Livistona

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Livistona
Livistona australis, Illustration

Livistona australis, Illustration

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Palmenartige (Arecales)
Familie: Palmengewächse (Arecaceae)
Gattung: Livistona
Wissenschaftlicher Name
Livistona
R.Br.

Livistona ist eine vorwiegend in Südostasien und Australien heimische Palmengattung. Etliche Arten werden als Zierpflanzen angepflanzt. Aus den Blättern werden Dächer und Regenschirme gefertigt, aus den Fasern Seile und Tuch. Das Holz der Stämme wird ebenfalls genutzt.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Vertreter sind meist große, einzelstämmige Fächerpalmen. Es gibt aber auch einige zwergwüchsige Arten. Sie sind bewehrt oder unbewehrt. Sie sind meist zwittrig, selten diözisch, immer jedoch mehrmals blühend. Der Stamm ist aufrecht und anfangs durch die dauerhaften Blattscheiden verdeckt. Später wird der Stamm kahl oder bleibt mit den Blattbasen bedeckt. Die Blattnarben sind ringförmig.

Die Chromosomenzahl ist 2n=36.

Blätter[Bearbeiten]

Die Blätter sind induplicat und fächerförmig (palmat) oder costapalmat. Sie verbleiben nach dem Absterben auf der Pflanze (Marzeszenz) oder fallen unter den eigenen Gewicht ab. Manchmal bildet sich ein "Kleid" aus toten Blättern aus. Die Blattscheide zerfällt in eine auffällige, häufig stoffartige rötlich-braune Masse von breiten und feinen Fasern. Der Blattstiel ist gut ausgebildet, an der Oberseite gefurcht oder flach, an der Unterseite rundlich oder eckig. An der Basis ist der Stiel manchmal erweitert oder auch zwiebelartig verdickt. Die Ränder des Blattstiels können mit unauffälligen bis massiven waagrechten Stacheln oder Zähnen besetzt sein. Die adaxiale Hastula ist deutlich ausgeprägt, die abaxiale kaum bis gar nicht.

Die Blattspreite ist entlang der adaxialen Rippen auf unterschiedliche Tiefe zerteilt, wodurch einfach gefaltete, seltener mehrfach gefaltete Segmente entstehen. Die Segmente sind entlang der abaxialen Falten auf kurze bis lange Distanz weiter geteilt. Die adaxialen Risse reichen selten fast bis zur Hastula oder der Costa, in diesem Fall sind die Segmente stets einfach gefaltet und sehr schmal. Die Segmente sind steif bis hängend. Entlang der Rippe sitzt zerstreut Behaarung, an der Unterseite befindet sich manchmal Wachs, noch seltener an beiden Blattseiten. Die Mittelrippen sind deutlich sichtbar.

Blütenstand von Livistona chinensis

Blütenstände[Bearbeiten]

Die Blütenstände stehen einzeln zwischen den Blättern (interfoliar) und sind bis zu fünffach verzweigt. Manchmal teilt sich der Blütenstand am Grund in drei Äste auf, sodass drei "Blütenstände" in einem gemeinsamen Vorblatt stehen, wobei dann jeder Teil auch noch ein eigenes Vorblatt besitzt (etwa bei Livistona rotundifolia). Der Blütenstandsstiel ist lange. Das Vorblatt ist zweikielig, röhrig, mit eng anliegender Scheide, und kann mit verschiedenartiger Behaarung besetzt sein. Am Stiel sind ein bis wenige Hochblätter vorhanden. Diese sind röhrig und ähneln dem Vorblatt. Die Blütenstandsachse ist meist länger als der Stiel. Ihre Hochblätter sind unterschiedlich mit Indument behaart, jedes trägt einen Seitenzweig erster Ordnung. Die Hochblätter der Seitenachsen höherer Ordnung sind meist unauffällig. Die blütentragenden Achsen (Rachillae) sind aufrecht, hängend oder abstehend, kahl oder behaart, meist zahlreich. Sie tragen die Blüten in spiraliger Anordnung. Diese stehen einzeln oder in Wickeln von bis zu fünf Blüten. Sie sind sitzend oder stehen an niedrigen Erhebungen oder an schlanken Stielen. Jede Gruppe steht in der Achsel eines kleinen Hochblattes, jede Blüte besitzt eine winzige Brakteole.

