Liveübertragung

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Satellitensendewagen von RTL Television
Kameramann

Eine Liveübertragung oder auch Direktübertragung ist die Bezeichnung für eine Übertragungstechnik, die auf dem Prinzip der Echtzeit beruht. Bei der Liveübertragung werden Ton- und/oder Bildaufnahmen unmittelbar an eine Sendezentrale weitergeleitet, die diese Aufnahmen wiederum unmittelbar in das (eigene) Hörfunk- oder Fernsehprogramm einbindet. Die Aufnahme erfolgt in einem Studio oder an einem auswärtigen Aufnahmeort aus. Bei einer sogenannten Schalte oder Live-Schalte wird ein Reporter in ein Sendestudio live zugeschaltet, der vom Ort des Geschehens berichtet. Insbesondere in Nachrichtensendungen werden so die Beiträge der Redakteure zur aktuellen Berichterstattung ergänzt.[1]

Hintergründe[Bearbeiten]

Liveübertragungen dienen vor allem zur aktuellen Berichterstattung, die im stark umkämpften Wettbewerb unter den Medienunternehmen unabdingbar ist. Liveübertragungen können bei einer Panne bei der Darstellung (Versprecher, verpasster Auftritt) nicht neu gedreht werden, da die Aufnahme bereits gesendet wurde. Liveaufnahmen aus Fernsehstudios müssen daher meist geprobt und sorgfältig geplant werden, um Fehler in der späteren Aufnahme zu vermeiden. Beim Außendreh werden vor Ort mobile Fahrzeuge mit eigener Misch- und Sendeanlage eingesetzt, Übertragungswagen und Generatorenfahrzeuge. Die Liveübertragung ist bei großen Veranstaltungen wie Fußballspielen, Fernsehshows oder auch Korrespondentenbeiträgen üblich. Damit eine Live-Sendung als solche gekennzeichnet sein darf, darf sich zwischen dem Originalbild und dem Übertragungsbild eine maximale Verschiebung von 100 Sekunden befinden.

Walter Bruch hinter der „Olympia-Kanone“

Geschichte[Bearbeiten]

Seit dem 22. März 1935 wurden in Deutschland durch den Fernsehsender Paul Nipkow (Berlin) erste regelmäßige Fernsehprogramme live ausgestrahlt. Als weltweit bekannter Meilenstein dieser Liveübertragungen und erstes direkt gesendetes Sportgroßereignis gelten die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin, für deren vor-Ort-Übertragung ein großer technischer Aufwand betrieben wurde (siehe Olympische Sommerspiele 1936 – Berichterstattung).

Am 26. Dezember 1952, und damit nur einen Tag nach Aufnahme des täglichen Sendebetriebs des NWDR, wurde mit der DFB-Pokal-Partie des FC St. Pauli gegen die Sportfreunde Hamborn 07 im Hamburger Millerntor-Stadion das erste Fußballspiel in der Geschichte des deutschen Fernsehens direkt übertragen.

Liveübertragung von der UEFA Euro 2008

Zeitverzögerungen[Bearbeiten]

Technische Zeitverzögerung[Bearbeiten]

Wird eine Sendung direkt live übertragen, so braucht das Sendesignal eine kurze Zeit, bis das Bild auf dem Fernseher erscheint. Die Verzögerung variiert je nach Empfangsart. Das Analogsignal ist am schnellsten, am längsten dauert es bei einem digitalen Satellitenempfang. Wird ein Ereignis in HD übertragen, so entsteht durch Umwandlung und größere Datenmengen eine weitere Verzögerung. Die Verzögerungen können je nach Empfangsart deutlich unterschiedlich sein, so gab es bei Fußballgroßveranstaltungen Meldungen, dass Zuschauer in der Nachbarschaft (z. B. auch in einem Gastronomiebetrieb) bereits über ein Tor jubelten, welches man selber noch nicht auf dem Bildschirm hatte und erst mehrere Sekunden später fällt.

Beabsichtigte Zeitverzögerung[Bearbeiten]

In den USA werden grundsätzlich Liveübertagungen im Fernsehen mit einer Verzögerung von meist etwa fünf Sekunden gesendet, um den Verantwortlichen die Möglichkeit zu geben, ggf. die Ausstrahlung der Sendung abzubrechen, sollte Unvorhergesehenes eintreten, das nicht ihrem Konzept entspricht. Diese Verzögerung wurde als Reaktion auf Nipplegate eingeführt.

In Russland gibt es das ebenfalls, so wurde bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi den russischen Zuschauern nicht gezeigt, wie einer der fünf olympischen Ringe aus einer Schneeflocke wegen einer technischen Panne nicht aufging, stattdessen wurde ein Bild aus der Probe gezeigt. Man wollte so den Menschen eine perfekte Show zeigen.[2] Bei der Abschlussfeier dürften daher die russischen Zuschauer den Gag nicht verstanden haben, dass eine Gruppe Kinder zunächst einen Ring als geschlossene Schneeflocke bildeten und erst später sich zum fünften Ring formten.[3]

Variationen[Bearbeiten]

  • Live on tape ist die ungeschnittene oder nur unwesentlich geschnittene Aufzeichnung einer Live-Sendung, die wegen sendezeitlicher Aspekte erst später ausgestrahlt wird. Gründe hierfür sind beispielsweise die Ausnutzung der Studiokapazitäten am Nachmittag und die Ausstrahlung am Abend zur besseren Sendezeit. Gemeinhin versteht man darunter auch geschnittene und bearbeitete Aufzeichnungen, die den Eindruck einer Live-Sendung vermitteln sollen.
  • Beim verzögerten Live oder Delayed Live wird die Sendung technisch um einen sehr kurzen Zeitraum im Sekundenbereich verzögert. Die Aktualität der Sendung ist gegeben, aber die Regie kann die Übertragung dramatischer Fehler unterbinden oder Zensur ausüben, wie beispielsweise bei der Oscar-Verleihung üblich. In Übertragungen von der Fußball-Europameisterschaft 2012 wurden seitens der Bildregie der UEFA vor einem Spielbeginn erstellte Aufnahmen in die laufende Übertragung eingefügt[4], ohne auf die Einfügung hinzuweisen.[5] Der Deutsche Journalisten-Verband bezeichnete diesen Vorgang als „Manipulation der Fernsehbilder“.[5]
  • Re-live hat eine Zeitversetzung von mehreren Stunden, findet aber noch am gleichen Tag statt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Muckenhaupt: Fernsehnachrichten gestern und heute. Narr, Tübingen 2000, ISBN 3-8233-5214-8, S. 136.
  2. Olympia 2014 in Sotschi: Russisches TV zensiert Eröffnungs-Panne Website Stern.de. Abgerufen am 16. März 2014.
  3. Olympische WInterspiele sind zu Ende Website Frankfurter Rundschau. Abgerufen am 16. März 2014
  4. Uefa zeigt falsche Tränen nach Balotelli-Tor. Website Spiegel Online. Abgerufen am 30. Juni 2012.
  5. a b EM 2012: Joachim Löws Balljungen-Affäre - SPIEGEL ONLINE. Website Spiegel Online. Abgerufen am 30. Juni 2012.

Siehe auch[Bearbeiten]