Liste von Erdbeben in Deutschland

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Die Erdbebenzonen in Deutschland

Diese Liste von Erdbeben in Deutschland führt Erdbeben auf, die sich im Gebiet des heutigen Deutschland ereignet haben oder deren Auswirkungen Deutschland betrafen. In die Liste aufgenommen werden Erdbeben ab Magnitude 4,5 / Intensität VII oder bei besonderem überregionalem Interesse.

Inhaltsverzeichnis

Überblick [Bearbeiten]

Deutschland selbst liegt mitten auf der Eurasischen Kontinentalplatte. Die nächste Plattengrenze, in deren Nähe die meisten der Erdbeben entstehen, ist relativ weit entfernt. Somit haben die Beben in Deutschland eine relativ geringe Stärke,[1] und stellen im internationalen Vergleich nur kleine Ereignisse dar. Dennoch betreffen sie die Einwohner der Erdbebenzonen Deutschlands (siehe Karte), und können schwere Schäden sowie Tote und Verletzte nach sich ziehen.

Zentren der Erdbebenhäufigkeit in Deutschland liegen im Erdbebengebiet Kölner Bucht, südlich von Tübingen in der Schwäbischen Alb bei Albstadt und im südlichen Rheingraben sowie in der Umgebung von Gera.

Erdbebenaufzeichnung [Bearbeiten]

Bis etwa 1930 wurde die Stärke von Erdbeben ausschließlich mit Hilfe makroseismischer Skalen beschrieben, die Erdbeben anhand ihrer sichtbaren Auswirkungen einteilen, also ihre Intensität bewerten. Bekanntestes Beispiel einer solchen Intensitätsskala ist die Mercalliskala. Bei historischen Erdbeben sind oft Aufzeichnungen von Opferzahlen und Beschreibungen von Erdbebenschäden bekannt, aus denen sich die Intensität ungefähr bestimmen lässt. Die Schäden hängen sehr von den örtlichen Gegebenheiten ab, je nach Untergrund, Bauweise von Gebäuden und anderen Einflüssen können die Auswirkungen sich auf engstem Raum stark unterscheiden. Die objektive Stärke eines Erdbebens, als die von ihm freigesetzte Energie, konnte erst nach der Entwicklung von Seismometern und weiterer Forschung aus den aufgezeichneten Seismogrammen berechnet werden.

Seit etwa 1896 liegen für alle Erdbeben der Magnitude ≥ 7,0 Seismogramme vor. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Erdbeben in nationalen und internationalen Katalogen erfasst und veröffentlicht. Die systematische Erfassung aller Beben durch instrumentelle Messung wurde in Europa je nach Land erst zwischen 1950 und 1970 begonnen.[2]

Eine Umrechnung von Intensitäten in Magnituden ist mit erfahrungsbasierten Formeln möglich, jedoch nur unter meist größeren Unsicherheiten. Damit ist der direkte Vergleich von instrumentell aufgezeichneten und historischen Erdbeben nur beschränkt möglich.

Liste [Bearbeiten]

Legende:

T = Tiefe des Erdbebenherdes in km
M = Magnitude
I = Intensität
Q = Quelle der Informationen