Blüten[Bearbeiten]

Die Blüten der meisten Vertreter sind zwittrig. Sie sind klein bis sehr klein und meist cremefarben. Der Kelch bildet häufig mit dem Receptaculum einen kurzen, breiten Stiel. Der darüber liegende Teil des Kelches ist röhrig und endet schließlich in drei dreieckigen Zipfeln. Dies sind manchmal an der Basis imbricat. Die Krone ist flach, an der Basis röhrig, und endet in drei dreieckigen, valvaten Zipfeln. Die sechs Staubblätter stehen epipetal. Ihre Filamente sind miteinander verwachsen und bilden einen fleischigen Ring, auf dem kurze, schlanke, freie Filamente sthen. Die Antheren sind medifix, rundlich bis länglich und öffnen sich latrors. Das Gynoeceum besteht aus drei Fruchtblättern, diese sind keilförmig, im Bereich der Samenanlagen frei und im distalen Bereich verwachsen, sodass ein gemeinsamer, schlanker Griffel entsteht. An dessen Spitze steht eine punktförmige oder gering dreizipfelige Narbe. Die Samenanlage setzt basal an und ist anatrop.

Bei diözischen Vertretern fehlen entweder die Staubblätter oder das Gynoeceum. Ansonsten gleichen die Blüten den zwittrigen.

Der Pollen ist ellipsoidisch, bisymmetrisch, manchmal auch leicht asymmetrisch. Die Keimöffnung ist ein distaler Sulcus.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Fruchtstand von Livistona chinensis, Detail

Die Früchte entwickeln sich meist aus nur einem Fruchtblatt. Sie sind kugelib bis eiförmig, birnenförmig oder ellipsoidisch; klein bis mittelgroß, und von unterschiedlicher Farbe: grün, scharlach, blaugrün, blauschwarz, schwarz oder dunkelbraun. Die Narbenreste stehen apikal, sterile Fruchtblätter basal. Das Exokarp ist glatt, stumpf oder glänzend, häufig mit einem Wachsüberzug. Das Mesokarp ist dünn oder dick, fleischig oder trocken, etwas faserig, und lässt sich meist leicht vom knochigen oder holzigen Endokarp ablösen. Der Samen ist ellipsoidisch oder kugelig, ist basal befestigt. Das Hilum ist kreisförmig oder eher länglich. Es gibt wenige oder keine Raphenäste. Das Endosperm ist homogen. Der Embryo sitzt lateral.

Verbreitung und Standorte[Bearbeiten]

Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Südostasien. Die Nordgrenze erstreckt sich vom Himalaya bis zu den Ryukyu-Inseln. Nach Süden umfasst es Indochina und Malesien und reicht bis Neuguinea, den Salomonen und Australien. Eine Art, Livistonia carinensis, kommt am Horn von Afrika und in Arabien vor.

Die Arten besiedeln sehr unterschiedliche Standorte: Süßwasser und Sumpfwälder (Livistona saria), Bergwälder (Livistona tahanensis und jenkinsiana), Unterwuchs tropischer Regenwälder (Livistona exigua), trockene Savannen-Gehölze (Livistona humilis und lorophylla), Schluchtböden in Wüsten mit durchgehender Wasserversorgung (Livistona mariae und australis), und subtropische Wälder (etwa Livistona rotundifolia). Viele Arten wachsen in Gruppen.

Livistona mariae im Palm Valley, Northern Territory, Australien
Livistona nitida beim Lake Murphy in Queensland

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Livistona R.Br. wird innerhalb der Familie Arecaceae in die Unterfamilie Coryphoideae, Tribus Trachycarpeae, Subtribus Livistoninae gestellt. Die Monophylie der Gattung wurde noch nicht untersucht. Livistona ist wahrscheinlich die Schwestergruppe der übrigen Vertreter der Livistoninae.

In der World Checklist of Selected Plant Families der Royal Botanic Gardens, Kew, werden folgende Arten anerkannt:[1]

Livistona wurde von Robert Brown 1810 erstbeschrieben, Typusart (Lectotypus) ist Livistona humilis. Der Gattungsname ehrt Patrick Murray, Baron Livingstone, der im späten 17. Jahrhundert in Livingstone westlich von Edinburgh einen Garten auf seinem Besitz angelegt hatte.

Die in australischen Outbacks endemische Livistona mariae ist genetisch nahezu identisch mit Livistona rigida und erst seit 9000 bis 31.000 Jahren von letzterer genetisch isoliert, was 2012 zu der Vermutung Anlass gab, dass Samen von außerhalb Australiens durch zuwandernde Aborigines nach Australien mitgebracht wurden;[2] es handele sich demnach um eine einzige Art.

Belege[Bearbeiten]

  • John Dransfield, Natalie W. Uhl, Conny B. Asmussen, William J. Baker, Madeline M. Harley, Carl E. Lewis: Genera Palmarum. The Evolution and Classification of Palms. Zweite Auflage, Royal Botanic Gardens, Kew 2008, ISBN 978-1-84246-182-2, S. 260-263.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Livistona in der World Checklist of Selected Plant Families, abgerufen am 11. März 2012.
  2. Toshiaki Kondo et al.: Not an ancient relic: the endemic Livistona palms of arid central Australia could have been introduced by humans. In: Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung vom 7. März 2012, doi:10.1098/rspb.2012.0103

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Livistona – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien