Liquiditätsgrad

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Liquiditätsgrade sind insbesondere in der Unternehmensfinanzierung und der Finanzbuchhaltung verwendete betriebswirtschaftliche Kennzahlen, mit denen die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht nachzukommen, beurteilt werden kann. Liquiditätsgrade bezeichnen die Eigenschaften von Vermögensobjekten im Hinblick auf ihre Geldnähe (leicht in Geld umzuwandeln) oder Geldferne (schwer in Geld umzuwandeln).

Hintergründe[Bearbeiten]

Man unterscheidet dabei nach zunehmender Fristigkeit zwischen Liquidität ersten, zweiten und dritten Grades. Zunehmend Verbreitung finden auch im deutschsprachigen Raum die englischen Bezeichnungen Cash Ratio (Barliquidität), Acid Test Ratio (auch Quick Ratio) und Current Ratio. Folgende Liquiditätsregeln sind bei der Einschätzung von Unternehmen zu beachten: Die Liquidität 1. Grades (Barliquidität) sollte größer oder gleich 0,2 sein. Der so genannte „Acid Test“ besagt, dass für eine positive Bewertung eines Unternehmens der 2. Liquiditätsgrad größer oder gleich 1 sein sollte und die sog. "Banker's Rule" sieht für eine positive Unternehmensbewertung vor, dass die Liquidität 3. Grades größer oder gleich 2 sein muss.

Liquidität 1. Grades[Bearbeiten]

Die Liquidität 1. Grades (Cash Ratio) gibt das Verhältnis der liquiden Mittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens an und erlaubt damit eine Analyse darüber, inwieweit ein Unternehmen seine derzeitigen kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen allein durch seine liquiden Mittel erfüllen kann. Die Forderungen werden dabei nicht berücksichtigt.

Berechnung:

  • \mathrm{Cash\ Ratio} = \mathrm{{liquide\ Mittel}\over {kurzfristige\ Verbindlichkeiten}}

Liquidität 2. Grades[Bearbeiten]

Die Liquidität 2. Grades (Acid Test Ratio (ATR) oder auch Quick Ratio), auch Einzugsliquidität (kurz EL), gibt das Verhältnis des Geldvermögens zuzüglich Wertpapierbestand und den kurzfristigen Forderungen zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens an. Es ist ein Maß dafür, ob ein Unternehmen in der Lage ist, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu bezahlen. Bei einem ATR, das kleiner als 1 ist, wird ein Teil der kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht durch kurzfristig zur Verfügung stehendes Vermögen gedeckt. Dadurch kann ein Liquiditätsengpass entstehen.

Das ATR kann auf verschiedene Arten ermittelt werden:

  • \mathrm{ATR}={\mathrm{(Geldverm \ddot o gen+Wertpapiere+kurzfristige\ Forderungen)}\over \mathrm{kurzfristige\ Verbindlichkeiten}}

Liquidität 3. Grades[Bearbeiten]

Die Liquidität 3. Grades (Current Ratio) gibt das Verhältnis des Umlaufvermögens (englisch current assets) zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens an. Ist das Current Ratio kleiner als 1, dann wird ein Teil der kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht durch das Umlaufvermögen gedeckt, das heißt, es muss unter Umständen Anlagevermögen zur Deckung der Verbindlichkeiten verkauft werden. Daher sollte diese Liquiditätskennziffer immer größer als 1 sein. Nach der sogenannten "Banker’s rule" (auch Two-to-One-Rule genannt) sollte diese mindestens 2 sein.[1][2] Diese Zielgröße ist eine Forderung von US-amerikanischen Banken bei der Kreditvergabe.[3] Sie basiert auf Bilanzen nach US-amerikanischer Rechnungslegung, welche an den Eigenkapitalgebern orientiert ist. Sie ist zudem im Umfeld US-amerikanischer Wirtschaftsstrukturen und Gesetzgebungen entwickelt worden. Eine zweite, ebenfalls oft genannte Zielgröße ist ein Wert von mindestens 1,2.[4][5][6][7] Dieser basiert auf Rechnungslegungen, die wie in Deutschland, Österreich und der Schweiz an den Fremdkapitalgebern orientiert ist in einem Umfeld mitteleuropäischer Wirtschaftsstrukturen und Gesetzgebungen. Allerdings entwickelt sich gerade die deutsche Rechnungslegung mit dem BilMoG stärker Richtung IFRS und dieses wiederum ist näher an der US-amerikanischen Rechnungslegung.[8]

Berechnung: \begin{align} \mathrm{Current\ Ratio} & = {\mathrm{Umlaufverm \ddot o gen}\over \mathrm{kurzfristige\ Verbindlichkeiten}} \\
& ={{\mathrm{Geldverm \ddot o gen}+ \mathrm{Wertpapiere}+ \mathrm{Forderungen\ und\ sonstige\ Verm \ddot o gensgegenst \ddot a nde}+\mathrm{Vorr \ddot a te}}\over \mathrm{kurzfristige\ Verbindlichkeiten}} \end{align}

Die Liquidität 3. Grades (L3) steht in folgender Weise im Zusammenhang mit dem Working Capital (WC):

  • L3 = 1 ↔ WC = 0
  • L3 > 1 ↔ WC > 0
  • L3 < 1 ↔ WC < 0

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Mensch: Finanz-Controlling. Finanzplanung und -kontrolle Controlling zur finanziellen Unternehmensführung. 2008, 2. Auflage, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, ISBN 978-3-486-58215-4, S. 181
  2. Lutz Kruschwitz, Rolf O. A. Decker, Michael Röhrs: Übungsbuch zur betrieblichen Finanzwirtschaft. 2002, 6. Auflage, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, ISBN 978-3486259452, S. 283
  3. Johannes Ditges, Uwe Arendt: Bilanzen 2002, 10. Auflage, Kiehl-Verlag ISBN 978-3470536811, S. 378
  4. Hilmar J. Vollmuth: Bilanzen richtig lesen, besser verstehen, optimal gestalten: Mit Sonderteil BilMoG und den aktuellen Steueränderungen 2009, 9. Auflage, Haufe-Lexware ISBN 978-3448093070, S. 216
  5. Jörg Wöltje: Investition und Finanzierung 2013, 1. Auflage, Haufe-Lexware ISBN 978-3648032336, S. 507
  6. Liquidität. Website Unternehmerlexikon. Abgerufen am 12. April 2015.
  7. Liquiditätskennzahlen. Website Aktien-Portal.at. Abgerufen am 12. April 2015.
  8. Liquidität 3.Grades. Website Buchführungs-Portal Waldlandwelt. Abgerufen am 12. April 2015.