| Bezeichnung |
Beschreibung oder deutsche Bezeichnung |
Beispiele |
| Accumulatio (auch Akkumulation) |
Anhäufung thematisch zusammengehörender Wörter unter einem genannten oder nicht genannten Oberbegriff (siehe auch Hendiadyoin, Pleonasmus, Tautologie) |
„Feld, Wald und Wiesen“; „Sonne, Mond und Sterne“ |
| Adynaton |
Betonung durch Vergleich mit Unmöglichem |
„Eher geht die Welt unter, als dass …“ |
| Allegorie |
Verbildlichung, ausgeführte Metapher; eine Allegorie ist im Allgemeinen ein Gleichnis. Häufig wird hierbei eine abstrakte Idee durch etwas Gegenständliches ausgedrückt. |
„Auf dem Theater der Welt sind alle Menschen Spieler: mancher bekommt die Rolle eines Königs, mancher die eines Bettlers …“ |
| Alliteration |
Zwei oder mehrere unmittelbar aufeinander folgende Wörter besitzen den gleichen Anfangslaut. |
„Kind und Kegel“; „Milch macht müde Männer munter“; „Mensch Meier“; „Veni vidi vici“ (Cäsar); „Chor der Kinder“; „O Tite, tute, Tati, tibi tanta, tyranne, tulisti!“ (Ennius) |
| Allusion |
Anspielung |
„Sie wissen, was ich meine.“ |
| Alogismus |
drückt einen unlogischen Sachverhalt aus oder stellt eine Überlegung dar, die sich selbst oder der Logik widerspricht |
„Sind nackte Frauen intelligent?“; „Nachts ist es kälter als Draußen.“ |
| Anadiplose |
Sonderfall der Repetitio, Wiederholung eines (satz-) versschließenden Wortes am Beginn des nächsten Satzes/Verses (Schema: ... x / x ...) (siehe auch Anapher, Epipher, Geminatio, Kyklos, Symploke) |
„Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen, Wind und Wellen spielen nicht mit seinem Herzen.“ (Johann Wolfgang von Goethe) |
| Anakoluth |
Satzbruch; eine plötzliche Änderung in der grammatischen Konstruktion, dem Aufbau eines Satzes. |
„Korf erfindet eine Mittagszeitung, welche, wenn man sie gelesen hat, ist man satt.“ (Christian Morgenstern) |
| Anapher |
Sonderfall der Repetitio, Wiederholung am Satz-/Versanfang, häufig auch mit Parallelismus; (Schema: x ... / x ...); häufig z. B. bei politischen Reden (siehe auch Anadiplose, Epipher, Geminatio, Kyklos, Symploke) |
„Ich fordere Moral. Ich fordere Verständnis.“ |
| Anastrophe |
Vertauschung zweier zusammengehörender Wörter (siehe auch Inversion) |
„der Verstellung schwere Kunst“ anstelle von „die schwere Kunst der Verstellung“ |
Anthropomorphismus
(auch Personifikation) |
Zusprechen menschlicher Eigenschaften auf unbelebte Gegenstände (siehe auch: Verdinglichung) |
„Die Frau schüttet den Tee aus der Kannennase“ |
Antizipation
(auch Prolepse) |
eine Vorausschau bzw. einen Zeitsprung in die Zukunft oder durch den Text geweckte Lesererwartungen (siehe auch: Vorausdeutung) |
„Wohlan, nun walte Gott, [sagte Hildebrand], Unheil geschieht:“ (Hildebrandslied) |
| Antiklimax |
Abfallende Steigerung, Gegenteil zur Klimax |
„Urahne, Großmutter, Mutter und Kind“ (Gustav Schwab: Das Gewitter) |
| Antilabe |
Text einer (vom Rhythmus her zusammengehörenden) Zeile wird auf mehrere Sprecher verteilt |
„DER HERR: Kennst du den Faust? / MEPHISTOPHELES: Den Doktor? / DER HERR: Meinen Knecht!“ (Faust I) |
| Antiphrasis (auch Antiphrase) |
Es soll das Gegenteil des eigentlich Gesagten ausgedrückt werden; kann sich auf ein einzelnes Wort, einen Satz oder eine Passage beziehen; eine der häufigsten Formen der Ironie |
