Little Richard (Album)

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Little Richard
Studioalbum von Little Richard
Veröffentlichung 1958
Aufnahme Juni 1956 bis Oktober 1957
Label Specialty Records
Format LP
Genre Rock ’n’ Roll
Anzahl der Titel 12
Laufzeit xx min xx s

Besetzung

New Orleans:
(The Studio Band)

Los Angeles/Washington D.C.:
(The Upsetters)

Produktion Robert „Bumps“ Blackwell
Richard Penniman
Studio J&M Studio, New Orleans
Master Recorders, Los Angeles
Radiostudio, Washington D.C.
Chronologie
Here’s Little Richard
(1957)
Little Richard The Fabulous Little Richard
(1959)

Little Richard, auch Little Richard – Vol. 2, ist das zweite Album des Rock-’n’-Roll-Musikers Little Richard. Es erschien im Dezember 1958 bei Specialty Records, ein Jahr nachdem der Sänger seinen Vertrag zugunsten einer Priesterausbildung aufgelöst hatte. Die LP vereinigt Aufnahmen aus den Jahren 1956 und 1957, die alle zuvor bereits auf Single veröffentlicht waren.

Musikstil[Bearbeiten]

Little Richard präsentiert das neue musikalische Genre Rock ’n’ Roll in Reinform. Fiel die Spannung bei seinem Debütalbum Here’s Little Richard von 1957 noch zeitweise etwas ab, stellt sich die zweite Song-Zusammenstellung homogener und ohne Schwachpunkte dar. Selbst adaptierte Pop-Standards wie Baby Face und By the Light of the Silvery Moon wurden durch Little Richards energiereiche Performance und das kraftvolle Spiel seiner Begleitbands zu Rockern, so dass die von Mark Deming vermutete Strategie von Richards Management, mit einigen Stücken auch die Elterngeneration der jungen Rock-’n’-Roll-Fans anzusprechen, nicht aufgehen konnte.[1] Auch bei der im 12/8-Takt gehaltenen Ballade Send Me Some Lovin’ fällt laut Kritik zwar das Tempo ab, nicht aber der Groove. Ansonsten beinhaltet das Album mit Keep A Knockin’, Good Golly Miss Molly, Lucille und The Girl Can’t Help It schnelle Rock-’n’-Roll-Nummern im 4/4-Takt und mit akzentuiertem Backbeat auf Basis des 12-taktigen Bluesschemas. Bei letzterem Stück bildeten – für Little Richard ungewöhnlich – die Musiker der Band und des Aufnahmestabs einen Chor, der im Prinzip des Call and Response auf die Rufe des Interpreten antwortet. Mit dem Schlagzeugintro von Keep A Knockin’ führte Charles Connor den „Choo-Choo-Stil“ mit nur einem markanten Schlag auf dem ersten Viertel ein, was dem Stampfen eines Dampfzuges ähneln soll. Little Richards Folgealbum The Fabulous Little Richard verwertete in erster Linie Blues-Stücke, die für die ersten beiden Alben als zu schwach empfunden wurden, womit das Album den Höhepunkt des Schaffens des Rock ’n’ Rollers darstellt.[1]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Aufnahmen für Little Richard entstanden in mehreren Sessions zwischen Juni 1956 und Oktober 1957 in New Orleans, Los Angeles und Washington. Die genaue Zuordnung der Songs zu den Aufnahmesessions variiert bei verschiedenen Autoren. John Garodkin erarbeitete bis 1985 mit dem Little Richard Special eine umfassende Sessiongrafie und Diskografie,[2] die in Teilen als überholt gilt. In der offiziell autorisierten Biografie The Life and Times of Little Richard von Charles White aus dem Jahr 1984 bedankt sich der Autor für den Zugang zu den Archiven von Specialty Records sowie der Hilfe von Little Richard, dem Produzenten Bumps Blackwell und dem Songwriter John Marascalco, zeigt sich mit dem Endergebnis aber dennoch nicht zufrieden.[3] Ray Topping durfte für die Song-Übersicht der 6-CD-Box The Complete Specialty Sessions, die 1992 bei Ace Records erschien, erneut in den Archiven von Specialty Records recherchieren.[4]

