Ljudmila Michailowna Alexejewa

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Ljudmila Michailowna Alexejewa

Ljudmila Michailowna Alexejewa (russisch Людми́ла Миха́йловна Алексе́ева, wiss. Transliteration Ljudmila Michajlovna Alekseeva; * 20. Juli 1927 in Jewpatorija auf der Krim-Halbinsel) ist eine russische Historikerin, Menschenrechtsaktivistin und ehemalige sowjetische Dissidentin.

Sie war 1976 Gründungsmitglied der Moskauer Helsinki-Gruppe und ist seit dessen Gründung im Jahre 2004 Mitglied im Menschenrechtsrat beim russischen Präsidenten.

Leben[Bearbeiten]

Sowjetische Periode[Bearbeiten]

Ljudmila Alexejewa wurde am 20. Juli 1927 in der Sowjetunion in Jewpatorija auf der heute ukrainischen Krim-Halbinsel geboren. Während ihrer Kindheit zog die Familie nach Moskau, wo sie zunächst im Vorort Ostankino in einer schlichten Hütte wohnte, bis die Familie 1937 ins Zentrum von Moskau ziehen konnte. Es war eine arme Familie, ihre Eltern erhielten aber in der jungen Sowjetunion die Chance auf eine höhere Ausbildung: Der Vater studierte Ökonomie, die Mutter arbeitete nach einem Mathematik-Studium am Institut für Mathematik der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.

Ljudmila Alexejewa schloss 1950 an der Staatlichen Universität Moskau ein Archäologie-Studium ab und 1956 ein Studium am Moskauer Institut für Volkswirtschaftslehre und Statistik. 1952 trat sie der Kommunistischen Partei der UdSSR bei.

Von 1959 bis 1968 arbeitete Ljudmila Alexejewa als Wissenschafts-Redakteurin im sowjetischen Nauka-Verlag. In dieser Zeit gehörte Ljudmila Alexejewa zu jenen sowjetischen Dissidenten, welche Petitionen für verfolgte Dissidenten wie Alexander Ginzburg und Yuri Galanskov unterzeichnete. Im April 1968 wurde sie aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und vom staatlichen Nauka-Verlag entlassen.

Sie fand von 1970 bis 1977 eine neue Tätigkeit am staatlichen Institut für wissenschaftliche Informationen über Soziale Wissenschaften der UdSSR, wandte sich aber desillusioniert von der sowjetischen Ideologie ab und entschloss sich, auf eine sichere Karriere als Wissenschaftlerin zu verzichten. In dieser Zeit wurde sie zur aktiven Menschenrechtsaktivistin.

Im Frühjahr 1976 war Ljudmila Alexejewa ein Gründungsmitglied der Moskauer Helsinki-Gruppe, die sich für die Einhaltung der Schlussakte von Helsinki durch die Sowjetunion und andere Ostblock-Staaten einsetzte. In der Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hatten sich die Staaten beiderseits des Eisernen Vorhangs unter anderem zur Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten verpflichtet. Sie wurde die Redakteurin und Archivarin dieser Menschenrechtsorganisation und ihre Wohnung war lange Zeit das inoffizielle Büro der Moskauer Helsinki-Gruppe.

Emigration[Bearbeiten]

Im Februar 1977 wurde Ljudmila Alexejewa unter Androhung der Festnahme gezwungen, die Sowjetunion zu verlassen. Sie zog in die Vereinigten Staaten und gründete dort eine Art Auslandsbüro der Moskauer Helsinki-Gruppe und schrieb regelmäßig über die sowjetische Dissidenten-Bewegung.

1985 veröffentlichte sie die erste umfassende Monographie über die Geschichte der sowjetischen Dissidenten[1], 1990 eine Autobiographie über die sowjetische Dissidentenbewegung mit dem Titel Die Tauwetter-Generation.[2]

Daneben arbeitete Ljudmila Alexejewa als Journalistin für Radio Liberty und Voice of America.

Rückkehr nach Russland[Bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kehrte Ljudmila Alexejewa 1993 nach Russland zurück und wurde 1996 zur Vorsitzende der Moskauer Helsinki-Gruppe gewählt, seit dessen Gründung im Jahre 2004 ist sie Mitglied im Menschenrechtsrat beim russischen Präsidenten.

Sie gehörte in den letzten Jahren zu den schärfsten Kritikern der Menschenrechtspolitik der Regierung, insbesondere im Nordkaukasus.

Seit Herbst 2009 steht Ljudmila Alexejewa an der Spitze der so genannten Strategie 31, einem institutionalisierten friedlichen Strassenprotest zur Erinnerung an den Paragrafen 31 der russischen Verfassung, der die Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit gewährt.

Sie lebt in Moskau.

Ehrungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ljudmila Michailowna Alexejewa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ljudmila Alexejewa: Soviet Dissent: Contemporary Movements for National, Religious, and Human Rights. Wesleyan University Press, 1977, ISBN 0-8195-6176-2.
  2. Ljudmila Alexejewa: The Thaw Generation: Coming of Age in the Post-Stalin Era. University of Pittsburgh Press, 1990, ISBN 0-8229-5911-9.