„Hast du heute wieder gute Laune!“ |
| Antithese |
Polarität (gedanklicher Gegensatz) (siehe auch Antitheton) |
„Er konnte alles, aber er konnte dies nicht.“; „Sein Blut ist heiß, sein Blut ist kalt.“; „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein. (Andreas Gryphius)“ |
| Antitheton |
Gegenüberstellung zweier entgegengesetzter Gedanken (kein Widerspruch) (siehe auch Antithese) |
„Das wird Schaden, nicht Nutzen bringen.“ |
| Antonomasie |
Sonderfall der Synekdoche, Eigenname als Gattungsbegriff (oder umgekehrt) |
„Herkules“ als Bezeichnung für einen starken Menschen; „Kritikerpapst“ für Marcel Reich-Ranicki |
| Apokoinu |
Ein Teil (Wort oder Satzteil) eines Satzes wird gleichmäßig auf zwei andere Teile bezogen. |
„Was sein Pfeil erreicht, das ist seine Beute, was da kreucht und fleucht.“ |
| Aposiopese |
Abbruch mitten im Satz |
„Seht mal, was ich …“ |
| Apostrophe |
Hinwendung zum Publikum oder zu einer anwesenden, abwesenden oder vorgestellten Person oder Sache |
„Alter Freund! Immer getreuer Schlaf, fliehst du mich?“ |
| Archaismus |
Veralteter sprachlicher Ausdruck |
„Wams“ für Jacke; „gülden“ für golden |
| Assonanz |
Vokalischer Halbreim |
„Ottos Mops trotzt.“ (Ernst Jandl); „Unterpfand - wunderbar“ |
| Asyndeton |
Unverbundene Reihung gleichwertiger Elemente; Bindungswörter und Konjunktionen werden weggelassen (siehe auch Polysyndeton) |
„Wasser, Feuer, Erde, Luft – ewig werden sie bestehen.“ |
| Bezeichnung |
Beschreibung oder deutsche Bezeichnung |
Beispiele |
| Bathos |
Gegenüberstellung eines höheren Wertes mit einem niedrigeren |
„Die Explosion zerstörte alle Häuser auf der anderen Straßenseite und meinen Briefkasten.“ |
| Brachylogie |
Auslassung von Satzgliedern (siehe auch Ellipse, Zeugma) |
„Das Gras verdorrt in der Sonne, das Hähnchen im Grill.“ |
| Brevitas |
Auffällig knappe Ausdrucksweise, oft durch Ellipsen unterstützt |
„Wenn du mal gesellig im Wirtshaus gezecht hast, dich mit Freunden vergnügt hast und dich des Lebens gefreut hast, kommst du nichts ahnend nach Hause und staunst nicht schlecht: Auto weg, Frau weg, Geld weg.“ |
| Buchstabendreher (Wortsilbentausch) |
Meist Vertauschung der anlautenden Konsonanten, seltener der Vokale, zweier zusammengehöriger Wörter, so dass sich ein neuer, meist alberner Sinn oder Klang ergibt, Sonderfall: Schüttelreim (siehe auch Paronomasie, Polysemie, Wortspiel) |
„Hauptpreis sind ein Paar kopflose Schnurhörer“ (schnurlose Kopfhörer); „Wechstaben verbuchseln“ (Buchstaben verwechseln) |
| Bezeichnung |
Beschreibung oder deutsche Bezeichnung |
Beispiele |
| Chiasmus |
symmetrische Überkreuzstellung von syntaktisch oder semantisch entsprechenden Satzteilen (siehe auch Epanodos, Parallelismus) |
„Ich bin groß, klein bist du.“; „Wie viel schneller man die Welt mit einem Könige versorge, als Könige mit einer Welt.“; „Er liebt Rosen, Nelken mag er nicht.“ |
| Chiffre |
Zeichen, dessen Inhalt rätselhaft und letztlich nicht (oder nur vom Autor im Gesamtzusammenhang) zu erfassen ist |
„Stadt“ als Chiffre der Hoffnungslosigkeit in der expressionistischen Lyrik |
| Chrie |
Spruchweisheit, Merkspruch, ethische Maxime |
„Den Freunden Gutes tun, den Feinden Böses tun.“ |
| Conversio |
Wiederkehr eines Wortes am Satzende (siehe Epiphora) |
„Er hatte am Ende nur noch Schmerzen, nur Schmerzen.“ |