Abgesehen davon, dass Garodkin die produktive Session vom 15./16. Oktober 1956 nach Los Angeles verlegt hat, sind sich die Autoren darüber einig, dass die renommierte Band des Toningenieurs Cosimo Matassa Little Richard bei Send Me Some Lovin’, Good Golly Miss Molly, Baby Face und I’ll Never Let You Go unterstützte. Am 30./31. Juli 1956 entstanden bereits Heeby-Jeebies und All Around the World mit der Studio Band in New Orleans. Während einer Tournee durch die Oststaaten nahm Richard am 16. Januar 1957 unter eigener Leitung mit seiner Live-Band The Upsetters in einer Radiostation von Washington D.C. Keep A Knockin’ auf, das der Toningenieur Abe Robyn im Master Recorders-Studio in Los Angeles für die Veröffentlichung nachbearbeite. Mögliche weitere Sessions fanden im Juni 1956 und am 9. Mai 1956 statt.

Folgende Tabelle stellt die drei Autoren gegenüber. Angegeben sind jeweils Datum, Ort (NO = New Orleans, LA = Los Angeles, WDC = Washington D.C.) und Begleitband.

Titel John Garodkin Charles White Ray Topping
Keep A Knockin’ 16. Januar 1957, WDC, The Upsetters
By the Light of the Silvery Moon Juni 1956, LA, The Studio Band 15./16. Oktober 1956, NO, The Studio Band
Send Me Some Lovin’ 15./16. Oktober 1956, LA, The Studio Band 15./16. Oktober 1956, NO, The Studio Band
I’ll Never Let You Go 15./16. Oktober 1956, LA, The Studio Band 18. Oktober 1957, LA, The Upsetters
Heeby-Jeebies 30./31. Juli 1956, NO, The Studio Band
All Around The World 30./31. Juli 1956, NO, The Studio Band
Good Golly Miss Molly 15./16. Oktober 1956, LA, The Studio Band 15./16. Oktober 1956, NO, The Studio Band
Baby Face 15./16. Oktober 1956, LA, The Studio Band 15./16. Oktober 1956, NO, The Studio Band
Hey-Hey-Hey-Hey 15./16. Oktober 1956, LA, The Studio Band 10. Februar, NO, The Studio Band 9. Mai 1956, NO, The Studio Band
Ooh! My Soul 16. Januar 1957, WDC, The Upsetters 18. Oktober 1957, LA, The Upsetters 16. Januar 1957, WDC, The Upsetters
The Girl Can't Help It 30./31. Juli 1956, NO, The Studio Band 15./16. Oktober 1956, NO, The Studio Band
Lucille 15./16. Oktober 1956, LA, The Studio Band 16. Januar 1957, WDC, The Upsetters 30./31. Juli 1956, NO, The Studio Band

Little Richard war nicht als Album konzipiert. Wie für das Vorgängeralbum suchte sich das A&R-Management von Specialty Records aus den Single-Veröffentlichungen des Künstlers geeignete Stücke aus und stellte diese als Album zusammen. Somit profitierte die Plattenfirma nach den Charterfolgen der Singles erneut durch das damals innovative Format der Long-Play-Ausgabe, gerade als sich die Aufnahmeabstinenz Little Richards nach seinem Entschluss zum Theologiestudium ein Jahr zuvor finanziell bemerkbar machte.

Titelliste[Bearbeiten]

Seite 1:

  1. Keep A Knockin’ (Richard Penniman) – 2:11
  2. By the Light of the Silvery Moon (Edward Madden) – 2:03
  3. Send Me Some Lovin’ (John Marascalco, Leo Price) – 2:16
  4. I’ll Never Let You Go (Richard Penniman) – 2:17
  5. Heeby-Jeebies (Maybelle Jackson, John Marascalco) – 2:12
  6. All Around the World (Bumps Blackwell, McKinley Millet) – 2:18

Seite 2:

  1. Good Golly, Miss Molly (Bumps Blackwell, John Marascalco) – 2:07
  2. Baby Face (Harry Akst, Benny Davis) – 2:11
  3. Hey-Hey-Hey-Hey (Richard Penniman) – 2:03
  4. Ooh! My Soul (Richard Penniman) – 1:50
  5. The Girl Can’t Help It (Bobby Troup) – 2:29
  6. Lucille (Albert Collins, Richard Penniman) – 2:21

Für Keep A Knockin’ ließ sich Little Richard als Autor registrieren. Das Lied ist aber ein Blues-Standard, der bereits 1928 von James Wiggins aufgenommen wurde und seitdem viele Male. All Around the World stammt aus der Feder von Li’l Millet, der Produzent Blackwell machte nach der Aufnahme mit Little Richard ebenfalls Songwriter-Credits geltend. Albert Collins ist als Komponist und Texter für Lucille registriert, Richard erlangte die Co-Autorenschaft durch sein Piano-Arrangement.

Veröffentlichungen und Charterfolge[Bearbeiten]

Die Lieder auf Little Richard erschienen zwischen Oktober 1956 und November 1958 auf Single und kamen bis auf Heeby-Jeebies und I’ll Never Let You Go alle in die amerikanischen oder britischen Charts. Allerdings schaffte dies Hey-Hey-Hey-Hey erst im Medley mit Kansas City, das auf dem nächsten Album erschien. Den Anfang der Veröffentlichungen machte Heeby-Jeebies zusammen mit She’s Got It auf Specialty 584, Richards vierten Single für das kalifornische Label. Die fünfte Single mit der Nummer 591 beinhaltet The Girl Can’t Help It (US R&B #7 / US Pop #49 / UK #9)[5][6] und All Around The World (#13 / – / –)[5][6], Lucille (#1 / #1 / #10)[5][6] und Send Me Some Lovin’ (#3 /#54 / –)[5][6] teilen sich Specialty 598. Keep A Knockin’ (#2 / #8 / #21)[5][6] war die erfolgreiche A-Seite von Specialty 611 vom September 1957. Mit Specialty 624 kamen wieder zwei Titel des Albums zusammen heraus: Good Golly Miss Molly (#4 / #10 / #8)[5][6] und Hey-Hey-Hey-Hey. Ooh! My Soul (#15 / #31 / #22)[5][6] ist die B-Seite von True Fine Mama auf Specialty 633, der zehnten Little-Richard-Single des Labels. Die elfte Single mit der Nummer 645 beinhaltete I’ll Never Let You Go und Baby Face (#12 / #41 / #2)[5][6]. By the Light of the Silvery Moon (– / – / #17)[5][6] machte schließlich als B-Seite von Wonderin’ auf Specialty 660 im November 1958 den Abschluss und chartete nur im Vereinigten Königreich.[2]

Die Platte selbst erschien auf Specialty LP-2103 unter dem Titel Little Richard im Dezember 1958 in den Vereinigten Staaten. In den wichtigen europäischen Märkten Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Italien übernahm der Lizenzpartner London Records die Veröffentlichung. Eine länderspezifische Ausgaben auf Specialty erfolgt in Japan erst 1974. Eine weitere holländische Ausgabe hieß auf Artone Records The Best of Little Richard. Die gleiche Songzusammenstellung wurde nochmals unter dem Titel Little Richard and His Band in Großbritannien, Australien und Südafrika vertrieben.[2] Das Album erreichte im Gegensatz zu den zugrundeliegenden Singles keine Chartplatzierung.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMark Deming: Little Richard [1958.] In: Allmusic. Abgerufen am 20. Oktober 2010 (englisch).
  2. a b c d  John Garodkin: Little Richard Special. 2. Auflage. Mjoelner Edition, Praestoe 1984, ISBN 87 87721 14 7, Specialty Records, S. 23-66.
  3.  Charles White: The Life and Times of Little Richard. The Authorised Biography. Omnibus Press, London, New York, Paris, Sydney, Copenhagen, Berlin, Madrid, Tokyo 2003 (1984), ISBN 0-7119-9761-6, Recording Sessions, S. 235–262.
  4.  Ray Topping: Little Richard. The Specialty Sessions. 6 CD Set. ACE Specialty, 1992 (Liner Notes).
  5. a b c d e f g h i Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatLittle Richard. Billboard Singles. In: All Music Guide. Abgerufen am 31. Mai 2008 (englisch, ursprünglich veröffentlicht im Billboard Magazin, von mehreren Autoren gepflegte Datenbank).
  6. a b c d e f g h i Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatUK Top 40 Hit Database. In: everyHit.com. Abgerufen am 31. Mai 2008 (englisch, von mehreren Autoren gepflegte Datenbank,„Little Richard“ als Sucheingabe unter „Name of Artist“).