkungen zur kulturtheoretischen Diskussion der Tanz- und Unterhaltungsmusik in der DDR in den 1950er und 60er Jahren und zu ihrem Einfluss auf die Musikpraxis“, in: Mathias Spohr (Hrsg.): Geschichte und Medien der gehobenen Unterhaltungsmusik. Zürich: Chronos 1999, S. 147–163. ISBN 3-905313-39-1
  • Janssen, W.: Heute, tanzen alle jungen Leute, im Lipsi-Schritt, nur noch im Lipsi-Schritt. (SED und Jugend in den fünfziger Jahren.) In: Hallische Beiträge zur Zeitgeschichte, Heft 6, Halle: Martin-Luther-Universität, 1999. ISSN 1433-7886

Musikbeispiele[Bearbeiten]

  • Brauer, Helga: Hör mein Herz. Helga Brauer – Ihre größten Erfolge
    (u.a. mit: Heute tanzen alle jungen Leute im Lipsi-Schritt)
    Aelstertal (BuschFunk), 1999
  • Various Artists: L'amigamore
    (Tanzmusik aus der DDR 1963-1970, gespielt u.a. von: Sputniks, Theo-Schumann-Combo, Rundfunk-Tanzorchester Leipzig, Alexanders)
    L'Age D'Or (17034), 1995.