| Constructio ad sensum |
Eine syntaktische Konstruktion, die formal gegen die Regeln der grammatischen Kongruenz verstößt, aber sinngemäß korrekt ist. |
„Er liebte das Mädchen und wollte sie heiraten.“ (Formal richtig wäre: „… und wollte es heiraten.“), „Der ganze Haufen stürzte auf ihn zu. Sie warfen ihn in heißen Teer und federten ihn dann.“ (Formal richtig wäre: „Er warf ihn...“), „Mehr als ein Drittel der Beschäftigten legten die Arbeit nieder.“ (Formal richtig wäre: „legte...“) |
| Contradictio in adiecto |
Widerspruch in sich selbst; Spezialfall des Oxymoron, widersprüchliche Kombination von Adjektiv und Substantiv |
„fünfeckiger Kreis“; „geschliffener Rohdiamant“; „gerade Kurve“; „alter Jüngling“
„ehemalige Zukunft“ (aus dem Roman „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth)
|
| Correctio |
Verbesserung, Korrektur |
„Es war ein Erfolg – was sage ich – ein Triumph.“ |
| Bezeichnung |
Beschreibung oder deutsche Bezeichnung |
Beispiele |
| Ellipse |
Auslassung von Satzteilen (siehe auch Brachylogie, Zeugma) |
„Na und?“; „Wer? Ich!“; aber auch: „Ich kann dies, du nicht“ |
| Emphase |
Nachdrückliche Hervorhebung eines Wortes zur Gefühlsverstärkung |
„Menschen! Menschen! Falsche heuchlerische Krokodilsbrut!“ |
| Enallage |
Siehe Hypallage |
|
| Enjambement |
Fortführung eines Satzes über das Vers-/Zeilenende hinaus |
„Die Wellen schaukeln / Den lustigen Kahn“ (Heinrich Heine) |
| Enumeration |
Aufzählung |
„die grünen, die blauen, die roten und die gelben Bälle“ |
| Epanalepse |
Wiederholung eines Wortes / einer Wortgruppe am Satzanfang oder im Satz (siehe auch Repetitio) |
„Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an.“ (Johann Wolfgang von Goethe: Erlkönig) |
| Epanodos |
Sonderfall des Chiasmus, Wiederholung von Worten in umgekehrter Reihenfolge |
„Wer nicht kann, was er will, der wolle, was er kann.“ (Leonardo da Vinci) |
| Epipher |
Sonderfall der Repetitio, (lateinisch: conversio) Wiederholung am Satz-/Versende, (Schema: ... x / ... x) (siehe auch Anadiplose, Anapher, Geminatio, Kyklos, Symploke) |
„Ich fordere Moral, du lebst Moral.“ |
| Epiphrase |
Syntaktisch scheinbar beendeter Satz erhält Nachtrag zur Abrundung |
„Mein Retter seid ihr und mein Engel.“ |
| Epitheton (ornans) |
Stehendes Beiwort, das eigentlich nicht notwendig ist |
„der listenreiche Odysseus, die rosenfingrige Eos“ |
| Eponomasie |
Ersetzung eines Begriffs durch kennzeichnenden Eigennamen einer bekannten Exempelfigur |
„ein ungläubiger Thomas“ statt „Skeptiker“ |
| Etymologische Figur (figura etymologica) |
Verb verbunden mit einem stammverwandten Substantiv |
„einen Kampf kämpfen“; „eine Schlacht schlagen“; „in Ruhe ruhen“; „ein Spiel spielen“; |
| Euphemismus |
Beschönigende Umschreibung, Gegenteil: Dysphemismus |
„kräftig“ anstelle von „dick“; „das Zeitliche segnen“ anstelle von „sterben“; „Seniorenresidenz“ anstelle von „Altenheim“ |
| Exclamatio |
Ausruf |
„Stirb!“; „Hilfe!“; „Mörder!“; „Au!“ |
| Exemplum |
Beispiel; verdeutlicht einen konkreten Sachverhalt |
„Hierzu werfen wir einen Blick in unsere Geschichte. Die Zeit der Weimarer Republik zeigt beispielhaft auf, warum das Recht des Parlaments auf Selbstauflösung in unserem Grundgesetz nicht vorhanden ist.“ |
| Bezeichnung |