Datum Epizentrum Beschreibung T M I Q
 1073 Dänemark Erdbeben im südlichen Dänemark (Das Territorium Herzogtum Schleswig umfasste im Wesentlichen das heutige Nordschleswig (Dänemark) und Südschleswig (Deutschland)). [3][4]
18. Oktober 1356 Basel Bei dem Basler Erdbeben 1356 in der Schweiz direkt an der deutschen Grenze kamen nach historischen Angaben zwischen 100 und 3000 Menschen ums Leben. 6,2 – 6,9 XI – X [5][6][7][8]
15. September 1590 südlich von Neulengbach (Österreich) Das Erdbeben von Neulengbach in Niederösterreich war auch in Sachsen spürbar. Im schlesischen Frankenstein (heute Ząbkowice Śląskie), knapp 300 km vom Epizentrum des Bebens entfernt, neigte sich ein Kirchturm, heute bekannt als Schiefer Turm von Frankenstein. 6,0 IX [9][10][11]
14. Februar 1648 Holsteinische Elbmarschen/Uetersen Die Naturkatastrophe von Holstein war eine für diese Breiten ungewöhnliche Katastrophe: Es gab ein Erdbeben mit Feuersbrünsten und gleichzeitig einen Orkan mit der Fastelabendsflut. Zwischen Hamburg und Glückstadt wurden viele Gebäude verwüstet, elf Kirchtürme wurden umgeweht bzw. stürzten ein. Dabei kamen viele Menschen ums Leben. Lakonische Notiz aus der Haseldorfer Marsch: „Ein trefflicher Sturmwind” Chronist Camerer: „Der Sturm, welcher in dieser Gegend um diese Zeit gewüthet, soll viel von einem Erdbeben gehabt haben.“ [12] [13]
18. Februar 1756 Düren Bei dem Erdbeben bei Düren 1756 kamen zwei Menschen ums Leben. Der Turm der Aachener Augustinerkirche geriet in Schräglage und musste später abgerissen werden. In Aachen brachen mehrere Häuser zusammen, 300 Schornsteine stürzten herab. Eine Kaserne in Jülich wurde zerstört, Spalten taten sich in der Stadtmauer von Düren und in den Wänden von Burg Nideggen und des Klosters Wenau auf. Ein Turm der Stadtmauer von Bad Münstereifel stürzte ein. 14 – 16 6,4 VIII [14]
29. Juli 1846 1 Kilometer westlich von St. Goar Erdbeben um 21:24 Uhr Ortszeit. Beschädigte Gebäude 11 VII [15][16]
26. August 1878 Tollhausen Das Erdbeben von Tollhausen forderte ein Todesopfer und verursachte Giebeleinstürze, Mauerrisse und Kaminschäden. 8 5,9 VIII [17][18][19]
16. November 1911 Albstadt-Ebingen Das Beben geschah um 22:26 Uhr und richtete erhebliche Sachschäden in Süddeutschland an. 6.250 Gebäude waren betroffen, die Schadenssumme betrug etwa 750.000 Reichsmark. Das Beben von sieben Sekunden Dauer war von Braunschweig bis in die Toskana spürbar. In Konstanz stürzte die Spitze des Münsterturms ebenso herab wie Statuen auf dem Reichspostgebäude. 10 6,1 VIII [20][21]
28. Mai 1943 Raum Albstadt (Tailfingen-Onstmettingen-Pfeffingen) 9 5,6 VIII
14. März 1951 Euskirchen 9 5,2 VII–VIII [14][22]
3. September 1978 Tailfingen Unter anderem schwere Beschädigungen an der Burg Hohenzollern. 6 5,7 VII–VIII [23]
13. März 1989 Völkershausen (DDR) Der Gebirgsschlag Völkershausen forderte sechs Verletzte; fast 80 % der Ortsbebauung wurden beschädigt, was einen großflächigen Abriss (u. a. sämtlicher historischer Gebäude) zur Folge hatte. Bergbaubedingtes Beben. 1 5,6 VIII–IX
13. April 1992 nahe Roermond (Niederlande) Beim Erdbeben von Roermond 1992 wackelten die Häuser, Schornsteine und Dachziegel fielen herab, Bäume stürzten um. Mehr als 30 Personen wurden verletzt, die Sachschäden wurden auf deutscher Seite auf etwa 150 Millionen D-Mark beziffert. 18 5,9 VII [1][24]
11. September 1996 Teutschenthal nahe Halle-Neustadt keine Verletzten, bergbaubedingtes Beben 1 5,6 VI–VII [25]
22. Juli 2002 Zwischen Alsdorf und Übach-Palenberg keine Verletzten, Schäden am Mosaik der Herz-Jesu-Kirche (Aachen) 10 4,8 [26]
22. Februar 2003 Vogesen 12 5,4 VII–VIII [27]
22. März 2003 Zollernalbkreis Scheiben zu Bruch gegangen, Ziegel von Dächern gefallen 4,2–4,5 [27]
20. Oktober 2004 Neuenkirchen (Lüneburger Heide) Keine Verletzten, keine sonstigen Schäden. Recht langes Beben (ca. 30 Sekunden) 4,5 4,5 [28]
5. Dezember 2004 Waldkirch im Breisgau Geringe oberflächliche Schäden 12 5,2 [29]
23. Februar 2008 Saarwellingen Stromausfälle und Gebäudeschäden, bergbaubedingtes Beben 4,0–4,5 [29][30]
5. Mai 2009 Südlicher Schwarzwald nordöstlich von Lörrach Schwingungen waren in Baden-Württemberg, dem Elsass und der angrenzenden Schweiz zu spüren 4,5 [29][31]
14. Februar 2011 etwas nördlich von Nassau Vereinzelt Risse in Hauswänden, teilweise Flucht aus Häusern. (siehe auch Artikel in Wikinews) 12 4,0 [29][32]
8. September 2011 bei Goch 4,6 [29][33]
11. Februar 2012 bei Zug Erschütterungen in grenznahen Städten Lörrach, Konstanz und Waldshut-Tiengen 19 4,0 [29][34]

