Lisa Fittko

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lisa Fittko (geb. Elizabeth Ekstein; * 23. August 1909 in Ungvár, Komitat Ung, Österreich-Ungarn; † 12. März 2005 in Chicago, USA) war eine österreichische Widerstandskämpferin gegen die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland und im Zweiten Weltkrieg Fluchthelferin über die Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien. Bekannt wurde sie ab 1985 als Schriftstellerin durch ihre autobiografischen Veröffentlichungen über diese Zeit.

Leben[Bearbeiten]

Lisa Fittko wuchs in Wien auf, wo ihr Vater Ignaz Ekstein, ein jüdischer Intellektueller, seit 1916 Mitherausgeber, später Eigentümer der kulturpolitischen Zeitschrift Die Waage war. Ihre Mutter, Julie „Teriko“ Ekstein, war die Schwester der Wiener Malerin Malva Schalek. Im Jahre 1922 zog die Familie nach Berlin. Hier war Lisa Fittko Mitglied des „Sozialistischen Schülerbundes“.

Anfang 1933 wurde sie wegen Herstellung und Verbreitung antinazistischer Flugblätter denunziert und floh zunächst nach Prag. Mit ihrem späteren Mann, Hans Fittko, einem politischen Flüchtling, den sie 1948 in Havanna heiratete, flüchtete sie 1938 über Basel und Apeldoorn nach Paris. 1940 war sie im Camp de Gurs interniert. Nachdem ihr die Flucht aus dem Lager gelungen war, lebte sie in Marseille sowie in der Nähe des Küstenortes Banyuls am Fuße der Pyrenäen.

Mit Hans Fittko organisierte sie in Zusammenarbeit mit der Fluchthilfeorganisation „Emergency Rescue Committee“ und dessen Repräsentanten in Marseille, Varian M. Fry, die Flucht von durch die deutsche Besatzung und das Vichy-Regime bedrohten Menschen. Diesen Abschnitt ihres Lebens beschrieb sie in dem Werk Mein Weg über die Pyrenäen. Sie führte u. a. auch Walter Benjamin über die Grenze nach Spanien.

1941 gelang die eigene Flucht nach Kuba, wo Fittko in Havanna an einer Ausbildungsstätte für jüdische Flüchtlinge arbeitete. 1948 siedelte sie mit ihrem Mann Hans nach Chicago in die USA über. In Chicago arbeitete sie als Fremdsprachenkorrespondentin und Angestellte der Universität. Politisch engagierte sie sich in der amerikanischen Friedensbewegung.

Ihr Mann, Hans Fittko, wurde in Israel mit der Yad-Vashem-Medaille geehrt. Er starb 1960. Über die Fittkos wurden mehrere Dokumentarfilme gedreht, darunter 1998 Doch wir, sagten wir, ergeben uns nicht....

In ihrem 2012 erschienenen, mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Werk Landgericht[1] setzte die Schriftstellerin Ursula Krechel dem Ehepaar Hans und Lisa Fittko ein literarisches Denkmal.

Für Hans und Lisa Fittko wurde im Januar 2001 in Banyuls-sur-Mer eine Gedenkstätte errichtet, die daran erinnert, dass sie, obwohl selbst in Lebensgefahr, vielen von den Nazis verfolgten Menschen die Flucht nach Spanien ermöglichten. Am Fuße dieser Gedenkstätte beginnt ein Wanderweg, auf dem man in etwa fünf Stunden den alten Fluchtweg, die nach den Fittkos benannte „F-Route“ von Banyuls nach Portbou/Spanien nachgehen kann. Seit dem 24. Juni 2007 ist dieser Weg offiziell benannt „Chemin Walter Benjamin“ und als historischer Wanderweg markiert.

Werke[Bearbeiten]

  • Mein Weg über die Pyrenäen. Erinnerungen 1940/41. dtv, München 1989, ISBN 3-423-62189-3.
  • Solidarität unerwünscht. Meine Flucht durch Europa. Erinnerungen 1933-1940. Carl Hanser Verlag, München 1992, ISBN 3-446-15188-5.

Interviews

  • Brian Britt mit Lisa Fittko: The Aura of Benjamin's Death. Als Appendix in: Brian Britt: Walter Benjamin & the Bible. Continuum, New York 1996.
  • Hanne und Hubert Eckart mit Lisa Fittko Meine Biographie liegt in der Weltgeschichte. Hörbuch (3CD).

Literatur[Bearbeiten]

  • Siglinde Bolbecher & Konstantin Kaiser (Hg.): Lisa Fittko; in: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien & München: Deuticke Verlagsgesellschaft, 2000; S. 198-199; ISBN 3-216-30548-1.
  • Hans Jörgen Gerlach: Der Engel der Geschichte. Zum Tod der Widerstandskämpferin Lisa Fittko; in: Zwischenwelt (Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstands), 22. Jg., Nr. 1/2. Wien: August 2005, S. 7-9, ISSN 1606-4321
  • Stiftung Jüdisches Museum Berlin & Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hg.): Heimat und Exil. Emigration der deutschen Juden nach 1933. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin. Frankfurt/M.: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2006. ISBN 3-633-54222-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ursula Krechel: Landgericht. 2012.

Weblinks[Bearbeiten]