Beschreibung oder deutsche Bezeichnung |
Beispiele |
| Hendiadyoin |
Zwei Wörter mit gleicher oder sehr ähnlicher Bedeutung werden zur Verstärkung der Gesamtaussage verwandt. (siehe Tautologie) |
„Mord und Totschlag“ |
| Homoioteleuton |
Endungsgleichheit, (End-)Reim nahe aufeinanderfolgender Wörter |
„und verschlang die kleine fade Made ohne Gnade. Schade! …“ (Heinz Erhardt: Die Made) |
| Homoioarkton |
Anfangsgleichheit, Gegenstück zum Homoioteleuton (siehe Alliteration) |
„Billionen böse Buben beobachten Boris Becker beim Bechern.! …“
„Milch macht müde Männer munter.“ |
| Hypallage (auch Enallage) |
Zuordnung eines Attributs zum falschen Substantiv |
„das blaue Lächeln seiner Augen“; „Dunkel gingen sie durch die schweigende Nacht.“ (Vergil) |
| Hyperbaton (auch Sperrung, Sperrstellung) |
Einschub durch Umstellung; zwei Wörter, die syntaktisch (und inhaltlich) zusammengehören, stehen weit voneinander |
„‚Hier‘, rief er, ‚bin ich‘“; „Der Kragenbär / der holt sich / munter / einen nach / dem andern / runter.“ (Robert Gernhardt) |
| Hyperbel |
Starke Übertreibung (siehe auch Untertreibung) |
„todmüde“; „fuchsteufelswild“; „Schneckentempo“ |
| Hysteron-Proteron |
Nachholtechnik; Das logisch/zeitlich Nachfolgende wird an den Anfang gestellt (Sonderfall: Anachronismus) |
„Dein Mann ist tot und lässt dich grüßen!“ (Faust I: Mephisto an Marthe) |
| Bezeichnung |
Beschreibung oder deutsche Bezeichnung |
Beispiele |
| Kakophonie |
Als unangenehm oder unästhetisch empfundener Laut, Klang oder Wortfolge, Lautfolge, die schlecht auszusprechen ist |
„Rex Xerxes“ |
| Katachrese (1) |
Metapher / Metonymie als Ersatz für fehlendes Wort (vor allem bei technischen Neuerungen) |
„der Arm eines Flusses“; „der Arm eines Gerätes“ |
| Katachrese (2) |
Bildbruch, Bildmissbrauch, falsche Verbindung zweier Bilder |
„Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht.“; „Der Zahn der Zeit, der schon so viele Tränen getrocknet hat, wird auch Gras über diese Wunde wachsen lassen.“ |
| Klimax |
Stufenweise Steigerung von Wörtern, Gegenteil zur Antiklimax |
„Sie arbeiten zehn, zwölf, ja vierzehn Stunden täglich am Erfolg.“ |
| Konzetto |
Geistreich-witziges Gedanken- oder Wortspiel |
„in seiner Amtszeit hätte man rechtzeitig auf den Bush klopfen sollen“ |
| Konzinnität |
Klanglich-rhythmische Ebenmäßigkeit, syntaktische Eleganz (siehe auch Inkonzinnität) |
|
| Kyklos |
Sonderfall der Repetitio, Wiederholung des Satz-/Versanfangs am Ende (Schema: x ... x) (siehe auch Anadiplose, Anapher, Epipher, Geminatio, Symploke) |
„Entbehren sollst du, sollst entbehren.“ (Johann Wolfgang von Goethe) |
| Bezeichnung |
Beschreibung oder deutsche Bezeichnung |
Beispiele |
| Paradoxon |
Scheinbare Widersprüchlichkeit oder Formulierung einer Idee, die der üblichen Meinung widerspricht |
„Der Entwurf ist teuflisch, aber wahrlich – göttlich“ (zugleich Antithese); „Die Verbrechen bringen unermessliche Wohltaten hervor und die größten Tugenden entwickeln unheilvolle Konsequenzen.“ (Paul Valéry), „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ (Sokrates) |
| Paralipse (auch Praeteritio/Praeterition) |
Vorgebliche Auslassung; der Autor täuscht vor, etwas auszulassen, auf das er in Wirklichkeit fest besteht |
