Literaturtourismus

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Ein Ziel des Literaturtourismus': Das ehemalige Ferienhaus von Thomas Mann in Nida, Litauen
Hemingways Finca auf Kuba
Graham Greenes Grab im Schweizer Corseaux

Literaturtourismus oder Literarischer Tourismus ist eine Form des Bildungs- oder Kulturtourismus, bei der die Studienreisenden oder Ausflügler den Spuren bedeutender Schriftsteller folgen. Mitunter wird Literaturtourismus auch als „Literatourismus“ bezeichnet. Dieses Kofferwort ist eine Verschmelzung der Wörter „Literatur“ und „Tourismus“.

Zielorte[Bearbeiten]

Beim Literaturtourismus suchen Touristen („Literatouristen“) Orte und Stätten auf, die mit dem Leben und Werk eines Schriftstellers oder einer Schriftsteller-Gruppe in Verbindung stehen. Bei den Örtlichkeiten handelt es sich meist um

  • Geburts-, Wohn-, Ferien- oder Sterbehäuser von Schriftstellern,
  • Schulen und andere Ausbildungsstätten, die von Schriftstellern besucht wurden,
  • Reise- und Wanderrouten von Schriftstellern,
  • reale Schauplätze von Begebenheiten in den Werken der Schriftsteller [1],
  • Stellen, die Schriftsteller nachweislich oder mutmaßlich zu fiktiven Örtlichkeiten in ihren Werken angeregt haben [2], oder
  • Räumlichkeiten, in denen sich eine literarische Gruppe gegründet, getroffen oder aufgelöst hat [3].

In den genannten Gebäuden oder deren Umgebung sind oft Erinnerungsstätten (z.B. Literaturmuseen, literarische Gedenkzimmer) eingerichtet, die als Anlaufpunkte des Literaturtourismus dienen (z.B. Goethehäuser, Schillerhäuser).

Eine wichtige Rolle als Orientierungspunkte im Literaturtourismus spielen Gedenktafeln an Gebäuden, in denen Schriftsteller gelebt oder gewirkt haben. [4]

Motive und Auswirkungen[Bearbeiten]

Touristen suchen solche Örtlichkeiten auf, um durch persönliche Anschauung eine bessere Vorstellung vom Leben eines Schriftstellers bzw. ein tieferes Verständnis für dessen Werk zu gewinnen. Mitunter löst der Besuch einer solchen Stätte bei der Vorbereitung oder in der Folgezeit eine vermehrte Lektüre von Werken bzw. eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Leben und Schaffen des Schriftstellers aus.

Besondere Erscheinungsformen[Bearbeiten]

In Orten oder Gegenden, die eine Häufung literaturgeschichtlich bedeutsamer Stätten aufweisen [5], arbeiten Tourismusorganisationen oft „literarische Spaziergänge“, „Dichter-Spaziergänge“ oder „literarische Wanderwege“ („Literatouren“) aus, die Interessenten zu diesen Stätten führen sollen (z.B. Goethe(wander)weg,, Schillerroute). Die Routenvorschläge haben die Aufgabe, interessierten Personen das literarische Erbe der Gegend näherzubringen und sie zu einem (evtl. erneuten) Besuch bzw. längeren Verbleib in der Gegend zu veranlassen.

Die größten literarischen Tourismusrouten Deutschlands sind die Deutsche Märchenstraße, der Rheinische Sagenweg, die Schwäbische Dichterstraße, die Siegfriedstraße und die Nibelungenstraße. Derzeit im Aufbau begriffen ist die Europäische Goethe-Straße.

Zur besseren Orientierung in literaturgeschichtlich bedeutsamen Gegenden sind im Buchhandel zahlreiche literarische Reiseführer erhältlich. Einige Tourismusbüros bieten auch „Literaten-Stadtpläne“ an.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Nicht zuletzt durch die Ausarbeitung der literarischen Spaziergänge, Wanderwege und Routen hat sich der Literaturtourismus zu einem eigenständigen Wirtschaftsfaktor und Motor des Tourismus entwickelt.

Die wichtigsten Träger, Förderer und Profiteure des Literaturtourismus sind:

Abgrenzung[Bearbeiten]

Für den Literaturtourismus eher unbedeutend sind Literaten- oder Dichterdenkmäler.

Nicht zum Literaturtourismus zählen Straßen, Plätze und Parks sowie öffentliche und wissenschaftliche Einrichtungen, die nach einem Schriftsteller nur deshalb benannt sind, um die Erinnerung an ihn in der Öffentlichkeit lebendig zu halten.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Beispiel: Die Strudlhofstiege in Wien, in deren Umkreis Heimito von Doderers Roman Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre (1951) spielt.
  2. Beispiel: Die einstige Bachmann-Mühle (heute: „Wilhelm-Busch-Mühle“) in Ebergötzen (Niedersachsen), die Wilhelm Busch als Vorbild für die Mühle im siebten Streich seiner Bildergeschichte Max und Moritz (1864) nahm.
  3. Beispiel: Das Haus am Bannwaldsee bei Schwangau (Landkreis Ostallgäu), in dem sich 1947 erstmals der Literaturzirkel „Gruppe 47“ zusammenfand.
  4. In manchen Fällen kennzeichnen die Tafeln nur noch die Stellen, an denen die mittlerweile zerstörten Gebäude gestanden haben.
  5. Solche Gegenden werden mitunter als „Literaturlandschaften“ oder „literarische Topographien“ bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Georg Bauner: Literarischer Führer Frankreich. Insel Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2002, ISBN 3-458-34498-5.
  • Daniel Hahn, Nicholas Robins (eds.): The Oxford Guide to literary Britain and Ireland. Oxford University Press, Oxford u.a. 2009, ISBN 978-0-19-861460-9.
  • Doris Maurer, Arnold E. Maurer: Literarischer Führer durch Italien. Insel Verlag, Frankfurt am Main u. a. 1988, ISBN 3-458-32771-1.
  • Fred Oberhauser: Literarischer Führer Deutschland. Insel Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-458-17415-8.
  • Wolfgang Straub: Literarischer Führer Österreich. Insel Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2007, ISBN 978-3-458-17357-1.

Weblinks[Bearbeiten]