Ljublino (Kaliningrad)

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Siedlung
Lujublino/Seerappen,
auch: Korniten

Люблино
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Stadtkreis Swetly
Gegründet 1400 (Seerappen),
1405 (Korniten)
Frühere Namen Seraphin (nach 1400),
Zerappe (um 1500),
Saurappen (Um 1525),
Suerappen (nach 1542),
Serappen (nach 1820),
Seerappen (bis 1946);
Karhithen (nach 1405),
Carnitten (um 1539),
Cornitten (nach 1785),
Kornieten (nach 1820),
Cornieten (um 1900),
Korniten (bis 1946)
Bevölkerung 1606 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40152
Postleitzahl 238347
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 425 000 003
Geographische Lage
Koordinaten 54° 45′ N, 20° 17′ O54.74361111111120.287777777778Koordinaten: 54° 44′ 37″ N, 20° 17′ 16″ O
Ljublino (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Ljublino (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Ljublino (russisch Люблино, deutsch Seerappen und Korniten, litauisch Serapai und Karnyčiai) ist der gemeinsame Name zweier ehemals getrennter Ortschaften in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) im Swetlowski gorodskoi okrug (Stadtkreis Swetly (Zimmerbude)).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ljublino liegt 13 Kilometer nordwestlich der Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) und 19 Kilometer nordöstlich von Swetly (Zimmerbude) an einer Nebenstraße, die Kaliningrad mit Tscherepanowo ((Adlig) Powaen) verbindet. Innerorts zweigt eine unwegsame Straße in nordöstliche Richtung nach Kolossowka (Willgaiten) zur Weiterfahrt bis an die Hauptstraße (ehemalige deutsche Reichsstraße 143) von Kaliningrad nach Pereslawskoje (Drugehnen) ab. Nicht ganz zwei Kilometer südlich des Ortes liegt die Bahnstation „Ljublijno-Nowoje“ an der Bahnstrecke Kaliningrad–Baltijsk (Königsberg–Pillau), der ehemaligen Ostpreußischen Südbahn.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1945[Bearbeiten]

Korniten[Bearbeiten]

Das kleine bis 1946 Korniten[2] genannte Gutsdorf lag weniger als einen Kilometer vom Nachbarort Seerappen entfernt. Im Jahre 1405 wurde der Ort gegründet und kam 1874 in den neu errichteten Amtsbezirk Rogehnen[3] (der Ort existiert nicht mehr). Dieser lag im Landkreis Fischhausen im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1910 zählte Korniten 112 Einwohner[4]. Am 30. September 1928 gehörte Korniten zu den drei Gutsbezirken, die sich mit Seerappen zur neuen Landgemeinde Seerappen zusammenschlossen. Der Amtsbezirk Rogehnen wurde 1930 in „Amtsbezirk Seerappen“ umbenannt und gehörte von 1939 bis 1945 zum neu formierten Landkreis Samland. In Kriegsfolge kam Korniten 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt die russische Bezeichnung „Ljublino“.

Seerappen[Bearbeiten]

Das Gründungsdatum des bis 1946 Seerappen[5] genannten Dorfes liegt im Jahre 1400. Im Jahre 1874 wurde der Ort in den neu geschaffenen Amtsbezirk Rogehnen[6] innerhalb des Landkreises Fischhausen im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen eingegliedert. Die Zahl der Einwohner belief sich im Jahre 1910 auf 185[7].

Am 30. September 1928 schlossen sich die Gutsbezirke Korniten, Laserkeim und Rogehnen (die beiden letzteren existieren nicht mehr) mit der Landgemeinde Seerappen zur neuen Landgemeinde Seerappen zusammen. Der Amtsbezirk Rogehnen wurde dementsprechend am 18. Mai 1930 in „Amtsbezirk Seerappen“ umbenannt. Die Einwohnerzahl Seerappens stieg bis 1933 auf 891 und betrug 1939 bereits 1.731[8]. Im Jahre 1939 „wechselte“ Seerappen in den neuen, aus den Kreisen Fischhausen und Königsberg zusammengelegten Landkreis Samland. Sechs Jahre später wurde Seerappen mit dem ganzen nördlichen Ostpreußen in Kriegsfolge der Sowjetunion zugeordnet und erhielt die russische Bezeichnung „Ljublino“.