„Ganz zu schweigen davon, dass Caesar auch in Gallien …“; „Ich werde Ihnen nicht die Schande bereiten, Sie daran zu erinnern, dass …“ |
| Parallelismus |
Paralleler Aufbau von (Teil-)Sätzen |
„Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.“ (Emil Zátopek) |
| Paraphrase |
Erklärende Umschreibung (als Zusatz) (siehe auch Periphrase) |
„Fische, die stummen Meeresbewohner“ |
| Parataxe |
Nebeneinanderstellen gleichwertiger Hauptsätze bzw. beigeordneter Nebensätze (siehe auch Hypotaxe) |
„Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen!“ (Luther) |
| Parenthese |
Einschub |
„Das ist – wie gesagt – unwichtig.“ |
| Paronomasie (auch Annominatio) |
Sonderfall eines Wortspiels, Verbindung zweier von der Bedeutung her unterschiedlicher, aber ähnlich klingender Begriffe (siehe auch Buchstabendreher, Polysemie, Schüttelreim) |
„Wer rastet, der rostet.“; „Lieber arm dran als Arm ab.“ |
| Pars pro toto |
Sonderfall der Synekdoche: Etwas wird durch einen Teil benannt (siehe auch totum pro parte). |
„pro Kopf“ für „pro Person“; „Ein Dach über dem Kopf haben“ |
| Pejoration |
Eine Bedeutungsverschlechterung, die ein Wort oder einen Begriff bewusst negativer erscheinen lässt. Sie ist das Gegenteil des Euphemismus, (siehe auch Dysphemismus). |
„Ungeziefer“ statt „Insekten“; „sich zusammenrotten“ statt „sich versammeln“ |
| Periphrase |
Umschreibung eines Begriffs durch Einzelmerkmale (siehe auch: Paraphrase) |
„der Vater des Wirtschaftswunders“, umschreibt Ludwig Erhard |
| Personifikation |
Siehe Anthropomorphismus: Zuweisung menschlicher Eigenschaften an Tiere, Gegenstände oder ähnliches |
„Die Sonne lacht“; „Stimme des Gewissens“; „Mutter Erde“; „Vater Staat“ |
| Pleonasmus |
Häufung sinngleicher, der Wortart nach verschiedener Wörter, wobei beide Worte schon die Bedeutung des Gesamtbegriffs beinhalten (siehe auch Accumulatio, Hendiadyoin, Tautologie) |
„weißer Schimmel“; „runde Kugel“; „alter Greis“ |
| Pointe |
Unerwartete Zuspitzung |
„Wenn einer, der mit Mühe kaum / Gekrochen ist auf einen Baum, / Schon meint, daß er ein Vogel wär, / So irrt sich der.“ (Wilhelm Busch, Der fliegende Frosch) |
| Polyptoton |
Wiederholung eines Wortes in verschiedenen Beugungsformen |
Lupus est homo homini. („Der Mensch ist des Menschen Wolf.“ Plautus, Asinaria) |
| Polysyndeton |
Mehrfach verbundene Reihung, häufige Bindewörter sind „und“ oder „oder“. (siehe auch Asyndeton) |
„Einigkeit und Recht und Freiheit“ (Hoffmann von Fallersleben, Lied der Deutschen) |
| Prokatalepsis |
Vorwegnahme (z. B. eines möglichen Einwandes) |
„Natürlich könnte man hier einwenden, dass …“ |
| Bezeichnung |
Beschreibung oder deutsche Bezeichnung |
Beispiele |
| Sarkasmus |
Beißender, bitterer und verletzender Spott und Hohn, auch boshafte, manchmal bittere Art der Ironie als Reaktion auf einen Angriff (siehe auch Zynismus) |
Der Geschlagene ruft, anstelle zu weinen: „Natürlich! Gleich noch mal!“ |
| Scheindefinition |
Gibt vor etwas zu erklären, ist aber nur die Meinung des Sprechers |
„Purex ist Geschmack.“ |
| Sentenz |
Knapper, treffend formulierter Sinnspruch, der einen Satz zusammenfasst und zu allgemeiner Bedeutung erhebt |
„Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“ (Friedrich Schiller: Wilhelm Tell) |
| Sermocinatio |