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b http://www.planet-wissen.de/natur_technik/naturgewalten/erdbeben/wissensfrage.jsp
  2. Götz 1975, S. 31
  3. Cristian Kuß:Jahrbuch denkwürdiger Naturereignisse in den Herzogthümern Schleswig und Holstein vom elften bis zum siebzehnten Jahrhundert (Seite 1)
  4. Christian Kuß:Jahrbuch denkwürdiger Naturereignisse in den Herzogthümern Schleswig und Holstein vom elften bis zum siebzehnten Jahrhundert (Seite 2)
  5. http://www.altbasel.ch/dossier/erdbeben.html
  6. http://www.burgenlexikon.eu/513.html
  7. http://www.ngdc.noaa.gov/nndc/struts/results?eq_0=551&t=101650&s=13&d=22,26,13,12&nd=display
  8. http://www.earthquake.ethz.ch/research/Swiss_Hazard/downloads/Hazard_report_2004.pdf
  9. http://www.noezsv.at/noe/pages/startseite/zivilschutz-themen-a---z/erdbeben/erdbeben-in-oesterreich.php
  10. http://www.zamg.ac.at/HistSeism/1590.html
  11. http://www.frankenstein-schlesien.de/geschichte.html
  12. Johann Friedrich Camerer: Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern (Flensburg und Leipzig 1758-1762)
  13. Johann Rist: Holstein vergiß eß nicht. [Beschreibung des Erdbebens in Holstein] Hamburg, 1648 [1]
  14. a b http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=wett&itemid=10203&detailid=48057
  15. Rheinland-Pfälzische Bibliographie
  16. http://idw-online.de/pages/de/news3455
  17. http://www.geowiss.uni-hamburg.de/i-geogr/staff/grimmel/atomweb/atomkr.htm#anchor1155009
  18. http://www.welt.de/wissenschaft/article12564774/Wo-die-Erde-in-Deutschland-am-staerksten-bebt.html
  19. http://www.bild.de/BILD/news/2011/02/15/erdbeben-deutschland/region-karte-erde-bebt.html
  20. http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/ueberlingen/Erdbeben-Als-vor-100-Jahren-die-Uhren-stehen-blieben;art372495,5225209
  21. http://www.aktuelles.uni-konstanz.de/presseinformationen/2011/134/?print=1
  22. http://www.springerlink.com/content/p804mp1m34765433/
  23. http://www.lgrb.uni-freiburg.de/lgrb/aktuell/presse/pressemitteilung_020908
  24. http://www.gd.nrw.de/zip/l_yroer.pdf
  25. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8649280.html
  26. http://www.im.nrw.de/pe/pm2001/pm2001/news_807.htm
  27. a b http://www.saevert.de/2quakenews2003.htm
  28. http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Erdbeben-Gefaehrdungsanalysen/Seismologie/Seismologie/Erdbebenauswertung/Besondere_Erdbeben/Ausgewaehlte_Erdbeben/rotenburg.html
  29. a b c d e f http://geofon.gfz-potsdam.de/db/eqinfo.php?datemin=&datemax=&latmin=47.14&latmax=55.04&lonmin=5.51&lonmax=15.04&magmin=4&fmt=html&nmax=100
  30. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,537345,00.html
  31. http://www.stern.de/wissen/natur/erdbeben-in-baden-wuerttemberg-wo-europa-auseinander-bricht-662946.html
  32. http://geofon.gfz-potsdam.de/db/event.php?id=gfz2011ddhy
  33. http://geofon.gfz-potsdam.de/db/event.php?id=gfz2011rqfm
  34. http://geofon.gfz-potsdam.de/eqinfo/event.php?id=gfz2012cyqr