Amtsbezirk Seerappen (1930–1945)[Bearbeiten]

Mit der Umbenennung des Amtsbezirks Rogehnen wurde Seerappen Amtsdorf und blieb es bis zum Jahre 1945. Zum Zeitpunkt der Umbenennung gehörten lediglich noch drei Gemeinden zu dem Amtsbezirk: die Landgemeinden Bärwalde (heute russisch: Wessjolowka), Schorschehnen (Malinowka, nicht mehr existent) und Seerappen (Ljublino).

Luftschiffhafen Seerappen (1915–1917)[Bearbeiten]

Bekannt wurde das ostpreußische Seerappen[9] durch den 1915 erbauten Luftschiffhafen, der auch die Zentrale des Marine-Luftschiffwesens der östlichen Ostsee beherbergte. Hier gab es auf einer Fläche von 7.200 km² eine 50 Meter hohe Halle, die bis zu drei Luftschiffe aufnehmen konnte.

Hier war seit 1917 das Luftschiff LZ 62 stationiert, das als das erfolgreichste Luftschiff im Ersten Weltkrieg galt. Noch im gleichen Jahr jedoch wurde es wieder außer Dienst gestellt, im Jahre 1920 zerlegt und als Reparationsleistung nach Belgien überstellt. Teile davon sind im Musée de L'Air in Brüssel zu sehen.

Fliegerhorst Seerappen (1920–1945)[Bearbeiten]

Die leerstehenden Gebäude und Gelände des Luftschiffhafens wurden als Fliegerhorst genutzt, von wo aus am 28. Dezember 1920 der Flugbetrieb zwischen Königsberg und Berlin aufgenommen wurde.

KZ-Außenarbeitslager Seerappen (bis 1945)[Bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus hatte Seerappen auch eine unrühmliche Bedeutung, befand sich hier doch eines der 39 Außenarbeitslager des Konzentrationslagers Stutthof (heute polnisch: Sztutowo östlich von Danzig). Hier waren jüdische Häftlinge untergebracht. Überlebende des Lagers wurden mit anderen Leidensgenossen im Massaker von Palmnicken 1945 über Königsberg (Preußen) in die eiskalte Ostsee bei Palmnicken (heute russisch: Jantarny) getrieben und erschossen.

Seit 1946: Ljublino[Bearbeiten]

Die beiden Orte Korniten und Seerappen erhielten 1946 die gemeinsame russische Bezeichnung „Ljublino“. 1947 wurde der so vereinte Ort in den neu geschaffenen Rajon Selenogradsk (Kreis Cranz) überführt und war dann eine zweigeteilte Ortschaft innerhalb des Pereslawski selski sowjet (Dorfsowjet Pereslawskoje (Drugehnen)). Heute ist Ljublino aufgrund einer Struktur- und Verwaltungsreform[10] mit seinen 1606 Einwohnern (Stand: 14. Oktober 2010[1]) eine als „Siedlung“ (russisch possjolok) eingestufte Ortschaft innerhalb des Swetlowski gorodskoi okrug (Stadtkreis Swetly (Zimmerbude)).

Kirche[Bearbeiten]

Mit ihrer überwiegend evangelischen Bevölkerung waren Korniten und Seerappen vor 1945 in das Kirchspiel der Kirche in Wargen (russisch: Kotelnikowo) eingepfarrt. Es gehörte zum Kirchenkreis Fischhausen (Primorsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Ljublino im Einzugsbereich der evangelisch-lutherischen Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad[11] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. D. Kange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Korniten
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Rogehnen/Seerappen
  4. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Fischhausen
  5. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Seerappen
  6. Rolf Jehke, Amtsbezirk Rogehnen/Seerappen (wie oben)
  7. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Fischhausen (wie oben)
  8. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Samland
  9. Umgebung von Großheidekrug: Ljublino - Seerappen, Kobbelbude, Kaporner Heide bei ostpreussen.net
  10. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 423 vom 11. Oktober 2004, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  11. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad

Weblinks[Bearbeiten]