Ljudmila Jewgenjewna Ulizkaja

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Ljudmila Ulizkaja im März 2014 beim Antikriegs-Kongress in Moskau

Ljudmila Jewgenjewna Ulizkaja (russisch Людмила Евгеньевна Улицкая, wiss. Transliteration Ljudmila Evgen'evna Ulickaja, in Deutschland auch in der Schreibung Ulitzkaja; * 23. Februar 1943 in Dawlekanowo, Baschkirien) ist eine russische Schriftstellerin, die die russische und die jüdische Erzähltradition mit moderner Erzählkunst zusammenführt.[1]

Leben[Bearbeiten]

Ljudmila Ulizkaja wuchs ab Ende 1943 in Moskau in einer judischen Familie auf. Sie absolvierte ein Biologiestudium an der Lomonossow-Universität mit einem Abschluss in Genetik und arbeitete ab 1967 als Genetikerin am Akademie-Institut in Moskau, wurde aber wegen der illegalen Abschrift und Verbreitung von Samisdat-Literatur entlassen. Danach war sie zwei Jahre am Jüdischen Kammermusiktheater als literarische Beraterin tätig, bevor sie sich als freischaffende Autorin und Publizistin etablieren konnte. 1983 wurde ihr erster Erzählband im Staatlichen Kinderbuchverlag veröffentlicht. Mit der Veröffentlichung von Sonetschka (1992) wurde Ljudmila Ulizkaja als Prosaautorin entdeckt; im selben Jahr erschien auch ihre erste Erzählung in Deutschland, wo ihr Werk vor allem in Fernsehsendungen von Elke Heidenreich einem breiteren Publikum bekannt gemacht wurde. Ljudmila Ulizkajas Bücher sind in 17 Sprachen übersetzt worden. Sie lebt und arbeitet in Moskau.

Werk[Bearbeiten]

Ljudmila Ulizkaja im März 2014 beim Antikriegs-Kongress in Moskau

In ihren Erzählungen sind Alltagshelden durch Schicksalsfäden aufs Engste miteinander verbunden. Sie leben in einem Durcheinander aus Leidenschaft und Grausamkeit des Alltags und sie vergraben sich in ihr Leben. Die Schicksalsfäden entwirren sich, wenn die Geschichten vorwärts und rückwärts zergliedert werden. In der Literaturwissenschaft wird versucht, Ulizkajas Werke einem Genre zuzuordnen, was die Autorin kommentiert mit: „sollen sie halt!“[2]

Ulizkaja wird als eine unbestechliche Autorin gewürdigt. Auf eindringliche Weise führe sie die russische und die jüdische Erzähltradition mit moderner Erzählkunst zusammen, so heißt es in der Begründung für die Auszeichnung mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur[1], der jährlich für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines Autors vergeben wird.[3]

In ihrem Roman Daniel Stein (2010) setzte Ulizkaja die historische Vorlage des Lebens von Oswald Rufeisen in Form einer literarischen Collage um. Im Vorwort schreibt Ulizkaja: „Im Buch werden zahlreiche Dokumente zitiert, einige davon habe ich erfunden. Mir war es wichtiger, der literarischen Wahrhaftigkeit zu folgen als der historischen Wahrheit.“[4]

Ljudmila Ulizkaja 2009 als Ehrengast beim 16. Internationalen Bücher festival, Millenáris, Budapest

Werke[Bearbeiten]

  • 1992: Сонечка/Sonečka.
    • deutsch: Sonetschka: eine Erzählung. Berlin 1992.
  • 1996: Медея и ее дети/Medeja i eë deti.
    • deutsch: Medea und ihre Kinder. Berlin 1997.
  • 1998: Веселые похороны/Vesëlyje pochorony.
    • deutsch: Ein fröhliches Begräbnis. Berlin 1998.
  • 2000: Казус Кукоцкого/Kazus Kukockovo. EKSMO, Moskau
  • 2003: Сквозная линия/Skvoznaja linija.
    • deutsch: Die Lügen der Frauen. München/ Wien 2003.
  • 2003: Детство сорок девять/Detstvo sorok devjať.
    • deutsch: Ein glücklicher Zufall und andere Kindergeschichten. München/Wien 2005.
  • 2004: Искренне Ваш Шурик/Iskrenne Vaš Šurik.
    • deutsch: Ergebenst, euer Schurik. München/Wien 2005.
  • 2006: Даниэль Штайн, переводчик/Daniėľ Štajn, perevodčik.
    • deutsch: Daniel Stein. München 2009.
  • 2010: Зеленый шатер/Zelënyj šatër
    • deutsch: Das grüne Zelt. München 2012.
  • „Meine Geschichte. Meine Geschichten.“ In: Ljudmila Ulitzkaja „Ich kann Politik überhaupt nicht leiden, aber die Situation zwingt mich dazu, politisch zu sein.“ = Xing – ein Kulturmagazin, Heft 23, 2012
  • Kleinbürger-Ameisen und Libellen der Bohème. Deutsch von Ganna-Maria Braungardt, in: Süddeutsche Zeitung, 23. Februar 2013, S. 17 (Autobiografischer Text über ihre familiäre Herkunft)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Rezensionen und Sekundärliteratur in deutscher und englischer Sprache[Bearbeiten]

Ljudmila Ulizkaja im Februar 2012 am Mikrofon während der Kundgebung auf dem Bolotnaya-Platz in Moskau

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Österreichischer Staatspreis für Ljudmila Ulitzkaja, derstandard.at, 23. April 2014
  2. a b Manuel Schilcher & Bernhard Seyringer: Editorial, In: Ljudmila Ulitzkaja. „Ich kann Politik überhaupt nicht leiden, aber die Situation zwingt mich dazu, politisch zu sein.“ = Xing – ein Kulturmagazin, Heft 23, 2012
  3. Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur, abgerufen am 24. April 2014
  4. Ljudmila Ulitzkaja: Daniel Stein. Roman. Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungart. Hanser, München 2009, ISBN 978-3-446-23279-2, Seite 7.
  5. Daniel Stein, Interpreter, by Ludmila Ulitskaya, Complete Review

Weblinks[Bearbeiten]