Einführung einer lebenden, verstorbenen oder erdichteten Person mittels einer Rede in der 1. Person. Die Sprache wird dieser Person angepasst |
Und so schliesse ich dann dieses Kapitel mit einem Ausspruch, der die Tante Jolesch nicht nur in sprachlicher Hinsicht auf dem Höhepunkt ihrer Formulierungskraft zeigt: „Was ein Mann schöner ist als ein Aff’, ist ein Luxus.“ Friedrich Torberg: Die Tante Jolesch |
| Solözismus |
Grober sprachlicher Fehler, besonders in der syntaktischen Verbindung der Wörter |
„Wo du wolle?“; auch bewusst in der Werbung eingesetzt: „Hier werden Sie geholfen.“ |
| Stabreim |
Siehe Alliteration |
|
| Stichomythie |
Schnelle Wechselrede, Schlagabtausch mit wenigen Worten, Rednerwechsel von Vers zu Vers |
Dialog zwischen Haimon und Kreon in Sophokles’ Antigone |
| Sustentio |
Überraschung |
„Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Verstellung.“ |
| Syllepse |
Ein nur einmal gesetztes Satzteil gehört mehreren Kola oder Wörtern in verschiedenen grammatischen Formen oder verschiedenem Sinn an und muss in den ausgelassenen Fällen sinngemäß in modifizierter Form ergänzt werden |
„Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“ (Schiller); „Die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.“ (Psalm 34 (Luther)) |
| Symbol |
Bild, das auf eine abstrakte Vorstellung verweist |
weiße Taube für den Frieden; rotes Herz für die Liebe |
| Symploke |
Verbindung von Anapher und Epipher (siehe auch Anadiplose, Geminatio, Kyklos) |
„Was ist der Toren höchstes Gut? Geld! Was verlockt selbst die Weisen? Geld!“ |
| Synästhesie |
Verbindung verschiedener Sinneseindrücke |
„Das nasse Gras klang wie ein Liebeslied“; „Süßer die Glocken nie klingen“ |
| Synekdoche |
Ersetzung durch numerisch verwandten Begriff: Teil/Ganzes, Gattung/Art, Singular/Plural, Früheres/Späteres (siehe auch Antonomasie, Metapher, Metonymie, Pars pro toto, Periphrase, Totum pro parte) |
„Dach“ für Haus; „Kopf“ für Mensch; „der Deutsche“ für viele Deutsche |
| Bezeichnung |
Beschreibung oder deutsche Bezeichnung |
Beispiele |
| Tautologie |
Häufung, Wiederholung des Gesagten mit sinnverwandtem Wort, wobei bereits beide Wörter die Bedeutung des Gesamtausdrucks beinhalten; beide Wörter gehören hierbei derselben Wortart an (siehe auch Accumulatio, Hendiadyoin, Pleonasmus) |
„hegen und pflegen“; „immer und ewig“; „Angst und Bange“; „Not und Elend“; „List und Tücke“ |
| Tetrakolon |
Viergliedriger Ausdruck, bei dem alle vier Teile semantisch gleich aufgebaut sind und zueinander parallel und/oder chiastisch stehen (siehe auch Dikolon, Trikolon) |
„dare, donare, dicare, consecrare“ (Cicero) („ihm geben, ihm schenken, ihm widmen, ihm darbringen“) |
| Totum pro parte |
Sonderfall der Synekdoche. Etwas wird durch den Oberbegriff seines Bedeutungsfeldes ausgedrückt (siehe auch Metonymie, Pars pro toto) |
„Wald“ für „Baum“; „Deutschland gewinnt“ statt „der deutsche Sportler gewinnt“ |
| Trikolon (auch Dreierfigur) |
Dreigliedriger Ausdruck, bei dem alle drei Teile semantisch gleich aufgebaut sind und zueinander parallel und/oder chiastisch stehen (siehe auch Dikolon, Tetrakolon) |
„Veni, vidi, vici“; „quadratisch, praktisch, gut“ |
| Tricolon in membris crescentibus |
Dreigliedriger Ausdruck in Verbindung mit einer inhaltlichen oder syntaktischen Steigerung (Klimax) |
„Ich achte, liebe, vergöttere dich“ |