Liz Mohn

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Elisabeth „Liz“ Mohn geb. Beckmann (* 21. Juni 1941 in Wiedenbrück) ist Aufsichtsratsmitglied der Bertelsmann SE & Co. KGaA und Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.

Leben[Bearbeiten]

Zunächst begann Liz Mohn eine Ausbildung als Zahnarzthelferin.[1] Später arbeitete sie als Telefonistin im Bertelsmann-Konzern, bevor sie eine der Geliebten Reinhard Mohns wurde. 1963 ging sie eine Scheinehe mit dem Bertelsmann-Kinderbuchlektor Joachim Scholz ein und wurde erst 1982 bis zu seinem Tod Mohns zweite Ehefrau.[2] Reinhard und Liz Mohn haben drei gemeinsame Kinder, die lange Zeit Joachim Scholz zugeschrieben wurden: Brigitte Mohn, Christoph Mohn und Andreas Mohn.[2]

Während sich Reinhard Mohn bis zu seinem Tod 2009 langsam aus dem aktiven Geschäftsleben zurückzog, wuchs Liz Mohn eine immer wichtigere Rolle in der Gesellschafterversammlung der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) und der Bertelsmann Stiftung zu, die 77,6 % des Aktienkapitals der Bertelsmann SE & Co. KGaA kontrolliert. Im Vorstand der Bertelsmann Stiftung verantwortet sie offiziell den Bereich Kultur. Der Tagesspiegel kritisiert, dass Liz Mohn tatsächlich sowohl in der Bertelsmann Stiftung, als auch in der Bertelsmann AG „das Sagen habe“ und ihre daraus entstehende Macht nutze, um die Politik nach ihren Vorstellungen zu beeinflussen.[3] Nach dem Tod ihres Mannes im Oktober 2009 könnte Liz Mohn nach Angaben von Bertelsmann-Aufsichtsratschef Gunter Thielen ihren Einfluss im Unternehmen weiter ausbauen, da sie entsprechend der Nachfolgeregelung ihres Mannes bis zum Alter von 75 Jahren Vorsitzende der BVG und Sprecherin der Familie bleiben soll und zudem die Vetorechte von Reinhard Mohn auf Liz Mohn übertragen wurden.[4]

Weiterhin ist Liz Mohn Gründerin und Präsidentin der 1993 entstandenen „Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe“, die sich mit Prävention und Früherkennung von Schlaganfällen sowie der Behandlung und Rehabilitation Betroffener durch Aufklärung und Verbesserung diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten beschäftigt. Auslöser dafür war, dass ihr jüngster Sohn Andreas im Alter von 15 Jahren eine vorübergehende halbseitige Lähmung erlitt und sie sich daher damals zum ersten Mal mit dem Thema „Schlaganfall“ auseinandersetzte.

2008 ließ sie über die Bertelsmann Stiftung die Studie „Null Bock auf Familie? Der schwierige Weg junger Männer in die Vaterschaft“ veröffentlichen, die von ihr mit den Worten "Die Gesellschaft braucht neue Väter, keine zweiten Mütter" kommentiert wird.

Liz Mohn sprach sich 2004 für Angela Merkel als Kanzlerin aus, mit der sie in Freundschaft verbunden ist und für die sie öffentlich warb.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

„Lavendelgarten in honorem Liz Mohn“ im Botanischen Garten Gütersloh

1996 erhielt Liz Mohn den Europäischer Stifterpreis für Kultur-Mäzene und im selben Jahr das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse sowie den Charity-Bambi. Der Club of Rome nahm sie 1999 als erstes weibliches Mitglied aus Deutschland auf. 2003 wurde sie mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet. Die Universität Tel Aviv verlieh ihr 2006 die Ehrendoktorwürde.[6] 2009 bekam sie als erste Frau den Karl-Winnacker-Preis (Marburg) verliehen. 2010 wurde sie mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und erhielt die "Goldmedaille der Balearen" für den Aufbau der Bibliothek Can Torró in Alcúdia und ihr Engagement für die Leseförderung in Spanien.

2010 erhielt Liz Mohn vom Kieler Institut für Weltwirtschaft den Weltwirtschaftlichen Preis, der Vordenkern einer weltoffenen marktwirtschaftlichen Gesellschaft, die auch die soziale Gerechtigkeit berücksichtigen, verliehen wird. Im selben Jahr wurde Liz Mohn für ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen, und sie erhielt die „Goldene Victoria für Integration“ der vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) gegründeten Deutschlandstiftung Integration.

2011 gab die Bertelsmann Stiftung anlässlich des 70. Geburtstags von Liz Mohn bekannt, die Erweiterung des Botanischen Gartens Gütersloh um einen 785 m² großen Lavendelgarten zu finanzieren. Der „Lavendelgarten in honorem Liz Mohn“ wurde am 29. Juni (dem Geburtstag Reinhard Mohns) 2012 eingeweiht.

2013 erhielt sie für ihr „25-jähriges Engagement zur Förderung des musikalischen Lebens in der Stadt Gütersloh“ einen Ehrenpreis der Kulturräume Gütersloh. Im Theater Gütersloh wurde eine Säule mit einem von Andreas Maschmann aus Bielefeld gestalteten Edelstahl-Notenschlüssel in Acryl aufgestellt. Im selben Jahr erhielt sie für ihre Verdienste um den deutsch-französischen Dialog den Orden der französischen Ehrenlegion. Botschafter Maurice Gourdault-Montagne überreichte ihr die Insignien eines Offiziers der Ehrenlegion.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Schuler: Die Mohns - Vom Provinzbuchhändler zum Weltkonzern. Die Familie hinter Bertelsmann. Campus Verlag, 2004, ISBN 3593373076
  • Ulrich Viehöver: Die EinflussReichen: Henkel, Otto und Co - wer in Deutschland Geld und Macht hat. Kapitel 8 (S. 169 - 191): Mohn - Die Gutmenschen aus Gütersloh. campus sachbuch 2006. Auszug

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liz Mohn: "Liebe öffnet Herzen", S. 25
  2. a b [1] Focus-online: Konzerne: „Reinhard kann jetzt nicht“, abgerufen am 23. Juni 2009
  3. [2] Der Tagesspiegel: Macht ohne Mandat, abgerufen am 23. Juni 2009
  4. FAZ: Liz Mohn übernimmt Hoheit bei Bertelsmann vom 9. Oktober 2009
  5. [3] Focus: Merkel-Lobeshymne: Liz Mohn kopiert sich selbst
  6. Ehrendoktoren der Universität Tel Aviv