Little Willie John

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Little Willie John (eigentlich William Edgar John; * 15. November 1937 in Cullendale, Arkansas; † 26. Mai 1968 in Walla Walla, Washington), war ein Rhythm & Blues-Sänger, der vor allem in den 1950er Jahren populär war und das Original vom vielgecoverten Klassiker Fever herausbrachte.

Werdegang[Bearbeiten]

Little Willie John ging mit dem Paul Williams Orchestra ab 1954 auf Tournee, hat jedoch bei Plattenaufnahmen nicht mitgewirkt[1]. Im Juni 1955 wurde er durch den Produzenten Henry Glover für King Records entdeckt, erhielt dort sofort einen Plattenvertrag und war bereits am 27. Juni 1955 im Tonstudio. Mit der hastig zusammengerufenen Studioband der Plattenfirma, die aus "Champion" Jack Dupree, Calvin Shields, Ivan Rolle, Mickey Baker und Willis Jackson bestand, begannen ab 20.00 Uhr die Studioaufnahmen zur Titus Turner-Komposition All around the World / Don't Leave Me Dear. Die Single mit dem erst 18-jährigen Little Willie John erklomm die # 5 der R& B-Charts. Wie sich herausstellte, war es kein One-Hit-Wonder, denn seine zweite Single mit dem oft gecoverten, mit seinem Bruder Mertis John gemeinsam komponierten Klassiker Need Your Love So Bad (wiederum mit dem berühmten Sessiongitarristen Mikey Baker) schaffte ebenfalls den fünften Platz. Selbst die B-Seite Home At last wurde eigenständig auf #6 notiert.

Fever[Bearbeiten]

Am 1. März 1956 war dann eine für Little Willie John und sein Label King Records denkwürdige Aufnahmesession angesetzt. Mit Fever entstand ein 12-taktiger Blues in Moll, instrumentiert mit den Tenorsaxophonen von Ray Felder und Rufus "Nose" Gore sowie der jazzigen Gitarre von Bill Jennings und Fingerschnippen, das nur marginal die bluesige Stimmung auflockerte.[2] Die Aufnahme brauchte fast 6 Stunden bis zur Perfektion. Der Komponist Otis Blackwell bemerkte hierzu, dass Little Willie John das Stück zunächst nicht aufnehmen wollte, da ihm das Fingerschnippen nicht gefiel. Der Song besaß jedoch ein solides, gospelähnlich wirkendes Arrangement[3], das nach seiner Veröffentlichung im April 1956 mit der einzigen # 1 R&B für den Interpreten Little Willie John belohnt wurde und als Crossover noch die #24 Pop erreichte. Später schaffte das Original auch Millionsellerstatus.[4] Fever avancierte nach der jazzigen Version von Peggy Lee zum meistgecoverten R&B-Song aller Zeiten.

Weitere Singles und Abstieg[Bearbeiten]

Es folgten 40 weitere Singles bis 1964 für King Records, von denen 13 in die R&B-Charts kamen. Fast alle wurden produziert von Henry Glover. Zunehmender Alkoholismus des Sängers und abnehmende Plattenumsätze veranlassten das Plattenlabel, Little Willie John im September 1963 zu feuern. Ungeachtet dessen wurden noch Singles von ihm aus den Archiven veröffentlicht.

Kurz darauf berichtete die Presse im August 1964 über Little Willie Johns Inhaftierung, weil er einen Mann im Black & Tan Club in Seattle mit einer zerbrochenen Flasche angegriffen hatte.[5] Kaum freigelassen, attackierte er am 17. Oktober 1964 betrunken einen Mann mit einem Messer. Als das Verfahren im Januar 1965 begann, wurde der Strafvorwurf des Mordes auf Totschlag reduziert. Von der Jury für schuldig gesprochen, wurde er am 6. Juli 1966 nach Ablauf der Berufung ins berüchtigte Walla Walla-Staatsgefängnis von Washington State eingeliefert, wo er eine 20-jährige Haftstrafe antreten musste. Dort verstarb er bereits am 26. Mai 1968 an einem Herzanfall, ausgelöst durch eine Lungenentzündung.

Seine Schwester Mable John hatte im Juli 1966 einen kleinen Hit mit Your Good Thing (Is About To End) (# 6 R&B/# 95 Pop). Am 19. Dezember 1968 veröffentlicht Label-Kollege James Brown das Erinnerungsalbum Thinking About Little Willie John and a Few Nice Things.

Statistik[Bearbeiten]

Little Willie John hat dem BMI zufolge 12 Songs komponiert[6], von denen Need Your Love So Bad am besten in den R&B-Charts platziert war. Dieser Song wurde nach Fever mit 16 Versionen am meisten gecovert, wobei die Version von der britischen R&B-orientierten Fleetwood Mac am authentischsten ist und posthum erschien (Juli 1968). Zwar nahmen die Beatles am 14. August 1964 sein “Leave My Kitten Alone” in London auf, doch die geplante Veröffentlichung auf der LP Beatles For Sale unterblieb. Erst auf Anthology 1 wurde im Jahre 1995 die Veröffentlichung nachgeholt.

Am 17. Januar 1996 wurde Little Willie John in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.[7]

Diskographie, Singles[Bearbeiten]

(in Klammern: Aufnahmedatum)

  • All Around the World / Don't Leave Me Dear (27. Juni 1955), King 4818
  • Need Your Love So Bad / Home At Last (20. September 1955), King 4841
  • Are You Ever Coming Back / I'm Stickin' With You Baby (1956), King 4893
  • Fever / Letter From My Darling (1. März 1956), King 4935
  • Do Something For Me / My Nerves (28. Juni 1956), King 4960
  • I've been around / Suffering With The Blues (21. September 1956), King 4989
  • Will The Sun Shine Tomorrow / A Little Bit Of Loving (Dezember 1956), King 5003
  • Love, Life And Money / You Got To Get Up Early In The Morning (Februar 1957), King 5023
  • I've Got To Go Cry / Look What You've Done To Me (Mai 1957), King 5045
  • Young Girl / If I Thought You Needed Me (August 1957), King 5066
  • Uh Uh Baby / Summer Date (Oktober 1957), King 5083
  • Person To Person / Until You Do (13. Juni 1957), King 5091
  • Talk To Me, Talk To Me / Spasms (4. Januar 1958), King 5108
  • Let's Rock While The Rockin's Good You're A Sweetheart (11. August 1958), King 5142
  • Tell It Like It Is / Don't Be Ashamed To Call My Name (Oktober 1958), King 5147
  • All My Love Belongs To You / Why Don't You Haul Off And Love Me (Dezember 1958), King 5154
  • No Regrets / I'll Carry Your Love Wherever I Go (Februar 1959), King 5170
  • Made For Me / Do More In Life (April 1959), King 5179
  • Leave My Kitten Alone (3. Juni 1959) / Let Nobody Love You (Juli 1959), King 5219
  • Let Them Talk / Right There (3. Juni 1959), King 5274
  • Loving Care / My Love Is (Februar 1960), King 5318
  • I'm Shakin' / Cottage For Sale (April 1960), King 5342
  • Heartbreak (It's Hurtin' Me) / Do You Love Me (Mai 1960), King 5356
  • Sleep / There's A Difference (August 1960), King 5394
  • Walk Slow (8. Juli 1960) / You Hurt Me (25. Oktober 1960), King 5428
  • Leave My Kitten Alone / I'll Never Go Back On My Word (Januar 1961), King 5452
  • I'm Sorry / The Very Thought Of You (März 1961), King 5458
  • (I've Got) Spring Fever / Flamingo (Mai 1961), King 5503
  • Take My Love (Iwant To Give It All To You) / Now You Know (Juli 1961), King 5516
  • Need Your Love So Bad / Drive Me Home (1961), King 5539
  • There Is Someone In This World For Me / Autumn Leaves (Dezember 1961), King 5577
  • Doll Face / Big Blue Diamonds (6. Juni 1962), King 5681
  • My Baby's In Love With Another Guy / Come On Sugar (6. Juni 1962), King 5744
  • She Thinks I Still Care / Come Back To Me (6. Juni 1962), King 5667
  • Doll Face / Big Blue Diamonds (Oktober 1962), King 5681
  • Without A Friend / Half A Love (Dezember 1962), King 5694
  • Don't Play With Love / Heaven All Around Me (Februar 1963), King 5717
  • My Baby's In Love With Another Guy / Come On Sugar (April 1963), King 5744
  • Let Them Talk / Talk To Me (1963), King 5799
  • So Lovely / Inside Information (1963), King 5818
  • Person To Person / I'm Shakin' (1963), King 5823
  • Bill Bailey / My Love Will Never Change (1964), King 5850
  • Rock Love / It Only Hurts For A Little While (1964), King 5870
  • Do Something For Me / Don't You Know I'm In Love (1964), King 5949
  • Talk To Me / Take My Love (1965), King 6003
  • Fever / Let Them Talk (1968), King 6170
  • All Around The World / Need Your Love So Bad (1970), King 6302

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. die Behauptung, er habe insbesondere bei der Aufnahme zu Ring A Ling / Don't Teach Me für George Goldners Rama Records (# 167) Anfang des Jahres 1955 mitgewirkt, wird durch die Besetzungslisten widerlegt.
  2. außerdem dabei: Jan Thomas (Piano), Edwyn Conley (Bass) und Edison Gore (Schlagzeug)
  3. Arnold Shaw, Honkers And Shouters: The Golden Years Of Rhythm And Blues, 1978, S. 287
  4. durch die Weigerung von King Records, der Recording Industry Association of America (RIAA) beizutreten, wurden Verkaufszahlen von King Records-Platten zunächst nicht publik; vgl. Rick Kennedy und Randy McNutt, Little Labels - Big Sound, 1999, S. 59
  5. Cassandra Waggoner: Black and Tan Club 1922-1966
  6. BMI-Eintrag für Little Willie John
  7. Rock and Roll Hall of Fame Little Willie John in der Rock and Roll Hall of Fame